Die Sonne scheint, die Trails rufen - es ist Zeit für die nächste Mountainbike-Tour! Doch bevor es losgeht, stellt sich die Frage: Welche Ausrüstung muss mit und wie verstaue ich sie am besten? Ein gut gewählter Mountainbike-Rucksack ist dabei unerlässlich, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein.
Was macht einen guten Mountainbike-Rucksack aus?
Ein guter MTB-Rucksack muss wie ein Panzer eng am Körper sitzen, ohne einzuschnüren oder die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Wichtig sind auch eine durchdachte Fächeraufteilung und ein angenehmer Tragekomfort. Bestimmte Ausrüstungsgegenstände wie Trinkblase, Werkzeug, Brille und Energieriegel sollten schnell und einfach erreichbar sein. Auch eine Helmhalterung und eine integrierte Regenhülle sind von Vorteil.
Die wichtigsten Eigenschaften im Überblick:
- Passform: Enganliegend und stabil, ohne die Bewegungsfreiheit einzuschränken.
- Fächeraufteilung: Durchdacht und zugänglich, für eine optimale Organisation der Ausrüstung.
- Tragekomfort: Angenehme Polsterung und Belüftung, auch bei längeren Touren.
- Zusatzfunktionen: Helmhalterung, Regenhülle, Trinkblasenfach.
MTB-Rucksack richtig packen
Kaum jemand hat seine Sachen öfter für eine Transalp gepackt als Touren-Guide Peter Brodschelm. Hier seine Tipps für den perfekt organisierten Mehrtagesrucksack für eine Alpenüberquerung.Ganz unten im Hauptfach lagert die Wechselkleidung für den Abend. Während des Tages muss man da in der Regel nicht dran. Peters Tipp: Er rollt seine Klamotten zusammen. Das verhindert Falten, spart Platz und die Wäsche sieht immer frisch aus.
Pack-Tipps von Profi Peter Brodschelm:
- Wechselkleidung ganz unten im Hauptfach verstauen.
- Arm- und Beinlinge oder ein Wechsel-Shirt seitlich im Hauptfach platzieren.
- Regenjacke oder Erste-Hilfe-Set griffbereit obenauf legen.
- Werkzeug in einem separaten Täschchen zentral und körpernah verstauen.
Peter nutzt Trinkflaschen, die lassen sich schneller an Quellen wieder befüllen. Das lange Trinkblasenfach direkt am Rücken (nicht im Bild) verwendet er, um selten benötigte, aber wichtige Gegenstände, wie Ersatzspeichen oder lange stabile Kabelbinder, zu verstauen. Wer mit Trinkblase fährt, sollte unbedingt auf ein separates Fach achten. Das Zurückstopfen in den voll bepackten Rucksack ist mühsam.Ungewöhnlich, aber clever: Die Mitte des Hauptfachs belegt ein separates Täschchen mit Peters Werkzeugen. Viel Metall bedeutet viel Gewicht, und das sollte möglichst zentral im Rucksack und nah am Körper verstaut werden. Zudem hat man mit einem Griff alle Tools parat und kann einfach zwischen verschiedenen Rucksäcken wechseln, ohne etwas Wichtiges zu vergessen.
Clevere Details am Rucksack für Mehrtagestouren
Viele Rucksäcke haben speziell kratzfrei ausgestattete Fächer weit oben. Auch gut für Handy, Geldbörse und kleine Zubehörteile, die in den Tiefen des Hauptfachs ansonsten verschwinden würden. An langen Anstiegen schwitzt man die Brille oft nur unnötig voll.Die kleinen Staufächer des Werkzeugfachs nutzt Peter überwiegend als Toilettentasche. Vorteil: So wird das weit vom Körper entfernt liegende Gewicht gering gehalten. Tipp: Bei Zahnpasta, Sonnencreme und Duschgel reichen meist Probepäckchen für eine ganze Woche Transalp.Alles, was man griffbereit haben möchte, ohne dabei den Rucksack abzusetzen, findet in den praktischen Taschen am Hüftgurt Platz - Mini-Tool, Müsliriegel, Smartphone, Handschuhe. Bei Deuter und Vaude sind die Taschen zu klein für moderne Handys. Dafür bieten sie ein leicht zugängliches Fach seitlich am Rucksack.Hier lagern Utensilien, die man tagsüber nicht braucht: Schmutzwäsche oder ein Hüttenschlafsack beispielsweise. Bei Evoc lässt sich dieses Fach per Rollverschluss in der Größe variieren. Praktischer ist aber eine Abtrennung per Reißverschluss wie bei Deuter oder Vaude.
Worauf sollte man beim Kauf achten? Ein Interview mit Peter Brodschelm
BIKE: Wie hält man Ordnung im Transalp-Rucksack?
Peter Brodschelm: Das klappt nur mit Disziplin. Bei mir haben alle Sachen ihren festen Platz. Wenn ich etwas nicht mehr brauche, kommt es sofort an seinen angestammten Platz zurück. Arm- und Beinlinge liegen zum Beispiel immer links außen am Hauptfach. Ich muss nicht mal den Zipper ganz öffnen, um sie raus- und wieder reinzubekommen.
BIKE: Reichen 25 bis 30 Liter für sieben Tage Abenteuer?
Peter Brodschelm: In der Regel ja, sofern man sparsam packt und kein Riese ist. Sechs bis sieben Kilo, mehr sollte ein Transalp-Rucksack nicht wiegen. Ansonsten drohen spätestens ab Tag drei Schmerzen beim Sitzen. Wir hatten auch schon Kunden, die hatten einen Elektro-Rasierer oder einen Fön dabei, das braucht kein Mensch. Auch eine schwere Jeans hat hier nichts verloren. Ab Konfektionsgröße XL wird es übrigens eng, dann muss man sich beim Transport etwas überlegen.
BIKE: Sollte man das Fahren mit Rucksack trainieren?
Peter Brodschelm: Nicht unbedingt das Aushalten der Last. Aber das Fahren auf Trails. Man ist einfach träger und schwerer. Gerade in steilem Gelände, in technischen Kurven oder beim Reifenumsetzen schiebt der Rucksack brutal. Da kann es schon mal passieren, dass ein versierter Fahrer das Gleichgewicht verliert.
BIKE: Wie passt man den Rucksack optimal an?
Peter Brodschelm: Die meiste Last sollte auf der Hüfte liegen. Dafür muss der Rucksack aber zur Rückenlänge passen. Bitte nicht den Hüftgurt maximal anziehen, weil sonst die Atmung über den Bauch blockiert wird. Was mir immer wieder auffällt ist, dass Kunden vergessen, den Brustgurt zu schließen. Der kann aber richtig eingestellt enorm viel Zug von den Schultern nehmen. Moderne Rucksäcke sind beim Sitz übrigens um Welten besser geworden als noch vor ein paar Jahren und rutschen auch im Steilen kaum mehr in den Nacken.
Vier MTB-Rucksäcke im Test
Für einen ausführlichen Vergleich wurden vier Modelle getestet, die sich besonders für Transalp-Touren eignen:
Deuter Trans Alpine Pro 28
Definitiv der beste Trans Alpine Rucksack, den wir je im Test hatten. Er sitzt dank der großen Flügel nicht nur extrem stabil und nimmt viel Last von den Schultern, die Polsterung reicht auch für schwere Lasten. Trotz des enormen Stauraums ist der Deuter perfekt organisiert. Zahlreiche Steckfächer und Unterteilungen schaffen Ordnung, alle Fächer öffnen weit - jedoch nur, wenn zuvor die Zurrgurte gelöst wurden. Große Hüfttaschen, cleveres Smartphone-Fach, optimal einstellbare Gurte. Nur das Gewicht leidet unter der üppigen Ausstattung.
| Eigenschaft | Wert |
| Preis | 200 Euro |
| Gewicht / Volumen | 1655 G / 31 L (getestete Größe) |
| Tragesystem | Schaumpolster |
| Ausstattung | Bodenfach; Werkzeugfach; Lageverstellung; Smartphone-Tasche; Regenhülle; SOS-Label; Frontschubfach |
Evoc Explorer Pro 30
Für technische Alpen-Touren ist der Evoc Fahrradrucksack die erste Wahl. Mit seinem stretchigen Klettgurt sitzt er satt und stabil am Rücken - wenn auch nicht ultimativ bequem gepolstert. Selbst in Steilabfahrten verrutscht hier nichts. Das Taschen-Management ist nahe an der Perfektion, die Aufteilung extrem gelungen. Nur das etwas geringe Volumen mahnt zum sparsamen Packen der Ausrüstung. Praktisch sind auch die großen Hüfttaschen. Die Belüftung ist nur mäßig, der Gurt lässt sich kaum während der Fahrt verstellen.
| Eigenschaft | Wert |
| Preis | 200 Euro |
| Gewicht / Volumen | 1310 G / 25 L (getestete Größe) |
| Tragesystem | Schaumpolster |
| Ausstattung | Waschbeutel; breiter Stretch-Hüftgurt; Bodenfach mit Rollverschluss; Regenhülle; SOS-Label; Helmhalter |
Osprey Escapist 25
Das Leichtgewicht im Test punktet mit massig Stauraum und individuell einstellbarem Rückensystem. Weil der Osprey MTB-Rucksack sehr nah am Träger anliegt und sich die breiten Flügel weit um die Hüften legen, sitzt er auch in der Abfahrt gut. Darunter leidet allerdings die Belüftung. Weniger überzeugt hat das Ordnungssystem: Es gibt nur wenige Staufächer, wodurch schnell Chaos im Rucksack entsteht. Gut: die großen Hüfttaschen, das Schubfach an der Front und der clevere Helmhalter. Die Schultergurte sind nur wenig gepolstert.
| Eigenschaft | Wert |
| Preis | 150 Euro |
| Gewicht / Volumen | 1176 G / 29 L (getestete Größe) |
| Tragesystem | Schaumpolster |
| Ausstattung | 2 Größen; einstellbare Rückenlänge; Helmhalter; Regenhülle; Frontschubfach |
Vaude Bike Alpin Pro 28+
Spannt man das aufwändige Tragesystem des Vaude Bike-Rucksacks, wird der Rücken angenehm von Frischluft umströmt. Mit etwas Übung klappt das auch während der Fahrt. Dafür sitzt der Bike Alpin weniger sicher in der Abfahrt und schaukelt sich wegen des flexibleren Materials etwas auf. Bei hoher Zuladung drücken die Gurte auf die Schultern. Die Aufteilung der Taschen ist gut gelungen, das Werkzeugfach aber zu flach und unpraktisch im Handling. Top: seitliche Smartphone-Tasche. Schade dagegen: nur eine Hüfttasche.
| Eigenschaft | Wert |
| Preis | 180 Euro |
| Gewicht / Volumen | 1322 G / 26,5 L (getestete Größe) |
| Tragesystem | Netzrücken |
| Ausstattung | Größenverstellung; aufwändige Lüftungseinstellung; Regenhülle; Helmhalter; Smartphone/Kartenfach; Werkzeugfach |
Verwandte Beiträge:
Kommentar schreiben