Mountainbike-Abenteuer im Bergwerk: Strecken unter Tage

In Deutschland gibt es unzählige Mountainbikestrecken, von gemütlichen Forstwegen durch herrliche Landschaften bis hin zu anspruchsvollen Trails in schwierigem Gelände. Doch es gibt auch außergewöhnliche Möglichkeiten, dem Mountainbike-Sport nachzugehen: geführte Touren unter Tage in alten Bergwerken.

Mountainbike-Strecken in Deutschland

Grundsätzlich ist das Radfahren laut Bundeswaldgesetz auf allen Straßen und Wegen erlaubt. Allerdings ist diese Regelung in einigen Regionen auf eine bestimmte Wegbreite beschränkt. Im Schwarzwald zum Beispiel ist das Mountainbiken nur auf Wegen erlaubt, die mindestens zwei Meter breit sind. Schmalere Pfade und Trails sind damit offiziell tabu. Abseits der offiziellen Wege querfeldein zu fahren oder Wege zu nutzen, die für Radfahrer:innen gesperrt sind, ist grundsätzlich nicht erlaubt. Darüber hinaus gilt selbstverständlich: Rücksicht nehmen auf Natur, Umwelt und Wandernde.

Hier sind einige Beispiele für interessante Mountainbike-Strecken in Deutschland:

  • Harz: Der Harz ist ein Traumrevier für Mountainbiker:innen. Neben fünf Bikeparks unterschiedlicher Ausrichtungen gibt es auch zahlreiche Singletrails für jeden Geschmack: Downhill, Cross-Country, Freeride, Dirt, Marathon.
  • Alpsee-Grünten: Die „Genusstour ins Naturschutzgebiet“ führt unter anderem durch das Strausbergmoor, eines der wenigen noch intakten deutschen Hochmoore.
  • Nürburgring: Die Mountainbikestrecke „Bulls Hölle“ (MTB-Tour 1) ist nach der „Grünen Hölle“, der berüchtigten Nordschleife des Nürburgrings, benannt.
  • Schliersee, Spitzingsee und Tegernsee: Die „Almtour“ führt über drei Almen (Rixner-Alm, Moni-Alm, Kühzagl-Alm). Steile Anstiege wechseln mit rasanten Downhill-Trails, vorbei geht es an zwei Wasserfällen und den drei herrlichen Seen.

Mountainbike-Erlebnis unter Tage

Für gewöhnlich geht es für Mountainbiker hoch hinauf. Doch es gibt auch die Möglichkeit, unter der Erde Rad zu fahren. Wo früher Kumpel in düsteren Stollen Kupfer, Silber, Eisenerz und Kalkstein abbauten, geht es nun mit dem Bike durch LED-beleuchtete niedrige Gänge, trailige Abschnitte und bis zu 20 Meter hohe Kammern.

Ein spektakuläres Erlebnis, bei dem auch bei der leichtesten Tour für Gelegenheitsfahrer:innen zumindest grundlegende Mountainbikeerfahrung Voraussetzung ist. Das Bergwerk ist das ganze Jahr befahrbar (konstant etwa zehn Grad).

Petzen (Österreich): Biken in der Unterwelt

Es gibt nicht viele Orte in Europa, an denen man auf dem Bike sitzend in die Unterwelt abtauchen und eine Strecke auf so kuriose Weise mit dem Mountainbike befahren kann. Die bis zu 2.126 m hohe Petzen birgt ein solches Abenteuer tief in ihrem Innern, für das man sich vorab anmelden und rund 35 Euro bezahlen muss.

Die Strecke ist ca. 6 km lang und weist so gut wie keine Steigung auf. So lässt sich ohne größere Anstrengungen durch die weitverzweigten Stollen radeln, das gibt Raum, um die Sinne sorgenfrei zu spitzen. Mit PKW und Anhänger werden Stollenbiker:innen und Räder nach der Ausstattung mit Helm und Stirnlampe vom Besucherbergwerk aus über schmale Sträßchen an ein unscheinbares, fast schon verstecktes Eisentor im massiven Gestein gebracht, über dem standesgemäß das Bergmannssymbol aus gekreuztem Schlägel und Eisen prangen. Hier erfolgt eine kurze Einweisung.

Bei der Einfahrt braucht es einige Sekunden, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen, auch wenn die Stirnlampen den Stollen ausreichend beleuchten. Dann geht es los, in gleichmäßigem Tempo radelt der Bikeguide vorweg, denn ohne fachkundige Leitung darf man den Stollen nicht befahren. Die Gefahr, sich in den über 1.000 km Gängen zu verirren, ist groß.

Kreuz und quer zweigen Stollen ab, einer nach dem anderen. Mal sind sie gerade so hoch, dass es zum Kriechen reicht, mal sind es riesige Hallen oder schräg in die Decke gesprengte Quergänge. Gegraben, gehackt und gesprengt wurde dort, wo Erzadern gefunden wurden. So entstanden 23 Etagen, die bis zu 700 m unter der Erdoberfläche liegen.

Munter rauschen die Bikes in einer Reihe durch den Stollen, mal links herum, mal rechts, mal für einige Zeit geradeaus. Immer mal wieder muss man sich ducken, um auf dem Sattel sitzend durch die engen Stollen zu gelangen, das erfordert Konzentration. Abgesehen von den Warnrufen hört man nicht viel in der Stille der Dunkelheit. Nur das Knirschen der feinen Steine unter den Reifen.

Verrostete Werkzeuge, Gitter oder andere, unkenntliche Gegenstände aus Metall säumen die Route durch den Stollen. Wer die Stollendecke beleuchtet, erkennt hölzerne Stützen, rostige Lampen oder alte Kabel. Und mit ein bisschen Fantasie lebt das knüppelharte Bergwerksleben für einen Moment im Geiste auf.

Zwischen 1665 und 1994 wurden 19 Millionen Tonnen an Erzen abgerungen. Über eine Million Tonnen Blei und eine halbe Million Zink sind dank dieser Erze in den nahegelegenen Hütten hergestellt worden. Auch ganz besondere Schätze wurden geborgen. Funkelnde Brocken, Kristalle und Minerale. Zahlreiche dieser teilweise sehr seltenen Funde sind heute im kleinen Museum auf dem Gelände zur Besichtigung untergebracht.

Spannend sind auch die Erzählungen der Bikeguides, denn an verschiedenen Stellen im Bergwerk macht die MTB-Gruppe einen Halt, um den Geschichten rund um das Bergwerk zu lauschen. Oftmals sind die Guides selbst in der Region aufgewachsen, kennen das Bergwerk noch aus einer Zeit, in der Erz aktiv abgebaut worden ist.

So wird die schier unglaubliche Größe des Bergwerks deutlich, als einer der Guides an einem der Verbindungsschächte einen Stein durch ein rostiges Gitter in ein darunterliegendes Stockwerk fallenlässt. Der Stein plumpst in die Tiefe, rauscht aus dem Lampenlicht hinein in die Dunkelheit, kracht hörbar einige Male gegen die Felswand und schlägt dann erst viele Sekunden später auf dem Boden auf.

An einer anderen Stelle werden die Bikes abgestellt und es geht kurz zu Fuß weiter. Es folgen kleine, freiwillige Klettereinlagen, ein Gruppenbild im Schein der Lampen, flüchtige Blicke in aberwitzige Gänge und das versuchsweise Ausschalten aller Lichter, um zu erleben, was wirkliche Dunkelheit bedeutet.

Nach gut zwei Stunden ist es geschafft. Licht am Ende des Tunnels! Es ist ein komisches Gefühl, wieder ans Tageslicht zu gelangen. Die Hitze des Sommers ist erdrückend und das Licht so grell, dass man sich für einige Momente die Hand vor Augen halten will.

Black Hole Trail: Downhillparcours unter Tage

Der 2018 eröffnete Black Hole Trail ist ein Downhillparcours unter Tage für alle, die einen richtigen Adrenalinkick suchen. Anders als die fast ebene Strecke für Otto-Normal-Biker, stürzt sich der Black Hole Trail über enge Kurven, steile Verbindungsgänge und mehrere Stockwerke rasant in die Tiefe. Auch der Black Hole Trail darf nur mit Guide befahren werden.

Weitere Aktivitäten im Bergwerk Petzen

Die alten Stollen in den 23 Stockwerken werden nicht nur fürs Biken genutzt. Wer Lust hat, schließt sich einer Kajaktour an und begibt sich aufs Wasser. Doch nicht nur das, auch Kinovorführungen und üppige Höhlenmähler werden in unterirdischen Hallen mit Deckenhöhen von bis zu 30 Metern angeboten.

In rund 600 m Tiefe unter der Erdoberfläche führt ein ca. 1,5 km langer Rundweg durch die Stollen, wo man jede Menge über den Alltag der Bergarbeiter lernen kann. Die Stollenguides haben ein Talent dafür, die wissenswerten Informationen anschaulich und abwechslungsreich rüberzubringen.

Kamsdorfer Bergwerk: Abenteuerspielplatz unter Tage

Im Kamsdorfer Bergwerk wird heute unter Tage Mountainbike gefahren. Was einst über hunderte von Jahren hinweg in den Berg getrieben wurde, ist nun ein einziger Abenteuerspielplatz für Mountainbiker. Abgebaut wurde damals Kupfer, Silber und Eisenerz und Kalkstein.

Je nach Könnensstand wartet ein abwechslungsreicher Mix aus untertägigem Mountainbiken und informativen Fakten zum Bergbau rund um das Revier Kamsdorf. So wechseln sich auf unserer MTB-Tour schmale Gangpassagen, schnellere trailige Abschnitte und breite Stollendurchfahrten durch bis zu 20m hohe Kammern ab.

Für Gelegenheitsmountainbiker haben wir die Tour so konzipiert, dass der technische Anspruch langsam gesteigert wird. Grundsätzlich bewegen wir uns im leichten Gelände mit moderatem fahrtechnischen Anspruch. Auch die Geschwindigkeiten sind eher niedrig. Trotzdem warten nicht nur breite planierte Gänge auf euch, sondern auch leichte Trails auf denen aktive Fahrweise gefordert ist. Wir fahren aufgrund des Bergwerkaufbaus immer wieder kleine Auf- und Abfahrten im Wechsel. Ein paar Abschnitte werden bewusst mehrfach gefahren um den Fahrspaß zu steigern. Alles ist auf Sicht fahrbar, wenn man die unten genannten Kriterien für sich abhaken kann.

Touren für Fortgeschrittene und "die fixe Fraktion"

Auf der Runde für Fortgeschrittene geht es hinein ins echte Mountainbiken. Gefühlt fährt man einen endlosen Trail im welligen hügeligen Gelände - Trailcenterfeeling also. Das heißt wir fahren im ständigen Wechsel kleine Anstiege und Abfahrten mit technischen Passagen, welche von euch auf Sicht gut bewältigt werden können.

Um das Fahren auf Sicht etwas aufzulockern, fahren wir einige Passagen mehrfach, sodass ihr euch Stück für Stück steigern könnt und der allseits beliebte Fahrflow aufkommen kann. Diese Tour vergesst ihr nie!

Für "die fixe Fraktion" gibt es die Runde Enduro - wir drehen am Regler und so fliegen die Felsen nur so an euch vorüber. Dadurch wird es fahrerisch schon eine kleine Herausforderung, denn wenn man die Strecke nicht kennt wird es abenteuerlich. Natürlich fahren wir deshalb viele Passagen mindestens 2x um den Fahrspaß zu steigern. Es geht im schnellen Wechsel hoch und runter, links und rechts, sodass ihr gut gefordert werdet, auch wenn die Hindernisse technisch nur selten über den mittleren Bereich hinausgehen. All das lässt die Pumpe pochen und euch ganz gut schwitzen - man sollte also fit sein. Für euch wird es eine unvergessliche und mit Nichts zu vergleichende Tour in die Unterwelt.

Mietbikes und Ausrüstung

Es besteht die Möglichkeit, Mietbikes sowie Helme und Knieprotektoren der Marke IXS auszuleihen.

Wichtige Hinweise

  • "Alte" dunkle Bike-/ Sportkleidung tragen, da der Boden eisenhaltig ist und die Flecken vor allem aus hellen Farbtönen ggf. nicht mehr rausgehen.
  • Bikebrillen, welche keine Sehstärke haben, werden nicht empfohlen.
  • Es wird empfohlen, ein GoPro oder ähnliches Equipment zu nutzen, um die Tour festzuhalten.
  • Es wird darauf hingewiesen, dass es sich um eine risikoreiche Sportart handelt und ein besonderes Maß an Eigenverantwortung erforderlich ist.

Planung einer MTB-Tour

Damit eine MTB-Tour ein Genuss und nicht zur Gefahr wird, sollte der Ausflug im Voraus gut geplant werden. Die Strecke muss exakt festgelegt und auf ihre Schlüsselstellen und Schwierigkeiten hin überprüft werden. Onlineplattformen wie komoot.de und outdooractive.com bieten viele Anregungen und auch Navigations- und Planungs-Apps mit downloadbaren GPS-Karten.

Weitere wichtige Fragen sind:

  • Passt die Tour zur körperlichen Verfassung und dem technischen Können?
  • Wie ist die Wetterlage?
  • Ist das Fahrrad voll funktionsfähig?
  • Wo ist der Umkehrpunkt?

Darüber hinaus gilt selbstverständlich: Wähle angemessene Kleidung und packe ausreichend Proviant und Getränke ein - die angepeilte Einkehrmöglichkeit könnte geschlossen sein. Bei einer Verletzung kann es auch zu längeren Wartezeiten kommen, bis Hilfe eintrifft.

Zusammenfassung der Streckeninformationen

Bergwerk Tour-Art Länge Höhenmeter Dauer (inkl. Vor- und Nachbereitung) Besonderheiten
Petzen Normalroute ca. 6 km kaum Steigung ca. 2 Stunden Weitverzweigte Stollen, fachkundige Leitung erforderlich
Petzen Black Hole Trail k.A. steil k.A. Downhillparcours unter Tage, nur mit Guide
Kamsdorf Gelegenheitsmountainbiker ca. 6 km 100 hm 1 1/2 Stunden leichte Trails, moderater fahrtechnischer Anspruch
Kamsdorf Fortgeschrittene ca. 11 km 250 hm 2 1/2 Stunden endloser Trail, welliges Gelände, technische Passagen
Kamsdorf Enduro ca. 13 km 350 hm 2 1/2 Stunden schneller Wechsel, technisch herausfordernd, hohe Anforderungen an die Fitness

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