Mountainbike Luftfederung richtig einstellen: Eine detaillierte Anleitung

Die richtige Einstellung der Luftfederung ist entscheidend für Komfort, Kontrolle und optimale Leistung auf dem Trail. Hier ist eine detaillierte Anleitung, wie Sie Federgabel und Dämpfer an Ihrem Mountainbike optimal einstellen können.

Grundlagen der Mountainbike-Federung

Die Luftfederung am Mountainbike arbeitet in Abhängigkeit vom Gewicht der Person, die darauf fährt.

Während der Luftdruck die Federhärte von Federgabel und Dämpfer bestimmt und immer an das Gewicht von Fahrerin oder Fahrer angepasst werden muss, bestimmen Zug- und Druckstufe, wie schnell ein Federelement aus- bzw. einfedert.

Federgabel und Dämpfer am besten zusammen einstellen. Weil am Ende das Fahrwerk bei vollgefederten Mountainbikes aber harmonieren muss, ist es sinnvoll, Front und Heck gleichzeitig zu justieren.

Die Federgabel etwas straffer als den Dämpfer einstellen.

Für ein harmonisches Fahrwerk Gabel und Dämpfer im besten Fall immer zusammen einstellen.

Kleine Änderungen am Luftdruck haben eine große Wirkung.

Schritt 1: Sag (Negativfederweg) einstellen

Sag ist der Federweg, der einer Federgabel oder einem Dämpfer zum Ausfedern zur Verfügung steht. Der Negativfederweg sorgt dafür, dass ein Laufrad in ein Schlagloch absacken kann, um permanent Bodenkontakt zu halten. Nur so kann optimale Fahrsicherheit gewährleistet werden.

Der Sag (oder Negativ-Federweg) ist der Teil des Federwegs, der durch die bloße Belastung mit dem Körpergewicht genutzt wird.

Um ihn zu ermitteln, lehnen Sie das Bike mit einem Lenkerende an eine Wand an und nehmen die Grundposition auf dem Bike ein.

Die Federgabel am Rad ist zu hart, zu weich oder verhält sich unharmonisch im Fahrverhalten? Zeit, Gabel und somit Dämpfung richtig einzustellen!

Eine gute Startposition für den richtigen Luftdruck findet sich in der Bedienungsanleitung des Herstellers. Hier nach der passenden Kilogramm-Angabe suchen, vollständige Ausrüstung mit einbeziehen. Druckstufendämpfung oder Plattform (Lockout) immer ganz öffnen.

Bei Luftfahrwerken stellst Du den Sag ein, indem Du Den Luftdruck Deiner Federelemente auf Dein Körpergewicht anpasst.

Um den Luftdruck innerhalb der Gabel zu ändern, drehst du zuerst die Ventilkappe an der linken oberen Gabel-Seite ab. Du kannst nachmessen, wie weit du die Federung nutzt, indem du einen Kabelbinder um die Gabel vorne anbringst. Schiebe den Kabelbinder ganz nach unten und setz dich dann auf das Fahrrad.

Sitz ganz locker auf dem Bike, deine Füße berühren nicht den Boden. Es kann dich dabei eine 2. Person unterstützen. Wer viel im Sitzen auf dem Trail fährt, kann probieren, ob ein Setup im Sitzen für seinen Einsatzbereich z.B. bei tourenorientierter Fahrweise bessere Ergebnisse bringt.

Aufs Rad steigen, in kompletter Montur (mit Helm, Rucksack usw.), Sattel mit Teleskopstütze komplett absenken, Grundposition einnehmen (stehend, Kurbeln waagerecht). Eine zweite Person kann helfen, das Rad zu halten; allein lehnt man sich an eine Wand oder ein Geländer.

Jetzt ein paar Mal wippen, um die Federelemente eintauchen zu lassen. Möglichst stillstehen und den Gummiring am Standrohr so weit wie möglich nach unten schieben.

Vorsichtig, ohne Wippen, vom Rad steigen und darauf achten, dass sich der Gummiring nicht mehr verschiebt. Tipp: Gabel und Dämpfer-Lockout vor dem Absteigen schließen.

Jetzt zeigt der Abstand zwischen Tauchrohrdichtung und Gummiring den Negativfederweg (Sag) an. 20 bis 30 Prozent des Gesamtfederweges werden als ideal betrachtet.

In der Grundposition kommt man am schnellsten zu seinem persönlichen Setup. Eine aufs Standrohr aufgedruckte Sag-Skala verrät die Prozentzahl; ist keine Skala vorhanden, einfach ein Lineal nehmen und nachrechnen.

Je mehr Federweg das Bike hat, mit desto mehr Sag / Negativfederweg sollte man fahren. In ganz seltenen Fällen können es auch einmal mehr als 30 Prozent Sag sein.

Tipp: Bei All-Mountain und Enduro Bikes sollte der Sag ca. zwischen 20-30% liegen. Bei Freeride und Downhill Bikes liegt der Sag ca. zwischen 30-40%.

Damit Du den Sag genau einstellen kannst, solltest Du zunächst Deine Dämpfungskomponenten "öffnen", d.h. Vor dem Einstellen der Federgabel öffnen Sie alle Lockout- oder Plattformfunktionen, indem Sie die roten und blauen Drehknöpfe gegen den Uhrzeigersinn drehen.

Wenn ihr weniger SAG wollt, pumpt einfach etwas Luft in den Dämpfer und wenn ihr mehr SAG wünscht, dann lasst etwas Luft ab.

Pumpt in 10-psi-Schritten Luft nach und wiederholt diesen Prozess, bis ihr den erforderlichen SAG erreicht habt.

Beginnt mit der Empfehlung des Herstellers. Wenn es keine gibt, dann startet mit 20 % SAG. Wenn ihr weniger SAG wünscht, pumpt einfach mehr Luft in die Gabel. Wollt ihr mehr SAG, dann lasst etwas Luft ab. Fügt die Luft dabei in 10-psi-Schritten hinzu und wiederholt diesen Prozess so lange, bis ihr den erwünschten SAG erreicht habt.

Schritt 2: Zugstufe (Rebound) einstellen

Die Zugstufe kontrolliert die Geschwindigkeit, mit der die Gabel ausfedert. Zu schnelles Ausfedern lässt das Rad unkontrolliert springen, federt die Gabel zu langsam aus, steht beim nächsten Impact nicht der gesamte Federweg zur Verfügung.

Die Zugstufe reguliert die Ausfedergeschwindigkeit des Federelements. Bei Rockshox-Gabeln und -Dämpfern helfen Symbole bei der Abstimmung - Hase = schneller, Schildkröte = langsamer. Grundsätzlich gilt: Um die Zugstufe zu erhöhen, muss man im Uhrzeigersinn drehen.

Zugstufe einstellen: So schnell wie möglich, so langsam wie nötig.

Der Rebound (oder die Zugstufe) passt die Ausfeder-Geschwindigkeit der Dämpfung der Federgabel an. Dafür gibt es ein rotes Einstellrädchen an der Federgabel, das meist mit 2 Symbolen „Schildkröte“ und „Hase“ gekennzeichnet wird.

Drehst du das Rädchen weiter zur Schildkröte, so wird die Federgabel langsamer in ihre Grundposition zurückkehren. Der Rebound ist bei jeder hochwertigen Federgabel im Mountainbike-Fully-Bereich einstellbar.

Bevor man die Zugstufe einstellt, sollte diese ganz geöffnet werden.

Den Lenker kräftig und schnell nach unten drücken, um die Gabel einfedern zu lassen. Beim Ausfedern den Lenker loslassen; das Vorderrad sollte jetzt nicht den Kontakt zum Boden verlieren.

Hebt das Vorderrad vom Boden ab, die Ausfedergeschwindigkeit verlangsamen, d.h. Zugstufe Klick für Klick reindrehen.

Schritt 3: Druckstufe (Compression) einstellen

Nun die Druckstufe einstellen. Diese dämpft/bremst das Einfedern der Gabel bei Schlägen ab. Die Einstellung der Druckstufe richtet sich bei den meisten Federgabeln nach dem Fahrergewicht. Leitlinie: je schwerer der Fahrer, desto mehr Druckstufendämpfung wird empfohlen.

Die Druckstufe reguliert die Einfedergeschwindigkeit des Federelements. Wir raten, immer mit vollständig offener Druckstufe zu starten.

Wenn das Fahrwerk anschließend zum Beispiel in Bodenwellen oder in sehr steilem Gelände zu sehr einsackt, kann die Druckstufe schrittweise erhöht werden (Rädchen im Uhrzeigersinn drehen).

Als Druckstufe oder Compression wird die Einfederungs-Geschwindigkeit bezeichnet, die eine Federgabel hat. Die Druckstufe wird über einen eigenen Ölkreislauf reguliert und du passt sie mit einem blauem Einstellrädchen an.

Ist die Druckstufe voll auf, federt die Federgabel sehr langsam ein.

Druckstufe einstellen: Mit offener Druckstufe starten (komplett gegen Uhrzeigersinn gedreht) und diese, wenn nötig, schrittweise erhöhen.

Für Federgabeln zum Beispiel mit Fit4 Kartusche wie bei der FOX 36 empfehlen wir den "3-Position Lever" in der offenen Stellung zu fahren und den "Open Mode Adjuster" (kleines Stellrad) anhand der FOX Empfehlungen einzustellen. Hier empfiehlt FOX zum Start 18 Klicks (gegen den Uhrzeigersinn von der komplett geschlossenen Stellung aus gezählt). Je offener, (gegen UZS) desto leichter bewegt sich die Gabel durch den Federweg. Je geschlossener (Klicks im UZS), desto mehr Widerstand bietet sie beim Einfedern und hilft zusätzlich gegen Durchschläge.

Schritt 4: Testfahrt und Feinabstimmung

Nachdem Du Deine Grundeinstellung gefunden hast, kannst Du Dich mit der Feineinstellung Deines Fahrwerks beschäftigen. Taste Dich ran und lass Dir Zeit.

Für Deine Grundeinstellung empfiehlt sich ein Trail mit verschiedenen Bedingungen (Sprünge, Wurzeln, Steine).

Wichtig aber ist das passende Grundsetup, das man Fahrt für Fahrt auf seine persönlichen Vorlieben und Einsatzbereich anpassen kann.

Drei Tipps für die nächsten Schritte:

  • Auf dem Trail eine Dämpferpumpe mitnehmen, am besten immer die gleiche verwenden.
  • Eine vertraute Strecke mehrfach fahren und Fahrwerk leicht nachjustieren. Zwischendurch immer wieder kontrollieren.
  • Die Einstellungen - auch das Grundsetup - notieren.

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