Rohloff Speedhub 500/14: Erfahrungen mit der legendären Mountainbike-Nabenschaltung

Die Rohloff Speedhub 500/14 ist eine Getriebenabe, die seit 1999 weltweit bei Radreisenden bekannt und geschätzt ist. Mittlerweile wurden über 200.000 Exemplare verkauft. Die heutige Rohloff AG ist ein Unternehmen aus dem Fuldatal bei Kassel. Bekannt wurde Rohloff durch seine langlebigen Fahrradketten S-L-T 99, welche mit einer hohen Präzision gefertigt wurden und unverwüstlich war. Das Unternehmen wurde 1986 von Barbara und Bernhard Rohloff gegründet.

Technische Daten der Rohloff Speedhub 500/14

Die Rohloff Speedhub zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

  • 14 Gänge, gleichmäßig abgestuft
  • Ergonomische Gangsprünge von 13,5 oder 13,7 %
  • Gesamtübersetzung von 526 %
  • Achsbreiten: 135 mm, 142 mm, 148 mm
  • Speichenzahl: 32/36
  • Speichenflansch-Abstand: 58 mm, symmetrisch
  • Speichen-Lochkreisdurchmesser: Ø100 mm
  • Speichenloch-Durchmesser: Ø2,7 mm
  • Achsbreite über alles: 147 mm, 149 mm, 155 mm
  • Bremsscheiben-Zentrierdurchmesser: 52 mm
  • Lochkreisdurchmesser Bremsscheibenaufnahme: 65 mm
  • Gewicht: 1700 g (CC), 1800 g (CC EX), 1825 g (CC DB)

Heute stellt die Firma wohl die Robusteste Fahrradnabe der Welt her.

Erfahrungsbericht zur Rohloff Speedhub

Bei der Rohloff Speedhub Nabe arbeitet ein präzise abgestimmtes Planetengetriebe, mit 14 Gängen. Die Nabe ist bekannt für Laufleistungen von weit über 150.000 Kilometern. Es gibt sogar mittlerweile ein Modell, was auf die 400.000 Kilometer Marke zusteuert. Unsere Nabe hat eine Laufleistung von 8995 Kilometern hinter sich gebracht.

Mit einer Übersetzung von 526 % ist die Rohloff Nabe fast ungeschlagen. Nur das Antriebssystem Pinion P1.18 mit einer Übersetzung von 600 %, bietet noch mehr Spielraum. Für das Antriebssystem von Pinion hingegen, ist ein spezieller Fahrradrahmen erforderlich. Bei Rohloff muss nur die Klemmbreite von mindesten 135 mm beachtet werden.

Ansonsten lässt sich die Nabe, ohne große Probleme, von einem ins andere Bike umbauen. Was bei der Rohloff von Beginn an aufgefallen ist das nicht überhörbare Mahlgeräusch in den unteren 7 Gängen. Das Geräusch wurde auch nach einem, Ölwechsel nicht besser. Gerade zwischen den Gängen 5 und 7 sind die Mahlgeräsuche deutlich zu hören.

Das Ganze ist bauartbedingt. Drehen in diesen Gängen die Nabenhülse und der Getriebeblock gegeneinander. Ein weiterer Vorteil für uns, als Radreisende ist das symmetrisch eingespeichte Hinterrad. Diese Bauweise führt zu einem stabileres Hinterrad, mit höheren Belastbarkeit. Auch die Wahrscheinlichkeit eines Kettenrisses ist bei der Rohloff Speedhub durch die gerade Kettenführung eher gering.

Der kleine Nachteil der Rohloff ist ein penible Zugverlegung. Macht der Schaltzug irgendwelche knicke, oder starke Biegungen, kann die Schaltpräzision nicht gewährleistet werden. Der Drehgriff funktioniert bei uns reibungslos und erfüllt perfekt seinen Sinn. Eine Alternative zum Drehgriff bietet die Firma Tout Terrain aus Freiburg, mit dem Modell Cinq an. Einem Schalthebelsystem für die Rohloff Nabe - 299,00 €.

Die Nabe hat uns bis jetzt nie im Stich gelassen. Sie läuft bei Wind und Wetter reibungslos und wartungsarm. Gerade mal nach 10.000 Kilometern oder einmal im Jahr, braucht die Rohloff Speedhub eine kleine Streicheleinheit mit Öl. Das nenne ich mal Wartungsarm.

Rohloff Speedhub im Vergleich zur Kettenschaltung

Über 20 Jahre fahre ich Kettenschaltung und sehr viele Jahre davon mit der Shimano XT. Von den mehr als 58.000 Kilometern, die ich bislang durch die Welt geradelt bin, habe ich ca. Im Frühjahr 2015 habe ich mir nun ein neues Reiserad gekauft und damit auch einen Systemwechsel vollzogen: von der Kettenschaltung zur Nabenschaltung, von Shimano XT zur Rohloff Speedhub (mit externer Schaltbox).

Sie ist schwerer als eine Kettenschaltung, sie ist teurer (wesentlich) als eine Kettenschaltung-Komplettgruppe und wenn mal was kaputt gehen sollte, dann kann ich es nicht reparieren, da es ein geschlossenes System ist. Aber mittlerweile ist ihre Einsatzfähigkeit und Lebensdauer auch auf harten Touren längst belegt und wird nicht mehr ernsthaft in Frage gestellt. Und beim Gewicht bin ich als Reiseradler jetzt nicht so empfindlich - es ist ungefähr ein Kilogramm mehr.

Ich muss sagen, ich habe diesen Systemwechsel nicht bereut. Durch die Rohloff habe ich eine neue Freude am Fahren entdeckt. Fast wie eine Automatik schaltet die Rohloff geschmeidig und gibt mir immer den richtigen Speed. Ich bin gefühlt schneller und lautloser mit der Rohloff unterwegs, als mit der Kettenschaltung. Natürlich muss man sich etwas an das Schalten mit der Rohloff gewöhnen. Ich nehme meist Druck aus dem Tritt während des Schaltens. Vergesse ich das, schaltet die Rohloff in den 14ten und damit schwersten Gang.

Das bekommt man aber recht schnell hin und solche Verschalter bleiben selten. Den Drehschalter der Rohloff kann ich gut bedienen. Hier gab es ja bei den ersten Modellen Kritik, dass der Griff sich bei Nässe oder nach Abrieb nicht mehr schalten lässt, weil man immer abrutscht. Bei der Speedhub stehen mir 14 Gänge zur Verfügung. Als Kettenschaltungsfahrer ist man da schon skeptisch, wie das gehen soll: von theoretisch 27 Gängen auf 14. Tatsächlich vermisse ich aber keinen einzigen Gang und fahre dabei noch nicht mal das gesamte Angebot der Rohloff aus. In der Stadt bin ich meist zwischen dem 8 und dem 12 Gang unterwegs. In Georgien war ich natürlich häufiger in den ersten Gängen unterwegs und sie haben mich sicher und einfach über die Berge gebracht. Kein Unterschied zur Kettenschaltung.

Oben hatte ich es schon geschrieben: die Rohloff ist sehr leise. Ich kenne die Stimmen, die sich über die Geräuschkulisse der Rohloff beschweren. Ich kann das nicht bestätigen. Einzig in Gang 7 tritt ein nagelndes Geräusch auf, welches man aber als Kettenschaltungsfahrer durchaus kennt. Es hört sich an, als ob eine Kette laut über ein Zahnrad läuft. Dieses Geräusch ist aber nicht so laut. Man hört es meist wenn es steiler wird, denn nur dann schaltet man in den 7. Gang. Vielleicht nervt das dann besonders, weil es hoch geht und man auch noch sein Treten hört 😉 Aber in Gang 6 und weiter bis 1 ist es dann wieder normal, bzw weg.

Was für mich besonders ausschlaggebend für die Rohloff war, ist die Pflegeleichtigkeit. Ich musste mich erst daran gewöhnen, nicht immer nach den Umwerfern zu schauen und diese zu pflegen. Einfach immer mal ein paar Tropfen auf die Kette und das war es auch schon. Während sich die Rohloff wie eine Automatik-Schaltung fährt, so ist die Shimano XT die Handschaltung. Hier wird noch „ehrlich“ geschaltet und man arbeitet mehr mit dem Rad. Vorne und hinten gibt es immer was zu tun. Ich reagiere mit der XT feiner auf die Anforderungen des Weges und schalte oft einen Gang hoch oder runter. Am Berg oder auf hügeliger Strecke stehen mir natürlich mit 3 vorderen Kränzen und einer 9fach Kassette theoretisch viele Möglichkeiten zur Verfügung.

Was mir an der Kettenschaltung sehr gut gefällt - neben der „Ehrlichkeit“ und Unmittelbarkeit des Schaltens - ist die Möglichkeit, alles immer und egal wo reparieren zu können. Schaltwerke gibt es überall auf der Welt und kleine Teile können nachgebaut werden. Zudem ist die XT sehr robust und so manche Beanspruchung unterwegs, wie Schläge auf Schaltkörper und Hebel nimmt sie gelassen hin. Auch das Schalten unter Last, am Berg beispielsweise, macht die XT problemlos und präzise mit. Nicht umsonst gilt die Shimano XT als Legende unter den Kettenschaltungen und ist nach wie vor bei vielen Tourenradlern die 1. Wahl.

Natürlich bedarf die Kettenschaltung mehr Pflege: Kette reinigen, Ritzel säubern, Schaltwerk und Umwerfer nachstellen und Ölen, Bowdenzüge prüfen. Das klingt jetzt aufwändiger als es ist, denn im Alltag macht man das alles innerhalb weniger Minuten. Das betrifft nicht die Schalthebel und -werke, sondern mehr Kette und Ritzel. Ich bin schon Kettenblätter, Ritzel und Kassetten 10.000 km ohne Wechseln gefahren, aber dann ging auch nix mehr. Im Normalbetrieb habe ich alle 3.000 km meine Ritzel und die Kette gewechselt.

Wo die Kettenschaltung unschlagbar ist, ist beim Preis: eine Komplettgruppe Shimano XT 3×10 ohne Naben bekommt man schon um die 350 Euro, wohingegen eine Rohloff mit um die 1.000 Euro zu Buche schlägt.

Fazit

Wer eine Hochwertige Nabenschaltung sucht, welche Robust und Wartungsarm ist, der findet in der Rohloff genau das was er oder sie sucht. Der Großteile der verbauten Materialien kommt aus Deutschland und unterliegt einem strengen Qualitätsmanagement.

Rohloff E-14: Die elektronische Variante

2017 hat Rohloff endlich eine elektronische Variante der Speedhub herausgebracht: Die Rohloff E-14. Speziell für den Einsatz in e-Bikes macht die E-14 das Schalten intelligenter, einfacher und effizienter - leider aber nur in Kombination mit einem Bosch Antriebssystem. In Kombination mit der Bosch E-Shift-Funktion kann die Rohloff E-14 in allen e-Bikes mit Bosch Active Line, Active Line Plus, Performance Line oder Performance Line CX Antrieben eingesetzt werden.

In der e-Bike Variante übernimmt die Elektronik ab sofort die Ansteuerung der Roholff Speedhub, auf der die E-14 basiert. Über die elektronische Schalteinheit am Lenker wird der Gang gewechselt, dabei reicht minimaler Druck bereits aus. Da die Rohloff Nabenschaltung mit dem Bosch Antriebssystem kommuniziert, nimmt der Motor in dem Moment des Schaltvorgangs die Last aus dem Antriebsstrang, wodurch der nächste Gang samtweich und extrem schnell eingelegt wird. Die Rohloff E-14 schaltet in 180 ms und ist damit derzeit Rekordhalter.

Die Verbindung von Antriebseinheit und Nabenschaltung am e-Bike bietet darüber hinaus noch weitere Vorteile. So ermöglicht die Multi-Shift-Funktion das automatische Hoch- und Runterschalten von drei Gängen gleichzeitig. Die Auto-Downshift-Funktion schaltet im Stand - beispielsweise an einer roten Ampel - automatisch in einen zuvor festgelegten Anfahrtsgang.

Vor- und Nachteile der Rohloff Speedhub

Ein negativer Aspekt der Rohloff Nabenschaltung ist neben dem stolzen Preis auch das Gewicht. Je nach Produktvariante wiegt die Rohloff Speedhub zwischen 1700g und 1900g. Da dieses Gewicht bis auf wenige Ausnahmen in der hinteren Radnabe verbaut ist, verlagert sich auch der Schwerpunkt des e-Bikes nach hinten. Das natürlichste Fahrgefühl wird durch einen mittigen, zentralen Schwerpunkt erreicht - dies ist auch einer der Gründe warum Mittelmotoren so überaus beliebt sind. Rutscht der Schwerpunkt des e-Bikes durch das Gewicht der Rohloff nun weiter nach hinten, hat das Hinterrad zwar mehr Traktion und das e-Bike fährt sich überaus dynamisch, das Fahrgefühl entfernt sich aber weiter von dem eines herkömmlichen Fahrrads - wenn auch nur minimal. Dies ist wahrscheinlich eine Erklärung dafür, warum die Rohloff Speedhub in e-Mountainbikes in der Beliebtheitsskala noch immer hinter den bewährten Kettenschaltungen steht. Hinzu kommt bei diesem e-Bike-Typ, dass sich die Hinterbau-Kinematik durch eine Gewichtsverlagerung auf das Hinterrad verändert. Eine Fully e-Mountainbike mit Rohloff Nabenschaltung muss also vom gesamten Aufbau auf diesen verschobenen Schwerpunkt hin konstruiert sein.

Die Rohloff AG ist bekannt für hochwertige und langlebige Produkte. Dabei ist zu bemerken, dass 99% der Zulieferer aus Deutschland stammen, weshalb Rohloff mit „Made in Germany“ in Verbindung gebracht wird - in heutigen Zeiten keine Selbstverständlichkeit mehr! Erst nachdem jedes Teil der insgesamt 150 Zulieferer die Qualitätskontrolle überstanden hat, darf es Komponente eines Rohloff-Produktes werden. Aber nicht nur die internen Qualitätsstandards, sondern auch die Konstruktion der Rohloff-Nabe machen diese Gangschaltung zu einer der wartungsärmsten und langlebigsten auf dem Markt.

Eine Rohloff-Schaltung ist lange im Einsatz und bedarf dabei minimalem Wartungsaufwand und natürlich auch wenig Instandhaltungskosten. Das geschlossene System der Nabenschaltung schützt die Gangschaltung vor äußeren Einflüssen, wie Schmutz und Nässe. Aber auch der Verzicht auf Ritzelpakete und anfällige dünne Ketten minimiert die Folgekosten.

Die Speedhub 500/14 von Rohloff ist in vielen verschiedenen Versionen und auch in mehreren Farben verfügbar. Die Technik dieser Nabe ist äußerst präzise und ausgeklügelt, hier finden Sie nahezu zu 100% Einzelteile „Made in Germany“.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0