Mountainbike Reifen Flicken Anleitung: So reparierst du deinen Reifen unterwegs

Wenn man während einer schönen Fahrradtour auf einmal einen kaputten Reifen hat, ist der Ausflug ganz schnell und unschön beendet. Das ist sehr schade - vor allem, wenn es sich hierbei um eine schon länger geplante und herbeigesehnte Tour handelt. Man kann sich glücklich schätzen, wenn man über etwas handwerkliches Geschick verfügt.

Einen Fahrradreifen flicken, sollte jeder können, der ein Fahrrad besitzt - es ist kein Hexenwerk! Jeder kann das lernen. Dann kann der „Platten“ schnell und fix repariert werden und es kann weitergehen. Nicht nur deshalb ist es sinnvoll einige Werkzeuge an Bord des Fahrrades zu haben; dies kann unterwegs eine große Hilfe sein.

Benötigtes Werkzeug für die Reifenmontage

Für die Reifenmontage:

  • Zwei Reifenheber aus Kunststoff - Metall kann leicht Felge und Schlauch beschädigen
  • Je nach Modell ggf. entsprechenden Werkzeugschlüssel für die Radachse
  • Standpumpe mit Manometer
  • Zusätzlich zum Schlauchflicken: ein Pannenset aus verschieden großen Flicken, Vulkanisierflüssigkeit und einem kleinen Stück Schleifpapier zum Aufrauen des Schlauchs

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Flicken eines Fahrradreifens

1. Rad ausbauen und Ursache des „Plattens“ überprüfen

Bauen Sie das defekte Laufrad aus und überprüfen dann, ob man die Ursache des „Plattens“ sehen kann.

2. Reifen demontieren

Mit dem Reifenheber heben Sie schließlich den Schwalbe-Reifen über die Felge und können so den Schlauch (dieser befindet sich unter dem Mantel) herausziehen. Lösen Sie das Ventil.

Reifenmontage: Mantel wechseln

Das Rad so hinstellen, dass das Ventil unten ist, einen Reifenheber oben zwischen Reifenwulst und Felge klemmen, sodass er die Reifenwulst etwas abhebt, und ihn dann mit einer Hand festhalten. Eine Handbreit daneben den zweiten Reifenheber unter die Reifenwulst setzen und den Pneu dann mit den beiden Hebern gleichzeitig über das Felgenhorn hebeln.

Jetzt können Sie einen der Heber weiterschieben, bis der Reifen rundum von der Felge springt. Das Ventil lose schrauben und es aus der Felge ziehen. Den Schlauch herausnehmen und die andere Seite des Reifens per Hand von der Felge ziehen.

3. Defekt finden

Wenn der Mantel freigelegt ist, können Sie sich auf die Suche nach dem Defekt machen: Einfach den Schlauch von Schwalbe aufpumpen, in eine große Wasserschale oder -eimer stecken - dann schauen Sie an welcher Stelle nun Luftblasen aufsteigen. Wenn Sie auf einer Tour unterwegs sind, können Sie dieses natürlich auch an einem Flusslauf checken.

4. Schlauch vorbereiten

Wenn Sie keinen Ersatzschlauch dabeihaben, flicken Sie den defekten Schwalbe-Schlauch einfach. Hierfür rauen Sie als erstes die kaputte Stelle auf - dafür nehmen Sie das beim Flickzeug-Set beinhaltete Schmirgelpapier. Danach tragen Sie den Kleber entsprechend auf und lassen diesen einige Minuten trocknen.

Schlauch flicken - ganz einfach

Zunächst das Laufrad ausbauen, Reifen auf einer Seite demontieren und Schlauch abziehen (siehe oben). Pumpen Sie ihn auf. Meist merkt man an der ausströmenden Luft schnell, wo er undicht ist. Ist das Loch so groß, dass der Schlauch beim Pumpen keine Form annimmt und das Loch auf den ersten Blick sichtbar ist - „Platzer“ -, dann sollten Sie gleich zu einem neuen Schlauch greifen.

Finden Sie das Loch nicht durch Aufpumpen allein, sollten Sie den Schlauch in ein Wasserbecken halten und in kleinen Abschnitten durchs Wasser ziehen. So entdeckt man auch das kleinste Loch. Markieren Sie es großflächig mit einem Kugelschreiber.

Dann wird der Schlauch an der Stelle rund um das Loch angeraut, damit der Flicken hält. Rauen Sie mit dem Schleifpaper eine gut flickengroße Fläche an; legen Sie den Schlauch dazu auf einen belastbaren, glatten Untergrund wie einen Tisch oder unterwegs auch einen flachen Stein.

Achten Sie vor allem an den Gussgraten darauf, dass keine Erhebungen mehr zu spüren und zu sehen sind. Verteilen Sie dann einen kleinen Tropfen Vulkanisierkleber auf dieser Fläche. Wichtig: Erst wenn die Stelle so trocken ist, dass der Kleber bei Berührung keine Fäden mehr zieht, geht’s weiter.

5. Flicken aufbringen

Nun können Sie die untere Schutzfolie eines von der Größe her passenden Flickens abziehen, den Flicken auf die defekte Stelle legen und mit dem Daumen 20 Sekunden festdrücken. Haben Sie einen festen, flachen Gegenstand zur Hand, können Sie damit noch mehr Druck auf den Flicken ausüben. Anschließend nicht vergessen: die obere Schutzfolie des Flickens abziehen.

Achtung: Das geht am besten, indem Sie den Flicken mit beiden Daumen festdrücken und dann auseinanderziehen (siehe unten). Beim Versuch, die Folie von der Seite her abzuziehen, hebt man sehr leicht den Flicken wieder vom Reifen ab.

6. Reifen überprüfen

Nach diesem Flickvorgang sollte man den Reifen noch einmal komplett auf weitere / eventuelle Fremdkörper untersuchen.

Mehrfachdefekte vermeiden!

Noch sind wir nicht fertig: Der Reifen muss auf möglicherweise noch im Gummi steckende Fremdkörper untersucht werden - sonst ist der geflickte Reifen gleich wieder perdu. Ist der Nagel oder die Scherbe noch im Mantel, bleibt die Watte gut sichtbar daran hängen.

Sind Sie unterwegs und haben keine Watte dabei, kann man auch langsam und sehr vorsichtig drei Finger durch den Mantel ziehen - auch hier spürt man den Fremdkörper. Ist er entfernt - oder einfach keiner auffindbar, Schlauch und Mantel wieder wie oben montieren.

7. Schlauch einbauen

Wenn wirklich alles OK ist, können Sie den reparierten Schlauch wieder einbauen. Hierfür einen guten Teil der Luft aus dem Schlauch lassen - ein Teil sollte noch im Schwalbe-Schlauch verbleiben, da der Einbau mit leicht aufgepumpten Schlauch deutlich einfacher ist.

8. Reifen montieren

Für den Einbau nehmen Sie das Montagefluid - damit kann der Mantel dann ganz einfach in die richtige Position gleiten. So reduzieren Sie auch gleich das Risiko, dass sich der Schlauch irgendwie unter dem Mantel verdreht.

Nun kommt wieder der Reifenheber zum Einsatz: Ziehen Sie den Mantel mit Unterstützung vom Reifenheber wieder auf die Felge.

Reifenmontage: So kommt der neue Pneu locker drauf

Bei manchen Reifen zeigt ein Pfeil auf der Reifen­flanke die Rotationsrichtung an - sie ist bei manchen Reifenprofilen wichtig. Diese Rotationsrichtung also zuerst checken und den Pneu dann entsprechend neben dem Laufrad positionieren, das wieder so vor uns steht, dass das Ventilloch nach oben zeigt.

Nun eine Seite des Reifens per Hand auf die Felge stülpen. Das sollte mit etwas Nachdruck ohne Werkzeuge machbar sein. Pumpen Sie dann den Schlauch so weit auf, dass er seine runde Form erhält - nicht mehr! Das Ventil nun in die Felgenöffnung stecken und die Ventilmutter einige Um­drehungen anziehen. Dann den Schlauch rundum in den Reifen stecken.

Nun fangen Sie direkt am Ventil an, die zweiten Reifenwulst in die Felge zu drücken, und arbeiten sich beiderseits des Ventils weiter. Es entsteht dabei immer mehr Spannung bei der Reifenwulst. Das letzte offene Stück sollte dann etwa gegenüber des Ventils sein.

Tipp: Wo der Reifen schon auf der Felge sitzt, ihn möglichst in die Mitte der Felge drücken. Das nimmt etwas Spannung von der Reifen­wulst, da die Felgenmitte tiefer als der Rand ist. So bekommt die Reifenwulst wieder mehr Spiel und kann leichter über das Felgenhorn gehoben werden.

Je nach Kraft in den Händen und der Spannung des Reifens kann man mit beiden Händen oft schon die restliche Wulst in die Felge wuppen. Wenn nicht, kommen jetzt die Reifenheber ins Spiel: Je nachdem, wie breit der Spalt noch ist, können Sie einen oder zwei Heber zwischen Wulst und Felge schieben, und zwar so, dass die kleine Nase am Ende des Hebers am Felgenhorn zu sitzen kommt. Jetzt lässt sich der Reifen mit etwas Kraft in die Felge hieven.

9. Abschließende Schritte

Achtung: Unbedingt darauf achten, dass der Schlauch nicht eingeklemmt wird! Falls doch, muss die Reifenflanke nochmals etwas abgehebelt werden, sodass der Schlauch ins Felgenbett ploppen kann.

Tipp: Der richtige Luftdruck-Bereich ist auf der Reifenflanke aufgeprägt. Sie sollten ihn unbedingt einhalten. Wer etwas schwerer ist, orientiert sich am höheren Wert. Der richtige Druck ist für sicheres und komfortables Rollen wichtig - und er schafft erst richtig Fahrspaß!

Nicht vergessen: Nach dem Aufpumpen noch die Ventilmutter per Hand - niemals mit einer Zange! - festdrehen.

Ganz fertig sind wir aber noch nicht: Jeder Reifen hat eine schmale Kontrolllinie ringsum an der Flanke. Diese Linie muss rund um den Reifen denselben Abstand von der Felge haben.

Falls nicht, „eiert“ der Pneu, heißt: Er läuft nicht rund, beim Fahren spürt man ein Hoppeln. Hier hilft das Aufpumpen bis an die Druckgrenze oder auch etwas drüber, sodass die Reifenwulst - meist mit einem Felgenklackern - ringsum in die richtige Position springt. Dann den Luftdruck wieder auf das passende Maß senken.

Der richtige Schlauch mit dem passenden Ventil

Die Schlauchhersteller machen es uns einfach: Auf den Packungen ist aufgedruckt, zu welchen Reifengrößen der Schlauch passt. Sie vergleichen also einfach den Aufdruck auf dem Pneu mit dem Aufdruck des Reifens. Die meisten Schlauchgrößen gibt es mit verschiedenen Ventilen, Sie haben also die Wahl. Fürs Fahrrad gibt es drei Typen:

  • Das Dunlop-Ventil, meist auch Fahrrad-Ventil genannt. Es ist leicht zu handhaben und zu bepumpen, hält aber höheren Drucken nicht sehr lange stand und muss - vor allem bei Einsatz auf Feldwegen (Staub!) - öfter bepumpt werden als andere.
  • Das Auto- oder Schrader-Ventil. Es ist an jeder Tankstelle per Luftdruckgerät zu befüllen und hält die Luft sehr gut. Nachteil: Bei Reifenpanne ist es mit Handpumpe oft schwierig zu handhaben, und eine Tankstelle ist dann selten in Fußnähe.
  • Das Presta/Sklaverand- oder Rennrad-Ventil. Einfach zu handhaben, hält hohen Drucken sehr gut stand und ist deshalb auch am Rennrad Standard - und unser genereller Favorit.

Aber Achtung: Schrader- und Dunlop-Ventil brauchen ein größeres Ventilloch als das Rennrad-Ventil!

Alternativen zum klassischen Flickzeug

Es gibt neben dem herkömmlichen Flickzeug mit Vulkanisiermittel und trockenen Flicken auch selbstklebende Flicken, die ohne Vulkanisierflüssigkeit auskommen. Diese haben keine besonderen Vor- oder Nachteile. Zu beachten ist nur, dass sie nicht mit zusätzlichem Kleber fixiert werden dürfen.

Zudem gibt es Pannensprays, die das Vulkanisiermittel ohne Flicken auftragen. Sie sind für kleine Löcher geeignet und erfordern etwas Erfahrung in der Anwendung und Dosierung.

Tubeless-Reifen flicken

Schlauchlose Reifen, wie sie bei hochwertigen Rennrädern und Mountainbikes bisweilen zum Einsatz kommen, sind bei einem Schaden auch nicht zwangsläufig ein Fall für die Mülltonne. Sie können geflickt oder sogar genäht werden. Auch für Tubeless-Reifen gibt es Reparatursets. Sie enthalten Flickwürstchen, die von außen in den Reifen gesteckt werden.

Üblicherweise gibt es sie in zwei Größen. Damit können Löcher von bis zu 8 Millimeter Durchmesser geflickt werden. Diese Flickwürstchen werden in das Loch gestopft, bis noch ein paar Millimeter herausschauen. Dies erfolgt mithilfe eines gabelförmigen Werkzeugs, das den Sets meistens beiliegt. Danach kann der Reifen aufgepumpt und die Fahrt direkt fortgesetzt werden. Der Reifen muss noch nicht einmal demontiert werden.

Allerdings ist es bei den grobstolligen Mountainbike-Reifen nicht so einfach, die Schadstelle zu entdecken. Alternativ lassen sich Tubeless-Reifen mit konventionellen Flicken versiegeln. Dies ist nicht bei allen Löchern möglich und die behandelte Stelle muss absolut sauber sein.

Ist das Loch größer als ein Zentimeter, kann es auch genäht werden - zum Beispiel mit einer Angelschnur oder robustem Jeansgarn. Dicht wird der schlauchlose Reifen damit nicht. Durch die Naht werden die Schadstellen nur aneinandergedrückt, damit das Loch anschließend von innen und außen vulkanisiert werden kann.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0