Fahrradreifen sind eine sehr individuelle Angelegenheit. Neben Labormessungen spielen der persönliche Fahrstil, der Luftdruck, die Belastung, der bevorzugte Untergrund und die eigene Fahrsensibilität eine wichtige Rolle bei der Performance eines Fahrradreifens. Im Folgenden werden individuelle Erfahrungen mit verschiedenen Reifenmodellen geteilt und Entscheidungen sowie Urteile begründet.
Begrifferklärung
Reifen sind heutzutage voller Abkürzungen und Zahlen, deren Bedeutung nicht immer klar ist. Jeder Hersteller hat seine eigene Reifensuppe, weshalb vor allem die Bezeichnungen der Gummimischungen markenabhängig sind. Hier sind einige wichtige Begriffe erläutert:
- ETRTO: Die European Tyre and Rim Technical Organisation hat die aktuellen Reifen- und Felgengrößen definiert. Die Angabe kombiniert die Breite des Reifens und den Raddurchmesser, z. B. 55-622 (55mm breit, 622mm Innendurchmesser = 28/29 Zoll).
- Compound: Die jeweilige Reifenmischung, oft ein Geheimnis der Hersteller. Bessere/individuellere Mischungen kosten in der Regel mehr.
- Vittoria 4C: Ein Beschichtungsverfahren, das vier verschiedene Gummimischungen in einer Lauffläche vereint.
- TPI (Threads per Inch): Die Anzahl der in einer Reifenkarkasse verbauten Fäden. Eine niedrigere TPI (z. B. 60) bedeutet robustere Fäden und eine widerstandsfähigere Karkasse.
- Tubeless Ready (TLR), Tubeless (TL), TNT: Bezeichnungen für Reifen, die ohne Schlauch, aber mit Dichtmilch verwendet werden können.
Tubeless-Erfahrungen
Es gibt Felgen (Alu) mit Hook, also einer Kante im Innenprofil, die dann den Reifen mit dessen Rand sichert. Aber es gibt auch viele Hookless Felgen, vor allem seit Carbon Felgen immer mehr im Kommen sind. Beim Aufpumpen rutscht dann der Reifen laut und deutlich mit einem Plopp unter diese Kante und ist gegen das Abrutschen/Abheben während der Fahrt gesichert. Es wird empfohlen, ein hochwertiges Tubeless-Ventil zu verwenden.
Reifen im Test
Maxxis Ikon
Die Maxxis Ikon sind vor allem im Gelände recht schnell, laufen angenehm und haben auch bei Nässe guten Grip. Das Profil ist recht offen, was ein Zusetzen bei Matsch verringert und so den guten Grip gewährleistet. Die Ikon sind einfach zu montieren, harmonieren gut mit vielen Felgen-Modellen und sind schnell. Leider zeigte sich die hohe Pannenanfälligkeit erneut und bereits nach 80km hatte ich einen ersten Platten, den ich mit Maxalami flicken konnte.
Teravail Sparwood
Die Teravail Sparwood sind schnell auf befestigten Wegen und leichtem Gravel. Doch wenn es etwas anspruchsvoller wird, sind sie aus meiner Sicht nicht angemessen. Sie rutschen sowohl bei Trockenheit, als auch bei Nässe. Sehr oft drehte das Hinterrad ohne erkennbaren Grund durch (mal von den 8.000 Watt Leistung von mir abgesehen). Ich habe natürlich auch unterschiedliche Reifendrücke ausprobiert. Nach 1.200km war es dann soweit und ich hatte einen Platten. Die Milch hat das Loch aber verschlossen. Die Teravail Sparwood sind also knapp 3.000km mit nur zwei Platten gelaufen.
Vittoria Mezcal
Der Vittoria Mezcal Reifen macht seinem Namen alle Ehre, denn er ist schon sehr schnell. Der Grip war im Trockenen ok, bei Nässe eher weniger und rutschig. Dafür hat das Gelände kaum Spuren im Profil hinterlassen und der Abrieb war recht gering. Soweit so gut. Aber ihr ahnt es schon: nach nur 400km hatte ich dann einen Platten.
Continental RaceKing
Nach nur 1.000km habe ich die RaceKing dann wieder abgenommen. Sie waren zu pannenanfällig. Ein RaceKing fährt aber noch am Bombtrack im Stadtradmodus und mit Schlauch weiter. Die Abnutzung ist nach wie vor sehr gering.
Wolfpack Speed
Die Wolfpack Speed bieten einen schnellen Reifen bei gleichzeitig hervorragendem Grip. Im Trockenen Spitze, bei Nässe noch richtig gut. Und sie sind leicht: mit 590g im Feld der bisherigen Reifen einfach die leichtesten. Das Profil ist recht offen und gleichzeitig durch die Noppenhöhe und Positionierung nicht nur im Gelände, sondern auch auf der Straße schnell. Nach 400km hatte ich einen großen Cut im Vorderreifen (wäre für alle Mäntel problematisch gewesen), der selbst durch 3 Würste nicht richtig zu verschließen war.
Schwalbe Reifen
Schwalbe Reifen werden seit 1973 im Ruhrgebiet hergestellt. Das Unternehmen hat sich zu einem Inbegriff für Fahrradreifen "Made in Germany" und einer riesigen Modellvielfalt entwickelt. Ob Stadtflitzer, Cross-Country- oder Downhill-Bikes: Die deutsche Traditionsmarke hat den passenden Reifen parat.
Schwalbe Karkassen
Bei Schwalbe erfolgt die Benennung der Karkassen relativ gut nachvollziehbar. Hier wird mehr oder weniger der Einsatzzweck hinter die Bezeichnung „Super” gehängt. Die fünf Karkassen Super Race, Super Ground, Super Trail, Super Gravity und Super Downhill bieten ein großes Spektrum von leichten, schnell rollenden Karkassen bis hin zu robusten, mehrlagigen Konstruktionen für härteste Einsätze. Bei der neuen Radialkarkasse weicht Schwalbe von dieser Namensgebung etwas ab.
- Super Race: Fokus auf niedrigen Rollwiderstand und geringes Gewicht.
- Super Ground: Vereinbart Pannenschutz und gutes Rollverhalten.
- Super Trail: Bietet zusätzlich eine Gummieinlage an der Seitenwand als Durchschlagschutz.
- Super Gravity: Spielt ganz vorne mit in Sachen Pannenschutz.
- Super Downhill: Bietet auch bei niedrigen Luftdrücken noch ausreichend Schutz.
Schwalbe Gummimischungen
Schwalbe hat für das Mountainbike-Segment vier unterschiedliche Gummimischungen entwickelt. Aus welcher dieser Mischungen ein Reifen aufgebaut ist, erkennt man bei Schwalbe nicht nur am Schriftzug an der Reifenflanke, sondern darüber hinaus auch auf der Lauffläche durch einen farbigen Streifen.
- ADDIX Speed: Schnelle XC-Race-Mischung mit Fokus auf geringen Rollwiderstand.
- ADDIX Speedgrip: Universal-Compound mit breitem Einsatzbereich.
- ADDIX Soft: Bietet ein gutes Plus an Dämpfung und Grip für den Enduro- und Gravity-Einsatz.
- ADDIX Ultra Soft: Kompromisslose Gummimischung für maximale Kontrolle bergab.
Empfehlungen
- Albert: Empfehlenswert, wenn man die Vorteile der Radialkarkasse nutzen möchte, aber beim Rollwiderstand nicht über die Stränge schlagen will.
- Hans Dampf: Allrounder für All Mountain und Enduro, der sowohl bergab als auch bergauf punkten soll.
- Tacky Chan: Schwalbe vermarktet den Tacky Chan als ihren schnellsten Downhill-Reifen, der sowohl am Vorder- als auch am Hinterrad gut funktionieren soll.
- Big Betty: Der Big Betty ist ein echter Klassiker im Schwalbe Portfolio, der schon in den 90er-Jahren auftauchte.
- Magic Mary: Der grobstollige Reifen mit seinen massiven Seitenstollen bietet eine hervorragende Kurvenführung auf weichen Böden.
Reifenbreite
Früher waren Rennradreifen zwischen 20 - 23 mm breit. Das hat sich aber geändert. Breitere Rennradreifen können mit weniger Luftdruck gefahren werden. Bei den breiteren Reifen (25 mm und 28 mm) muss vorher geprüft werden, ob sie in den Rahmen passen.
- Cyclocross-Bikes können dank der Rahmengeometrie mit bis zu 35 mm breiten Reifen gefahren werden.
- Beim Cross-Country und Marathon Mountainbike werden 51 mm und bis zu 54 mm empfohlen.
- Das All-Mountain besitzt Reifenbreiten von 54 mm bis 61 mm.
- Reifenbreiten beim Trekkingbike liegen zwischen denen des Rennrads und einem Mountainbike-Reifen.
- Grundsätzlich gelten die vorher genannten Reifenbreiten auch beim E-Bike.
- E-Mountainbikes kommen meist mit 51 mm oder 54 mm Reifenbreiten.
ETRTO Tabelle
Die folgende Tabelle zeigt die ETRTO Maße für verschiedene Laufradgrößen:
| Laufrad | ETRTO | Französisch | Zoll | Anwendung |
|---|---|---|---|---|
| 12 Zoll | 47-203 | 12 x 1,75 12 x 1,90 12 ½ x 1,75 12 ½ x 1,90 | Kinderfahrräder, Scooter | |
| 50-203 | 12 x 2,00 | |||
| 54-203 | 12 x 1,95 | |||
| 57-203 | 12 ½ x 2 ¼ | |||
| 62-203 | 320 x 57 | 12 ½ x 2 ¼ | ||
| 32-239 | 300 x 32A | 12 ½ x 13/8 x 11/4 | ||
| 57-239 | 300 x 55A | 121/2×21/4 | ||
| 14 Zoll | 47-254 | 14 x 1.75 | ||
| 50-254 | 14 x 2.00 |
Crossreifen im Test
Crossreifen müssen gut rollen, Pannenschutz bieten und auch im Schlamm gut greifen, ohne zu verkleben. ROADBIKE hat sechs Modelle getestet:
- Challenge Grifo TLR
- Continental Mountainking CX
- Michelin Power Cyclocross Mud
- Panaracer Regacross
- Schwalbe X-One Allround TLE
- WTB Crosswolf TCS
Testergebnisse
Die Ergebnisse des Tests zeigen, dass der Schwalbe X-One Allround TLE mit 92 Punkten als "ÜBERRAGEND" bewertet wurde und somit Testsieger ist. Er bietet viel Sicherheit auf jedem Untergrund und besticht durch Top-Traktion, zumal sich Schlamm schnell ablöst. Dazu kommen Bestwerte beim Pannenschutz.
MTB-Reifen-Kombis im Test
Ein Mountainbike-Reifen ist ein einziger Kompromiss. Hoher Pannenschutz oder geringes Gewicht? Massig Grip und Traktion oder gute Haltbarkeit und leichter Rollwiderstand? Also: Prioritäten setzen.
Drei MTB-Reifen-Kombis für Enduro Bikes im Test:
- Allround-Kombi:
- Continental Kryptotal Fr Trail/Re Trail
- Maxxis Assegai EXO+ / Minion DHR II EXO+
- Schwalbe Magic Mary Superground / Big Betty Supertrail
- Extrem-Kombi:
- Continental Kryptotal Fr/Re DH
- Maxxis Assegai DD / Minion DHR II DH
- Schwalbe Magic Mary / Big Betty SuperG
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