Mountainbike Scheibenbremsen Test Vergleich

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Scheibenbremsen im Check

Wie bewerten die Testmagazine und was zeichnet die Testsieger aus? Erfreulicherweise sammelt sich die Mehrheit der bislang getesteten Modelle im oberen Notenspektrum. Nur eine kleine Gruppe schließt mit einem Befriedigend oder Ausreichend ab, durchgefallen ist bislang keines. Im Preis-Leistungs-Rennen liegen Magura und Shimano vorn. Bei beiden gibt es gute Scheibenbremsen-Sets schon für einen Hunderter.

Entscheidendes Notenkriterium ist der Bremsweg und die Bremswirkung der von den Herstellern angebotenen Beläge. Magazine wie World of MTB, MountainBIKE oder Bikesport schicken die Bremsen hierzu an den Prüfstand. Bei MountainBIKE müssen sie sich dort auch im Nässetest beweisen. Der Dauerbremstest deckt auf, wie schnell die Beläge verschleißen und wie gut sie unter Hitzeeinwirkung arbeiten. Hauptaugenmerk schenken die Tester dem sogenannten Fading, das angibt, wie stark die Bremswirkung im Bremsverlauf nachlässt.

Organische Bremsbeläge und Kühlrippen

Einen besonderen Vorteil bieten unter diesem Aspekt sogenannte organische Bremsbeläge. Weniger Quietschen und geringere Hitzeentwicklung: Organische Bremsbeläge bestehen aus Kohlenstofffasern, die mit Harz zusammengepresst werden.

Shimano löst das Hitzeproblem unter anderem durch Kühlrippen am inneren Aluminiumkern der Bremsscheibe. Auf diese Weise vergrößert sich die Oberfläche, wodurch die Hitze besser abgeleitet werden kann. Auch Bremsbeläge und Bremssättel sind mit Kühlrippen versehen. Kühlrippen an Bremsscheibe und -sattel wie beim „XT“ oder „Saint“-Modell von Shimano verbessern die Hitzeabgabe.

Dosierbarkeit und Druckpunkt

Bei der praktischen Bewährungsprobe richtet sich die Aufmerksamkeit der Tester hauptsächlich auf die Dosierbarkeit. In diesem Zusammenhang ist häufig vom Druckpunkt die Rede. Das ist der Moment, in dem die Bremse beim Herunterdrücken des Bremshebels anspricht. Tester schätzen einen weichen Druckpunkt, wenn sich der Widerstand beim Herunterdrücken zugunsten einer verbesserten Dosierbarkeit also langsam aufbaut. Herausragend in diesem Punkt: die Magura MT7, die es im Bikesport-Magazin auch zum Testsieger geschafft hat.

Ebenfalls entscheidend ist, wie leicht sich der Druckpunkt am Bremshebel einstellen lässt und ob Werkzeug dazu nötig ist. Besonders benutzerfreundliche Bremshebel kommen auch kleinen Händen entgegen und gestatten es, die Griffweite einzustellen.

Gewicht vs. Steifigkeit

Auch die Gewichtsfrage gewinnt auf dem heiß umkämpften Markt an Bedeutung. Die Testmagazine reagieren schon mal mit einer satten Abwertung: Bikesport degradierte beispielsweise Shimanos Bestseller-Bremssystem aus der XT-Gruppe wegen leichten Übergewichts zum Zweierkandidaten. Doch Materialersparnis kann sich schnell durch mangelnde Steifigkeit und Bremskraftverlust rächen. Daher sparen die Hersteller das Gewicht lieber beim Hebel ein, zum Beispiel durch die Verwendung von Carbon.

Technische Aspekte von Scheibenbremsen

Von der Scheibengröße bis Centerlock: Welche Normen gibt der Markt derzeit her? Die größte Gruppe am Markt bilden hydraulische Bremssysteme, bei denen die Fingerkraft per Flüssigkeit auf das Bremssystem übertragen wird. Mechanische Systeme mit Bremszug spielen trotz ihrer Einfachheit und besseren Reparaturfähigkeit heute eine untergeordnete Rolle.

Ganz gleich, ob hydraulisch oder mechanisch, übertragen wird die Hebelkraft auf einen im Bremssattel eingebauten Kolben auf die Bremsbeläge. Bremssättel mit zwei Kolben reichen bei City-Rädern aus, Bremssysteme für Mountainbikes erhöhen bisweilen auf vier.

Scheibenmontage und -durchmesser

Bei der Scheibenmontage konkurrieren zwei Normen am Markt: Centerlock und 6-Loch („IS2000“); manche Hersteller bieten auch Scheiben an, die beide Normen erfüllen. Gängige Scheibendurchmesser sind 160, 180 und 200 Millimeter. Je größer die Scheibe, umso größer die Bremswirkung. Rennräder sind häufig mit kleineren, 140 Millimeter großen Scheiben ausgerüstet, Tandems und Lastenräder mit großen Scheiben um die 220 Millimeter. Abhängig ist die Wahl auch vom Körpergewicht, der Zuladung und vom Streckentyp (bergig vs. eben).

Testumfeld und Testkriterien

Wer richtig bremst, hat mehr Spaß auf dem Trail. Dabei kommt es neben der Bremskraft aber auch auf Dosierbarkeit und Standfestigkeit an. ‚Wer an der Bremse spart, spart am falschen Platz.‘

Im Check waren 5 MTB-Scheibenbremsen. Diese erhielten keine Endnoten. Wer bremst, verliert - aber wer später bremst, ist länger schnell. So oder so braucht es dafür eine geile Bremse. Fakt ist: Bikes werden immer potenter, die Strecken härter und wir schneller - da müssen auch die Bremsen mithalten.

Im Testfeld hatten wir sowohl Budget-Bremsen, die üblichen Verdächtigen, die sich an den meisten Serien-Bikes finden, als auch echte Boutique-Bremsen, die eurem Kontostand alles abverlangen. Was alle Scheibenbremsen gemeinsam haben? Vier Bremskolben und eine hydraulische Betätigung - also mit einer Flüssigkeit.

Das Testfeld bewegt sich preislich zwischen erschwinglichen 240 und stolzen 1.300 €, wobei sich das Gros der Teilnehmer zwischen 400 und 700 € einpendelt. Die Preise haben wir jeweils als unverbindliche Preisempfehlung im Set, also 2 Bremsen, aber ohne Bremsscheiben verglichen. In der Realität liegen einige Bremsen natürlich auch im Set und auf dem freien Markt deutlich unter UVP. Shimano-Bremsen, die seit langem unverändert auf dem Markt sind, bekommt man beispielsweise fast um die Hälfte der UVP.

Einzelbetrachtung einiger Bremsen

Trickstuff MAXIMA

Kein Wunder, dass die Trickstuff MAXIMA die teuerste Bremse im Test ist. Dafür bietet sie einen super schicken, filigranen Look mit unlackiertem Alu und ist quasi Synonym für Bremspower. Trickstuff ist ein kleiner Hersteller, der Edel-Bremsen in seiner kleinen Schmiede in Freiburg herstellt und inzwischen weltweit gehypt wird. Neben der MAXIMA hat Trickstuff noch die DIRETTISSIMA und PICCOLA CARBON im Programm. Die MAXIMA ist allerdings die stärkste Bremse und ohne Frage das Flaggschiff des Line-ups.

Mit ihrem astronomischen Preisschild von 1.300 € kostet sie fast doppelt so viel wie die zweitteuersten Bremsen im Test, die SRAM MAVEN und Hayes Dominion. Aber das ändert nichts an ihrer Beliebtheit - im Gegenteil. Vielleicht spielt hier der Snob-Effekt mit rein, der Preis ist auf jeden Fall Teil des Hypes. Mit einem Gewicht von 548 g gehört die MAXIMA, die vier Bermskolben hat, zumindest zu den leichtesten Bremsen im Test.

Im Labortest zeigt sich, dass die Trickstuff wirklich enorm viel Power hat. Die Top-Platzierung muss sie allerdings knapp an die Hope Tech 4 V4 abgeben. Der Unterschied zu den Sinter-Referenzbelägen ist sehr gering, was bedeutet, dass die Trickstuff-Beläge bereits starke Performance bringen.

Die Trickstuff MAXIMA sieht nicht nur super schick aus, sie kann auch im Praxistest überzeugen. Wenn man über das umständliche Entlüftungsverfahren und den happigen Preis hinwegsieht, bekommt man eine Bremse, die brachiale Power mit feiner Dosierbarkeit verbindet. Auch wenn der Druckpunkt eher schwammig ist, macht das die brutale Power der Bremse wieder wett und die Trickstuff-Bremse ist ein Premium-Teil mit Premium-Performance.

MAGURA MT7

Die MAGURA MT7 ist für ihre große Power und deutsche Präzision bekannt. Die 220 € teure Bremse schlägt bei der erbarmungslosen Vollbremsung von 45 auf 0 km/h sogar die mächtige Trickstuff DIRETTISSIMA und hat scheinbar grenzenlose Kraftreserven. Im Bremssattel sitzen zwei unabhängige Paare Bremsbeläge, die sich dank Magneten einfach einbauen lassen. Sie erlauben es dem Kolben, mit maximalem Druck auf die Scheibe zu pressen.

Der neue ergonomische HC-Hebel ist ein wirkliches Upgrade zum hässlichen Zweifinger-Vorgänger, aber das Carbotecture-Material wirkt immer noch billig - auch wenn es sehr leicht ist. Der angenehme Hebel bietet Einstellungen für Griffweite und Druckpunkt, Letztere war bei uns zuletzt aber etwas schwergängig. MAGURA setzt konsequent auf Torxschrauben und das Entlüften mit dem MAGURA Royal Blood-Mineralöl fällt leicht.

Auf dem Trail ist die MT7 grandios, sie ist einfach zu kontrollieren und hat das hölzerne Gefühl der Vorgänger hinter sich gelassen. Mit mehr Power, als die meisten brauchen, und geschmeidiger Dosierbarkeit ist sie unsere erste Wahl für den Einsatz am E-Mountainbike. Der neue HC-Hebel hat die MAGURA MT7 grundlegend verändert: Jetzt ist sie wundervoll dosierbar und hat genug Power, um selbst den allerschwersten Fahrer zum Stehen zu bringen.

Die Bremse überzeugt im Test mit einer hohen Leistung und Standfestigkeit. Kleiner Kritikpunkt ist, dass sie zum Schleifen neigt.

Hope Tech 3 E4

In puncto Individualisierung und Exklusivität ist Hope klar der Spitzenreiter. Sechs Eloxalfarben stehen bei Bremsscheibe bzw. Bremsanlage zur Auswahl, doch selbst in Schwarz oder Silber sind die CNC gefrästen Bauteile ein Hingucker. Bremsscheiben gibt es ab der kleinen 140er bis hin zur großen 225er. Trotz der brachialen Optik und des verhältnismäßig günstigen Preises fällt das Gewicht der Tech 3 E4, insbesondere von Bremshebel und -sattel, sehr gering aus.

Der Tech 3 Hebel bietet sämtliche Einstellmöglichkeiten, alles per Rändelschraube und ohne Werkzeug. Der Bremshebel ist ergonomisch geformt, liegt aber etwas „kantiger“ in der Hand. Eine individuelle Einstellung ist gut möglich. In puncto Leistung kommt die Hope nicht auf das Niveau der anderen Stopper, Fading war aber keines bzw. nur kaum zu spüren. Der Dauerbremsversuch lieferte identische Eindrücke. Hope hat mit der Tech 3 E4 eine der leichtesten, individuellsten und auch günstigsten Bremsen im Test.

Hayes Dominion A4

Die Dominion A4 ist bereits seit 2018 auf dem Markt und hat einige Features zu bieten. Der Bremssattel verfügt über zwei Entlüftungs Ports und kann separat gespült werden. Zudem gibt es am Sattel die sogenannte Crosshair Technology, die ein schleiffreies Ausrichten erleichtert. Erwähnenswert ist noch, dass man beim Kauf zwischen einem langen bzw. kurzen Bremshebel, je nach Vorliebe und Handgröße, wählen kann. Serienmäßig kommt die Bremse mit dem semimetallischen Bremsbelag, der gesinterte metallische Belag ist aber im Lieferumfang.

Die Bremsleitung im Praxistest hat uns voll überzeugt - die Dominion A4 liefert mit die meiste Power. Selbst bei Vollbremsungen bei ca. 65 km/h war kaum ein Fading vorhanden, Geräusche blieben aus. Erst bei der Dauerbremsung fing sie gelegentlich an zu singen und der Druckpunkt wanderte dabei merklich. Die Standfestigkeit war aber über den gesamten Testverlauf gegeben. Die Dominion A4 von Hayes hat uns beim Test mit hoher Leistung, guter Standfestigkeit und angenehmer Ergonomie überzeugt. Sie zählt klar zu unseren Favoriten.

Sram Code RSC

Natürlich steht die Optik einer Bremse erst mal hinten an, doch wenn andere Kriterien ausgewogen sind, kann man sich auch davon leiten lassen. Die Code RSC mit ihren Oil slick Schrauben ist definitiv ein Hingucker. Für das Lenkerklemmsystem Matchmaker X gibt es mittlerweile sämtliche Adapter oder Hebel, und alles lässt sich an dieser einen Schelle sauber montieren. Am Hebel selbst kann man Hebelweite und Druckpunkt individuell und in großen Bereichen einstellen. Einzig beim Gewicht hat die Konkurrenz die Nase vorne.

Die bunt schillernde Code brauchte deutlich mehr Einbremszeit, bis sie ihre volle Leistung entfaltete. Dann jedoch war ordentlich Bremspower vorhanden; selbst bei einer Vollbremsung aus 65 km/h war kaum Fading zu spüren. Das Dauerbremsen war die Disziplin der Code - sie überzeugte vollends, ohne jegliche Auffälligkeiten. Die Schöne und zugleich das Biest - Sram hat mit der Code RSC eine ästhetische, aber auch leistungsstarke Bremse.

Shimano XTR M9120

Die M9120 ist eine Bremse, vollgepackt mit Innovationen. Die Bremsbeläge verfügen zur besseren Wärmeableitung über Kühlrippen, die Kolben sind aus Keramik, und die Servo Wave Technologie am Bremshebel ermöglicht eine effiziente Nutzung des Hebelwegs. Die Bremsscheibe ist in Sandwichbauweise mit einem Aluminiumkern gefertigt, ebenfalls um die Wärmeableitung zu verbessern. Die Scheibe sticht zudem durch ihr geringes Gewicht aus der Masse hervor. Zur individuellen Anpassung lassen sich am Bremshebel Hebelweite und Druckpunkt einstellen. Top, wie von Shimano Bremsen gewohnt, ist die perfekte Hebelergonomie.

Der Druckpunkt ist definiert, die Leistung gut dosierbar und hoch. Bei Vollbremsungen ab 50 km/h aufwärts setzt deutliches Fading ein. Bei diesen Bremsversuchen verschenkte die XTR auch den Testsieg, da sich ein Belag von der Trägerplatte löste. Bei einer Wiederholung des Tests gab es aber keine Probleme mehr. Ein bekanntes Verhalten von Shimano Bremsen ist das merkliche Wandern des Druckpunkts - so auch bei der XTR. Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre … hätte die Shimano XTR M9120 den Testsieg geholt. Die Bremse ist in allen Belangen top, doch der Ausfall des Belages hinterlässt einen faden Beigeschmack.

Trickstuff Direttissima

„Made in Freiburg“ ist auf der Innenseite des Bremssattels zu lesen; und auch „Made with love“ würde wohl gut auf der Bremse passen. Es ist schön, die Direttissima an dem Bike zu haben. Die gefrästen Bauteile wirken edel, aber auch minimalistisch. Natürlich lässt sich die Hebelweite verstellen, doch ist für die einmalige Anpassung ein Inbus nötig. Die Farbenvielfalt hat Trickstuff abgelegt - die Bremse ist in Schwarz und/oder Silber konfigurierbar.

Passend zur hochwertigen Bremse gibt es die Dächle Scheibe mit der Grad Fase am äußeren Umfang für einen leichteren Radeinbau. Das Gefühl am Bremshebel ist anders als beim Vorgänger. Der Druckpunkt ist gut definiert, aber nicht mehr so hart. Auch der Hebel ist „runder“ geworden und liegt sehr gut in der Hand. Bei den Vollbremsungen zeigt die Trickstuff eine sehr hohe Leistung. Diese, gepaart mit hoher Standfestigkeit, bedeutet: eine Bremse fürs Grobe und Steile.

Einziges Manko ist der Druckpunkt, der zum Ende hin fast ganz nach außen wanderte, was ein Schleifen der Bremse zur Folge hatte. Beim Dauerbremsen zeigte die Bremse ein ähnliches Bild: gute Leistung, standfest, aber mit wanderndem Druckpunkt. Trickstuff hat sich mit der Direttissima selbst übertroffen. Die Bremse ist sehr edel, lässt sich sehr angenehm bedienen und hat eine hohe Bremsleistung. Bei zunehmender Hitze wandert aber der Druckpunkt.

Weitere Definitionen

  • Fading: Unter Fading versteht man das unerwünschte Nachlassen der Bremsleistung bei zunehmender Hitzeentwicklung.
  • Druckpunkt: Als Druckpunkt bezeichnet man den festeren Punkt, den man am Bremshebel fühlt, wenn die Beläge an die Scheibe anstellen. Der dazu nötige Hebelweg kann teilweise eingestellt werden.

Materialien der Bremsbeläge

  • Organische Bremsbeläge: Sie bestehen aus Fasern organischer Stoffe, die aus Gummi, Glas, Carbon bzw. Kevlar und Twaron gewonnen werden.
  • Sinter Bremsbeläge: Der Name leitet sich vom Herstellungsverfahren, dem Sintern, ab. Dabei werden unterschiedliche Materialen wie beispielsweise Keramik und Metalle in Granulatform unter hoher Temperatur und starkem Druck miteinander verpresst.
  • Semi-metallische Bremsbeläge: Diese Belagsart basiert auf organischen Stoffen mit einer höheren Konzentration an metallischen Teilen wie zum Beispiel Messing, Kupfer, Stahl und Eisen, vermischt mit Füllstoffen, Bindemitteln und Grafit.

Testergebnisse und Fazit

Wir haben bei diesem Test auf Laborwerte verzichtet. Getreu dem Motto "Wer viel misst, misst viel Mist", wollten wir ausschließlich da testen, wo es wichtig ist: auf dem Trail! Dazu sind wir alle Bremsen an diversen Bikes über den Zeitraum von einem Jahr immer wieder gefahren. Mindestens drei Bremsen waren dabei immer zeitgleich im Einsatz, sodass sich die Stopper immer wieder miteinander vergleichen ließen. Mal waren wir dabei auf zarten Mittelgebirgs-Trails unterwegs, zumeist aber im harten Alpenterrain mit langen, fordernden Abfahrten.

Bewertet haben wir Bremskraft, Dosierbarkeit, Ergonomie und Standfestigkeit, dazu das Gewicht aus Geber- und Nehmereinheit, Leitung und Disc. Montage und Set-up wurden nicht benotet, werden aber in den Tests ausführlich beschrieben. Zudem haben wir viel mit Bremsbelägen experimentiert und geben unsere Empfehlung ab - ebenso Tipps zum Tuning. Ob diese Bremsanker dies wirklich nötig haben, sei dahingestellt - denn das Niveau, das alle acht zeigen konnten, ist extrem hoch. Anders gesagt: Mehr Bremse braucht kein Mensch!

Jeden der acht Bremsanker in diesem Test kann ich besten Gewissens auch schwersten Ridern sowie für die anspruchsvollsten Trails empfehlen. Die großen Unterschiede liegen nicht in der Power, sondern in den Details sowie bei der Modulation.

Das Gewicht der Bremsen unterscheidet sich dabei nur marginal. Gerade einmal 180 g liegen zwischen der leichtesten und der schwersten Bremse im Test: Hayes Dominion T4 als leichteste mit 530 g und SRAM MAVEN Ultimate als die schwerste mit 710 g.

Im Test finden sich nur hydraulische Scheibenbremsen, wie sie schon seit Jahren in modernen MTBs als Standard gelten. Bremsen besitzen immer eine Gebereinheit: Das ist der Teil, der am Lenker befestigt ist und umgangssprachlich auch häufig nur Hebel genannt wird. Am Rahmen bzw. der Gabel ist dann die Nehmereinheit montiert. Verbunden sind die beiden Komponenten über die Bremsleitung, die den Druck vom Geber- auf den Nehmerkolben überträgt.

Hydraulisch betätigte Bremsen bedeutet, dass diese die Kraft durch eine Flüssigkeit übertragen. Derzeit sind zwei Arten von Bremsflüssigkeit vertreten: Mineralöl und DOT.

Prinzipiell gilt, dass jeder Bremsenhersteller auch seine eigenen Beläge anbietet. Meist sogar in unterschiedlichen Ausführungen. Zudem sind Nachrüst-Beläge von Drittherstellern wie z. B. Sinter, GALFER oder Kool-Stop verfügbar. Hiermit lässt sich häufig vergleichsweise günstig die Bremspower steigern. Zudem gibt es meist zwei Arten von Belägen: metallische und organische.

Für unseren umfassenden Bremsentest haben wir alle Bremsen mit original Bremsbelägen und den zugehörigen 200-mm-Bremsscheiben an Front und Heck getestet. Das Testergebnis setzt sich aus drei Parametern zusammen: Labor, Telemetrie-Aufzeichnung mit BrakeAce und natürlich dem Praxistest auf dem Trail.

Für den Trail-Test waren wir mehrere Tage im sonnigen Spanien, um die Bremsen back-to-back auf einer definierten Teststrecke zu fahren. So konnten wir ordentlich Tiefenmeter sammeln, die Bremsen auf Temperatur bringen und einen direkten Vergleich erfahren. Zudem sind wir alle Bremsen auf unseren bekannten Hometrails gefahren und haben unsere jahrelangen Erfahrungen mit einfließen lassen. Denn in Summe haben wir über die letzten Jahre hunderte von Bremsen „erfahren“.

Die Hayes Dominion T4 zeigt eine enorme Performance, sowohl auf dem Trail mit einem sehr guten Bremsgefühl als auch im Labor, und legt damit ein erfolgreiches Comeback hin. Ihre beeindruckende Power und das Hebelgefühl, kombiniert mit dem geringsten Gewicht und nützlichen technischen Features wie die Crosshair-Bremssattel-Montage, machen die Hayes Dominion T4 zum Testsieger im Rennen um die beste MTB-Scheibenbremse.

Die Shimano SLX überzeugt mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis im Test und einer starken Verzögerung samt solider Dosierbarkeit. Das digitale Bremsgefühl erfordert eine kurze Eingewöhnung, dafür muss man bei Anmutung, Ergonomie und Handling keine Abstriche in Kauf nehmen.

Vergleich einiger getesteter Bremsen

Bremse Gewicht (Gramm) Preis (Euro)
FORMULA Cura 4 417 207
HAYES Dominion A2 440 297
HOPE Evo Tech 3 E4 399 280
MAGURA MT7 Pro 433 275
SHIMANO Deore 6120 463 120
SHIMANO XTR 9120 395 304
SRAM Code RSC 474 322
TRICKSTUFF Piccola 280 515
TRICKSTUFF Piccola HD 345 488
TRP DH-R Evo 500 274

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