Mountainbike-Reifen im Test: Goodyear Newton MTF und mehr

Die Wahl des richtigen Reifens kann das Mountainbike-Erlebnis maßgeblich beeinflussen. Wie beim Boxen, geht es kurz vor dem Kampf auf die Waage.

Der Goodyear Newton MTF ist der neueste Reifen von Goodyear, der speziell für Spitzenleistung und verbesserten Grip an der Front entwickelt wurde. Goodyear legt mit dem Newton MTF eine solide Erstaufführung auf’s Parkett. Man hat sich hierbei die Motocross-Gene zunutze gemacht und eben auch jenes Wissen bei der Konzeption und Produktion.

Laut eigener Aussage von Goodyear sind die Profilstollen so angeordnet, dass sie sich leicht von Dreck und Schlamm reinigen bzw. Der Goodyear Newton wird aufgeteilt in eine spezifische Hinterrad und Vorderrad Variante. Dazu hat man die Wahl zwischen Trail, Enduro und Downhill. Jedoch unterscheiden sich die Varianten in der Karkasse und Gummimischung.

Technische Details des Goodyear Newton MTF

Das Profil der Newton MTF Reihe ist bei jeder Variante, also für Trail, Enduro oder Downhill gleich. Das Profil wurde zur Kontrolle und auf geraden Strecken und starkem Bremsen optimiert. Dieses Modell ist mit einer dreifach verdichteten 40, 42 und 60a-Gummimischung und einer doppellagigen 120-tpi-Karkasse ausgestattet, die mit einem Butyl-Seitenwandschutz verstärkt ist.

Der Newton MTF in der 29er Variante mit Enduro Casing bringt stolze 1.357g auf die Waage.

Erfahrungen im Gelände

Nach einem, verletzungsbedingt sehr kurzem, Gastspiel mit dem Newton MTF in Sölden gaben wir ihm beim nächsten Bike Trip nach Verbier die Möglichkeit sich zu beweisen. Dank der steifen Seitenwände des MTF war die Montage ein Kinderspiel. Nach ein paar Umwegen ging es dann also direkt auf die Trails.

Aufgrund der steifen Seitenwand hatte ich vermutet, dass man den Goodyear mit weniger Druck fahren sollte. Nach meinen Erfahrungen mit Michelin setzte ich optimistische 1.7bar. Denn schon ein paar PSI können zwischen einem Auftritt in der Fail oder Win Compilation entscheiden. Das liegt zum einen an der Dämpfung und Durchschlägen zum anderen am Grip. Denn genau das liegt das Problem. Man muss die Goodyear Newton mit recht wenig Druck fahren. Und wenn ich „wenig“ sage, meine ich „gefühlt NICHTS“.

Bei zu viel Druck knicken zudem die Schulterstollen auf hartem Untergrund weg. In feuchten Bedingungen findet der Goodyear Newton MTF schnell seinen Grip. Auch auf lockerem loamy Boden punktet der Reifen.

Goodyear möchte mit dem Newton den Enduro Fahrer abholen. Immerhin ist der Goodyear Newton eben auch für jenes Segment konzipiert. Aber was genau braucht ein Enduro Reifen? Vor allem muss man aber sagen dass der Goodyear besonders durch die stabilen Seitenwände punkten kann.

Andere Reifen im Vergleich

Um herauszufinden, welcher von 18 Reifen (neun Reifen-Kombis) das Zeug hat, den Fahrspaß auf das nächste Level zu heben, müssen sich alle Kandidaten im Labor und auf dem Trail beweisen. Für maximale Chancengleichheit haben wir bei allen Herstellern im Test die ihrer Meinung nach beste Reifenwahl für den All-Mountain-Einsatz bestellt. Damit beschränkt sich der Einsatzbereich auf alpine Trails oder anspruchsvolle Touren im Mittelgebirge. Gondelunterstützung bergauf gibt es hier nur selten. Ein gutes Rollverhalten gehört also ebenso zum gelungenen Gesamtkonzept wie Grip und Pannenschutz.

Um diesen Anforderungen an Fullys mit 150 bis 160 Millimetern Federweg gerecht zu werden, schicken alle Hersteller Mischbereifungen ins Rennen. Von großzügigem Negativprofil über scharfkantige Stollen bis hin zu weicheren Gummimischungen geben die Firmen alles, um dem Vorderrad bessere Führungsqualitäten und maximalen Grip zu verleihen. Damit auf langen Anstiegen die Schweißausbrüche möglichst minimal bleiben, rollt der Hinterreifen dank niedrigerem Profil oder härterem Gummi bei fast allen Kandidaten besser als vorn.

Ausnahme Schwalbe: Die Reichshofener setzen an Heck und Front mit dem Nobby Nic auf das gleiche Profil-Design. Lediglich das weichere Addix-Soft-Compound schaltet am Vorderreifen mehr Traktion frei. Dennoch übernimmt der Branchen-Riese beim Rollwiderstand die Führung. Gerade mal 18 Watt verzehrt der Nobby Nic mit der härteren Speedgrip-Mischung auf dem Prüfstand. Der Vorderreifen erzielt ähnlich gute Werte.

Das Doppel von Onza landet mit seiner Kombi knapp dahinter und baut nebenbei mit dem 823 Gramm leichten Porcupine auch den leichtesten Reifen im Test. Doch obwohl die anderen Teilnehmer mit Mischbereifungen den gleichen Ansatz verfolgen, sind die Unterschiede beim Rollwiderstand erstaunlich groß. So rollt der Kenda Hellkat mit 49,2 Watt als schwerfälligster Schlappen mehr als doppelt so zäh wie die Spitzenkandidaten. Specialized und WTB siedeln sich mit ihren Vorderreifen ebenfalls über der 40-Watt-Marke an.

Tabelle: Rollwiderstand ausgewählter Reifen

Reifen Rollwiderstand (Watt)
Schwalbe Nobby Nic (Speedgrip) 18
Kenda Hellkat 49.2

Und der Praxistest? Die grobzahnigen Modelle von Kenda, Specialized und WTB plustern sich regelrecht auf den Felgen auf. Besonders an den Vorderreifen schüren hohe Stollen und viel Negativ-Profil große Hoffnung auf ein beeindruckendes Grip-Erlebnis. Rein optisch stecken wir auch die tief verkraterten Laufflächen von Maxxis und Continental in diese Liga.

Nach zahlreichen Runden auf unserem Testparcours können wir sagen: Kenda und Maxxis halten, was ihr Profil verspricht. Traktion pur und Kurvenhalt vom Feinsten. Diese Reifen befähigen All Mountain Bikes für den Enduro-Einsatz. Zudem macht der Kenda Hellkat sein extrem hohes Gewicht mit ausgezeichnetem Durchschlagschutz wieder wett. Specialized landet in Sachen Fahrverhalten knapp dahinter. Nach den anfangs hohen Erwartungen an Continental und WTB stellt sich im Gelände dagegen schnell Ernüchterung ein.

Der Praxistest der Reifen erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Petrus. Denn erst bei widrigen Bedingungen, wenn der Wettergott die Böden weich und schmierig macht, offenbaren sich die wesentlichen Unterschiede zwischen den Kandidaten.

Das Sildenafil-Generikum für All Mountains mischt nach dem Praxis-Showdown aber eindeutig Onza. Egal, ob bei Nässe, in tiefem Geläuf, beim Bremsen oder im Antritt - die Paarung aus Ibex und Porcupine legt ein kons­tant hohes Grip-Niveau an den Tag. Gepaart mit dem erstklassigen Rollverhalten bringt das Allround-Duo das Beste in jedem All Mountain zum Vorschein.

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