Mountainbike für kleine Frauen: Beratung und Empfehlungen

Ein passendes Mountainbike zu finden, kann eine Herausforderung sein, besonders für kleine Fahrerinnen. Viele Rahmen-Konstrukteure stehen vor der Aufgabe, E-Mountainbikes für kleine Fahrer/innen mit niedrigem Stack, geringer Überstandshöhe und adäquatem Sitzrohr zu bauen. Echte E-Bikes in XS, die auch kleinen Fahrerinnen und Fahrern um 160 Zentimeter Körpergröße gut passen, gibt es daher nur wenige am Markt.

Worauf es für kleine Biker ankommt

Entscheidend dafür, ob eine kleine Person auf ein Bike passt, ist die Sitzrohrlänge. Je kürzer, desto mehr Platz bleibt für eine Teleskop-Sattelstütze.

Die Überstandshöhe wird häufig als K.-o.-Kriterium für kleine Bikes hergenommen. Das Beispiel Merida zeigt, dass das in Zeiten moderner Rahmengeometrien und Teleskop-Sattelstützen nur bedingt sinnvoll ist.

Breite Lenker, wie der 780er am Merida, erscheinen kleinen Personen eventuell erst einmal überdimensioniert. Doch: Gerade bei abfahrtsorientierten E-MTBs mit flachem Lenkwinkel und großem Vorderrad macht ein breiter Lenker Sinn. Also: Erst ausgiebig testen, dann kürzen! Dabei kann man auch gleich ausprobieren, ob sich die Bremshebel passend zu Handgröße und Fingerlänge einstellen lassen, ohne dass der Druckpunkt zu nah an den Lenker wandert.

Ob ein Sattel oder ein Griff bequem ist, hat nur bedingt mit dem Geschlecht zu tun. Sprich: Es müssen keine speziellen Frauenprodukte sein. Beim Bike-Kauf sollte das kein entscheidendes Kriterium sein, denn solche Kleinteile sind schnell getauscht und auf den individuellen Geschmack angepasst.

Fahrwerk Dämpfer und Federgabeln sind immer auf ein bestimmtes Gewicht optimiert, das meistens um die 80 Kilogramm liegt. Nur wenn das Fahrwerk auch wirklich für geringe Körpergewichte schnell genug abgestimmt werden kann, ergibt das XS-Bike Sinn.

Empfehlenswerte Modelle für kleine Fahrerinnen

Das Vall E+ der Frauenmarke Liv ist ein besonders kompaktes Modell, das sich für wirklich kleine Fahrer/innen anbietet. Die Größe XS hat eine Sitzrohrlänge von 365 Millimetern und soll Personen ab 152 cm passen.

Cube bietet verschiedene E-Fully-Modelle mit kleinem Rahmen, die deutsche Ingenieurskunst mit Fahrkomfort verbinden. Für Offroad-Enthusiasten bietet Cube die beliebten Stereo Hybrid Modelle mit verschiedenen Federwegen an mit 120mm, 140mm und 160mm Federweg auch in der Rahmengröße 16" (40cm). Diese kleinen E-MTB Fully sind für Damen wie Herren konzipiert und bieten volle Trail-Tauglichkeit im kleineren Format.

Das Neuron:On von Canyon in der WMN-Variante für Damen ist ebenfalls ein XS-Kandidat. Zum kurzen Sitzrohr und der geringen Überstandshöhe gesellen sich kurze Kettenstreben. Das macht das Bike auch in kleinen Größen noch verhältnismäßig handlich. Auch Canyon verbaut bei XS und S 27,5er-Laufräder. Um das Oberrohr tief zu halten, verbaut Canyon in XS und S nur eine Gabel mit 120 Millimetern Federweg.

Wer ein E-MTB für anspruchsvolles Gelände und den Enduro-Einsatz sucht, sollte sich das YT Decoy genauer ansehen. Die kleinste Größe ist S - doch die fällt mit einer Sitzrohrlänge von 400 Millimeter eher kompakt aus. Durch die 170-Millimeter-Federgabel und das 29er-Vorderrad hat das Decoy sicher nicht die flachste Front, doch versierte Biker/innen können damit richtig steile Abfahrten angehen. YT empfiehlt die S-Decoys gar ab 154 cm Körpergröße.

Spezielle E-Bikes für kleine Menschen

Ja, die gibt es - und sie sind auch notwendig. Ein E-Bike ist wie ein Paar Schuhe: Wenn es nicht richtig passt, macht die Bewegung keinen Spass. Leider konzentriert sich die Industrie oft auf die Massenproduktion für Durchschnittsgroessen. Kleinere Menschen muessen deshalb gezielt nach passenden Modellen suchen - und genau dabei helfen wir.

Die kleinere Frau sollte auf ein E-Bike mit 20 oder 26 Zoll Laufraedern und einer niedrigen Rahmenhöhe achten. Diese Kombination sorgt für sicheren Stand, komfortables Auf- und Absteigen und eine entspannte Sitzposition.

Wichtig ist immer die Gesamtkonstruktion: Ein kleines Laufrad allein macht noch kein gutes E-Bike. Die richtige Rahmenhöhe und ergonomische Anpassung sind entscheidend.

Frauen und Mountainbikes: Was ist anders?

Die entscheidende Frage, ob ein spezielles Frauen-Mountainbike notwendig ist, lässt sich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Um diese Frage zu klären, ist es wichtig, die anatomischen Unterschiede zwischen Frauen und Männern zu betrachten:

  • Frauen haben oft eine kleinere Körpergröße, was die Wahl eines kleineren Rahmens erforderlich machen kann
  • Der breitere Sitzknochenabstand bei Frauen beeinflusst die Position des Schambeins, was wiederum für die Auswahl des passenden Sattels ausschlaggebend ist.
  • Der im Vergleich zu Männern oft kürzere Oberkörper spielt eine wichtige Rolle, da sich dadurch die Kraftverteilung beim Fahren verändert.

Diese anatomischen Besonderheiten sind wichtige Faktoren, die bei der Konzeption von Mountainbikes für Frauen Berücksichtigung finden sollten.

Besonderheiten von Frauen-Mountainbikes

  • Geometrie: Aufgrund der meist geringeren Körpergröße und anderen Proportionen ist das Oberrohr bei Frauen-Mountainbikes oft kürzer als bei Unisex-Modellen.
  • Überstandshöhe: Eine korrekt bemessene Überstandshöhe ist entscheidend für Sicherheit und Komfort, besonders beim Mountainbiking, wo eine größere Überstandshöhe von etwa 10 cm empfohlen wird.
  • Sattel: Frauen sollten einen Sattel wählen, der auf ihre anatomischen Besonderheiten abgestimmt ist, um Druck im Sitzbereich zu reduzieren.
  • Vorbau, Lenker und Griffe: Schmälere Schultern und kürzere Arme erfordern kürzere Lenkstangen und schmalere Griffe für einen optimalen Grip.

Die richtige Radgröße

Hinsichtlich der Radgröße hat sich der Trend zu 27,5- und 29-Zoll-Rädern durchgesetzt, wobei kleinere Rahmen meist 27,5-Zoll-Räder für bessere Wendigkeit nutzen, während größere Rahmen und Marathon-Bikes häufig 29-Zoll-Räder für erhöhte Effizienz verwenden.

Kann eine Frau ein Herren-Mountainbike fahren?

Selbstverständlich können Frauen Herren-Mountainbikes nutzen, vorausgesetzt, die Geometrie des Fahrrads entspricht ihren Bedürfnissen. Es ist wichtig, die Rahmendaten sorgfältig zu prüfen und gegebenenfalls mit denen eines Damen-Mountainbikes zu vergleichen, um eine bessere Vorstellung von der Passform zu bekommen.

XXS-Bikes: klein, aber oho!

Offiziell startet das Ghost Lector FS SF genau, wie das Race-Hardtail Ghost Lector SF, ab einer Körpergröße von 160 Centimetern. Ghost Factory Racing Teamfahrerin Isla Short ist, passend zu ihrem Nachnamen, jedoch nur 154 Centimeter groß und beweist, dass auf dem Fully in Größe XS dank einiger Anpassungen trotzdem so einiges geht.

Um das XS-Bike auf sie anzupassen, fährt Isla einen sehr kurzen, nach unten gewinkelten Vorbau in Kombination mit einem 680 Millimeter schmalen Lenker.

In Größe XS ermöglicht das super kurze 417-Millimeter-Sitzrohr zusammen mit der vollintegrierten Eightpins-Stütze des Ghost Lector FS einen hohen Sattel-Verstellbereich.

XXS-Hardtails

Generell gibt es keinen Grund, warum sich besonders kleine und leichte XC-Fahrer nicht auch auf dem Markt für Kinder-, beziehungsweise Jugendbikes umschauen sollten. Beim Giant XTC SLR, einem Race-Hardtail für Erwachsene, geht es beispielsweise erst ab 163 Centimetern Körpergröße los, während Junior-Spezialist VPace sein MAXC29 mit Carbonrahmen und 29 Zoll Laufrädern ab 150 Centimetern Körpergröße empfiehlt. Das Modell für Jugendliche und Erwachsene, MAXC29L, startet ab 160 Centimetern Größe.

Auf der Suche nach einem Crosscountry-Hardtail werden kleine Biker beim Cannondale Scalpel HT in Größe S ab einer Körpergröße von 154 Centimetern fündig. Schon ab 148 Centimetern startet die Größenempfehlung beim Specialized Epic HT in Größe XS.

Schwieriger gestaltet sich die Suche nach geeigneten Trail-Hardtails für sehr kleine Fahrer. So startet die Größenempfehlung für das Radon Cragger zum Beispiel erst bei 165 Centimetern Körpergröße. Dartmoor bietet das Primal 29 erst ab Rahmengröße M für Menschen ab 167 Centimetern an, während das Primal 27,5 in Größe S immerhin schon ab 157 Centimetern passen kann.

XXS-Fullys

Auch bei den Fullys lohnt sich für sehr kleine Biker der Blick in die Jugendabteilung: Das vollgefederte Enduro VPace Moritz275L passt schon ab 1,50 Metern und steht großen Bikes in Nichts nach. Doch auch im Erwachsenen-Sortiment gibt es kleine Bikes.

Sowohl das frauenspezifische Juliana Joplin, als auch das Santa Cruz 5010 gibt es in einer besonders kompakten Rahmengröße XS. So sollen die Bikes Fahrern schon ab 142 Centimeter Größe passen.

Auch für das Trek Fuel Ex Gen 6 reicht die Größenempfehlung in Rahmengröße XS hinunter bis 145 Centimeter. Erstaunlich ist dabei die Bandbreite, in der Trek sein All Mountain-Fully anbietet: Acht Rahmengrößen machen das gleiche Bike auch bis 2,03 Meter Körpergröße fahrbar.

XXS-Laufräder und Reifen

Sowohl bei Hardtails, als auch bei Fullys setze viele Hersteller bei kleinen Rahmengrößen auf 27,5 Zoll Laufräder. Die kleinen Räder können proportional besser zum Rest des Bikes und zur Körpergröße des Fahrers passen.

Sehr leichte Fahrer dürfen sich je nach Fahrstil trauen eine Reifenkarkasse mit etwas weniger Pannenschutz zu wählen. Da sie das System aus Laufrad und Reifen wenig belasten, empfehlen sich im Tubeless-Setup zudem niedrige Luftdrücke.

XXS Kurbeln

Nutzen sehr kleine Fahrer zu lange Kurbeln, steigt nicht nur die Gefahr von Aufsetzern, auch Hebelkraft und Ergonomie sind nicht optimal. Mit den Evo gibt es von Hope Kurbeln, welche ab Werk bis zu 155 Millimeter kurz sind und nicht nur fürs E-MTB, sondern auch für Bikes ohne Motor passen.

Wer bei der Kurbel Sonderwünsche hat, bekommt bei Appleman aus den USA zum Beispiel die 2XR Kurbel sogar 100 Millimeter kurz. Appleman bietet auch Custom-Kurbeln und Modelle mit mehreren Pedalgewinden an.

Weitere XXS-Teile

Damit Ergonomie und Funktion passen, sollten XXS-Biker auch an anderen Stellen ihre Teile mit Bedacht wählen. Sind Griffe beispielsweise zu dick für kleine Hände, kann die Kontrolle leiden und die Ermüdung steigen.

Sättel gibt es in vielen Formen und Größen. Ergonomie-Experten, wie etwa SQlab oder Ergon bieten ihre Modelle in verschiedenen Breiten an, sodass diese auch zu schmalen Sitzknochenabständen passen kann.

Durch den Trend von Variostützen an XC-Bikes haben klein gewachsene Biker inzwischen eine große Auswahl an Modellen mit kurzem Hub.

Grund Besonderheit
Körpergröße Oft kleinere Rahmen erforderlich
Sitzknochenabstand Beeinflusst die Sattelwahl
Oberkörperlänge Verändert die Kraftverteilung beim Fahren

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