Schwalbe Mountainbike Reifen im Test: Innovation und Performance

Eure Reifen sollten beim Mountainbiken die einzigen Kontaktpunkte zum Boden sein und sind somit eins der wichtigsten - allerdings oft stark unterschätzten - Teile am Bike. Einer, der alle Anforderungen kennt, ist der deutsche Reifenhersteller Schwalbe. Seit 1973 entwickelt das Unternehmen Reifenmodelle und wird nicht müde, die Messlatte immer weiter nach oben zu schrauben. Mit dem Reifen Albert bricht Schwalbe ein neues Kapitel an. Denn es ist nicht nur der erste Reifen im neuen Design, auch im Inneren hat sich viel getan: Die neue Radial-Karkasse soll so komplett neue Fahreigenschaften liefern. Die beiden neuen Schwalbe-Reifen, die ausschließlich mit der neuen Radial-Karkasse ausgeliefert werden, hören auf die Namen Albert und Shredda. Damit bringt Schwalbe nicht nur ein neues Design, sondern geht auch weg von den zweiteiligen Namen, die so lange typisch für den deutschen Hersteller waren.

Die neue Radial-Karkasse von Schwalbe

Die neue Schwalbe Radial-Karkasse setzt auf den gleichen Aufbau wie die bekannten Karkassen von Schwalbe, jedoch mit einem entscheidenden Unterschied: Anders als bei den anderen Reifen im Schwalbe-Portfolio und denen anderer Hersteller verlaufen die Fäden nicht im 45° Winkel von einer Reifenwulst zur anderen, sondern nahezu im 90°-Winkel. Daher kommt auch der Name der Karkasse, da die Fäden radial um die Rundung des Reifens laufen - also den kürzesten Weg zwischen den beiden Wülsten haben. Diesen Aufbau kennen wahrscheinlich die meisten von ihren Auto-Reifen, wo dieser Aufbau inzwischen Standard ist. Bei MTBs hat man es bisher allerdings noch nicht gesehen, denn reine Radial-Karkassen haben nur mit einer Draht-Wulst die nötige Stabilität. Schwalbe hat deshalb einen etwas flacheren Winkel gewählt - welcher genau, ist natürlich ihr Geheimnis. Klar ist jedoch: Die Fäden haben durch den stumpferen Winkel weniger Überlappung miteinander, wodurch im Reifen beim Verformen eine deutlich geringere Reibung entsteht. Das soll dann ein weicheres Fahrgefühl geben, ohne dass die Seitenwand-Stabilität und Durchschlagschutz beeinträchtigt werden. Die stärkere Verformung des Reifens mit der neuen Karkasse bedingt allerdings auch einen etwas erhöhten Rollwiderstand. Laut Schwalbe soll der Albert allerdings dank seinem Profil mit Radial-Karkasse den gleichen Rollwiderstand haben wie ein Magic Mary mit der alten Karkasse. Die neue Radial-Karkasse wird zunächst an den beiden neuen Modellen, Albert und Shredda, verbaut. Zukünftig wird aber auch der beliebte Vorderreifen Magic Mary mit der neuen Karkasse erhältlich sein.

Was bewirkt die neue Ausrichtung der Karkassenlagen?

Alleine durch die radiale Ausrichtung der Karkassenlagen spricht Schwalbe von einer Vergrößerung der Reifenaufstandsfläche um 30 Prozent. Mehr Fläche bedeutet nichts anderes als mehr Grip. Und das wohlgemerkt bei identischem Reifendruck. Erhöht man den Reifendruck bei der neuen Konstruktion um 0,5 Bar, so fällt die Aufstandsfläche nach eigenen Angaben immer noch zehn Prozent größer aus.Die radiale Anordnung der Karkassenfäden erhöht zudem die Flexibilität und die Anpassbarkeit des Reifens an den Untergrund. Der Reifen schmiegt sich viel besser den Konturen des Untergrundes an, nimmt Hindernisse besser auf und sorgt für mehr Bodenkontakt. Beim Überfahren kleinerer Wurzeln steht der Reifen vor und hinter der Wurzel am Boden und ist nicht kurzzeitig ausschließlich auf der Wurzel, wie es bei herkömmlichen Reifen der Fall ist. Zudem soll die neue Karkasse eine etwas bessere Dämpfung besitzen, was sich positiv auf die Kontrolle im Gelände und das Fahrgefühl im Allgemeinen auswirken soll.

Vor- und Nachteile der Radial-Karkasse

Vorteile:
  • Mehr Grip
  • Höherer Komfort
  • Bessere Dämpfung
  • Gleich hoher Schnitt- und Durchstichschutz
Nachteile:
  • Minimal höherer Rollwiderstand
  • Etwas schlechterer Durchschlagschutz bei identischem Luftdruck
  • Relativ teuer

Die neuen Schwalbe Reifenmodelle mit Radial-Karkasse

Der große Fokus liegt dabei klar auf dem Albert, dessen Profil speziell für die neue Karkasse und die damit einhergehende größere Verformung der Lauffläche entwickelt wurde. Die Art der Anordnung der Stollen ist der des Magic Mary gar nicht unähnlich. Allerdings liegen die Stollen des Albert näher aneinander und die Seitenstollen sind deutlich kürzer, was dem Reifen ein geschlosseneres, rundes Profil verleiht. Das soll am Vorder- wie auch Hinterrad viel Kontaktfläche mit dem Boden und somit guten Grip in allen Situationen liefern - durch den kleineren Abstand der Stollen am besten bei trockenen Bedingungen. Der Albert wird in 2,5” und 2,6” Breite angeboten, sowohl in Soft- als auch in Ultra Soft-Gummimischung und mit Trail- oder Gravity-Karkasse. Die Gummimischungen bleiben erhalten und behalten sowohl ihre Namen als auch die Farbmarkierung, die eindeutig macht, um welchen Compound es sich handelt.

Schwalbe Albert

Beim neuen Albert Pro handelt es sich um ein Allround-Reifen, der an Bikes ab 150 Millimeter Federweg am besten positioniert ist. Das Profil kann sowohl am Vorder- als auch am Hinterrad gefahren werden. Durch den im Vergleich zum Magic Mary etwas engeren Stollenabstand, soll der Albert seine Stärken gerade mit der neuen flexiblen Karkasse optimal auf den Boden bringen. Magic Mary und Albert Pro sind wahlweise in softer und ultra softer Gummimischung erhältlich.Preislich liegen die Trail-Reifen bei 73,90 Euro und die Gravity-Modelle bei 79,90 Euro. Beim Gewicht kommt die Trail-Variante des Albert in 29 Zoll auf 1080 bis 1160 Gramm (BIKE-Messwerte). Die Gravity-Version des Albert schlägt in 29 Zoll mit 1250 Gramm zu Buche. Die neuen Radial-Reifen von Schwalbe wird es ausschließlich in 2,5 und 2,6 Zoll Breite geben, fallen aber tendenziell etwas schmaler als herkömmliche Schwalbe-Reifen aus. Auf einer 30er-Felge beträgt die maximale Breite (Stollen) beim 2,5-Zoll-Albert 60 Millimeter. Der 2,6er liegt bei 63 Millimeter Breite.

Schwalbe Shredda

Geht es um E-Mountainbikes, rollt der Shredda auf die Bühne. Er bietet ein extrem grobes Profil mit langen Stollen, das von Motocross-Reifen inspiriert ist und am E-Bike bergauf sowie bergab maximale Traktion verspricht, vor allem in weichem Boden. Ein geringer Rollwiderstand war mit den langen, weit auseinanderliegenden Stollen eindeutig nicht das Ziel der Entwicklung. Den Shredda gibt es ausschließlich in der schweren Gravity-Ausführung mit Ultra Soft Gummimischung.

Erster Fahreindruck: Der Schwalbe Albert Gravity radial im Praxis-Test

Wir sind den neuen Schwalbe Albert MTB-Reifen bei der Produktvorstellung in Finale Ligure auf den bekannten schnellen und steinigen Trails gefahren. Dabei haben wir nicht nur Runs auf Trail-Klassikern der Region wie Ingegnere oder Toboga di Canova gemacht. Vielmehr ging es darum, einen vollen Tag Back-to-back-Tests auf einer festgelegten Teststrecke abzuspulen, um den neuen Albert gegen den Magic Mary und auch die neue Radial Gravity-Karkasse gegen die bekannte Super Gravity-Karkasse zu testen. Im Anschluss haben wir die Reifen noch einige Bikepark-Tage über unzählige Laps gejagt, um die Unterschiede detailliert herausstellen zu können. Dabei sind wir den Albert in Ultra Soft-Gummimischung an der Front gefahren und in Soft am Heck.Startet man mit dem Albert mit Radial Gravity-Karkasse auf den Trail, fühlen sich die Reifen bereits auf den ersten Metern deutlich softer an als das Pendant mit Super Gravity-Karkasse. Dadurch folgt der Reifen dem Untergrund besser, spricht deutlich sensibler auf kleine Schläge an und dämpft Vibrationen vom Trail spürbar ab. Vor allem am Vorderrad ist das deutlich zu spüren und durch die verringerten Vibrationen ist es spürbar weniger anstrengend für die Hände. In ruppigen Passagen werden seitliche Schläge besser gedämpft und man wird nicht so schnell von der Line geworfen, wodurch sich die Laufruhe des Bikes deutlich verbessert. Auch nach Sprüngen spürt man eindeutig, dass der Reifen nachgiebiger ist und man landet mit den Albert-Reifen wie auf einem Wattebausch. Denkt man noch bei der ersten Millisekunde der Landung, dass man bis auf die Felge durchschlägt, ist die Dämpfung dann aber sehr progressiv und der Reifen hält stand. Das Fahrgefühl entspricht insgesamt dem, wenn man mit Tire-Inserts unterwegs ist - nur ohne das zusätzliche Gewicht. Ein Unterschied ist allerdings, dass die Radial-Karkasse euch keinen erhöhten Durchschlagschutz bietet - im Gegenteil. Denn Seitenwandstabilität und Felgenschutz kommen nicht ganz an an die der Super Gravity-Karkasse heran, wenn man den Albert mit dem gleichem Druck fährt. Außerdem kann sich der Reifen auf Sprüngen oder in starken Kompressionen etwas ungewohnt anfühlen, da er zunächst deutlich mehr nachgibt und somit auch ein anderes Rebound-Verhalten hat. Allerdings ist das durch leichtes Erhöhen des Reifendrucks schnell behoben. Wir sind mit dem neuen Albert nach einigem Experimentieren etwa 0,1 bar mehr an Front und Heck gefahren, damit haben wir etwa gleiche Karkassenstabilität und immer noch ein deutlich gedämpftes Fahrverhalten mit all seinen großen Vorteilen.

Verheißungsvoll und spürbar anders: die ersten Meter auf den neuen Radial-Reifen von Schwalbe.

Bereits die ersten Meter auf den neuen Radial-Reifen sind verheißungsvoll und spürbar anders. Selbst auf dem Parkplatz wird schnell klar: Die neue Reifenkonstruktion fühlt sich im Vergleich zu einem Standard-Pneu grundlegend anders an. Mit dem gewohnten Luftdruck präpariert, entsteht das Gefühl, einen wesentlich softeren, flexibleren Reifen zu fahren - so, als hätte man ein halbes Bar weniger Druck im Reifen. Der Stabilitätscheck auf griffigem Asphalt belegt jedoch: der Luftdruck passt. Selbst hart gefahrene Kurven und maximales Pushen bringen die Reifen nicht zum Wegknicken. Von Instabiliät fehlt jede Spur. Die große Überraschung wartet jedoch im Gelände. Kleine Wurzeln oder kleine Kanten und Steine inhalieren die Reifen quasi. Feine Unebenheiten werden komplett geschluckt. Der Fahrkomfort liegt spürbar höher. Sobald das Gelände steiler und loser wird, ist Antriebstraktion gefragt. Die neuen Reifen verzahnen sich zuverlässig mit dem Untergrund und bieten selbst auf querliegenden Wurzeln und losen Steinen einen bislang ungeahnt hohen Grip. Auch bergab setzen sich die neuen Radial-Reifen eindrucksvoll in Szene. Das hohe Gripniveau und die gesteigerte Dämpfung sorgen für eine top Verzahnung mit dem Untergrund und steigern das Sicherheitsgefühl. Nach den ersten Testfahrten fällt unser Fazit extrem positiv aus. Die neuen Radial-Reifen sorgen eindrucksvoll für ein höheres Grip- und Sicherheitslevel.

Das Profil des Albert im Vergleich

Das Profil des Albert zeigt gute Allround-Eigenschaften und hat sich in einer Vielzahl von Bedingungen bewährt. Im Vergleich zum Magic Mary bietet er ein entspannteres Fahrverhalten. Das bedeutet, dass er durch sein rundes Profil einen gleichmäßigen Übergang von den Mittel- auf die Seitenstollen hat und dadurch vorhersehbar in die Kurven geht. Bricht der Reifen doch mal aus, passiert das auch nicht plötzlich, sondern sehr vorhersehbar und berechenbar. Der Magic Mary bietet zwar unter einem versierten Fahrer mehr absoluten Grip - vor allem in lockerem Boden -, allerdings auch einen schmaleren Grenzbereich: Bei viel Druck auf den aggressiven Seitenstollen bohren die sich in den Boden, aber wenn der Reifen dann ausbricht, ist er unvorhersehbarer und schwerer zu kontrollieren. Seine große Stärke spielt der Albert bei trockenen Bedingungen und auf harten Bikepark-Lines oder steinigen Trails aus.

Fazit zum Schwalbe Albert mit Radial-Karkasse

Für uns ist der neue Schwalbe Albert-Reifen ein Liebling in der Redaktion geworden, da er bei fast allen Bedingungen sehr stark performt. Durch die neue Radial-Karkasse zeigt er zudem ein gedämpfteres Fahrverhalten, das mehr Kontrolle bietet, Sicherheit vermittelt und weniger ermüdend für die Hände ist. Beim Schwalbe Albert MTB-Reifen ist nicht nur der Look komplett neu, auch die Fahreigenschaften sind radikal anders. Die neue Radial-Karkasse setzt neue Maßstäbe in Sachen Sensibilität und erhöht dadurch die Laufruhe, was den Fahrer weniger ermüden lässt. Einbußen in Sachen Stabilität muss man dafür kaum machen und wer mit dem leicht erhöhten Rollwiderstand zurechtkommt, bekommt mit dem Albert einen starken Allround-Reifen, der mit seinem Profil für die allermeisten Bedingungen geeignet ist und zudem ein sehr vorhersehbares Grip-Verhalten ermöglicht.

Interview mit Carl Kämper, Produktmanager und Entwickler bei Schwalbe

BIKE: Im Pkw- und auch Motorrad-Bereich sind Radial-Reifen Stand der Technik. Bei Fahrradreifen werden nach wie vor Diagonal-Reifen eingesetzt. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, die radiale Karkasse aufs MTB zu übertragen?Carl Kämper: Unser Ziel war es, einen anpassungsfähigen, flexiblen Reifen mit hohem Pannenschutz zu verbinden. Wir haben uns daher lange mit dem Thema Inserts beschäftigt. Der günstigste, leichteste und unkomplizierteste Pannenschutz ist und bleibt jedoch der Luftdruck. Ein höherer Luftdruck vermindert zwar effektiv Durchschläge, verschlechtert aber leider massiv das Fahrgefühl und den Grip. Ziel war es also, mehr Luft zu fahren, ohne dabei Sensibilität und Grip zu verlieren. Einfach nur Karkassenlagen zu reduzieren, funktionierte leider nicht. Die zündende Idee hat ein Video über Motorrad-Trial ausgelöst. Die verwendeten Radial-Reifen vergrößern die Auflagefläche und passen sich dem Untergrund extrem gut an. Auch für den Downhill-Einsatz haben wir schnell das Potenzial erkannt. Die Radial-Reifen lassen höhere Luftdrücke zu, was den Pannenschutz erhöht, bieten aber trotzdem mehr Grip und Komfort.Was sind die genauen Vorteile gegenüber einer konventionellen Diagonal-Karkasse?Der größte Vorteil liegt in der Nutzung der Auflagefläche. Im Vergleich zu einem Sohlenabdruck mit Schuhgröße 42 macht die Reifenaufstandsfläche nur etwa ein Drittel aus. Wir Biker tanzen quasi mit Ballerinas durch den Wald. Da ein Trail alles andere als homogen ist, verkleinert sich diese Fläche jedes Mal beim Abrollen über Unebenheiten. Also musst du dafür sorgen, dass die Kontaktfläche immer am Boden bleibt. Ein geringer Luftdruck bringt aber zu viele Nachteile mit sich. Mit der neuen Radial-Konstruktion können wir eine dicke oder stabile Karkasse fahren und der Reifen folgt trotzdem viel besser dem Untergrund. Der Radialreifen formt sich um Wurzeln herum und bringt dadurch Kontakt vor und hinter dem Hindernis. Zusätzlich fällt die Auflagefläche bei identischem Luftdruck um 30 Prozent größer aus als bei einem Standard-Reifen.Was sind die Nachteile eines Radial-Reifens? Wie sieht es mit dem Rollwiderstand, dem Pannenschutz, dem Gewicht und der Fahrstabilität aus?Eine konventionelle Schwalbe Magic Mary mit Superground-Karkasse und Soft-Gummimischung rollt mit 31 Watt bei 25 km/h auf dem Rollenprüfstand. Das Pendant dazu mit Radial-Karkasse rollt mit 37 Watt rund 20 Prozent schlechter, weil durch die größere Auflagefläche mehr Gummi verformt werden muss. Beim neuen Albert, der über ein optimiertes Profil verfügt, kommen wir auf 34 Watt. Im Gelände, wo der Radial-Reifen seine Flexibilität ausspielen kann, rollt er sogar schneller, was zahlreiche Tests belegen. Was den Schnitt- und Stichschutz anbelangt, sind die Radial-Reifen identisch, weil wir das gleiche Karkassenmaterial verwenden. Nur der Durchschlagschutz verschlechtert sich bei identischem Reifendruck um etwa sieben bis acht Prozent, da der Reifen linearer einfedert. Durch die gewonnen Flexiblität bietet der Reifen aber viel mehr Spielraum beim Luftdruck, wodurch sich der Durchschlagschutz erhöhen lässt bei gleichzeitig besseren Fahreigenschaften. Das Gewicht ändert sich nicht, da - wie gesagt - das gleiche Material zum Einsatz kommt. Unsere anfängliche Sorge, dass sich der Reifen undefiniert oder weniger stabil anfühlen könnte, stellte sich schnell als unbegründet heraus.Der Reifen wurde ursprünglich für technische Uphills mit dem E-MTB entwickelt und soll den Grip maximieren. Das Fahrgefühl macht sich aber auch bergab sehr stark bemerkbar. Sind weitere Anwendungsfälle denkbar?Der Nutzen war ursprünglich E-MTB-getrieben, um den Grip in allen Belangen ohne Einschnitte beim Pannenschutz zu maximieren. Fast zeitgleich ging aber auch die Entwicklung fürs Downhill-Racing in eine sehr ähnliche Richtung. Ein flexibler Reifen, ohne Kompromisse beim Pannenschutz, bietet in vielen Situationen Vorteile.Im Downhill soll ja ein gewisser Amaury Pierron, der die letzten beiden Worldcups (Val di Sole und Les Gets) mit massivem Vorsprung bei extrem widrigen Streckenbedingungen gewonnen hat, auf der neuen Karkassentechnologie unterwegs gewesen sein.Ja, das stimmt. Seit 2022 haben wir die Reifen als Prototypen bereits mit dem Commencal Muc Off Team im Worldcup im Einsatz. Jedes Mal, wenn ein D4 auf der Reifenflanke stand, war es ein Reifen mit radialer Karkasse. Die Kontaktfläche gibt nun mal das Maß an Grip vor. Die vergrößerte Auflagefläche hat bei den extrem rutschigen Bedingungen daher sicherlich auch eine entscheidende Rolle gespielt.Neben der E-MTB-Version wird es zusätzlich eine etwas leichtere Trail-Version von den neuen Reifen geben. Für wen ist dieser Reifen die richtige Wahl?Wir haben das Thema für uns sehr kritisch diskutiert. Ein reines E-MTB Produkt war für uns zu wenig. Auch ein klassischer Mountainbiker kann definitiv große Vorteile daraus ziehen. Auch bei weniger Masse seitens des Bikes sind große Vorteile spürbar. Wenn du ohnehin einen Schwalbe Reifen mit Trail-Karkasse gefahren bist, ist die neue Radialkarkasse in der Trailversion eine Option. Für einen ausreichenden Pannenschutz ist ein Apex im Radial-Reifen Pflicht für einen hohen Durchschlagschutz. Deswegen bieten wir die Technologie nur für Reifen mit Apex an. Ground- oder Race-Reifen sind nicht dabei.Ist es überhaupt möglich richtig leichte Reifen mit der Konstruktion zu bauen oder gibt es Stabilitätsprobleme?Die Seitenwandsteifigkeit war anfangs unsere größte Sorge. Die ersten Fahrtests zeigten aber schnell, dass es weder stärkeres Burping noch Instabilität gab. Im Anlieger kann es lediglich etwas ungewohnt sein, weil der Radial-Reifen sehr viel Grip aufbaut. Leichtere Konstruktionen haben wir bei der Entwicklung zunächst hinten angestellt, aber vielleicht gibt es in Zukunft auch in diesem Bereich spannende und innovative Lösungen. Im Gelände bringt ein flexibler Reifen bei vielen Anwendungen Vorteile.Bei einem Radial-Reifen verlaufen die Fäden der Karkasse im 90 Grad Winkel zur Fahrtrichtung. Bei eurer neuen Karkasse ist das nicht ganz der Fall. Warum besitzen die Fäden trotzdem einen Winkel?Wir haben, was die Anordnung der Karkassenfäden angeht, extrem viel rumprobiert, von 40 Grad aufwärts in fünf Grad Schritten. Den finalen Winkel kommunizieren wir jedoch nicht. Wir konnten den Winkel nur so stumpf wählen, dass die Karkasse nicht ihre Stabilität verliert. Die Fäden der Karkassenlagen müssen überlappen. Da ein zusätzliches Gewebe wie bei unserem Snakeskin Pannenschutz die flexiblen Eigenschaften der radialen Karkasse komplett negiert, mussten wir uns einen Ersatz überlegen.Wie sieht die Zukunft aus? Rollen in ein paar Jahren alle Schwalbe MTB-Reifen auf radialen Karkassen oder bleibt es eine Nische? Wird die zusätzliche Radial-Karkasse zumindest bestehende Karkassen ablösen/verdrängen?In Zukunft werden wir mit Sicherheit mehr Radial-Reifen in unserem Programm haben. Für leichte Anwendungen wie den Cross-Country-Bereich gibt es definitiv noch viel Forschungs- und Entwicklungsbedarf. Im nächsten Jahr sind aber bereits neue Modelle geplant.

Schwalbe MTB-Reifen im Überblick

Seit der Eurobike 2023 präsentiert sich das Unternehmen mit einem überarbeiteten Markenauftritt: neues Logo, neue Flankengestaltung - kurze Zeit später folgten außerdem frische Produktideen wie die neuen Radialreifen. Damit will Schwalbe nun nicht weniger als die Konstruktion moderner MTB-Reifen revolutionieren. Gelingt dieser Schachzug? Bei Schwalbe erfolgt die Benennung der Karkassen relativ gut nachvollziehbar. Hier wird mehr oder weniger der Einsatzzweck hinter die Bezeichnung „Super” gehängt. Die fünf Karkassen Super Race, Super Ground, Super Trail, Super Gravity und Super Downhill bieten ein großes Spektrum von leichten, schnell rollenden Karkassen bis hin zu robusten, mehrlagigen Konstruktionen für härteste Einsätze. Bei der neuen Radialkarkasse weicht Schwalbe von dieser Namensgebung etwas ab.

Die Karkassen im Detail

  • Super Race: Fokus auf niedrigem Rollwiderstand und geringem Gewicht.
  • Super Ground: Vereint Pannenschutz und gutes Rollverhalten.
  • Super Trail (Trail Pro bei Radialreifen): Bietet zusätzlichen Durchschlagschutz und Stabilität durch eine Gummieinlage an der Seitenwand.
  • Super Gravity (Gravity Pro bei Radialreifen): Sehr guter Pannenschutz, ideal für Enduro-Einsätze.
  • Super Downhill: Maximale Stabilität und Durchschlagschutz, jedoch etwas schwerer.

Gummimischungen

Schwalbe hat für das Mountainbike-Segment vier unterschiedliche Gummimischungen entwickelt:
  • ADDIX Speed: Für XC-Rennen, Fokus auf geringem Rollwiderstand.
  • ADDIX Speedgrip: Universal-Compound für XC, All Mountain und Trail.
  • ADDIX Soft: Für Enduro und Gravity, bietet guten Grip und Dämpfung.
  • ADDIX Ultra Soft: Kompromisslose Gummimischung für maximale Kontrolle bergab.
Reifenmodell Einsatzbereich Karkasse Gummimischung
Albert All Mountain, Trail Trail Pro, Gravity Pro Soft, Ultra Soft
Shredda E-MTB Gravity Pro Ultra Soft
Magic Mary All Mountain, Trail, Enduro, Downhill Trail Pro, Gravity Pro, Super Downhill Soft, Ultra Soft

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0