Federelemente sind am Mountainbike allgegenwärtig und haben auch am Alltags-, Lasten- oder Reiserad einen festen Platz. Kaum ein E-Bike kommt heute ohne Federgabel. Im Sommer und im Winter braucht diese Technik Pflege und Wartung.
So sehr die regelmäßige Pflege der Kette für viele Radfahrer:innen eine Selbstverständlichkeit ist, so sehr vernachlässigen sie ihre Federelemente, obwohl deren Pflege noch viel einfacher zu bewerkstelligen ist.
Reinigung und Vorbereitung
Sand, Straßendreck und Streusalz - das alles setzt sich mit der Zeit am Fahrrad fest. Bei nahezu allen Federelementen auf dem Fahrradmarkt bewegen sich Gleitflächen gegeneinander. Am augenfälligsten ist das bei einer Federgabel, deren Tauchrohre über die Standrohre gleiten und so Fahrbahnunebenheiten ausgleichen.
„Dreck auf den Gleitflächen erhöht die Reibung des Materials und verschlechtert die Funktion“, erklärt Carsten Wollenhaupt, Fahrwerks-Experte beim Federungsspezialisten Rock Shox. „Grobe und anhaftende Verschmutzung kann sogar die Dichtungen beschädigen, die das Innenleben der Federung schützen“, so Wollenhaupt weiter.
Der erste und einfachste Tipp ist also, regelmäßig die Gleitflächen der Federung mit lauwarmem Wasser und einem weichen, fusselfreien Tuch zu reinigen. Gerade wer sein Rad auch im Winter nutzt oder an der Küste wohnt, sollte das regelmäßig tun, denn Salz greift die Gleitflächen extrem an.
Für hartnäckigere Verschmutzungen empfehlen sich spezielle Reinigungsmittel, die es im Fahrradhandel zu kaufen gibt (z. B. Muc-Off „Nanotech Bike Cleaner“, 14,95 Euro/1 l).
Was man vermeiden sollte
Aus demselben Grund rät Wollenhaupt dringend davon ab, das bei Radlern für seine Vielseitigkeit geschätzte Kriechöl zur Reinigung und Schmierung der Federelemente zu verwenden. „Kriechöle können nicht nur Dichtungen beschädigen, sie sind so dünnflüssig, dass sie diese sogar unterwandern und so Schmutz von außen in das Innere der Federung tragen, dort schützende Fettpackungen auflösen und sich mit dem eigentlichen Gabel- oder Dämpferöl vermischen“, warnt Wollenhaupt.
„Zähe Fette sind dazu jedoch ebenso wenig geeignet wie kriechende Öle“, erläutert Daniel Gareus von Cosmic Sports, dem deutschen Vertriebspartner des Schmierstoffspezialisten Brunox. Dessen Allround-Öl „Deo Spray“ (7,99 Euro/100 ml) bietet einen Kompromiss zwischen Reinigungs- und Pflegeeigenschaften und ist durch seine einfache Anwendung vor allem für Pflegemuffel und Gelegenheitsanwender prädestiniert. „Aufsprühen, einfedern, fertig“, freut sich Gareus.
Eigentlich seien hochwertige Federelemente so konstruiert, dass sie sich selbst schmieren. Ein geringer Ölfilm auf den Gleitflächen ist also normal und, anders als beim Auto, kein Grund zur Sorge.
Die richtige Schmierung
Wer dagegen besonders hochwertige Federelemente sein Eigen nennt oder auf ein Maximum an Performance aus ist, wird an dieser Stelle nicht stehen bleiben. Rock Shox etwa bietet eine ganze Reihe verschiedener Öle („High Performance Suspension Fluid“, 6,95 Euro/120 ml) für seine unterschiedlichen Federgabeln und Dämpfer an. „So ist eine optimale Funktion garantiert und negative Effekte durch die Vermischung unterschiedlicher Schmierstoffe ausgeschlossen“, erklärt Wollenhaupt.
Welches Öl für welches Modell das richtige ist, verrät ein kurzer Blick in die Bedienungsanleitung. Wie immer im Umgang mit Schmiermitteln sollte man bei beiden Varianten übrigens darauf achten, das Öl von den Bremsen fernzuhalten.
Alternative Schmiermethoden
- Öl über den Staubabstreifer einfüllen: Wer die Gabel nicht öffnen will, kann auch von außen geringfügig Schmieröl nachfüllen. Aber Vorsicht: Die Beschichtung der Gleitflächen darf nicht verkratzen. Dazu das spitze Ende eines Kabelbinders so weit wie möglich (ca. 2 cm) zwischen den Staubabstreifer und das Standrohr schieben und dann zur Seite drücken. Es entsteht ein kleiner Spalt. In diesen Spalt tröpfeln Sie mit einer Spritze etwas Gabelöl. Problem: Der Schmutz bleibt so in der Gabel.
- MTB auf den Kopf stellen: Wenn ein Bike lange steht, lagert sich das Schmieröl am Boden des Castings ab. Stellt man das Rad über Nacht auf den Kopf, läuft das Schmieröl in der Gabel zu den Staubabstreifern und tränkt die dort liegenden Schaumstoffringe. Befindet sich noch genügend Schmieröl in der Gabel, verbessert sich dadurch kurzfristig das Ansprechverhalten. Jedoch bleibt auch hier der Dreck in der Gabel.
Wartungsintervalle
Auch die besten MTB-Tipps zur Pflege ändern jedoch nichts daran, dass auch Federelemente irgendwann zum Service müssen. Rock Shox etwa empfiehlt für Mountainbikes einen Service mit Öl- und Dichtungswechsel alle einhundert Netto-Betriebsstunden. Für den Durchschnittsnutzer heißt das wahrscheinlich ungefähr einmal im Jahr.
„Wer im Rennbetrieb Sekunden zählt, reagiert naturgemäß empfindlicher auf ein verändertes Federverhalten als der Stadtpendler, der aus Komfortgründen auf eine Federung setzt“, weiß Hobby-Racerin Anja Knaus vom Pedelec-Pionier Flyer, der seit vergangenem Jahr auch auf Vollfederung im Alltagsbereich setzt. „Trotzdem zahlt sich regelmäßige Wartung auch für den Alltagsfahrer durch bessere Funktion und höhere Lebensdauer aus“, ergänzt Knaus.
Wann genau die fällig ist, verrät wieder die Bedienungsanleitung.
DIY oder Werkstatt?
Versierte Schrauber, die selbst Hand anlegen wollen, sollten vor dem Griff ins Werkzeugregal unbedingt die Bedienungsanleitung konsultieren. Bei manchen Anbietern zieht die Eigeninitiative den sofortigen Garantieverlust nach sich.
Wie es anders geht, zeigt Rock Shox. Der Hersteller veröffentlicht Schritt-für-Schritt-Anleitungen mit Explosionszeichnungen und detaillierten Auflistungen der benötigten Werkzeuge, Ersatzteile, Flüssigkeiten usw. und ermutigt seine Kunden damit explizit, sich mit der Technik vertraut zu machen.
Angst, dass die Kunden etwas kaputt machen, hat Rock Shox dabei keine, noch einmal Wollenhaupt: „Schließlich sind unsere Kunden häufig nicht nur ambitionierte Biker, sondern genauso erfahrene Schrauber und Technikfans.“
Wann ist ein großer Federgabel-Service nötig und was enthält er?
Den kleinen Service an der MTB-Federgabel schaffen Hobby-Schrauber mit etwas Übung selbst. Wie oft das nötig ist, hängt von der Fahrleistung ab. Um den großen Service kommt man dadurch aber nicht herum. Wie man erkennt, ob Gabel und Dämpfer überholt werden müssen, und was dabei passiert, erklären die Experten hier.
BIKE: Beim kleinen Gabel-Service tauscht man lediglich das Schmieröl der Gabel aus. Was passiert beim großen Service?
Carsten Wollenhaupt: Da werden zusätzlich alle Dichtungen in der Lufteinheit ersetzt und neu geschmiert. Das Öl in der abgeschlossenen Dämpfungskartusche und der Dichtungskopf der Dämpfung werden ausgetauscht. Außerdem werden, wie beim kleinen Service, das Schmieröl, die Staubdichtungen und die Schaumstoffringe gewechselt. Wir reinigen die Standrohre und befreien sie von alten Fettresten.
Könnte man den großen Service an Gabel und Dämpfer auch zu Hause in der eigenen Werkstatt durchführen?
Die Werkzeuge und Ersatzteile sind frei erhältlich. Man sollte aber schon wissen, was man tut. Beim Dämpfer braucht man außerdem Stickstoff für einen großen Service. Den hat man normal nicht zu Hause. Kurz: Der große Service kann in beiden Fällen selbst vorgenommen werden. Wer das noch nie gemacht hat, dem empfehle ich trotzdem, ein Servicecenter aufzusuchen.
Wie merkt man, dass ein Mountainbike-Fahrwerk in die Werkstatt muss?
Luftverlust, schlechtes Ansprechverhalten (kleiner Service) oder „Schlürf“-Geräusche beim Federn sind sichere Anzeichen dafür, dass sich ein Service lohnt.
Verliere ich die Garantie, wenn ich den kleinen Service an der MTB-Federgabel selbst durchführe?
Nein. Wenn der Service fachgerecht von einem selbst oder von einer Werkstatt durchgeführt wird, bleibt die Herstellergarantie erhalten.
Expertenmeinungen
Statement von Elmar Keineke, Fox Racing Shox:
Bei Motorradfahrern ist regelmäßiger Service eine Selbstverständlichkeit. Unter Bikern ist das komischerweise anders. Dabei verschleißen hier Dichtungen und Öl genauso. Es sprechen gleich zwei Gründe für einen Service alle 125 Stunden oder jährlich: 1. Er garantiert die maximale Performance und mehr Spaß auf dem Trail. 2. Die Werterhaltung der Federelemente.
Statement von Marcus Klausmann, Service-Dienstleister:
Mein Tipp: Gabel und Dämpfer regelmäßig reinigen. Achtung beim Waschen - mit wenig Druck und nie auf die Dichtungen halten. Danach mit einem Tuch die Abstreifringe und Standrohre trockenreiben. Ein paar Tropfen Gabelöl drauf - aber ohne Zusätze wie Teflon etc. Auf den großen Service würde ich dennoch nicht verzichten. Vielfahrer jährlich, sonst alle zwei Jahre.
Statement von Hans-Peter Ettenberger, BIKE-Werkstatt:
Die Herstellerangaben scheinen mir übertrieben. Wie soll ich die Arbeitsstunden der Federelemente zählen? Per Fahrtenbuch? Viel ausschlaggebender sind die Bedingungen. Staub und Matsch strapazieren Buchsen und Dichtungen am meisten. Ich mache nach jeder Saison den kleinen Federgabel-Service selbst. Damit fahre ich gut. Alle drei Jahre schicke ich Gabel und Dämpfer ein.
Anbieter für den großen Service
Hier eine Tabelle mit Anbietern und Preisen für den großen Gabel-Service/Dämpfer-Service (Stand: Februar 2023):
| Anbieter | Preis großer Gabel-Service | Preis Dämpfer-Service |
|---|---|---|
| Anyrace | ab 145 Euro | ab 129 Euro |
| Dämpferklinik | ab 110 Euro | ab 100 Euro |
| Flat Out Suspension | ab 115 Euro | ab 125 Euro |
| Flowfactory | ab 129 Euro | ab 129 Euro |
| Fox Servicecenter | 144 Euro | 122 Euro |
| Klausmann Suspension-Service | ab 135 Euro | ab 129 Euro |
| MRC Trading | ab 129 Euro | ab 129 Euro |
| Rockshox Servicecenter | ca. 130 Euro | ca. 130 Euro |
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