Mountainbike Unfallstatistik: Analyse und Prävention

Der Deutsche Alpenverein (DAV) dokumentiert jährlich die Entwicklung von Unfällen und Notlagen im Bergsport unter seinen Mitgliedern. Die Bergunfallstatistik des DAV zeigt, dass die Unfallzahlen bei fast allen Bergsportdisziplinen rückläufig sind, jedoch nicht beim Klettersteiggehen und Mountainbiken.

Wichtige Aussagen der DAV-Bergunfallstatistik

  • Die Zahl der Unfälle und Notfälle lag auf Vorjahresniveau.
  • Der langfristige Trend zu geringeren Unfallquoten setzt sich fort.
  • Die Unfallquoten bei Bergwandern, Alpinklettern, Sportklettern, Skitourengehen, Pisten- und Variantenskifahren sowie Hochtourengehen sind rückläufig.
  • Beim Klettersteiggehen und Mountainbiken steigt die Zahl der Notlagen - entgegen dem allgemeinen Trend.
  • Die häufigste Unfallursache beim Mountainbiken: Stürze ohne Fremdeinflüsse.
  • Seit Erhebungsbeginn sind keine Kollisionsunfälle zwischen Wander*innen und Mountainbiker*innen gemeldet worden.

Lukas Fritz von der DAV-Sicherheitsforschung interpretiert diese Entwicklung wie folgt: "Die Regeln und Appelle im Zusammenhang mit der Pandemie haben das Verhalten der Bergsportszene beeinflusst. Es ist wahrscheinlich, dass viele Menschen die Appelle der Alpenvereine zur Zurückhaltung ernst genommen haben."

Mountainbiken: Zunahme von Unfällen und Notfällen

Während bei den meisten Bergsportdisziplinen die Anzahl der gemeldeten Unfälle und Notfälle zurückging, stiegen diese beim Klettersteiggehen und Mountainbiken. Beim Mountainbiken sind zwei Dinge sehr bemerkenswert. Erstens ist der Anteil der Unfälle und Notfälle mit E-Bikes mit 12% überraschend gering. Es sind vor allem die Bikeparks, aus denen vermehrt Vorfälle gemeldet werden - und nicht die Trails. Zweitens hat es keine Kollisionen zwischen Wandernden und Mountainbiker*innen gegeben - übrigens nicht nur in 2020 nicht, sondern in 20 Jahren nicht. Falls es also hier und da Konflikte zwischen diesen Fraktionen geben mag: Unfälle spielen dabei keine Rolle.

Unfallrisiko Abfahrt

Mountainbike-Unfälle nehmen mit dem Bike-Boom immer mehr zu. Ein Sturz mit dem Mountainbike passiert innerhalb von Sekunden, obwohl Verunfallte davon berichten, wie in Zeitlupe gefallen zu sein. Dank Helm kommt ein Großteil aller Gestürzten glimpflich davon.

Unfälle mit dem Mountainbike passieren fast immer auf der Abfahrt. Auch wenn Sie selbst die schwarze Piste und die Downhill-Route meiden, können Sie schon auf Trails mit leichtem Gefälle die erhöhte Geschwindigkeit und den längeren Bremsweg unterschätzen.

Selbstüberschätzung führt in vielen Fällen zu einem erhöhten Unfallrisiko. Deshalb empfiehlt sich immer eine an die Witterung und die Strecke angepasste Fahrweise. Es sei denn, Sie haben die Reflexe eines Stuntmans.

E-Mountainbikes und Unfallrisiko

Unfälle von E-Mountainbikern nehmen bei Menschen mittleren Alters in alpinem Gelände zu. Das hat der Unfallchirurg Dr. Moritz Katzensteiner bei einem Kongress der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) erklärt. Ihm zufolge erschweren dabei auch die regelmäßige Einnahme von Medikamenten, Herz-Kreislauf-Probleme und andere Vorerkrankungen die Behandlung nach einem Sturz. Trotzdem werden E-Bikes im Gelände immer beliebter.

Orthopäde Dr. Artur Bergmann betreut seit über 20 Jahren die deutsche Mountainbike-Nationalmannschaft. Seiner Meinung nach überwiegen die Vorteile von E-Mountainbikes. Durch sie können schließlich auch ältere oder weniger sportliche Menschen die Berge erkunden. Problematisch sei aber, dass manche Menschen "mit dem Mountainbike einen Berg hinauffahren, sich dann umdrehen und beim Runterfahren merken, dass es viel zu steil ist", sagt Bergmann.

Durch gute Federung und Motorunterstützung bei E-Bikes komme man auch Wege rauf, die man mit einem normalen Fahrrad oder Mountainbike niemals schaffen würde, egal ob man trainiert oder untrainiert ist. Das heißt, die Räder bieten zwar viel mehr Möglichkeiten, "beherbergen aber auch das Risiko, dass man sich überschätzt und dann irgendwann stürzt", sagt Bergmann.

Zudem sind E-Bikes schwer und nicht immer leicht zu bedienen. Wer so ein Gefährt nicht gewohnt ist, tritt vielleicht im falschen Moment in die Pedale, bekommt die Unterstützung vom Motor und schießt über den Weg hinaus, sagt der Arzt.

ÖKAS-Kampagne zur Mountainbike-Sicherheit

Das Österreichische Kuratorium für alpine Sicherheit (ÖKAS) hat eine Kampagne zur Reduzierung von Mountainbike-Unfällen gestartet. Matthias Knaus, Geschäftsführer des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit: “Uns ist klar, dass es sich hier um ein heikles Thema handelt”, sagt Knaus. Eine Aussage der Kampagne: “Die MTB-Unfälle haben sich in den letzten zehn Jahren verdreifacht”. Natürlich hat die zunehmende Anzahl von Mountainbiker einen Einfluss auf die Anzahl der Verunfallten. Doch unterm Strich sind es viele und das zählt. Besonders Rettungsorganisationen wie die Bergrettung/Bergwacht kommen an ihre Grenzen.

Die Kampagne zielt auf die Aufklärung über Selbstüberschätzung, zu hohe körperliche Belastung, mangelnde Fahrtechnik und unzureichende Tourenplanung ab. Die Statistik sagt: Am wenigsten Anteil machen die 20- bis 40-Jährigen. Die sind meist fit, wissen, was sie tun und stürzen im Verhältnis weniger. Bei den Jüngeren und Älteren dagegen ist Aufklärungs-Potenzial da.

Stürze passieren auf Forststraßen sowie auf Trails, und beinahe alle Altersgruppen sind davon gleichermaßen betroffen.

Unfallstatistik E-Bikes vs. Fahrräder

Das Statistische Bundesamt unterscheidet in seiner Unfallstatistik zwischen E-Bikes (Pedelecs) und Fahrrädern ohne E-Antrieb. Für 2023 zählte das Statistische Bundesamt rund 23.900 Unfälle mit einem Pedelec, bei denen Personen zu Schaden kamen. Im Jahre 2014 wurden lediglich rund 2.200 solcher Fälle registriert. Von ehemals 39 Toten ging es hinauf auf jetzt 188.

Die 72.200 Unfälle mit herkömmlichen Fahrrädern aus dem Jahr zuvor bedeuten ein Rückgang um sieben Prozent im Vergleich zu den rund 76.600 aus 2014. Innerhalb dieser neun Jahre sank die Anzahl derjenigen, die auf einem Fahrrad ums Leben kamen, von ehemals 357 Menschen auf 256 Menschen.

Pro 1.000 Unfälle mit Personenschaden mit einem Pedelec starben durchschnittlich 7,9 Menschen. Im Falle des Fahrrades waren es durchschnittlich 3,6 Getötete.

Wer mit einem Pedelec verunglückt, war im Durchschnitt 53 Jahre alt. Wer auf einem herkömmlichen Fahrrad fuhr, dagegen nur 42 Jahre.

Neue Studie: Protektoren und Unfallrisiko

Eine neue Studie der Klinik Diakonissen Schladming hat MTB-Unfalldaten ausgewertet und Überraschendes herausgefunden. Im Rahmen der Saison 2023 wurden die Ausrüstung und Verletzungsmuster von Mountainbikern untersucht. Insgesamt flossen 364 Datensätze in die Studie ein.

Festgestellt wurde zunächst, dass das Geschlecht bei der Unfallhäufigkeit keine wesentliche Rolle spielt, und dass die meisten Biker, die nach einem Sturz ins Krankenhaus mussten, zwischen 20 und 30 Jahren alt waren.

Bei der Wirkung der Schutzausrüstung schließlich fällt auf, dass Biker, die bestimmte Protektoren trugen häufiger im Krankenhaus landeten - nämlich Knieschützer und Rückenprotektoren. Sie vermuten eine erhöhte Risikobereitschaft aufgrund des Tragens von entsprechender Schutzausrüstung.

Es zeigt sich aber auch, dass ein Rückenprotektor in der Lage ist, vor Frakturen im Bereich des Oberkörpers zu schützen. Interessant erscheint außerdem, dass Knieprotektoren keine relevante Schutzfunktion attestiert werden kann. Im Gegensatz dazu schützen Schienbeinschützer erwartungsgemäß vor allem die Schienbeine vor Verletzungen.

Bikerinnen und Biker, die mit einem Downhill-Bike unterwegs sind, dem höchsten Unfallrisiko ausgesetzt sind. Das geringste Risiko haben nach den vorliegenden Daten Fahrerinnen und Fahrer, die mit einem Freeride-Bike fahren.

Bei einer Fahrzeit zwischen zwei und vier Stunden passieren die meisten Unfälle. Dabei sind wiederum Personen ab dem dreißigsten Lebensjahr am häufigsten betroffen.

6 Sicherheitstipps für Mountainbiker

  1. Pedalwahl: Klickpedale im Downhill-Bereich vermeiden und Flatpedale bevorzugen.
  2. Schutzausrüstung: Trage stets eine vollständige Schutzausrüstung, einschließlich Fullface-Helm, Handschuhe und geeignete Protektoren für Rücken und Schienbeine.
  3. Trailauswahl: Passe deine Fahrweise und Ausrüstung dem Schwierigkeitsgrad des Trails an. Besonders rote Trails weisen eine höhere Unfallrate auf.
  4. Ermüdung: Achte auf deine Kondition und Konzentration. Mache Pausen, um Ermüdung zu vermeiden.
  5. Training: Eine gute Fahrtechnik kann nicht nur die eigene Performance verbessern, sondern auch Verletzungen vorbeugen. Regelmäßiges Technik-Training hilft, sicherer zu fahren.
  6. Kein Alkohol: Biken und Alkohol passt nicht zusammen! Fahren unter Alkoholeinfluss erhöht das Unfallrisiko erheblich. Verzichte auf Alkohol, wenn du auf den Trails unterwegs bist.

Fazit

Obwohl Schutzausrüstung grundsätzlich zu empfehlen ist, zeigt die Studie, dass Sicherheit beim Fahrradfahren eine ganzheitliche Betrachtung erfordert. Neben der richtigen Ausrüstung sind auch das Verhalten und die Selbsteinschätzung der Fahrer entscheidend.

Jedes sechste Todesopfer im Straßenverkehr im Jahr 2024 war mit dem Fahrrad unterwegs, wie das Statistische Bundesamt in seiner vorläufigen Unfallstatistik mitteilte. Die größte Gefahr für Fahrradfahrende stellen der Auswertung nach Autos dar: 70,7 Prozent der 92.882 Fahrradunfälle mit Personenschaden waren Kollisionen mit Autos.

43,5 Prozent der Verkehrstoten auf dem Fahrrad waren mit E-Bikes unterwegs. Es kamen 192 Pedelec-Fahrer ums Leben. Vor allem Menschen, die 65 Jahre oder älter sind, sind demnach einem besonders hohen Risiko ausgesetzt.

Unfallstatistik Pedelecs und Fahrräder (Deutschland, 2023)
Fahrzeugtyp Unfälle mit Personenschaden Todesfälle Todesfälle pro 1.000 Unfälle Durchschnittsalter der Verunglückten
Pedelec 23.900 188 7,9 53 Jahre
Fahrrad 72.200 256 3,6 42 Jahre

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