Marokko ist nicht umsonst ein beliebtes Reiseland. Tausendundeine Nacht und Singletrails ohne Ende erwarten Sie hier. Für Mountainbike-Enthusiasten bietet das Land eine faszinierende Kombination aus atemberaubender Natur und kultureller Vielfalt.
Die Faszination Marrakesch
Die marokkanische Königsstadt Marrakesch gilt als Inbegriff von Tausendundeiner Nacht. Bei Sonnenuntergang lohnt sich ein Blick von der Dachterrasse des „Café de France“ auf den berühmten Place Djemaa el-Fna.
Der Place Djemaa el-Fna verwandelt sich jeden Abend in ein riesiges Freiluftrestaurant mit unzähligen Grillbuden. Dort gibt es neben Brochettes (Fleischspieße), Tajine (Gericht aus dem Tontopf) und Harira (Suppe) auch exotischere Speisen.
Mountainbike-Touren im Atlasgebirge
Pierre-Alain bietet mit seiner Firma Marrakech Bike Action seit über 20 Jahren geführte Bike-Touren im Atlas-Gebirge an. Die Touren werden anhand der Bedürfnisse der Teilnehmer, deren Fahrtechnik und Ausdauer zusammengestellt.
Den Schwierigkeitsgrad der Trails, die für die jeweilige Gruppe geeignet sind, kann Pierre-Alain aufgrund seiner langjährigen Erfahrung als Bike-Guide sehr gut einschätzen.
In der Regel handelt es sich um 6-Tages-Touren mit täglich 45-60 km und 5-6 Stunden Fahrtzeit. Was zunächst nicht nach viel klingt, relativiert sich durch die hohen Temperaturen und einen Singletrailanteil von 80 %. Die Teilnehmer bringen in der Regel ihr eigenes Bike mit.
Das Gepäck wird transportiert, übernachtet wird in kleinen Guesthouses bzw. auch auf einer einsam gelegenen Berghütte auf über 2.000 m Höhe. Wie mir Pierre-Alain versicherte, ist dort abends für das eine oder andere kühle Bier gesorgt.
Abenteuerliche Radreise zum Jbel Toubkal
Ein paar Autostunden später traf er seinen marokkanischen Mountainbike-Guide Redouan in Marrakesh, der ihm seine absoluten Lieblings-Trails auf dem Weg zum höchsten Berg Nordafrikas, dem Jbel Toubkal, zeigte.
Das E-Bike war einfach perfekt für die Tageausflüge ins orientalische Bikeparadies (Atlasgebirge), denn neben den Downhill-Passagen mussten sie immer wieder steile Rampen rauffahren.
Neben wunderschönen und abwechslungsreichen Trails lernte Andreas, durch seinen Guide und Freund Redouan, die Kultur und Menschen in den teils sehr abgelegenen Dörfern näher kennen.
Bereits von unten ließ sich erkennen, dass oben am Berg doch noch mehr Schnee lag, als sie sich zuvor erhofften. Nichtsdestotrotz ging es für Andi und Redouan los - zunächst zu Fuß, in Begleitung zweier Packesel.
Unterwegs übernachteten sie in einer Hütte und fuhren dann am nächsten Tag mit ihren Bikes, ohne Esel-Begleitung, weiter. Umso großer war die Erleichterung, als sie endlich oben ankamen.
Doch allzu lange konnten sie sich nicht ausruhen, denn sie hatten ja noch eine über zwei Kilometer lange Abfahrt vor sich. Und die hatte es ordentlich in sich.
Erfahrungen im Hohen Atlas
Meine Reisegefährten waren Eric Porter und Euan Wilson, beide keine unbeschriebenen Blätter, wenn es um Abenteuer in unbekannten Gefilden ging. In Marokko waren sie aber noch nie und so war es gut, dass uns der einheimische Guide Lahcen zur Seite stand, der bald unser Freund werden sollte und die entlegenen Strecken im Atlasgebirge kannte wie seine Westentasche.
Auf den Straßen von „Downtown“-Imlil wichen wir herumstreunenden Hühnern und Katzen aus und begegneten den Einheimischen bei ihrem morgendlichen Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen. Am Stadtrand trafen wir auf einige junge Männer und ihre gelangweilt dreinblickenden Maultiere, denen wir links und rechts unsere Bikes aufschnallten.
Von der Höhe des Passes hatte man einen perfekten Überblick über den Trail, der sich wie eine superfeine Narbe über imposante Grate und Halden voll grobem Geröll zog. Auf dem schmalen Berberpfad, den Hufe und Füße einst in den Berg geschnitten haben, versuchten wir - so gut es ging - den bodenlosen Abgrund zu unserer Rechten zu vergessen.
Unter den wachsamen Augen dreier einheimischer Jugendlicher hüpften wir eine Steintreppe hinab und gelangten zu einer Berghütte. Lahcen plauderte mit dem Besitzer und nur Sekunden später wurde uns aus großer Höhe heißer Minztee eingegossen.
Durch terrassenförmig angelegte Felder gelangten wir auf einen „urbanen“ Singletrail, noch technischer als alles davor, der uns durch ein Bergdorf führte. Die Dorfbewohner beäugten uns neugierig und schnell folgte uns eine Prozession von Kindern durch die engen Gassen, als wären wir Spitzenfahrer bei der Tour de France.
Dieser unzugängliche Teil Marokkos würde nicht mehr lange unzugänglich bleiben … „Schade“, war mein erster Gedanke, aber andererseits: Warum sollten die Leute hier nicht auf die gleiche Infrastruktur - oder zumindest einen Teil davon - zugreifen können wie so viele andere auch?
Von Ouirgane zurück nach Marrakesch
Am nächsten Morgen radelten wir halb verschlafen von unserer Unterkunft los und rollten direkt in einen von Mutter Natur geschaffenen Spielplatz aus roter Erde. Eric war sofort im siebten Himmel und nutzte die glatten Kanten nach Herzenslust zum Abspringen. Als wir über den Damm eines Stausees fuhren, begannen Grüntöne das Rot und Orange zu ersetzen und wir fanden uns in einer erstaunlich fruchtbaren Umgebung wieder - so hatte ich mir Marokko gar nicht vorgestellt.
Nach einem einstimmigen Beschluss, den 1.000-Höhenmeter-Anstieg hochzushutteln, luden wir die Bikes auf unser in die Jahre gekommenes Support-Fahrzeug. Dreißig Minuten später passierten wir eine auseinandergezogene Gruppe von Mountainbikern, denen das Leiden bei jedem Tritt in die Pedale in die Gesichter geschrieben stand.
Wir pedalierten auf die imposanten Gipfel zu, heizten über einen staubigen Singletrail, der bergab und bergauf durch die Terrassenfelder führte. Wir kamen zu einem ziemlich verfallenen Bauernhof, vor dem zwei Schäfer saßen und sich ihr Mittagessen schmecken ließen. Sofort verwickelten sie Lahcen in ein freundliches Gespräch und boten uns Brot und Tee an.
Es war ein sehr befriedigendes Gefühl, auf der Karte eine Route zu ziehen, die uns auf den Spuren der nomadischen Berber von einem Punkt zum nächsten führte, jede Nacht an einen neuen Ort. Schnell waren wir wieder in einem Labyrinth aus engen Gassen, und schließlich wurden wir in einen von Mauern umgebenen Garten geführt. Orangen hingen an den Zweigen, farbenfrohe Überwürfe schmückten sämtliche Oberflächen, in den Tajine-Töpfen auf den glühenden Kohlen brodelte es vor sich hin.
Wir erreichten einen Canyon mit gefährlich überhängenden Felsvorsprüngen und es fühlte sich an wie eine Wildwestlandschaft - so halb rechnete ich damit, dass gleich eine Horde berittener Cowboys um die Ecke schießen würde. Auf den Serpentinen umfuhren wir eine der sich überlappenden Schichten des Hangs nach der anderen, und jedes Mal fühlte es sich an, als würden wir eine Seite in einem Buch umblättern - eine Geschichte voller überraschender Wendungen, die uns immer tiefer in ihren Bann zog.
Durch die Wüstenlandschaften des Südens
Vom Hohen Atlas im Norden bis zum Djebel Saghro-Massiv im Süden durchqueren wir auf dem Bikesattel faszinierende Wüstenlandschaften. Das Tal des Dadès ist Teil der Straße der tausend Kasbahs und ihr reizvollster Abschnitt. Das Saghro-Massiv, zwischen den Flusstälern des Draa und des Dadès, beeindruckt durch seine von tiefen Schluchten durchzogene zerklüftete Vulkanlandschaft.
Verwitterte, bizarre Felstürme und monumentale Tafelberge schillern im wechselnden Licht. Weit schweift der Blick zu ockerfarbenen Gebirgszügen, metallisch schimmernden Felswänden und in der Abendsonne leuchtenden Bergen!
Empfehlungen für die Ausrüstung
Mountainbikes mit Vorderradaufhängung funktionieren am besten auf einer Mischung aus Asphalt- und Schotterpisten. Reifen, die für trockene Bedingungen geeignet sind und einen relativ geringen Rollwiderstand bieten, werden empfohlen. Die Route ist technisch nicht sehr anspruchsvoll, aber es gibt genug Anstiege, die eine konditionelle Herausforderung bieten, sowie einige tolle, schnelle Abfahrten.
Unterkünfte und Verpflegung
Während dieser Reise werden wir 2 Nächte in einem Hotel im Stadtzentrum von Marrakesch verbringen. Die Unterkunft für den Rest der Reise findet in komfortablen Hotels oder Berberhäusern im marokkanischen Stil statt, die auf einer Doppelbelegung basieren. Alle Räume haben normalerweise private Einrichtungen außer in Zagora.
Während der Tour gibt es volle Verpflegung (Frühstück, Mittagsimbiss, Abendessen). Die für uns fremdartige Küche, sowie die einfachen Verhältnisse in den besuchten Regionen verlangen von allen Reiseteilnehmern/-teilnehmerinnen Verständnis, Toleranz und die Bereitschaft, sich anzupassen und weitgehend auf Komfort zu verzichten.
An den MTB-Tagen bereitet der Koch die Mahlzeiten vor: Während der Mittagsrast picknicken wir in der Natur, auf Decken oder Matten am Boden sitzend.
Weitere Tipps und Hinweise
- Bettler und Händler: Abseits der touristischen Hotspots werden Sie in der Regel in Ruhe gelassen und können das Radeln und die Landschaften genießen.
- Trinkwasser: Verwenden Sie das überall erhältliche Flaschenwasser zum Trinken.
- Reparaturen: In fast jedem Dorf können kleine Reparaturen gemacht werden.
- Kleidung: In ländlichen Gegenden sind lange Hosen angebrachter, spätestens nach dem Absteigen.
- Unterkünfte: Ohne Zelt als Backup, rufen Sie einfach morgens im Hotel an, um zu reservieren.
Beispiel für eine Radreise im Djebel Saghro-Massiv
Hier ist eine Tabelle, die die wichtigsten Informationen zu einer 6-tägigen Radreise im Djebel Saghro-Massiv zusammenfasst:
| Kriterium | Details |
|---|---|
| Dauer | 6 Tage |
| Schwierigkeitsgrad | Technik + Kondition 3 |
| Gesamtstrecke | 300 km (60% Piste) |
| Maximale Höhe | 2.615 Meter |
| Unterkunft | Hotels im Stadtzentrum von Marrakesch, komfortable Hotels oder Berberhäuser im marokkanischen Stil |
| Verpflegung | Volle Verpflegung (Frühstück, Mittagsimbiss, Abendessen) |
Diese Reise ist geeignet für Wochenend-Mountainbiker mit einer angemessenen Fitness, die sich auf Waldwegen und Doppelspur wohlfühlen. Die Fahrstrecke an jedem der 6 Haupttage des Radfahrens beträgt durchschnittlich 60 Kilometer und nach dem ersten Tag (mit rund 1550 Höhenmetern) werden die Tage zunehmend leichter. Ein Allrad-Fahrzeug unterstützt die Gruppe durchgehend.
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