Bulls Mountainbike Test: Sonic und Vuca im Detail

Bulls, eine der bekanntesten Marken in Europa, geht mit den Sonic E-MTBs neue Wege. Die Plattform ist speziell auf die Bedürfnisse des Zusatzantriebs zugeschnitten, was sich in vielen kleinen und großen Details zeigt. Noch vor zehn Jahren fragte man sich angesichts der ersten E-MTBs, wofür man beim Mountainbiking einen Motor bräuchte. Doch das war in einer anderen Ära.

Zunächst waren es die Offroad-Tourenfahrer, die die Reize des Zusatzantriebs für sich entdeckten. In den letzten zwei, drei Jahren stiegen auch zunehmend ambitionierte Fahrer vom „Bio-Bike“ auf das E-MTB um. Die Vorteile sind dank innovativer Umsetzung seitens einiger Hersteller unbestritten. Bei Bulls heißt die Frucht dieser Erkenntnis Sonic EVO - ein Bike, das technisch und optisch neue Wege geht. „Wir erleben den Mountainbike-Sport noch einmal in einer völlig neuen Dimension“, so Marc Faude, Entwickler beim Radhersteller Bulls, und genau darauf ist das innovative Fully zugeschnitten.

Die Innovationen des Bulls Sonic EVO

Die Antriebskraft der aktuellen Motorengeneration hat zu neuen Konstruktionsweisen geführt, was man beim Sonic besonders im Bereich des Steuerrohrs bzw. des Gabelschafts erkennt. Maximale Verwindungssteifigkeit einerseits und eine optimale Anbindung des Steuerrohrs an das breite Unterrohr mit dem Intube-Akku erfordern eine neue Dimensionierung. Am Sonic kommt daher eine Federgabel mit satten 1,8 Zoll messendem Schaftrohr zum Einsatz, die in einem ebenfalls groß dimensionierten Steuerkopfbereich montiert ist.

Neue Wege geht Bulls auch bei der Integration der Batterie im Rahmen: Sie wird im 45°-Winkel nach oben entnommen, was einerseits bequem ist; andererseits aber Kompromisse bei der Rahmenform unnötig macht. Beim Sonic fällt das kompakte Rahmendreieck auf, noch mehr aber der fließende Übergang vom Oberrohr zum Hinterbau; der senkrecht stehende Dämpfer der Schwinge stört diese Formgebung nicht und kitzelt aus dem klassischen Viergelenker-Hinterbau 150 mm Federweg heraus. Das komfortabel per Luftdruck anpassbare Fahrwerk findet eine gelungene Balance zwischen Komfort und Sportlichkeit und dürfte damit vielen Fahrern gut gefallen. Darunter verbirgt sich der Bosch Powertube Akku.

Während bis vor ein paar Jahren das sportliche, straff gefederte Touren-MTB den Ton angab, ist heute das Trailbike federführend. Moderne Mountainbikes sind handlicher und verspielter; die Sitzposition ist aufrechter geworden, die Federwege länger. Beim Bulls Sonic zeigt sich das sehr deutlich am Cockpit.

Der Lenkwinkel ist flach, was bei hohem Tempo für sicheren Geradeauslauf sorgt; der angenehm kurze Vorbau „The Frog“ (eine Sonderkonstruktion, die optisch sehr schön zum groß dimensionierten Steuerrohr passt) stellt sicher, dass sich das Bike dennoch mit leichter Hand steuern lässt und die für verwinkelte Trails nötige Agilität aufweist. In dieselbe Richtung zielt auch der Laufradmix des Sonic: Das 29-Zoll-Vorderrad erhöht die Laufruhe und rollt dynamischer über Unebenheiten hinweg; der 27,5-Zöller hinten erlaubt einen kürzeren Hinterbau und damit mehr Wendigkeit. Zur Downhill-Performance des Bulls gehört die versenkbare Sattelstütze.

„Wir sind getrieben von den Mountainbikern dort draußen, die einen neuen Sport für sich entdeckt haben“, sagt Entwickler Marc Faude - und dass Bulls damit nicht nur die absoluten Cracks meint, zeigt gerade das Sonic EVO AM 1. Während das Topmodell der Baureihe an der 9.000-Euro-Marke kratzt, ist das AM 1 bereits für schlanke 4.100 Euro verfügbar - nur ein paar Hunderter mehr als ein solides E-Trekkingbike. Und dabei ist das Alu-Fully keineswegs spartanisch ausgestattet: Zu den beschriebenen Features kommt eine Sram-Zwölfgangschaltung; das kompakte Purion-Display des Bosch-Antriebs ist völlig ausreichend, zumal viele Biker heute ohnehin mit einem GPS-Radcomputer am Lenker fahren.

Das mit einigen optischen wie technischen Finessen ausgestattete Bulls Sonic Evo AM1 zeigt, wie vielseitig ein modernes E-MTB sein kann. Einerseits bietet die moderne Geometrie, eine solide Ausstattung samt Luftfahrwerk und Variostütze einiges an Gelände-Potenzial, andererseits greifen Features wie die MonkeyLink Schnittstellen im Alltag unter die Arme.

Bulls Vuca Evo AM: Der Allrounder im Test

Das BULLS VUCA Evo AM 2 wirkt auf den ersten Blick wie eine potente Abfahrtsmaschine. BULLS ordnet es selbst aber als Allrounder für die Feierabendrunde bis hin zur epischen Mehrtagestour ein. Während das leichte BULLS SONIC EVO AM SX-I sich an sportliche Fahrer richtet, soll das VUCA alle Biker ansprechen, die nach mehr Motorpower und Akkukapazität verlangen und es lieber gemütlicher angehen wollen. Dazu wird es von BULLS mit spannenden USPs bestückt. Eine Pinion MGU E1.12-Getriebeeinheit findet im Tretlagerbereich ihren Platz und soll in Kombination mit dem 720-Wh-Akku für die nötige Unterstützung sorgen. BULLS bietet beim Kauf auch die Wahl eines noch größeren 960-Wh-Akkus, der selbst für lange Tagestouren ausreichend ist.

Für die nötige Performance auf dem Trail verpasst BULLS dem VUCA EVO AM 2 ein FOX-Fahrwerk mit 150 mm Federweg an Front und Heck. Das Top-Modell bringt in Größe L mit Carbon-Hauptrahmen und Aluminium-Hinterbau 25 kg auf die Waage und liegt somit über dem Durchschnittsgewicht der Full-Power E-MTBs mit 23,9 kg im Test. Auf den ersten Blick wirkt die Rahmenform des VUCA Evo AM 2 sehr kantig, macht aber einen stabilen und muskulösen Eindruck. Vor allem das breite Unterrohr und der massive Tretlagerbereich vermitteln ein bulliges Bild. Die „dark chrome silver“-Lackierung unterstreicht zusätzlich die massive Optik.

Beim Rahmenmaterial setzt BULLS auf einen Hauptrahmen aus Carbon und einen Aluminium-Hinterbau, der an eine Schwinge aus dem Motorrad-Rennsport erinnert. Optisch direkt auffällig ist das golden funkelnde FOX-Fahrwerk. An der Front arbeitet eine FOX 38 Factory-Gabel und am Heck ein FOX FLOAT X Factory-Dämpfer, beide mit 150 mm Federweg. BULLS setzt beim VUCA EVO AM 2 auf den 85 Nm starken Pinion MGU E1.12-Motor mit GATES Carbon Drive CDX-Riemen, die den Antrieb und die 12-Gang-Schaltung in einer Einheit unterbringt. Der GATES Carbon Drive CDX-Riemen ist im Vergleich zu einer herkömmlichen Kette wartungsärmer und bedarf kaum Service- und Reinigungstätigkeiten.

Gespeist wird der Pinion MGU E1.12-Motor vom FIT Ultracore Akku mit 720 Wh, der für die meisten Tagestouren ausreicht. Der Akku ist mit einem Schloss gesichert und lässt sich nach dem Aufschließen einfach und bequem für externes Laden nach unten aus dem Unterrohr entnehmen. Wer direkt neben seinem Bike-Abstellplatz auch eine Steckdose verfügbar hat, kann den Akku auch im verbauten Zustand im E-MTB aufladen. Das geschieht über einen Ladeport am Unterrohr, der sich unter einer Klappe den Platz mit dem Akku-Schloss teilt.

Um die Übersicht über das Motorsystem zu behalten, verbaut BULLS die FIT Master Node LED, die ihren Platz am Oberrohr findet. Sie zeigt in verschiedenen Farben am Rand die aktuelle Unterstützungsstufe und zentral den Akkustand in Balkenform an. Die LED nimmt am Oberrohr viel Platz ein und liefert außer Modi- und Akkuanzeige keinen weiteren Nutzen für den Fahrer. Ein Display, wie man es bei einem Bike mit Touren-Charakter erwarten würde, gibt es am BULLS VUCA EVO AM 2 zwar nicht, ist aber durch die SP-Connect-Halterung auf dem Vorbau schon zum Anbringen von Smartphones vorbereitet.

Wie schon der Motor wird auch die verbaute Lichtanlage am BULLS VUCA EVO AM 2 vom FIT Ultracore 720-Akku gespeist. Das E-MTB kommt in Serie mit einer magnetischen MonkeyLink-Halterung am Lenker, auf der im Handumdrehen ein MonkeyLink-Licht installiert ist. Für Fahrer, die einen Ständer am VUCA EVO AM 2 montieren wollen, bietet der Hersteller eine Aufnahme am Hinterbau an.

BULLS setzt am VUCA auf 29” Ryde Disc 30 Aluminium-Laufräder und eine Limotec Alpha 1-Sattelstütze, die durch ihre goldene Beschichtung einer FOX Transfer Factory stark ähnelt.

Ausstattung des BULLS VUCA EVO AM 2

  • Motor: Pinion MGU E1.12 85 Nm
  • Akku: FIT Ultracore 720 720 Wh
  • Display: FIT Master Node LED
  • Federgabel: FOX 38 Factory 150 mm
  • Dämpfer: FOX FLOAT X Factory 150 mm
  • Sattelstütze: Limotec Alpha 1 125 mm
  • Bremsen: Shimano XT 220/203 mm
  • Schaltung: Pinion MGU E1.12 1x12
  • Vorbau: BULLS MTBi-Sport 45 mm
  • Lenker: BULLS Enduro Carbon 780 mm
  • Laufradsatz: Ryde Disc 30 29"
  • Reifen: MAXXIS Minion DHF, EXO/MAXXIS Minion DHR II, EXO 2,6/2,6

Technische Daten

  • Gewicht: 25 kg
  • Zul. Gesamtgewicht: 150 kg

Schwingt man sich auf das VUCA EVO AM 2, nimmt man eine aufrechte und bequeme Sitzposition ein. Will man die Motorunterstützung einstellen, muss man zur FIT Remote Pure greifen, die sich durch das Bewegen des Rings bedienen lässt. Die Ring-Remote ist nicht nur die bessere FIT-Remote, sie fühlt sich in der Bedienung auch etwas besser an als die ähnliche FAZUA Remote am Santa Cruz Heckler SL und kann auch im Vergleich zur maxon Ring-Remote am Spherik E-SMT mit besserer Haptik punkten.

Tritt man in die Pedale und fährt bergauf, erhält man durch die Pinion MGU E1.12-Einheit kräftige Unterstützung, bei der man aber durch die deutlich wahrnehmbaren Motor- und Schaltgeräusche Abstriche machen muss. Auffällig sind auch die großen Gangsprünge zwischen den Gängen 4 und 5 sowie 8 und 9, bei denen intern zwei Zahnradpaarungen gleichzeitig gewechselt werden. Beim etwas längeren Schaltvorgang tritt man dann kurzzeitig ins Leere. Durch die kräftige Unterstützung der Getriebeeinheit lässt es sich mit dem BULLS VUCA EVO AM 2 gut klettern und das E-MTB überrollt leicht Unebenheiten des Untergrunds, was für einen komfortablen Uphill sorgt.

Egal, ob man sich für gut geshapte Flowtrails oder für technisch anspruchsvolles Terrain entscheidet: Der Spaßfaktor an Bord des VUCAs ändert sich nicht. Auch wenn man auf Flowtrails durch das hohe Gesamtgewicht etwas eingebremst wird, bietet das VUCA ein noch relativ wendiges und aktives Handling. Für moderate Trails besitzt es eine ausgewogene Balance aus gleichmäßiger Gewichtsverteilung und genug Fahrwerksreserven. Das Feedback vom Untergrund ist nicht zu hart und Schläge werden abgefiltert an den Fahrer weitergegeben, was auch den unerfahrenen Biker nicht überfordert.

Die gedrungene Geo schreit nicht nach longer, slacker, lower - so besitzt das VUCA z. B. mit 66° den steilsten Lenkwinkel im Vergleichstest. Im direkten Vergleich mit den Pinion-Bikes von ROTWILD und SIMPLON besitzt das VUCA das umgänglichste Handling, da es die Lenkimpulse des Fahrers vorhersehbar umsetzt.

Auf anspruchsvollen Abfahrten geraten die anfängliche Balance und das einsteigerfreundliche Handling etwas aus dem Gleichgewicht. Will man jedoch das Maximum an Highspeed-Abfahrts-Performance aus dem VUCA herauskitzeln, muss man besonders aktiv werden und den Oberkörper mit viel Selbstbewusstsein Richtung Lenker verlagern, um Druck und Traktion unter dem Vorderrad aufzubauen. Wird der Druck jedoch zu hoch und werden die Stufen größer, versinkt die FOX 38-Gabel tief in ihre 150 mm Federweg - Überschlagsgefühle inklusive. Auch in Steinfeldern schaukelt sich das Bike etwas auf und wird unruhig. Wer nicht mit Nerven aus Stahlseilen zur Welt gekommen ist, kann das Tempo dank der verbauten Shimano XT-Bremsen zuverlässig rausnehmen und es ruhiger angehen lassen. Die Kombination aus einer großen 220 mm Bremsscheiben vorne und 203 mm hinten ist von BULLS dazu gut gewählt.

Bei der Reifenwahl leistet sich BULLS jedoch einen Fehlgriff. Der MAXXIS Minion DHF an der Front und der MAXXIS Minion DHR II am Heck kommen beide in der dünnen EXO-Karkasse, die selbst auf normalen Touren wenig Pannenschutz bietet. Dickwandigere Karkassen, wie EXO+ oder die von uns oft gelobte Doubledown-Seitenwand, und eine weichere MaxxGrip-Gummimischung an der Front würde hier einiges zur Sache tun und zusätzlich für mehr Grip sorgen.

Das BULLS VUCA EVO AM 2 eignet sich für sportliche Tourenfahrer, die auf die Wartungsfreundlichkeit der Pinion MGU E1.12-Einheit setzen und mit großem Akku lange Touren bewältigen wollen. Das hohe zulässige Gesamtgewicht von 150 kg lassen dem Fahrer viel Spielraum in der Gepäckwahl und die Ausstattung mit Lichtanlage unterstreicht den Touren-Charakter des E-MTBs. Auch Fahrer, die am liebsten auf leichten Trails mit wenig Gefälle unterwegs sind, können mit dem BULLS VUCA EVO AM 2 einen zuverlässigen Partner finden.

Das BULLS VUCA EVO AM 2 erweckt durch seine brachiale Optik und die verbauten Performance-Parts den Anschein eines potenten E-MTBs. Den Erwartungen kann es in der Praxis aber nicht gerecht werden, denn trotz einfachem Handling kommt das Bike auf technischen Trails schnell ans Limit.

Das Bulls Wild Edge Team im Test

Sportler lieben es, das gleiche Material zu besitzen, wie die Besten der Besten. Deshalb lieben Bikerinnen und Biker auch das Bulls Wild Edge Team. In der Team-Ausstattung können sich Cross Country- und Marathon-Racer genau das MTB kaufen, das auch die Profis an die Startlinie schieben. Anders als viele der großen Bike-Hersteller, ruft Bulls dafür jedoch keine fünfstellige Summe auf, sondern verkauft das Wild Edge Team für 6399 Euro.

Ausstattung des Bulls Wild Edge Team

In der Team-Version des Wild Edge bringt Bulls nur das beste ans Bike. Auch an den Verschleißteilen wird nicht gespart: Selbst Kette und Kassette entspringen der Shimano-XTR-Baureihe.

Der Wunsch, dasselbe Bike zu besitzen, wie der mehrfache Cape-Epic-Sieger Karl Platt, macht das Bulls Wild Edge in der Team-Variante auch für Hobby-Racer interessant. Mit Hilfe der Bulls-Homepage ließe sich das Fahrwerk sogar eins zu eins so abstimmen, wie bei Marathon-Legende “King Karl”. Natürlich fährt der King nur das Beste. Ein Rockshox-Ultimate-Fahrwerk trifft auf Carbon an Rahmen, Laufrädern, Sattelstütze, Lenker und sogar Vorbau. Die Kölner verbauen eine Shimano-XTR-Gruppe ohne Blender. Besser kann ein Racefully kaum schalten und bremsen.

In Beschleunigungsphasen schießt das leichte Bulls nach vorne. Ein vergleichsweise flacher Sitzwinkel und eine niedrig-lange Front ziehen den Fahrer in eine sportliche Sitzposition. Im Wiegetritt nickt das Heck spürbar mit, wird mit dem Dreh des Handgelenks am Twistlock-Remote aber ruckzuck gesperrt. Dann lässt das Bulls Wild Edge mit seinen schmalen 2,25-Zoll-Reifen allerdings Traktion vermissen. Besser würde ihm in holprigen Anstiegen die dreistufige Plattformdämpfung der neuen SID-Federelemente stehen.

Bergab begeistert das königsblaue Fahrwerk mit viel Popp und gutem Gegenhalt. Blitzschnell geht das Bulls Wild Edge durch Anliegerkurven und über kleine Sprünge. Dabei schnellt der Fahrspaß nach oben. Auch bei technischen Herausforderungen kann das sehr reaktive XC-Bike überzeugen. Mühelos geht es um enge Kehren und lässt sich leicht über Hindernisse lupfen. In schnellen und verblockten Abschnitten erweist das sensible Handling des Bulls allerdings einen schlechten Dienst.

Bulls Copperhead AM 5 2025 im Fokus

Auch E-MTB Fullys werden nicht selten im Alltag genutzt. Mit dem neuen Copperhead Evo AM 5 reagiert Bulls konsequent und verpasst dem Verkaufsschlager eine ganze Reihe praktischer Features: Integriertes Rück- und Kurvenlicht und eine neue Monkey-Link-Schnittstelle für Smartphone oder einen großen Scheinwerfer sind die Highlights. Aber auch abseits davon hat das neue Bulls mit seinem bescheidenen Vorgänger nicht mehr viel gemein. Der Hauptrahmen ist jetzt aus Carbon, der Hinterbau setzt statt klassischem Viergelenker auf eine einteilige Schwinge mit tief liegender Anlenkung. Im Unterrohr steckt der neue Bosch CX samt dem Top-Akku Powertube 800.

Die Ausstattung am Topmodell Copperhead Evo AM 5 lässt mit XT-Schaltung, einteiligem Carbon-Cockpit und Lyrik-Ultimate-Gabel kaum Wünsche offen. Damals war der Motor selbst noch im Erlkönig-Status. Mit 600 Watt und 85 Newtonmetern hat der CX dieselben Leistungsdaten wie sein Vorgänger. Bei den Softskills konnte Bosch aber nochmal deutlich nachlegen: Feineres Ansprechverhalten, weniger Tretwiderstand und weniger Motorgeräusch. Der neue 800er im Bulls ist hier besonders gut. Mehr geht kaum. Die Kombination aus Mini-Remote und System-Controller am Bulls Copperhead Evo AM 5 ist minimalistisch. Dank der neuen Monkey-Link-Schnittstelle kann man aber unkompliziert ein Handy vor den Lenker packen, induktiv laden und mit der Bosch-App als weiteren Screen nutzen.

Zugunsten von Alltags- und Tourentauglichkeit hat Bulls das Copperhead Fully wenig extrem gezeichnet. Der Lenkwinkel ist eher steil, der Sitzwinkel flach. Kurze Kettenstreben sollen ein agiles Handling bringen. Auffällig: Trotz hohem Stack sitzt man wegen des flachen Sitzwinkels und niedrigen Lenkers etwas sportlich-gestreckt auf dem Bulls. Ein anderer Lenker mit mehr Rise würde ein spürbares Plus beim Komfort bringen.

EMTB-Messwerte im Überblick (Rahmengröße L)

  • Sitzrohrlänge: 463 mm
  • Radstand: 1240 mm
  • Reach: 472 mm
  • Stack: 651 mm
  • Lenkwinkel: 66 Grad
  • Sitzwinkel: 75,3 Grad
  • Kettenstrebenlänge: 442 mm

Ausstattung des Bulls Copperhead Evo AM 5

  • Gabel / Dämpfer: Rockshox Lyrik Ultimate / Deluxe Select
  • Schaltung: Shimano XT (12-fach)
  • Bremsen: TRP Slate Evo
  • Laufräder: Rumble Impeller Pro
  • Reifen: Schwalbe Magic Mary Performance 29 x 2,4
  • Besonderheiten: Integriertes Rück- und Kurvenlicht, Monkey-Link-Schnittstelle, Laufräder mit eigenem Bremsscheiben-Standard

Auf dem Bulls sitzt man eher so, wie man es von klassischen Sport-Tourern kennt. Der flache Sitzwinkel lässt das Rad lang wirken und soll prinzipiell im Flachen die Handgelenke entlasten. In Kombination mit der Lenker-Vorbau-Einheit ist leider das Gegenteil der Fall. Das zu tiefe und nicht anpassbare Cockpit ist an einem Bike dieser Kategorie völlig fehl am Platz. Wer es komfortabel mag, sollte auf einen klassischen Lenker umrüsten.

Wird’s bergauf anspruchsvoll, bringt das Carbon-Cockpit viel Druck auf die Front. Die günstigen Schwalbe-Reifen mit harter Gummimischung geizen aber auffällig mit Grip. Wer ernsthaft ins Gelände will, sollte ein Upgrade einplanen. Punkte bringen dagegen der feinfühlige und reichweitenstarke Bosch-Motor und der gute Hinterbau. Das Vorderrad steigt beim Bulls trotz moderater Kettenstreben kaum. Die Kassette mit etwas weniger Bandbreite als üblich fällt am Powerbike kaum ins Gewicht.

Für flache Trails und HausrundeBergab limitieren Reifen und Cockpit ebenfalls deutlich, ansonsten macht das Copperhead seine Sache aber gut. Der Hinterbau spricht sehr feinfühlig an und liefert trotzdem guten Gegendruck. So fährt sich das Bulls auch mit über 25 Kilogramm alles andere als schwerfällig und lässt sich leicht an kleinen Kanten in die Luft drücken. Der moderate Lenkwinkel beschert dem Bike dabei ein sehr neutrales Handling. So dürfte das Bulls gerade auf flacheren Trails und auf Hausrunden im Mittelgebirge in seinem Element sein.

Auf steilen Pfaden bringt das Bike mit der tiefen Front und der moderaten Geometrie den Fahrer aber in eine etwas unangenehme Position, außerdem lässt sich die Sattelstütze nicht ganz im Rahmen versenken. Die Gabel begeistert dafür mit viel Kontrolle und Sensibilität, die TRP-Bremse liefert eine gute Power und eine Ergonomie auf Top-Niveau. Bergab bleibt das Copperhead zudem extrem ruhig.

Bulls Tokee 20” Kinder Mountainbike

Mit dem Tokee 20” versucht sich Bulls im klassischen Kinder MTB-Segment. Die langen Kettenstreben sorgen für Fahrstabilität bei hoher Geschwindigkeit. Das Tokee 20” fühlt sich mit seiner Ausrichtung im Gelände am aller wohlsten. Leichte Singletrails machen damit richtig Spaß. Bei den Anbauteilen setzt Bulls auf das, was sich in diesem Preissegment bewährt hat.

Wenn Kinder bei der Kaufentscheidung mitwirken, wird eine Federgabel oft zur Bedingung. Leider funktionieren diese beim niedrigen Gewicht der Kinder nicht immer tadellos. Die SR Suntour Gabel im Tokee 20” ist typisch in dieser Preisklasse. Leider lässt sie sich nur bedingt auf das Fahrergewicht anpassen.

Wie sicher sich ein Bike fahren lässt, hängt maßgeblich auch mit den Reifen zusammen. Die Ace of Pace Reifen fallen mit 2 Zoll breit aus. Schmälere Reifen sind zwar leichter, breitere Reifen vermitteln in der Regel aber ein sichereres Fahrgefühl. Im Gelände und auf der Straße.

Bei Kinder Mountainbikes müssen sich die Bremsen mit wenig Handkraft bedienen lassen. Die V-Brakes (Felgenbremsen) sind leicht und technisch extrem simpel. Das ist für Kinder Mountainbikes meist zweckmäßig. In den Punkten Dosierbarkeit und Bremspower sind sie jedoch den Scheibenbremsen unterlegen.

Je mehr Ritzel die Kassette hat, desto hochwertiger ist die Schaltung. Mit sieben Gängen erfüllt die Shimano Schaltung am Tokee 20” ihren Zweck, lässt aber noch Luft nach oben. Bei der Bandbreite errechnet man den Unterschied zwischen größtem und kleinstem Gang der Schaltung. Je größer der Wert desto besser für das Fahrgefühl. Mit 243 % fällt diese beim Tokee 20” relativ gering aus. In steileren Anstiegen wird es für Kinder schwer werden die Kurbel noch rum zu bekommen.

Der Hersteller empfiehlt keine exakte Größe. Nach einem Blick auf die Geometrie sagen wir pauschal: zwischen 115 und 130 cm Körpergröße sollte das Tokee 20” passen.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0