Viele Radfahrer fragen sich, wo die Vorteile und Nachteile der beiden Premium-Schaltungen Rohloff Speedhub und dem Pinion Zentralgetriebe liegen und ob sich diese für den eigenen Bedarf eignen. Das Thema ist ein heiliger Gral.
Was ist eine Pinion Schaltung?
Bei Pinion handelt es sich um ein Getriebe, das im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten nicht in der Nabe, sondern direkt an der Kurbel arbeitet. Es ist also ein Zentralgetriebe, das für einen tiefen Schwerpunkt des Fahrrads sorgt. Im Inneren ist ein Stirngetriebe verbaut, das mittels zweier Teilgetriebe die verschiedenen Gänge realisiert. Die Konstruktion ist mitunter recht komplex.
Interessierte können sich das Getriebe auf der Pinion Homepage als interaktive Explosionszeichnung ansehen, was es sehr anschaulich macht. Die Technologie im Inneren ist natürlich komplett gedichtet und nach außen hin abgeschlossen, weshalb der Antrieb nahezu wartungsfrei funktioniert. Die Kraftübertragung zum Hinterrad ist dabei nicht nur per Kette, sondern auch per Antriebsriemen möglich. Das kann die wartungsfreie Dauerhaltbarkeit nochmals deutlich erhöhen.
Außerdem sind die Pinion Getriebe für einen hohen Wirkungsgrad und die herausragende Konstruktionsqualität bekannt. Vermutlich hat kaum ein anderes Produkt aus der Fahrradwelt das Label „Made in Germany“ mehr verdient.
Historie und Entwicklung
Im Jahr 1988 brachte Herr Rohloff mit seiner Speedhub 500/15 eine Revolution im Nabenschaltungsbereich auf den Markt. 2006 haben sich die ehemaligen Porsche Ingenieure auf den Weg gemacht. Nach langer Tüftelarbeit stellten die Pinion Entwickler aus dem Schwäbischen auf der Eurobike 2010 ihre neue Technologie erstmals vor. Aus dem Automobilbereich inspiriert, wurde eine Zentral-Getriebeschaltung für Fahrräder präsentiert, welche im Bereich des Tretlagers angebracht wird.
Funktionsweise
Sowohl bei Rohloff als auch bei Pinion bekommt der Fahrer eine Schaltung an die Hand, welche konstante Gangsprünge liefert. Keiner der Gänge überschneidet sich, sodass die an der Kettenschaltung üblichen Ausgleichsschaltungen entfallen.
Vorteile von Pinion und Rohloff Getrieben
Eine Kettenschaltung sieht sich dauerhaft allerlei ungünstigen Witterungsbedingungen direkt ausgesetzt. Ob Regen, Dreck, Schnee oder Staub - die Kettenschaltung bekommt alles direkt ab. Dies hat zur Folge, dass zur Funktionserhaltung sehr oft gereinigt, nachgeschmiert und irgendwann Teile getauscht werden müssen. Sowohl bei der Rohloff als auch der Pinion Schaltung ist dies nicht der Fall. Die beiden „eigentlichen Schaltungen“ sind gekapselt, nur der Antriebsstrang, welcher die Kraft auf das Hinterrad überträgt, liegt offen. Daraus ergibt sich eine enorm erhöhte Lebensdauer der eigentlichen Schaltungen. Bei der Rohloff Nabenschaltungen zeigen Erfahrungswerte, dass bei guter Pflege durchaus rund 100.000 km möglich sind.
Beide Systeme erlauben den Einsatz eines Riemenantriebs oder einer gekapselten Kette, was bei Kettenschaltungen nicht möglich ist. Dazu muss allerdings gesagt werden, dass dies auch bei allen andere Nabenschaltungen möglich ist. Vom Einsatz eines solchen Antriebs profitiert ebenfalls wieder die Lebensdauer, wobei die Pflege des Antriebs schwieriger wird.
- Enorme Übersetzungsbandbreite von bis zu 636%
- Tiefe, zentrale Montage des Getriebes sorgt für einen tiefen Schwerpunkt
- Per Drehschaltgriff lassen sich mehrere Gänge auf einmal schalten
- Die nach außen hin gedichtete Konstruktion macht das Getriebe quasi wartungsfrei
- Schalten im Stand und im Rollen möglich
- Handhabung und Bedienung ist kinderleicht
- Geringe Folgekosten durch wenig Wartung
- Verwendung eines wartungsarmen Antriebsriemens möglich
- Wirkungsgrad höher als bei Kettenschaltungen
- Funktioniert auch bei schlammigen Bedingungen ohne Effizienzverlust
- Kombinierbar mit Elektro-Nabenmotoren
- Die Verwendung eines Nabenmotors schont die Getriebemechanik, wodurch diese langsamer verschleißt
Nachteile von Pinion und Rohloff Getrieben
Der größte Nachteil beider Schaltungssysteme ist sicherlich der hohe Anschaffungspreis. Fairerweise muss allerdings dazu gesagt werden, dass diese auf lange Sicht für Vielfahrer sicherlich günstiger sind. Schließlich entfallen viele teure, regelmäßigen Wartungsarbeiten an der Schaltung, wie es bei einer Kettenschaltung nötig wäre.
Je nach Qualität (und vor allem Preis) der Kettenschaltung, ist diese um einiges leichter als die beiden alternativen Schaltungssysteme. Die Rohloff-Nabe ist jedoch mit rund 1,8 kg nochmals um einiges leichter als ein Pinion Getriebe, welches je nach Linie rund 2,1 kg (C-Linie) bis zu etwa 2,7 kg (P-Linie) wiegt.
Bei beiden Rädern macht sich der Käufer von einem System abhängig. Ersatzteile lassen sich so nur von diesem Hersteller beziehen und auch der Wechsel auf ein komplett anderes System ist nicht ohne weiteres möglich. Auch hier hat allerdings Rohloff wieder die Nase vorne, da grundsätzlich an einem Rahmen mit Rohloff-Schaltung quasi auch jede andere Nabenschaltung verbaut werden kann.
- Höheres Gewicht als andere Schaltungen (z.B. Kettenschaltung)
- Hohe Anschaffungskosten
- Nachrüsten ist nicht möglich, da eine spezielle Aufnahme am Rahmen benötigt wird
- Funktioniert nur mit einem Drehschaltgriff, was manche Fahrer als unangenehm empfinden
Wirkungsgrad
Der Wirkungsgrad einer Kettenschaltung ist unerreicht, wobei dieser sehr stark von der Kettenschmierung abhängt. Eine schlecht geschmierte und womöglich noch kaum gespannte Kettenschaltung verliert gegen die Rohloff- oder Pinion-Schaltung auf jeden Fall. Bei guter Pflege müssen sich allerdings beide Schaltungen geschlagen geben, sei es die Rohloffschaltung mit einem mittleren Wirkungsgrad von etwa 97 % oder die das Pinion Getriebe welches auf einen Mittelwert von etwa 96 % kommt.
Für die Rohloff meldet „cycling about“ eine durchschnittliche Effizienz von 94,5% über alle Gänge hinweg. Das Pinion Getriebe im Tretlagerbereich kommt durchschnittlich auf etwas weniger, und zwar 90,5%. Ob der Alltagsradler diese 4% Unterschied im täglichen Betrieb spürt, wird uns wohl letztlich verborgen bleiben.
Schaltverhalten
Eine Kettenschaltung lässt sich unter Last gut schalten, zwar widerwillig und mit hoher Geräuschkulisse, aber sie gehorcht. Wer mit Rohloff-Nabe oder Pinion-Getriebe am Berg zu spät schaltet, der bekommt ein Problem. Hier ist anhalten angesagt um Schalten zu können. Dafür lassen sich beide, ganz im Gegensatz zur Kette, auch im Stand schalten, etwa an der Ampel.
Rohloff vs. Pinion: Gewicht und Schwerpunkt
Der größte Vorteil der Rohloff-Schaltung ist wohl deren Beständigkeit. Das System ist schon sehr lange Zeit auf dem Markt, sehr ausgereift und wird in unzähligen Rädern auf der Welt eingesetzt. Ein weiterer Vorteil der Rohloff-Nabe ist deren geringes Gewicht, vor allem im Vergleich zur P-Linie von Pinion. Beim Systemgewicht ist die Rohloff-Schaltung auf dem Papier definitiv überlegen. Zur P-Serie, welche aus einem Aluminiumblock gefräst wird, trennen Sie rund 1 kg.
Doch hier muss man sich näher mit der Physik dahinter beschäftigen. Der Masseschwerpunkt sagt aus, in welchen Punkt das meiste Gewicht eines Systems zu finden ist. Bei einem Rad ist das typischerweise im Bereich des Tretlagers, dort sitzt beim Fahrrad der Radler mit all seinem Gewicht. Danach folgen das Hinterrad und dann das Vorderrad. Bei der Rohloff-Schaltung kommt zusätzliches Gewicht ans Hinterrad. Bei Pinion hingegen erfolgt die Gewichtsaddition im eigentlichen Radschwerpunkt - dem Tretlagerbereich. Gerade bei Sprüngen mit dem Mountainbike oder sehr steilen Anstiegen kann sich diese Eigenschaft der Rohloff-Schaltung negativ bemerkbar machen.
Beim Thema Schwerkraft hat die Rohloff-Nabenschaltung bergauf Vorteile, die Pinion-Getriebeschaltung bergab. Das Prinzip der rotierenden Masse dürfte den meisten vom Karussellfahren bekannt sein. Je weiter außen man auf dem Karussell steht, desto stärker wird man nach außen gezogen und desto schneller scheint die Drehbewegung zu sein. Kinder die hingegen im Bereich der Karussellmitte stehen, müssen sich weder besonders festhalten, noch drehen sie sich extrem schnell. Da die Rohloff-Schaltung sich auf die Nabenmitte konzentriert, ist der Effekt der rotierenden Masse eher ging.
Zieht man den Punkt „ungefederte Masse“ mit in die Gleichung ein, so gewinnt auch hier die Pinion-Schaltung. Hier geht es um das entkoppeln zweier Systeme, hier im Grunde der Masse des Fahrers von der Masse der Räder. Diese Gesetzmäßigkeit gilt allerdings nur bei vollgefederten Fahrrädern, also bei Rädern die sowohl vorne als auch hinten ein Federungselement aufweisen. Hier gilt der Grundsatz, dass die ungefederte Masse, also die Masse welche den Unebenheiten immer direkt folgen soll, im Idealfall sehr klein ist. Die gefederte Masse, also den Teil den man von den Unebenheiten entkoppeln (sprich abschotten) will, im Vergleich sehr groß. Diese Gewichtsverteilung wirkt sich auf die Leistung des Federungssystems aus. Die Räder eines Fahrrads, sind wie etwa auch die Gabel oder der Hinterbau, Teil eben jener ungefederten Masse, deren Gewicht sehr klein sein soll. Das Tretlager, die Heimat der Pinion-Schaltung, zählt allerdings zur gefederten Masse, welche im Vergleich eher groß sein muss.
Geräuschentwicklung
Pinions Schaltsystem wird eine etwas geringere Geräuschkulisse nachgesagt, wobei sich hier die Geister scheiden. Problematisch ist hier vor allem die Vergleichbarkeit. Alles in allem hängt die Geräuschkulisse nämlich sehr stark von der Rahmenbeschaffenheit sowie dessen Verarbeitung ab. Je nachdem verstärkt dieser die Geräuschentwicklung oder eben nicht.
Modellreihen von Pinion
Wer Auswahl und Vielfältigkeit sucht ist bei der Firma Rohloff sicher an der falschen Adresse, stößt allerdings bei Pinion, vorausgesetzt das Geld stimmt, auf Gehör. Die P-Serie, Pinions teuerste Getriebe-Reihe, lässt sich so etwa in unterschiedlichsten Farben bekommen. Sowohl die P- als auch die günstigere C-Serie unterteilen sich in verschiedene Abstufungen. So kann ein Trekkingradler etwa eine anders geartete Gangabstufung als ein Reiseradler wählen und ein Rennradler wiederum eine völlig andere.
Pinion P-Linie
| P1.18 | P1.12 | P1.9XR | P1.9CR | |
|---|---|---|---|---|
| Gangzahl | 18 | 12 | 9 | 9 |
| Übersetzungsbandbreite | 636% | 600% | 568% | 364% |
| Abstufung | 11,5 | 17,7 | 24,3 | 17,5 |
| Übersetzung kleinster Gang | 1,82 | 1,82 | 1,82 | 1,82 |
| Übersetzung größter Gang | 0,29 | 0,3 | 0,32 | 0,36 |
| Gewicht | 2700g | 2350g | 2200g | 2200g |
Pinion C-Linie
| C1.12 | C1.9XR | C1.6 | |
|---|---|---|---|
| Gangzahl | 12 | 9 | 6 |
| Übersetzungsbandbreite | 600% | 568% | 295% |
| Abstufung | 17,7% | 24,3% | 24,3% |
| Übersetzung kleinster Gang | 1,82 | 1,82 | 1,82 |
| Übersetzung größter Gang | 0,3 | 0,32 | 0,32 |
| Gewicht | 2100g | 2000g | 1800g |
Pinion am E-Bike
Natürlich hat auch Pinion das E-Bike im Auge behalten und daher eine Lösung parat. Allerdings gehen die findigen Ingenieure einen etwas anderen Weg als die Konkurrenz. Bei Pinion wird die Muskelkraft nämlich ins Getriebe eingeleitet und von dort an den Elektromotor in der Hinterradnabe weitergegeben. Erst hier erfolgt die Verstärkung der übersetzten Tretkraft. Beim herkömmlichen Elektrorad wirken Tretkraft und Motorkraft kombiniert auf das Getriebe ein. Der Ansatz von Pinion bietet jedoch gleich zwei Vorteile: Zum einen wird die Mechanik im Getriebe geschont, da weniger Kraft auf die Zahnräder einwirkt, und zum anderen können so die Gänge viel feinfühliger und kontrollierter gewechselt werden. Der Mensch schaltet nämlich trotz aller hochentwickelter Sensorik immer noch am besten - zumindest am Fahrrad.
Pinion, Rohloff, Enviolo NuVinci und Alfine im Vergleich
Mit Pinion, Rohloff, Enviolo NuVinci und Alfine gibt es unterschiedliche Getriebeschaltungen für das Fahrrad. Wie die einzelnen Hersteller im Vergleich abschneiden, kannst du in der folgenden Gegenüberstellung nachlesen.
| Pinion | Rohloff | Enviolo NuVinci | Alfine | |
|---|---|---|---|---|
| Max. Übersetzung | 636% | 526% | 380% | 307% - 409% |
| Max. Gangzahl | 18 | 14 | Stufenlose Gänge | 8 oder 11 |
| Garantie | Fünf Jahre bei Einhaltung der Wartungsintervalle | Zwei Jahre | Zwei Jahre | Zwei Jahre |
| Gewicht | Ca. 1700g | Ca. 2450g | Ca. 1700g | |
| Nachrüstbarkeit | Benötigt speziellen Rahmen | Kann durch individuelle Konfiguration mit fast jedem Rahmen verwendet werden | Kompatibel mit 135x10mm Ausfallenden | Passt in jeden Rahmen mit einem Hinterbau mit den Maßen 10x135mm. Das ist quasi jeder Trekking- oder Citybike-Rahmen |
| Verwendung im E-Bike | Funktioniert mit Nabenmotoren. Kein automatisches Schalten möglich. Getriebe kommuniziert auch nicht mit der Elektronik des Motors/Displays. | Funktioniert mit Mittelmotoren. In Kombination mit Bosch Motoren wird die Nabenschaltung intelligent integriert. Empfohlene Gangwechsel werden angezeigt, im Stand wird automatisch auf einen leichten Gang zum Anfahren geschalten uvm. | Funktioniert mit Mittelmotoren. Man kann die bevorzugte Trittfrequenz einstellen, die dann durch automatische Schaltvorgänge immer konstant gehalten wird. | Funktioniert mit Mittelmotoren. In Verbindung mit dem Shimano Steps Motor kann auch automatisch geschaltet werden. |
| Wartung | Fast wartungsfrei. Lediglich alle 10.000km bzw. ein Mal pro Jahr wird ein Ölwechsel empfohlen. | Fast wartungsfrei. Lediglich alle 5.000km bzw. ein Mal pro Jahr wird ein Ölwechsel empfohlen. | Wartungsfrei | Wartungsfrei, gelegentlich müssen Schaltzüge an der mechanischen Version nachgestellt werden |
| Schaltgriff | Drehschaltgriff | Drehschaltgriff | „Rapid Fire“ Daumenschalthebel, in der elektronischen Version Schaltknopf am Lenker oder Rennrad Brems-Schalteinheit | |
| Schaltvorgang | Im Stand, Rollen und unter Teillast. In schnellere Gänge unter Volllast. | Im Stand, Rollen und unter Teillast. | Im Stand, Rollen und unter Last | Im Stand, Rollen und unter Last |
| Wirkungsgrad | Da nur zwei Getriebestufen vorhanden sind, ist ein Pinion Getriebe effizienter als eine Kettenschaltung. Der Wirkungsgrad liegt aber etwas unterhalb einer Rohloff | Bietet den höchsten Wirkungsgrad aller Nabenschaltungen | Durch die erhöhte Reibung ergibt sich gegenüber einer Kettenschaltung ein leichter Leistungsverlust | Etwas geringer als Rohloff Speedhub |
| Anschaffungskosten | Fahrräder samt Pinion Getriebe fangen aktuell bei ca. 2.500 € an. Seit 2019 auch für den Endverbraucher ab 649€ bis 1.499€ erhältlich. | Ca. 1000 € | Ca. 350-400 € | Ab 150€ für die 8-fach Nabe ohne Zubehör, ca. 300€ für die 11-fach Variante |
Verwandte Beiträge:
- Bestes Mountainbike unter 1000€: Test & Vergleich der Top-Modelle
- Naturnser Alm Mountainbike Tour: Streckenbeschreibung & Tipps
- Mountainbike Sattelfederung: Komfort & Performance im Vergleich
- Mountainbike Kurs Aachen: Techniktraining & Touren
- Shimano Kurbel Abdeckkappe Anleitung: So gelingt Wartung und Demontage kinderleicht!
- Das i:SY Bike: Entdecke das Kompakte, Vielseitige und Leistungsstarke Fahrrad-Erlebnis
Kommentar schreiben