Bayern, das flächengrößte der 16 deutschen Bundesländer, ist ein wahres Eldorado für Mountainbiker. Abseits des viel besuchten Alpenvorlandes gibt es "verschlafene" Reviere, die vorwiegend von Einheimischen und passionierten Biketouristen aufgesucht werden. Im Bayerischen Wald, der sich über Niederbayern und die Oberpfalz erstreckt und an Tschechien (Böhmerwald) sowie Oberösterreich (Mühlviertel) grenzt, können Biker gediegen über Stock und Stein pesen, ohne ständig anderen Naturnutzern in die Quere zu kommen. Gemeinsam mit dem Böhmerwald und dem Sauwald bildet diese Naturregion das größte zusammenhängende Waldgebiet Europas, auch bekannt als das "Grüne Dach Europas".
Es hat schon seine Gründe, wenn der Bayerische Wald verheißungsvoll als "Bayerisch Kanada" oder Outdoor-Schlaraffenland bezeichnet wird. Das Eldorado kredenzt auf rund 6.000 Quadratkilometern immerhin 130 Berggipfel mit über 1.000 m Höhe. Zu den bekanntesten zählen z.B. der 8 km lange Höhenzug Hohe Bogen (1073 m), Pröller (1049 m), Brotjacklriegel (1011 m), Großer Osser (1293 m), Großer Arber (1456 m), Großer Falkenstein(1315 m), Großer Raichel (1453 m), Lusen (1373 m) Haidel (1.167 m) und Dreisesselberg (1333 m), deren großartige Gipfelkulisse bei einer MTB-Tour immer ein Highlight bildet.
Schon der weltberühmte Schriftsteller Adalbert Stifter schrieb poetisch über den Bayerischen Wald: "Waldwoge reiht sich an Waldwoge, bis eine am Horizont die letzte ist und den Himmel schneidet".
Die Vielfalt der Trails im Bayerischen Wald
Die meisten Naturtrails im Bayerischen Wald weisen (Singletrail-) Schwierigkeitsgrade im Bereich von S0 bis S2 auf. Im Bayerwald gibt es tatsächlich eine Vielzahl epischer Trails und verschlungener Pfade, die das Groß der Biker anspricht. Ein facettenreiches Wegenetz mit hohem (Single-) Trailanteil ist für die Attraktivität ausschlaggebend, da es maßgeblich die Destinationsentscheidung beeinflusst.
Trailbiker dürfen sich auf ein euphorisierendes Netz gewundener Schmalspurpfade freuen. Das Credo ist, Emotionen freien Lauf zu lassen und dem bleiernen Alltagsballast den Laufpass zu geben, um nach einer glückseeligmachenden Fahrt seine Freude so richtig befreit enthusiastisch in den Himmel zu schreien.
Grenzenloses Fahrvergnügen
Ohne gesetzliche "Zwei Meter Regel", scheint hüben wie drüben die Freiheit grenzenlos zu sein. Deshalb stoßen bayerisch- tschechische „Grenzgänger-Touren“ auf großen Zuspruch. Die magische Anziehungskraft der Traumreviere kommt nicht von ungefähr, schließlich besticht die Szenerie mit sauerstoffreichen Wäldern, saftigen Wiesenhängen, kargen Felswänden, gezackten Bergrücken, romantischen Flusstälern, plätschernden Gebirgsbächen, smaragdgrünen Bergseen, sprudelnden Quellen und rauschenden Wasserfällen. Last but not least bieten zahlreiche Bayerwaldgipfel atemberaubende Panoramablicke und sorgen für unvergessliche Momente.
Mountainbike-Region ARBERLAND
Das ARBERLAND ist ein wahres Mountainbike-Paradies. Die Region um den höchsten Berg im Bayerischen Wald, den Großen Arber (1.456m), bietet abwechslungsreiche Trails. Ob Anfänger, ambitionierter Hobby-Biker oder Profi, auf rund 1.300km markierter Wald- und Wiesenwegen, schmalen Pfaden und Trails findet jeder sein Lieblingsterrain. Im Mountainbike-Buch „Mountainbike-Region ARBERLAND BAYERISCHER WALD“ sind über 40 Einzel-Touren gesammelt, die von lokalen Experten konzipiert und in verschiedene Schwierigkeitsgrade eingeteilt wurden. Die Touren können zudem als GPS Track heruntergeladen werden.
MTB-ZONE Bikepark Geisskopf
So kommen abfahrtsorientierte Mountainbiker im »MTB-ZONE Bikepark Geisskopf« mit neuer 6er Sesselbahn - nicht minder auf ihre Kosten. Für die sogenannte "Gravity-Szene" zählt nur eins: bergab fahren - garniert mit Hinternissen - oder kilometerlange Lines hinab shreddern, die das ersehnte Flow-Feeling vermitteln. Bergauf-Fahren ist ja nicht unbedingt Jedermanns Sache, trotzdem sollte man den geshapten Uphill Flow Trail im Bikepark Geisskopf ausprobieren. Dieser wurde zwar hautpsächlich für E-Biker angelegt, doch für einigermaßen fitte "Bio-Biker" ist die Uphill-Line mit einem vortriebsstarken, leichten MTB komplett fahrbar.
Trans Bayerwald: Die Langstreckenroute
Warum ständig in touristischen Epizentren herum gurken oder die x-te Alpenüberquerung machen, wo es im Bayerischen Wald sogar eine attraktive Langstreckenroute gibt? Die Rede ist von der TRANS BAYERWALD, die einem Alpencross zumindest bzgl. des konditionellen Anspruchs ebenbürtig ist. Die Nord- und Südroute der TRANS BAYERWALD - jeweils rund 350 km lang - geizt weder mit wilder Naturromantik und phänomenalen Aussichtspunkten noch mit Höhenmetern. Mancher mag vielleicht verächtlich über die vermeintlich einfache Mittelgebrigsroute die Nase rümpfen. Doch 14 Etappen und 17.000 Höhenmeter sind nüchtern betrachtet eine Ansage, die selbst top fitte Ausdauer-Cracks aufhorchen lässt.
Die Highlights und Sehenswürdigkeiten an der Trans Bayerwald sind mindestens so spannend wie die Trans Bayerwald selbst. Bizzarre Felsformationen, Drachenhöhlen, ein echter Nationalpark und vieles mehr wartet auf eure Entdeckungsfreude. Die Nordroute führt von Passau durch den Nationalpark Bayerischer Wald und entlang des Grenz- und Arberkamms nach Furth im Wald. Die Süd-Route verläuft von Furth im Wald nach Passau und orientiert sich am Donaukamm.
Ein Muss für jeden sportlich ambitionierten Pedalritter ist die 200 km lange 4-Gipfeltour über die Berge Osser, Čerchov, Gibacht und Hohenbogen. Bei diesem Klassiker werden über 3000 Höhenmeter überwunden und man sollte schon 2-3 Tage Radlspaß einplanen.
Tourenvorschläge im Viechtacher Land
Mit knapp 10.000 Einwohnern ist Viechtach eher gemütliches Dorf als Stadt. Im Zentrum des Bayerwaldes, im niederbayerischen Landkreis Regen gelegen, bietet sich der Ort als Basislager für Bike-Touren geradezu an.
Tour 1: Mühlgraben-Trail
- Länge: 72,7 Kilometer
- Bergauf: 1550 Höhenmeter
- Reine Fahrzeit: 5 Stunden
- Schwierigkeit: schwer
Der Mühlgrabenweg ist einer der Klassiker im Bayerwald. Der flowige Pfad schlängelt sich über mehrere Kilometer mit geringem Gefälle entlang eines Bachs. Ein Blick auf die Tour-Daten zeigt, dass die Runde ohne Nachladen kaum zu schaffen ist. Gelegenheit dazu bietet sich im Berggasthof Menauer, etwa auf halber Strecke (Dienstag Ruhetag!). Alternativ bietet sich bei Kilometer 40 das Gut Schelmerhof als Energielieferant an. Nach dem Start an der Schnitzmühle schwingt sich ein hübscher Trail entlang des Kleinen Pfahls, bevor die Route nach Süden in Richtung Sankt Englmar schwenkt. Über eine steile Skipiste erreicht man am Knogel den ersten Gipfel des Tages. Die Route folgt dem Höhenzug zur Oedwies, einer malerischen Hochebene. Doch bevor wir dort in den Mühlgrabenweg einbiegen, ist ein Abstecher zum Hirschenstein Pflicht. Jetzt aber zurück zur Oedwies und nichts wie rein ins Trail-Vergnügen! Mit rund acht Kilometern Länge ist der Mühlgrabenweg ein Fahrspaß erster Güte, zumal keine technischen Schwierigkeiten den Flow unterbrechen. Über launige Waldwege wendet sich die Route wieder Viechtach zu, bevor ein letztes Highlight die Tour würdig abschließt: Die Felsformation bei Viechtach ist zwar nur ein kleiner Teil des sogenannten Pfahls, aber dafür der imposanteste Abschnitt dieses 150 Kilometer langen Naturschauspiels.
Tour 2: Regen-Runde
- Länge: 53 Kilometer
- Bergauf: 1000 Höhenmeter
- Reine Fahrzeit: 3 Stunden
- Schwierigkeit: mittel
Tour 2 punktet weniger mit Trails, dafür aber mit offenen Panoramen bis ins Flachland. Highlight zum Schluss: der Trail entlang des Großen Pfahls.
Keine Angst, der Titel der Tour ist keine Anspielung aufs Wetter! Vielmehr führt der schönste Abschnitt der Runde entlang des Schwarzen Regens, einem der größten Flüsse im Bayerwald. Mit entsprechendem Energiehaushalt sollten E-MTBs mit einer Akku-Ladung komplett durchkommen. Wer sicher gehen will, kann seine Batterie aber bei einer Rast im Lindnerbräu in Bad Kötzting an die Steckdose hängen. Der Trail-Anteil fällt auf dieser Runde zwar etwas geringer aus, dafür kann sie mit viel offenem Gelände und Panoramen punkten. Das Erste bietet sich bereits bei Kilometer 13 auf den Mauern der Ruine Neunussberg, die rund 300 Meter über dem Tal des Schwarzen Regens thront. Der nächste Abschnitt mäandert durch die typische Landschaft des Bayerwaldes mit winzigen Weilern und viel einsamer Natur. Da wirken die weißen Spiegelteleskope des Observatoriums Wettzell wie aus einer anderen Welt. Drei große Antennen horchen auf der Anhöhe ins Universum hinaus. Kein Wunder, dass der folgende Trail nach Bad Kötzting hinunter Planetenweg heißt. Der Lauf des Schwarzen Regens leitet die Route nun automatisch wieder in Richtung Viechtach. Die entspannten Trail-Passagen am Flussufer werden jedoch abrupt durch die Staustufe bei Kilometer 37 beendet. Dort gilt es, das Bike über eine steile und schmale Treppe auf die Krone der Staumauer zu hieven. Das Finale doppelt sich mit Tour 1. Aber traurig dürfte darüber niemand sein, denn den Supertrail entlang des Großen Pfahls kann man nicht oft genug fahren.
Tour 3: Arber-Blick
- Länge: 66 Kilometer
- Bergauf: 1900 Höhenmeter
- Reine Fahrzeit: 5 Stunden
- Schwierigkeit: mittel bis schwer
Ein echter Höhenmeter-Kracher im Bayerwald-Hauptkamm.
Jedes Gebirge hat seinen höchsten Gipfel, im Bayerwald ist das der Hohe Arber mit 1455 Metern Höhe. Die Bayerwald-Locals fahren lieber zum Berghaus Schareben (Kilometer 44), wo man unter sich ist und einen schönen Blick zum meist überlaufenen Arber werfen kann. Am Schareben sollten E-Biker auch ihren Akku an die Steckdose hängen, damit die Motor-Power bis zurück nach Viechtach durchhält. Denn der Knackpunkt bei dieser Runde sind die opulenten Höhenmeter. Einen Großteil davon sammelt man bereits auf der ersten Hälfte, wo es über zahlreiche Hügel Richtung Osten geht. Bei Geiersthal überquert man den Schwarzen Regen, danach geht es stetig bergauf bis auf knapp 900 Meter am Harlachberger Spitz. Erstes Highlight ist der Riederin-Felsen oberhalb von Bodenmais, um den sich blutige Sagen ranken. Eine Stahlleiter führt auf seinen Gipfel, den die Kelten angeblich als Opferstätte nutzten. Immerhin mit Blick zum Großen Arber. Über launige Pfade und Waldwege erreicht man Drachselsried am Fuß des Bayerwald-Hauptkamms. Jetzt ist Energie-Management gefragt, denn es steht der rund zehn Kilometer lange Anstieg zur Schareben-Hütte auf dem Plan. Auch ein Abkürzen der Tour ist in Drachselsried möglich, denn der Rückweg vom Schareben führt wieder durch das Dorf. Dann verpasst man allerdings eine lohnende Trail-Abfahrt. Highlight auf dem Finale ist die Überquerung von Altnußberg, der größten Burganlage im Bayerwald. Hier lädt die Burgschänke nochmals zu einer aussichtsreichen Rast ein.
Kulinarische Genüsse und Hütteneinkehr
Eine MTB-Tour ohne Einkehr ist tatsächlich nur die Hälfte wert. Werden die Beine vom Treten müde und lässt der Pedaldruck zu wünschen übrig, dann ist Zeit für eine zünftige Hütteneinkehr gekommen. Abschalten, Beinmuskulatur lockern, leckeres Essen - umgeben von beschaulicher Hüttenromantik - runden jede noch so anstrengende Tour perfekt ab. Nichts geht über ein deftiges Brotzeitbrettl oder süßen Kaiserschmarrn, um danach gut gestärkt wieder kraftvoll in die Pedalen zu drücken. Dass bei solch genießerische Auszeiten der goldfarbene "Edelstoff"" nicht fehlen darf versteht sich von selbst, schließlich ist das Bier Nationalgetränk und Inbegriff bayerischer Trinkkultur. Allen voran ein schmackhaftes "Alkoholfrei", das als isotonisches "Sportlergetränk" gemeinhin als idealer Durstlöscher und Energielieferant gilt.
Tabelle: Tourenübersicht Viechtach
| Tour | Länge | Höhenmeter | Fahrzeit | Schwierigkeit |
|---|---|---|---|---|
| Mühlgraben-Trail | 72,7 km | 1550 m | 5 h | Schwer |
| Regen-Runde | 53 km | 1000 m | 3 h | Mittel |
| Arber-Blick | 66 km | 1900 m | 5 h | Mittel bis schwer |
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