Warum reißt meine Mountainbike-Kette? Ursachen und Reparatur

Ein Kettenriss gehört zu den unangenehmeren Erlebnissen in einem Radlerleben. Ganz ehrlich: Wem ist das nicht schon einmal passiert? An einer Ampel trete ich in die Pedale - und plötzlich ins Leere. Hinter mir rasselt etwas. Meine Kette ist gerissen und kringelt sich auf der Straßenoberfläche.

Ursachen für einen Kettenriss

Neben äußeren Einflüssen setzen auch kräftiges Treten oder eine ungünstige Einstellung der Gänge einer Kettenschaltung am Fahrrad zu. Auch kann eine Kette bei starker Beanspruchung deutlich eher reißen als bei geringer Krafteinwirkung. Wer viel mit seinem Rad unterwegs ist, muss früher oder später aufgrund von Schäden oder Verschleiß eine Fahrradreparatur durchführen.

Antriebsverschleiß bei E-Bikes

Ein wichtiges Thema gerade für E-Bike-Fahrer ist der Antriebsverschleiß, weil ganz andere Kräfte auf den Antrieb wirken. Heutige Motoren an E-Bikes erreichen ein Drehmoment zwischen 50 -120 Nm auf. Das ist ein Drehmoment, das ähnlich hoch ist wie am Motorrad. Doch Ketten an E-Bikes sind nicht so extrem robust wie an Motorrädern. Wenn also das Fahrrad immer auf voller Motorunterstützung und mit niedriger Trittfrequenz gefahren wird, ist der Kettenverschleiß entsprechend viel höher.

Überbelastung, Abnutzung, falsch geschaltet und zu viel Spannung, Montagsmodell oder beschädigt...

Ein High-End-Produkt, wie zB eine hochwertige Kette ist meist aber auch leichter, andererseits auch empfindlicher gegen Biegung, weil dünner.

Kettenreparatur: Was tun bei einem Kettenriss?

Mit dem richtigen Werkzeug und der entsprechenden Fingerfertigkeit ist eine gerissene Kette jedoch schnell repariert, wie Bergzeit-Radexperte Flo Glott im dritten Teil seiner Fahrradreparatur-Artikelserie erläutert. Mit unserer Anleitung kannst du deine Kette selbst und sogar unterwegs reparieren. In nur wenigen Schritten kannst du dann die Reparatur der Fahrradkette durchführen. Das Zubehör zur Behebung eines Kettenrisses gehört in jede Werkzeugtasche.

Benötigtes Werkzeug

  • Kettennieter
  • Kettenspanner (ist Bestandteil des ein- oder anderen Kettennieters oder Multitools, sonst tut es auch ein gebogenes Stück Draht/Speiche)
  • Idealfall: Steckglied bzw. Kettenschloss
  • Idealfall: Lumpen, damit die Hände nicht dreckig werden

Reparaturanleitung

  1. Kette wieder auflegen: Bei einem klassischen Kettenriss hast Du die Kette entweder verloren oder sie hat sich mehr oder weniger elegant um Kassette oder Kurbel gewickelt. Vor dem Zusammennieten musst Du sie daher zunächst wieder durch das Schaltwerk und den Umwerfer fädeln. Schaltwerk als auch Umwerfer auf das jeweils kleinste Blatt schalten und die Kette anschließend durchfädeln. Bitte dabei auch die Laufrichtung der Kette beachten.
  2. Defektes Kettenglied entfernen: Damit Du den Nietstift mit dem Kettennieter herausdrücken kannst, lege das zu entfernende Glied in den Kettennieter ein und drehe am Nieter, bis der Stift des Werkzeugs am Nietstift ansteht, wie es bei Schritt 2 zu sehen ist. ACHTUNG: Den Nietstift nicht vollständig herausdrücken.
  3. Kette verschließen:
    1. Kette zusammennieten: Defektes Kettenglied entfernen - Ketten-Enden zusammenführen und ineinander drücken - Kettennieter aufsetzen und Nietstift zurück ins Kettenglied drücken. Achte darauf, den Nietstift nicht zu weit in die Außenlasche hineinzudrücken.
    2. Steckglied einsetzen: Defektes Kettenglied gegen Steckglied austauschen. Die Steckglieder bestehen aus zwei Teilen. Jedes davon hat einen Stift sowie ein Teil des äußeren Kettengliedes. Die Stifte werden jetzt einmal von vorne und einmal von hinten durch die Fahrradkette und ineinandergesteckt. Dabei ist auf die Laufrichtung zu achten. Durch leichten Zug an der Kette verschließen sich die beiden Teile des Steckgliedes schon einmal leicht. Kontrolliere hier unbedingt, ob diese auch sauber anliegen.
    3. Verschließen des Steckgliedes: Zum finalen Verschließen wird das Hinterrad mit einer Hand festgehalten. Durch gleichzeitigen Druck auf die Pedale wird die Kette gespannt und das Steckglied verschließt sich zur Gänze mit einem kleinen Klick. Achtung: Unbedingt darauf achten, dass das Steckglied bzw.
  4. Glied gängig machen: Nach dem Nieten sollten sich die Glieder wieder leichtgängig bewegen lassen. Bei gespannter Kette sollte kein Knick in der Kettenlinie erkennbar sein, wenn Du die Kette zur Probe durch das Schaltwerk laufen lässt, sollte das Schaltwerk nicht durch die Kette mitgezogen werden.

Wichtige Hinweise

Eine unterwegs mehrmals reparierte Kette solltest Du, sobald Du wieder daheim bist, unbedingt ersetzen. Unterwegs hast Du oft nur die Möglichkeit, die Kette um das defekte Glied zu kürzen. Das Einsetzen eines Ersatzglieds ist nicht immer möglich. Bei gekürzter Kette stehen jedoch nicht mehr alle Gänge zur Verfügung, da die Kettenspannung immer höher wird, je schräger die Kette aufliegt (Stichwort richtige Kettenlinie!). Hat die Kette schon ein paar Kilometer „auf den Gliedern“, zeigen sich darüber hinaus am gesamten Antriebsstrang (Kettenblätter, Kette, Kassette) mehr oder weniger starke Abnutzungsspuren. Ein noch unbenutztes Glied passt letztlich nicht mehr zum Rest des Antriebsstrangs; im schlimmsten Fall kann die Kette an der Stelle des neu eingesetzten Glieds bei Belastung durchrutschen. Bei einer Kette mit noch geringer Laufleitung kann aber durchaus ein Kettenglied eingenietet werden. Dabei sollten unbedingt neue Nietstifte verwendet werden.

TIPP: Einzelne Hersteller wie SRAM und Shimano bieten Ketten mit Kettenschloss an. Ein Kettenschloss ermöglicht ein Verschließen der Kette, ohne dass dafür Kettenniet und Kettennieter nötig wären. Keine Angst vor gerissenen Ketten! Wie jedes andere mechanische Bauteil kann auch eine Fahrradkette mit dem richtigen Know-How relativ schnell repariert werden.

Kettenverschleiß prüfen und Kette wechseln

Ist die Fahrradkette gerissen oder über die Zeit verschlissen, dann wird es Zeit die alte Fahrradkette mit einer neuen Fahrradkette auszutauschen. Wird die Fahrradkette nicht rechtzeitig getauscht, verschleißen die Kitzel und die Kettenblätter schneller. Für eine neue Kette ist es dann zu spät, da diese nicht mehr auf die abgefahrenen Ritzel passt.

Mithilfe einer Kettenlehre kannst du den Verschleiß deiner Kette bequem zu Hause überprüfen. Indem du regelmäßig den Zustand deiner Kette überprüfst, vermeidest du aufwendige Reparaturen für das Antriebssystem.

Wann sollte eine Fahrradkette gewechselt werden?

Der Zeitpunkt, wann du deine Fahrradkette wechseln solltest, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Kette überträgt die Kraft von den Pedalen auf das Rad. Eine Person, die schwerer ist und mehr Kraft beim Fahren aufwendet, erzeugt mehr Reibung und verschleißt die Kette schneller als eine Person, die leichter ist. Auch das Schaltverhalten und der Fahrstil haben Einfluss auf die Abnutzung der Kette und der anderen Antriebskomponenten.

Generell lässt sich sagen: Ab 1500 bis 2000 Kilometern sollte der Verschleiß der Kette bei Fahrrädern, die hauptsächlich auf der Straße fahren, mit einer Kettenlehre überprüft werden. Hier empfiehlt es sich, die Kette an mehreren Stellen zu überprüfen. Ist eine der gemessenen Stellen länger als der vorgegebene Toleranzbereich, sollte die Kette gewechselt werden.

Bei Mountainbikes oder E-MTBs ist es notwendig die Kette schon nach 500 Kilometern zu überprüfen. Der Grund hierfür ist eine höhere Anzahl von Umdrehungen im Verhältnis zu den gefahrenen Kilometern. Die Kette verdreckt stärker und es entsteht hierdurch mehr Abrieb zwischen den Kettengliedern und Zahnrädern.

Tipp: Ein weiterer Aspekt ist auch die richtige Kettenpflege. Wird die Kette regelmäßig gereinigt und geölt, verlängert dies die Lebensdauer einer Kette enorm.

Werkzeug für den Kettenwechsel

  • Kettennieter
  • Kettenschlosszange
  • Kettenschloss oder Nietstift
  • Neue Kette
  • Kettenmesslehre (optional)

Anleitung zum Kettenwechsel

  1. Alte Kette öffnen & ausbauen: Öffne die Kette an einem Kettenschloss oder mit einem Kettennieter.
  2. Kettenlänge bestimmen: Zähle die Kettenglieder der alten Kette, lege die alte Kette neben die neue Kette oder berechne die Länge.
  3. Kette kürzen: Spanne das markierte Ketteglied in den Kettennieter und drehe den Bolzen auf den Stift, bis ein Knacken zu hören ist.
  4. Neue Kette montieren / einbauen: Führe die neue Kette mit der Schrift zu dir zeigend hinten über die Umlenkröllchen. Achte dabei darauf, dass die Kette richtig durch den Schaltarm läuft und nicht an den Führungsstäbchen hängen bleibt.
  5. Kette mit Kettenschloss oder Nietstift verschließen: Verbinde die Kette mit einem Kettenschloss oder einem Nietstift.

Was kostet eine Fahrradkette / E-Bike-Kette?

Der Preis einer Fahrradkette liegt bei den meisten Antrieben 10 und 40 Euro für die meisten Antriebe. Es gibt aber auch Ketten, die bis zu 90 Euro kosten. Diese sind aber nur für entsprechende Antriebe und bei maximaler Performance sinnvoll. Unabhängig davon, welche Kette du kaufst, sind vergleichbarer Teile wie Ritzel und Kettenblätter in der gleichen Klasse und Qualität in den meisten Fällen teurer. Eine neue Kette zum richtigen Zeitpunkt zu wechseln, spart also Geld.

Anzeichen für eine abgenutzte oder defekte Fahrradkette

Wenn die Kette beim Schalten nicht mehr richtig rüber auf das nächste Ritzel springt oder beim Treten vibriert, ist es Zeit für eine neue Kette. Manchmal ist auch ein lautes Knacken zu hören, wenn du stärker in die Pedale trittst. Dieses Problem tritt anfangs nur vereinzelt und in bestimmten Gängen auf und wird mit der Zeit immer häufiger.

Wie finde ich die richtige Kette?

Damit du deine Kette rechtzeitig ersetzen kannst, brauchst du die richtige Kette. Es gibt drei wichtige Merkmale, auf die du achten solltest, damit du die richtige Kette kaufst.

  • Beachte den Hersteller deiner Gangschaltung (Shimano und SRAM sind nicht kompatibel).
  • Die Anzahl der Ritzel deiner Kassette ist entscheidend beim Kauf der passenden Fahrradkette.
  • Die Anzahl der Glieder der neuen Kette muss gleich oder größer als die der alten Kette sein.

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