Eine präzise eingestellte Schaltung sorgt für geschmeidige und zuverlässige Gangwechsel. Gerade beim Mountainbike, das auf jeder Tour verschmutzt, ist regelmäßige Wartung wichtig. Und jeder Schaltzug wird folgerichtig am MTB irgendwann schwergängig.
Diese Anleitung erklärt Schritt für Schritt, wie du deine Mountainbike-Schaltung optimal einstellst. Mit dem geeigneten Werkzeug und den richtigen Handgriffen läuft dein Schaltwerk im Handumdrehen wieder rund.
Grundlagen der Mountainbike-Schaltung
Schaltwerk und Schalthebel sind die entscheidenden Bauteile einer Kettenschaltung. Ein Schaltzug aus Stahlgeflecht (bei mechanischen Kettenschaltungen, z.B. von Shimano) oder ein Funksignal (wie bei den Sram AXS Elektro-Schaltungen) überträgt die Schaltimpulse vom Daumen auf den Antrieb. Wer die Funktionsweise der Mountainbike-Gangschaltung verinnerlicht hat, tut sich leichter mit der optimalen Einstellung.
Wir erklären die wichtigsten Bauteile einer MTB-Schaltung und erklären die einzelnen Stellschrauben und Bestandteile von Schaltwerk und Schalthebel.
Das Schaltwerk
Das sogenannte Schaltwerk sitzt hinten am Bike und ist das essenzielle Bauteil einer Kettenschaltung, damit die Kette über die Ritzel der Kassette wandern kann.
Das Schaltwerk einer Mountainbike-Schaltung:
- Befestigungsschraube: Mit der großen Inbus-Schraube ganz oben wird das Schaltwerk über das Schaltauge am Hinterbau des Bike-Rahmens befestigt. Das passende Drehmoment fürs Festziehen liegt bei 8 bis 10 Newtonmeter.
- Umschlingschraube: Der Abstand zwischen Schaltwerk und Kassette lässt sich mit der Umschlingschraube regulieren. Sie sitzt an der Rückseite des Schaltwerks nahe der Schaltaugenbefestigung. Diese Schraube wird von Shimano und Sram auch B-Schraube genannt. Wichtig: Die Umschlingung muss man bei MTB-Fullys immer im SAG einstellen!
- Obere Anschlagsschraube: Bei Shimano-Schaltwerken ist die obere Anschlagsschraube mit einem H markiert (high gear), bei Sram-Schaltwerken ist es die innere Schraube. Sie begrenzt den Schwenkbereich des Schaltwerks nach außen. Mit ihr verhindert man, dass die Kette beim Schalten auf das kleinste Ritzel zwischen Rahmen und Ritzel fällt.
- Untere Anschlagsschraube: Unter der oberen sitzt die untere Anschlagsschraube. Bei Shimano-Schaltwerken ist sie mit einem L (low gear) markiert, bei Sram-Schaltwerken ist es die äußere Schraube. Sie begrenzt den Schwenkbereich des Schaltwerks nach innen. Damit verhindert sie, dass die Kette beim Schalten auf das größte Ritzel zwischen Speichen und Ritzel fällt. Die Einstellung von elektronischen Schaltwerken funktioniert ähnlich wie bei mechanischen MTB-Schaltwerken.
- Zugführung: Die Buchse dient dazu, den Schaltzug mit Hülle (Bowdenzug) in die richtige Position am Schaltwerk zu führen.
- Zugklemmung: Die Kombination aus einer Schraube und einem kleinen Klemmblättchen sichert den Zug am Schaltwerk. Die Schraube muss ausreichend festgezogen sein (4-7 Nm), damit der Schaltzug nicht durchrutscht.
- Schaltwerksfedern: Die Arme des Schaltwerks sind mit Federn verbunden, die dafür sorgen, dass die Kette auf kleinen Ritzeln genauso gespannt ist wie auf großen. Sie verhindern ein Schlagen der Kette an den Hinterbau.
- Schaltröllchen: Die beiden Schaltröllchen sind für die Führung der Kette im Schaltkäfig verantwortlich. Wegen der exponierten Position sammelt sich an ihnen häufig Schmutz. Deshalb sollte man sie regelmäßig reinigen. Sie sind austauschbar. Mit farbigen Schaltröllchen lassen sich optische Akzente setzen.
- Schaltkäfig: Um die Kette aufs nächste Ritzel zu hieven, ist eine Querbewegung des Schaltwerks nötig. Die unterstützt der Schaltkäfig mit den Schaltröllchen. Die Länge des Schaltkäfigs ist abhängig vom größten Ritzel der Kassette. MTB-Schaltungen mit zwölf Gängen hinten haben deshalb einen längeren Schaltkäfig als ältere Zweifach-Schaltsysteme mit Umwerfer.
Der Schalthebel
Der Schalthebel am Lenker ist mit einem Schaltzug aus Stahl mit dem Schaltwerk verbunden. Unabhängig vom Hersteller (Shimano oder Sram) funktionieren die Systeme sehr ähnlich.
- Oberer Schalthebel: Er dient dazu, die Kette aufs nächstgrößere Ritzel zu befördern. Die Gänge lassen sich dann leichter treten. Im Inneren des Schalthebels befindet sich ein Zahnkranz-Mechanismus, der durch Einrasten den Zug nach jedem Gangwechsel in der gewünschten Position hält. Zieht man den Hebel stark durch, können bis zu vier Gänge gleichzeitig geschaltet werden. Bei den Schaltvorgängen sollte man Druck von der Kette nehmen, also nicht mit maximaler Kraft treten und gleichzeitig schalten. Der obere Schalthebel darf sich nach dem Schalten aufs größte Ritzel nicht weiter durchdrücken lassen.
- Unterer Schalthebel: Ein Druck auf den unteren Schalthebel befördert die Kette aufs nächstkleinere Ritzel, die Gänge werden also schwerer. Genau wie beim Hochschalten sollte man auch beim Runterschalten nicht mit voller Kraft in die Pedale treten.
- Zugspannungsschraube: Mit der Einstellschraube für die Zugspannung lässt sich das Kletterverhalten der Kette an den Ritzeln der Kassette feinjustieren. Um die Spannung zu erhöhen, dreht man das Einstellrad heraus (gegen den Uhrzeigersinn bzw. links herum). Um die Zugspannung zu reduzieren, dreht man es rein (im Uhrzeigersinn bzw. rechts herum). Neue Schaltzüge längen sich in der Regel nach einer Weile. Deshalb muss die Zugspannung nachjustiert (meist erhöht) werden.
Schaltzug wechseln - Schritt für Schritt
Werkzeug & Material
- Zughüllenschneider (Cable Cutter)
- Inbussatz
- Klebeband
- Teflonspray
- Schaltzugset
- Liner
- Zugendhülsen
- Endkappen
Schwierigkeitsgrad: Mittel
Zeitaufwand: 30 Minuten
Anleitung
- Zug entlasten: Vor dem Ausbau des alten Zugs müssen Sie auf das kleinste Ritzel schalten. Betätigen Sie den oberen Hebel so oft, bis keine Schaltstufe mehr möglich ist. Dann liegt die Plombe am oberen Zugende in der richtigen Position und kann später herausgeschoben werden.
- Schaltzug lösen: Knipsen Sie die Endkappe am unteren Zugende ab. Als Werkzeug empfiehlt sich ein Kabelschneider. Danach müssen Sie die Klemmschraube mit einem 5-mm-Inbus lösen. Drehen Sie die Schraube aber nur so weit, bis sich der Zug locker aus der Klemmung ziehen lässt.
- Ausfädeln: Öffnen Sie mittels Kreuzschlitz-Schraubendreher die kleine Plastik-Abdeckschraube, die Sie bei Shimano-Schaltungen zwischen den Hebeln finden. Schieben Sie danach von hinten den Zug heraus, bis oben an der Öffnung die kleine Plombe erscheint.
- Zughülle mobilisieren: Selbst bei komplett innenverlegten Zügen sollten Sie prüfen, ob Sie auch die Hülle tauschen müssen. Wenn nicht, können Sie etwas Silikonöl in das obere Ende geben. Dann läuft der neue Zug geschmeidiger und ist besser vor Korrosion geschützt.
- Einfädeln: Fädeln Sie den Zug zuerst in den Schalthebel ein - gehen Sie dabei in umgekehrter Reihenfolge wie in Bild drei vor. Hebel verschließen. Dann in Hülle einfädeln. Auf deren Ende eine gedichtete Endkappe aufsetzen (Shimano: eine mit vier Rillen an der Seitenwand, ungedichtete haben zwei).
- Justageschraube herausdrehen: Am Schalthebel befindet sich eine Einstellschraube. Drehen Sie sie raus, erhöhen Sie die Zugspannung. Drehen Sie sie hinein, lässt die Spannung nach. Drehen Sie die Schraube komplett rein und dann wieder eine Umdrehung raus, bevor Sie den Zug befestigen.
- Zug befestigen: Führen Sie den Zug am Schaltwerk durch die Führung unter der Klemmung hindurch. Sobald er richtig sitzt, können Sie die Klemmschraube wieder anziehen. Achten Sie darauf, dass der Zug nur leicht gespannt ist. Zum Schutz eine Metallkappe auf das Zugende knipsen.
- Schaltung einstellen: Schalten Sie jeden Gang durch. Falls das Schaltwerk unsauber arbeitet, müssen Sie die Zugspannung regulieren. Am besten geht der Check auf dem dritt- und viertkleinsten Ritzel. Die Zähne müssen exakt in der Mitte der Kettenlaschen stehen.
Besonderheiten von SRAM-Schaltungen
- Schalthebel: Um bei den neueren Sram-Schalthebeln - etwa XX1, X01 oder GX - an die Mechanik zu kommen, müssen Sie zuerst die Abdeckkappe abnehmen. Dann können Sie die Plombe am Zugende unter der Spiralfeder herausholen und den ganzen Zug aus der Führung ziehen.
- Schaltwerk: Bei Schaltwerken von Sram müssen Sie den Zug in der Regel über eine Umlenkung führen, bevor Sie ihn an der Klemmung einfädeln können. Trotzdem gilt wie bei Shimano, dass Sie den Zug nicht zu stark spannen dürfen.
Schaltung einstellen - Schritt für Schritt
- Kettenöl o.ä.
- Mit der Kettenlehre prüfen, ob die Kette gelängt bzw. verschlissen ist. Prüfen, ob die Kette die richtige Länge (Anzahl von Gliedern) hat. Stimmt die Kettenlinie? Dafür gibts Unterlegscheiben fürs Innenlager. Von hinten schauen und prüfen, ob Schaltwerk oder Schaltauge verbogen sind.
- Schau dir erst ein Mal die Schrauben am Schaltwerk an: "B" ist für den Umschlingungswinkel, "L" für das Low-Speed-Limit und "H" für das High-Speed-Limit. Diese Einstellungen macht man häufig nur ein Mal am Anfang. Schraube so einstellen, dass es je nach Hersteller passt. Bei Shimano muss auf das größte Ritzel geschaltet werden und dann der äußerste Teil des größten Ritzels bündig mit der Markierung am Schaltwerk liegen. Schraube so einstellen, dass das Schaltwerk genau unter dem Ritzel positioniert ist. Schraube so einstellen, dass das Schaltwerk exakt unter dem Ritzel steht. Kette auf das mittlerste Ritzel schalten. Schraube am Schalthebel so einstellen, dass das Schaltwerk genau unter dem Ritzel positioniert ist.
- Wenn etwas nicht passt, wie oben beschrieben leicht nachjustieren.
- Schaltung lässt sich partout nicht einstellen: Prüfen ob Schaltwerk oder Schaltauge verbogen sind.
Weitere Tipps und Hinweise
- Regelmäßige Wartung: Ein neues Schaltzugsystem muss man nach den ersten Ausfahrten meist ein oder zwei Mal nachjustieren! In der Regel genügt dazu ein kleiner Dreh an der Zugspannschraube, dort wo der Zug am Schalthebel anflanscht. Grund: Die Abfolge aus Außenhüllensegmenten, Endhülsen und Anschlägen drückt sich bis zum endgültigen Sitz etwas zusammen. Dadurch gibt der Seilzug minimal nach - die Schaltung wird unpräzise.
- Abspringende Kette: Gründe für eine regelmäßig abspringende Kette können der Abnutzungsgrad von Kette und Ritzeln oder ein fehlerhafte Einstellung von Schaltwerk bzw. Umwerfer sein. Möglicherweise haben Schaltwerk bzw. Umwerfer auch das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht.
- Verschlissene Schaltungsrädchen: Deine Schaltungsrädchen sind jedoch ebenfalls ein wichter Teil deines Antriebs. Sie verschleißen langsam, ohne dass du es merkst. Woran kannst du erkennen, dass du deine Schaltungsrädchen austauschen solltest? Fangen sie an, spitzig zu werden? Dann sind sie verschlissen und müssen ersetzt werden.
| Problem | Mögliche Ursachen | Lösung |
|---|---|---|
| Schaltung hakt | Schaltzug verschlissen/verklebt | Schaltzug wechseln |
| Kette springt ab | Abnutzung, fehlerhafte Einstellung | Kette/Ritzel prüfen, Schaltwerk einstellen |
| Unpräzise Schaltschritte | Verschmutzung, mechanische Einflüsse | Zugsystem erneuern |
| Schaltungsrädchen verschlissen | Abnutzung | Schaltungsrädchen austauschen |
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