Mountainbike Griffe im Test: Ergonomie, Grip und Komfort

Ergonomie steckt bei Ergon bereits im Namen, kein Wunder also, dass sich die Firma aus Koblenz mit ergonomischen Kontaktpunkten einen Namen gemacht hat. Was die Verbindung von Bike und Körper angeht, hat Ergon so gut wie alles im Programm: von Sätteln über Griffe und Pedale bis zu Handschuhen und Einlegesohlen. Die GDH Team-Griffe sind die neueste Ergänzung zum Line-up und richten sich vor allem an Gravity-Mountainbiker.

Mountainbike-Griffe sollen dem Fahrer den besten Halt bieten und keine Schmerzen an der Hand verursachen. Auf der Suche nach einem neuen Griff für sein Mountainbike stellt sich vielleicht die Frage, ob die Neuen klassisch rund oder doch ergonomisch sein sollen, sowie aus welchem Material.

Ergon GDH Team-Griffe: Made in Germany

Die Ergon GDH Team-Griffe sind die neueste Entwicklung der deutschen Ergonomie-Experten. Entwickelt für alle Disziplinen, die sich hauptsächlich bergab abspielen, sollen sie mit ihrem dreiteiligen Aufbau und nur einer Klemmschelle maximalen Grip mit Ergon-typischem Komfort verbinden. Die GDH Team-Griffe sind made in Germany - von der Entwicklung, über das Design bis zur Produktion passiert hier alles in Deutschland.

Aktuell sind die Griffe noch nicht erhältlich, was sich laut Ergon allerdings bald ändern sollte. Über die Ladentheke gehen die Griffe dann für 39,95 Euro.

Design und Features

Die Oberfläche der Griffe teilt sich in drei verschiedene Teile mit unterschiedlichen Texturen. Den größten Teil macht ein Diamantmuster aus, das man so auch von vielen anderen Griffen kennt. Auf der Oberseite der Griffe, die beim Greifen in der Handfläche liegt, ist das Material etwas anders strukturiert und soll durch seine weiche Konsistenz für gute Dämpfung sorgen. Für Grip an den Fingern sorgt eine Querleiste auf der Unterseite der Griffe, die in vier „Fingerboxen“ unterteilt ist.

Nach innen hin werden die Griffe durch einen Flange begrenzt, der hauptsächlich nach oben heraussteht und damit nicht den Brems- oder Schalthebeln auf der Unterseite in die Quere kommt. Auf der Innenseite liegt auch die Klemmung mit schicker Oilslick-Lackierung, die so allerdings in Serie nicht erhältlich sein wird. Zu kaufen gibt es die Griffe dann mit Klemmungen in der Farbe Sley Grey. Am äußeren Ende verzichtet Ergon auf eine Klemmung, stattdessen gibt es hier einen stabilen End-Plug aus Plastik, der den Griff im Fall eines Sturzes schützt und einfach ausgetauscht werden kann.

Allgemein geht die Montage so sehr einfach von der Hand: aufstecken, Schelle festschrauben, fertig! Cool ist auch, dass die Klemmschelle mit einem 3er-Inbus fixiert wird. Der ist in deutlich mehr Mulitools zu finden als der sonst an vielen Griffen zu findende 2,5er-Inbus, was euch auf der Tour bei lockeren Griffen den Tag retten kann.

Fahreindruck und Grip

Bereits beim ersten Angreifen fühlt sich das Material der Griffe weich und fast schon klebrig an. Man merkt schnell: Grip ist hier keine Mangelware. Besonders Fahrer, die ohne Handschuhe unterwegs sind, freuen sich über die gute Haftung, durch die man auch mit schwitzigen Händen den Lenker noch souverän in der Hand hält. Die gute Haftung sieht man nach einem ordentlichen Bike-Tag auch an den Handflächen, in denen einiges an Abrieb zurückbleibt.

An den Griffen macht sich das in Sachen Verschleiß aber nicht negativ bemerkbar und wir konnten im Testzeitraum keinen erhöhten Verschleiß feststellen. Die Dämpfungseigenschaften der Griffe sind vor allem bei kleinen Vibrationen angenehm und schonen die Hände. Fahrer mit breiten Händen freuen sich über die einfache Klemmung auf der Innenseite der Griffe.

Weitere getestete Mountainbike-Griffe

Neben den Ergon GDH Team-Griffen wurden auch andere Modelle getestet, um einen umfassenden Überblick zu bieten:

  • Ergon GA3: Durch die Flügelform, die Verarbeitung und dank des guten Grips auch bei feuchten Händen sind sie nicht nur für lange Touren ideal, sondern auch All-Mountain-Biker kommen mit dem Griff auf ihre Kosten.
  • RaceFace Chester: Die Lock-on-Griffe RaceFace Chester sind leicht konisch und bieten somit eine ergonomische Form. Dank der weichen, parallel zur Fahrtrichtung verlaufenden Lamellen und einer gewissen Dämpfung bieten die Chester auch auf langen Touren Komfort.
  • Ergon GP3: Durch die verwendeten Materialien, der breiten Auflagefläche und den in der Neigung unabhängig vom Griff verstellbaren Barends ist dieser Griff besonders für lange Touren geeignet.

Griff-Empfehlungen nach Disziplin

Je nachdem, welche Mountainbike-Disziplin man bevorzugt, macht der ein oder andere Griff mal mehr, mal weniger Sinn. Sportliche Cross-Country-Racer bevorzugen meist einen leichten und runden Griff aus Moosgummi. Auch bei den Disziplinen Enduro oder Downhill finden meist runde Griffe mit guter Klemmung Anwendung. Bei ausgedehnten All-Mountain- oder Trail-Touren, Marathons oder auch beim Bikepacking, also bei all jenen Disziplinen, bei denen man viele Stunden im Sattel sitzt, macht ein ergonomischer Griff Sinn.

Diese vergrößern um bis zu ca. 30 Prozent die Handauflagefläche, was das Handgelenk stützt und den Karpaltunnel und den Ulnarnerv entlastet. Auch sollte die Gummimischung nicht außer Acht gelassen werden. Dazu kann der Biker zwischen leicht ergonomisch geformten MTB-Griffen wie dem Ergon GA3 oder auch auch stark ergonomischen Griffe wie dem SQlab 710 wählen. Teilweise gibt es eine Kombination aus Griff und Barend, umgangssprachlich auch Lenkerhörnchen genannt, wie die Ergon GP3.

Es sei aber gesagt, dass ergonomische MTB-Griffe nur entlastend wirken. Sollte die Hand schon nach wenigen Kilometern taub werden oder kribbeln, dann kann das nicht nur an den Griffen liegen, sondern auch an einer falschen Sitzposition oder gar an einer komplett falschen Rahmengröße.

Montage von Mountainbike-Griffen

Gerade Griffe aus Gummi weißen meist eine strukturierte Oberfläche auf, welche für Komfort und Grip sorgen soll. Bei der Montage der Griffe kann so manches schiefgehen. Deshalb sollte man eine gewisse Sorgfalt walten lassen, damit die Griffe nicht ständig am Lenker verrutschen oder den Lenker gar beschädigen. Ergonomische MTB-Griffe erfordern zudem etwas Geduld beim Einstellen der richtigen Neigung.

Schritte zur korrekten Montage

  1. Bevor die neuen Griffe aufgezogen werden können, sollte der Lenker sauber sein.
  2. Einfache Griffe aus Gummi lassen sich mit einem Spritzer Isopropanol oder Bremsreiniger gut über den Lenker ziehen.
  3. Bei Lock-On-Griffen ist es wichtig zu beachten, dass diese vollständig auf den Lenker gesteckt werden müssen, bevor man sie mit dem richtigen Drehmoment anzieht.
  4. Bei Carbonlenkern sollte vorher geprüft werden, ob die Lock-On-Griffe dafür geeignet sind.

Detaillierte Testberichte

Die Flügelgriffe Ergon GA3 haben es in unserem Test zum Testsieger geschafft. Im Lieferumfang sind neben den beiden MTB-Griffen noch jeweils eine Lenkerendkappe sowie eine kurze Anleitung enthalten. Die Verarbeitung ist ausgezeichnet.

Ergon GA3

Die Montage ist sehr einfach. Den Griff auf den zuvor geputzten Lenker stecken, die gewünschte Neigung einstellen und die Schraube mit dem entsprechenden auf der Schelle abgebildeten Drehmoment anziehen. Am Ende noch die Lenkerendkappe aufstecken, sollte diese beim Aufstecken herausgefallen sein, und fertig. Das Schöne bei dem GA3 ist, dass nicht nur der äußere Handballen aufliegt, sondern auch die Handmitte. So verteilt sich das Gewicht auf einen breiten Bereich, wodurch ein punktuell starker Druck auf die Hand vermieden wird.

RaceFace Chester

Die RaceFace Chester sind klassische Lock-on-Griffe, die besonders mit Handschuhen ordentlich Grip und ein Minimum an Komfort liefern. Die Montage ist sehr simpel. Die Griffe werden auf den zuvor gesäuberten Lenker bis zum Anschlag aufgesteckt und die Schraube in der Schelle mit zwei Newtonmeter angezogen. Die Endkappen sind bereits an den Griffen integriert.

Ergon GP3

Der Ergon GP3 ist sehr angenehm zu greifen. Die Auflagefläche ist breit und aus hochwertigem Material gefertigt und somit besonders bei langen Ausfahrten die richtige Wahl. Die Barends lassen sich unabhängig vom Griff verstellen und bieten eine zusätzliche bequeme Möglichkeit zum Griffwechsel. Im Lieferumfang sind die Griffe, die Barends, die Lenkerendkappen und eine kurze Anleitung enthalten.

Weitere getestete Griffe im Überblick

Hier ist eine Zusammenfassung weiterer getesteter Griffe:

  • Lizard Skins DSP Grip: Bietet guten Grip sowohl mit als auch ohne Handschuhe, saugt Feuchtigkeit auf.
  • SQlab 711: Solider Griff mit leicht ergonomischer Form, jedoch nicht unbedingt für jede Hand passend.
  • SQlab 710: Bedingt empfehlenswert, da sie mit schwitzigen Händen rutschig werden können.
  • ODI Longneck: Gute und einfache Gummigriffe zu einem fairen Preis, können jedoch etwas schwammig wirken.
  • Aaron Fit Fahrradgriffe: Im Vergleich zu Ergon GA3 weniger überzeugend, da der Gummi recht hart ist und die Form nicht optimal.

BIKE-Wissen: Was macht einen guten MTB-Griff aus?

Wer beim Fahrradgriff rein nach der Optik geht, greift schnell daneben. Kaum zu glauben, wie viele Details in so einem kleinen Bauteil stecken. Form. Struktur. Dicke. Klemmung. Wer folgende Punkte beachtet, fährt garantiert besser.

Klassisch rund oder ergonomisch geformt?

Dass Ergonomie ein zweischneidiges Schwert ist, weiß auch Simon Schumacher, Griffentwickler bei Ergon. Je ergonomischer ein Griff geformt sei, desto wichtiger sei die richtige Positionierung, erklärt der Experte. Sitzt die unterstützende Fläche an der falschen Stelle, bewirkt sie im schlechtesten Fall genau das Gegenteil, und es entstehen neue Druckstellen. Beim neuen Race-Griff GXR haben sich die Entwickler daher auf eine leichte Vasenform beschränkt, die die Form der geschlossenen Hand nachahmt. Mit dieser zylindrischen Bauweise komme eigentlich jeder gut zurecht, weiß Schumacher. Und wer keine Probleme mit tauben Fingern oder stechenden Handballen hat, der kann auch ruhig einen klassischen, runden Griff wählen.

Die richtige Dicke

Die Dicke des Griffs sollte analog zur Handgröße gewählt werden. Ist der Griff zu dick, braucht man mehr Kraft, um den Lenker festzuhalten, die Hände ermüden schneller. Ist der Griff zu dünn, stoßen die Finger an die Handballen, und man kann den Lenker nicht mehr sicher umgreifen. Ein dicker Griff verfügt in der Regel auch über mehr Gummi und kann so Stöße besser dämpfen als ein dünnes Exemplar, das dafür ein direkteres Griffgefühl vermittelt.

Flügel

Ein Griff mit sogenanntem Flügel mindert den Druck noch weiter und verhindert, dass die Handgelenke abknicken und Nerven geklemmt werden. Fahrradgriffe sind die mitunter wichtigsten Komponenten am Fahrrad, da sie das Fahrgefühl maßgeblich beeinflussen.

Tabelle: Übersicht der getesteten Griffe

Griffmodell Kategorie Besonderheiten Empfehlung
Ergon GDH Team Gravity Dreiteiliger Aufbau, Made in Germany Für Gravity-Mountainbiker
Ergon GA3 All-Mountain Flügelform, guter Grip bei Nässe Testsieger
RaceFace Chester Klassisch Leicht konisch, guter Komfort Für nahezu jede MTB-Disziplin
Ergon GP3 Touring Breite Auflagefläche, verstellbare Barends Für lange Touren
Lizard Skins DSP Grip Allround Guter Grip, saugt Feuchtigkeit auf Für jede Art von Fahrrad

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