Mountainbike Reifen Montage: Eine umfassende Anleitung

Einen Fahrradreifen zu montieren, scheint eine einfache Aufgabe zu sein. Jedoch sieht man oft Radfahrer, die mit defekten Reifenhebern am Wegesrand stehen und Schwierigkeiten haben.

Vorbereitung und Werkzeuge

Als Erstes sollte man den Schlauch vorbereiten, allerdings nur so weit, bis er sich entfaltet hat. Als wichtigstes Werkzeug darf hierbei ein vernünftiger Reifenheber, am besten mit Metallkern, wie z.B. von XLC nicht fehlen. eventuell Gabel- bzw.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Reifenmontage

  1. Reifen vom Felgenbett lösen: Bevor Sie anfangen, den Reifen von der Felge zu ziehen, lösen Sie ihn erst einmal vom Felgenbett. Oft sitzt der Reifen ringsherum wie verklebt auf der Innenseite der Felge. Drücken Sie den Reifen deshalb vom Ventil beginnend ringsherum kräftig zusammen, bis die komplette Reifenwulst locker in der Mitte des Felgenbettes liegt.
  2. Reifen von der Felge ziehen: Nun ziehen Sie mit beiden Händen den Reifen aus dem Felgenbett. Starten Sie auf der Seite des Laufrades, die dem Ventil gegenüber liegt. Anschließend ziehen Sie den Reifen nach vorne von der Felge runter. Diese Technik klappt bei schmalen CC-Reifen bis hin zu fetten Downhill-Schlappen. Je nach Reifen- und Felgen-Kombo brauchen Sie etwas mehr Kraft. Für Tubeless-Reifen benötigen Sie erfahrungsgemäß viel Fingerkraft.
  3. Reifen aufziehen: Falls Sie den Reifen komplett abgezogen hatten, ziehen Sie ihn zuerst ringsherum mit einer Flanke in die Felge. Legen Sie nun den leicht angepumpten Schlauch ein. Beginnend beim Ventil drücken Sie nun mit den Daumen die zweite Flanke ins Felgenbett. Fürs letzte Stücke drehen Sie das Laufrad um.
  4. Alle Speichenbohrungen müssen vollständig und sicher durch ein geeignetes Felgenband abgedeckt sein. Pumpe den Schlauch leicht auf, bis er eine runde Form hat. Das Ventil durch die vorgesehene Bohrung der Felge stecken. Schlauch in den Reifen einlegen.
  5. Gegenüber dem Ventil beginnend montierst Du die andere Reifenseite auf die Felge. Der Schlauch darf nicht zwischen Reifen und Felge eingeklemmt sein. Achte auf rechtwinklige Stellung des Ventils.
  6. Zentriere den Reifen, bevor Du ihn bis zum gewünschten Druck aufpumpst. Benutze ein Manometer (z. B. Schwalbe Airmax Pro) um den Reifendruck einzustellen. Der zulässige Druckbereich ist auf der Reifenflanke angegeben.

WICHTIG! Die Montage des Reifens von der gegenüberliegenden Seite des Ventils aus starten. Der gesamte Reifen muss ins Felgenbett gelegt werden. Nun gleichzeitig mit beiden Händen den restlichen Reifen in die Felge drücken. Das Abstützen des Reifens an den Oberschenkeln oder am Boden hält den Pneu tief in der Felge. Je näher man dem Ventil kommt, umso schwieriger wird oftmals die Montage.

Wenn die Größe des Ventillochs und des Ventils übereinstimmen, raten wir von der Verwendung der Fixierschraube ab. Nun den Reifen aufpumpen. Wir empfehlen einen Luftdruck von rund 1,8 bar am Vorderrad und ca. 2,0 bar am Hinterrad - bei Plus-Reifen ca. 1,0 bzw.

Zusätzliche Tipps und Tricks

  • Hilfreich ist es immer die Montage gegenüber dem Ventil zu beginnen und am Ventil zu beenden, da sich der zu montierende Reifenwulst auf möglichst langer Strecke im Felgentiefbett befinden sollte.
  • Statt den Reifen mit dem Daumen zu drücken, ist es oft leichter den Reifenwulst von gegenüber über das Felgenhorn zu „rollen“.
  • Sehr hilfreich sind natürlich Reifenheber. Achte dabei darauf, dass der Reifenwulst keinen Schaden nimmt. Immer nur ein kleines Stück hebeln und den Reifenheber lieber öfter ansetzen. Auf keinen Fall Reifenheber aus Metall verwenden.
  • Als besonders schwierig in der Montage erweist sich manchmal der Marathon Plus in den schmalen Versionen. Durch die Eigenspannung rutscht der Reifen immer wieder aus dem Tiefbett und dann ist es extrem schwer, das letzte Stück Reifen über das Felgenhorn zu ziehen. Sehr hilfreich ist hier eine dritte Hand, die den Reifen auf der gegenüberliegenden Seite im Tiefbett festhält. Auch ein Kabelbinder oder ein alter Pedalriemen können gute Dienste als "dritte Hand" leisten.
  • Der Schwalbe Reifenheber ist besonders hilfreich bei schwierigen Montagefällen. Du kannst ihn auf der Felge einclipsen und damit den bereits montierten Bereich des Reifenwulstes fixieren. Dieser rutscht dann nicht mehr heraus während Du den letzten Abschnitt über die Felge hebelst.
  • Beidseitig auf den Reifenwulst aufgetragen, kann der Reifenwulst besser in das Felgenhorn rutschen.
  • Wenn sich Fahrradreifen schwer montieren bzw. demontieren lassen, hilft in den meisten Fällen die Verwendung eines Tubeless-Felgenbands anstatt der üblich verbauten Standardfelgenbänder. Tubeless-Felgenbänder sind wesentlich dünner als Standardfelgenbänder und verschaffen somit dem Reifenwulst im Felgenbett etwas mehr Platz. Zudem kann der Reifenwulst über ein Tubeless-Felgenband besser ins Felgenhorn und auch wieder aus dem Felgenhorn herausrutschen.

Umgang mit Montageproblemen

Wenn der Felgendurchmesser zu groß und/oder der Reifendurchmesser zu klein ist, gleitet der Reifenwulst nur schwer in die richtige Stellung auf der Felgenschulter.

Abhilfe: Den Druck kurzfristig überhöhen und/oder den Reifenwulst mit Seifenlauge oder Montageflüssigkeit einreiben, um ihm das Gleiten zu erleichtern.

Unser Montagefluid Easy Fit lässt sich sehr einfach mit der praktischen Schwammdose- ohne Hilfsmittel und schmierige Finger - auf den Reifenwulst auftragen. Beim Aufpumpen gleitet der Reifenwulst dann leicht in die richtige Position auf der Felge. Nach ca. 10 Minuten verflüchtigt sich die Flüssigkeit vollständig.

Wenn der Felgendurchmesser zu klein und der Reifendurchmesser zu groß ist, kommt der Reifen unabhängig vom Reifendruck nicht richtig zum Sitzen.

Abhilfe: schafft meistens ein Zentrieren des Reifens von Hand bei sehr geringem Druck. Bearbeite den Reifen mit dem Daumen, bis die Felgenkennlinie des Reifens an allenStellen parallel zur Felge verläuft.

Besondere Felgentypen

Eine "Hakenfelge" ist heutzutage der Normalfall - also eine Felge, bei der die Felgenhörner oben mit einem Haken nach innen abschließen. Es gibt aber auch noch viele, sogenannte "Westwood" Felgen im Markt. Hollandräder sind z. B. häufig darauf unterwegs. Diese klassischen Felgen haben keinen Haken, der den Reifen festhält und zentriert. Zudem bestehen Westwood-Felgen aus Stahl mit einer sehr glatten Oberfläche. Diese Felgen erfordern bei der Montage besondere Aufmerksamkeit.

Westwood-Felgen

  • Manuelle Zentrierung: Bevor der Reifen stramm aufgepumpt wird, muss sichergestellt werden, dass er zentrisch auf der Felge sitzt. Anders als bei einer Hakenfelge rutscht der Reifen beim Aufpumpen nicht automatisch in die richtige Position. Wenn der Reifen ungleichmäßig sitzt, kann er leicht von der Felge abspringen.
  • Luftdruck max. 5 Bar: Generell sind solche Felgen nicht hochdrucktauglich. Den maximal möglichen Luftdruck des Reifens kann man auf solchen Felgen meist nicht ausschöpfen. Durch die ETRTO-Norm ist der Luftdruck auf 5 Bar begrenzt. Wir empfehlen, noch etwas mehr Sicherheitsreserve einzukalkulieren und es bei vier Bar zu belassen. Daraus ergibt sich auch, dass diese Felgen für schmale Reifen oder schwere Fahrer nicht gut geeignet sind.

Mittlerweile gibt es auch moderne MTB-Carbonfelgen ohne Haken auf dem Markt. Nach unseren bisherigen Erfahrungen funktioniert die Reifenmontage darauf aber problemlos.

Tubeless-Montage

Einen Fahrradreifen tubeless, also ohne Schlauch zu montieren, scheint für manche eine schwierige Aufgabe zu sein. Mit den richtigen Tipps und Tricks ist es jedoch keine große Sache.

Vorbereitung für Tubeless

Bevor ihr startet, müsst ihr sicherstellen, dass ihr die richtigen Parts zur Verfügung habt. Ihr braucht Tubeless-ready Felgen und Reifen, Dichtmilch und ein Paar Tubeless-Ventile. Wenn eure Felgen kein Felgenband haben, müsst ihr vorher ein spezielles Tubeless-Felgenband einkleben, das eure Felgen abdichtet.

Schritte zur Tubeless-Montage

  1. Felgenband anbringen: Bevor ihr ein Tubeless-Felgenband einlegt, müssen eure Felgen sauber und trocken sein. Ihr könnt Isopropanol oder Bremsenreiniger zum Säubern verwenden. Die Breite des Felgenbands hängt von der Breite des Felgenbetts ab. Am besten beginnt ihr 5 cm links vom Ventilloch und klebt das Felgenband ca. 12 cm Stück für Stück in das Felgenbett. Legt das Band im Uhrzeigersinn ein und stellt sicher, dass es immer auf Spannung ist. Während ihr die Spannung beibehaltet, drückt ihr das Felgenband mit euren Daumen fest ins Felgenbett. Diesen Ablauf wiederholt ihr solange, bis ihr wieder am Anfang des Tapes angelangt seid. Beim Stoß soll sich das Felgenband dann ca. 12 cm überlappen. Anschließend sauber abschneiden und das Ende festdrücken.
  2. Ventil installieren: Wenn ihr das Ventilloch gefunden habt, stecht ein Loch durch das vorher eingelegte Felgenband. Mit einem spitzen Gegenstand wie einer Nadel bekommt ihr ein sauberes, rundes Loch hin. Mit einem Messer könnte es passieren, dass das Felgenband unnötig großflächig durch einen Schnitt beschädigt wird. Nun steckt ihr das Ventil vorsichtig von innen heraus durch das Loch und achtet darauf, dass die Basis des Ventils fest am Felgenbett aufliegt. Danach setzt ihr die Mutter auf und zieht sie handfest an.
  3. Reifen montieren: Setzt den Reifen auf eure Beine oder den Boden ab und drückt die andere Seite des Reifens in die Felge. Bevor der Reifen montiert wird, solltet ihr auf die Laufrichtung achten. Die Richtung wird bei den meisten Herstellern durch einen Pfeil an der Seitenwand angegeben. Danach fangt gegenüberliegend zum Ventil mit der zweiten Reifenseite an. Wenn ihr die Felge absetzt, habt ihr beide Hände frei und könnt die Reifenwulst mit Kraft in die Felge drücken. Wenn ihr euch dem Ventil nähert, wird es immer schwerer. Stellt sicher, dass die Reifenwulst rundherum tief in der Felge sitzt - das erleichtert euch zum Ende hin die Installation des Reifens.
  4. Dichtmilch hinzufügen: Der einfachste und sauberste Weg, die Tubeless-Dichtmilch in den Reifen zu bekommen, führt direkt durch das Ventil. Ihr müsst einfach den Ventilkern herausschrauben und mit der Injektionsflasche oder einer Spritze die Tubeless-Dichtmilch durch das Ventil drücken. Den Ventilkern danach einfach wieder einsetzen. Alternativ könnt ihr die Dichtmilch auch direkt in den Reifen geben, bevor ihr das letzte Stück des Reifens in die Felge drückt. Wir empfehlen 80-120 ml Dichtflüssigkeit pro Reifen.
  5. Reifen aufpumpen: Einige Reifen-Felgen-Kombinationen lassen sich leicht mit einer normalen Standpumpe aufpumpen. Alles, was jetzt noch kommt, ist das Aufpumpen des Reifens. Eine spezielle Tubeless-Pumpe kann die Arbeit erleichtern. Wenn euer Reifen hartnäckig ist, könnt ihr den Ventileinsatz entfernen, um den Luftstrom zu erhöhen. Wenn ihr die Reifen aufgepumpt habt, kann durch Drehen und Schütteln sichergestellt werden, dass die Dichtmilch im Reifeninneren einen Film bildet.

Tipps und Tricks für hartnäckige Reifen

  • Pumpt den Reifen OHNE Ventilkern auf: Das erhöht den Luftstrom und hat schon Wunder gewirkt. Ihr müsst den Ventilkern sofort nach dem Abziehen der Pumpe wieder einsetzten, damit nicht zu viel Luft verloren geht.
  • Schwalbe Easy-Fit-Montageflüssigkeit oder Seifenwasser an der Seitenwand: Wenn der Reifen nicht richtig an die Felge springt, kann Seifenwasser oder Schwalbe Easy-Fit helfen.
  • Reifenbooster oder Kompressor verwenden: Wenn eure normale Pumpe es nicht wirklich bringt, kann ein spezieller Tubeless-Inflator oder ein Kompressor helfen, die Reifen in die richtige Position zu bringen.

Wichtige Hinweise

  • Während CO2 den Reifen in Sekundenschnelle füllt, kann es einen negativen Effekt auf die Dichtflüssigkeit haben. Wenn CO2 aus der Kartusche in den Reifen strömt, entsteht durch den großen Volumenunterschied ein drastischer Temperatursturz. Dieser Temperaturabfall aktiviert einige Dichtmittel, wodurch sich große Latexkugeln im Inneren des Reifens bilden.
  • Die meisten Tubeless-Dichtmittel basieren auf Natur- oder synthetischem Latex, der abbaubar ist. Allerdings fügt jede Marke ihrer Dichtmilch unterschiedliche Additive und Partikel hinzu, um die Performance zu verbessern. Wir raten davon ab, die Dichtflüssigkeiten zu mischen, auch wenn beide Dichtstoffe auf Latexbasis sind.
  • Wenn ihr beim Aufziehen der Reifen Dichtmittel auf die Felgen, Komponenten oder den Boden bekommen habt, wischt sie einfach mit einem feuchten Papiertuch auf und reinigt den Bereich mit Isopropylalkohol.
  • Tubeless-Dichtflüssigkeit kann mit der Zeit austrocknen und dadurch ihre Wirksamkeit verlieren. Wie schnell sie austrocknet, hängt davon ab, wo ihr unterwegs seid (wie heiß das Klima ist) und wie oft ihr fahrt. Wenn das Dichtmittel völlig austrocknet, bildet es oft eine Haut oder einen stacheligen Latexball im Inneren des Reifens, wodurch es unbrauchbar wird.

Reifendrucktabelle

Um Rissen im Reifen aufgrund zu niedrigen Luftdrucks vorzubeugen oder platzende Reifen wegen zu hohen Drucks zu verhindern und allgemein für möglichst hohen Fahrkomfort, solltest Du Dich eingehend mit dem richtigen Reifendruck für Dein Fahrrad auseinandersetzen und wissen, wie Du diesen überprüfen kannst.

Auf jedem Reifen ist angegeben welcher Druckbereich für den Reifen zulässig ist. Diese Angabe findet man auf der Mantelseite.

PSI ATM kPa
35 2.38 238
40 2.72 272
45 3.06 306
50 3.40 340
55 3.74 374
60 4.08 408
65 4.42 442
70 4.76 476
75 5.10 510
80 5.44 544
85 5.78 578
90 6.12 612
95 6.46 646
100 6.80 680
105 7.15 715
110 7.48 748
115 7.83 783
120 8.17 817

Diese Angaben sind ohne Gewähr

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0