Mountainbike: Vorteile und Nachteile von Einfach-Kettenblättern

Je mehr Gänge, desto besser. Da durften sich bisher sämtliche radelnde Generationen sicher sein. Schon auf dem Schulhof konnte man über vieles streiten, beim Thema Schaltung aber war die Anzahl der Gänge ein so unerschütterliches Kriterium wie der Hubraum beim Auto-Quartett. Drei, sieben und irgendwann mal 21 - niemand zweifelte daran, dass mit jedem Gang das Fahrrad irgendwie cooler, schneller, besser wurde. Doch damit ist es vorbei. Mehr noch: Die Pole der Fahrradwelt scheinen sich inzwischen gedreht zu haben, zumindest bei sportlichen Modellen wie Rennrädern, Gravel- und Mountainbikes.

Schon seit einigen Jahren ist an den Tretkurbeln neuer Fahrräder ein rasanter Schrumpfungsprozess zu beobachten. Wer sich zum Beispiel ein Mountainbike zulegen will und sich längere Zeit nicht mit dem Thema beschäftigt hat, wird sich beim Fahrradkauf wundern: Viele aktuelle Modelle haben nur noch zwei Kettenblätter, also Zweifach-Schaltungen, oder sogar nur noch Einfach-Schaltungen mit einem einzigen Kettenblatt - und damit meist nur elf oder zwölf Gänge.

Selten gab es bei einer so wichtigen Komponente wie der Schaltung so kurze Innovationszyklen wie in den vergangenen Jahren. Möglich wurde das vor allem durch neue Optionen am Hinterrad: Hatten dort Anfang der Achtzigerjahre meist nur sechs Zahnräder Platz, können die Hersteller dort mittlerweile bis zu zwölf Ritzel verbauen. Einfach war das nicht, weil bei mehr Zahnrädern die Kette zwangsläufig schräger läuft - aber dennoch nicht vom Ritzel fallen und nicht schnell verschleißen darf. So wurden die Ketten schmaler und die Systeme ausgefeilter.

"Alle unsere neuen Mountainbike-Modelle haben eine Einfach-Schaltung", sagt Maik Krienitz, Produktmanager für Mountainbikes beim Fahrradhändler und -hersteller Rose Bikes mit Sitz in Bocholt. Der Trend hat sich zuletzt noch mal verstärkt. Während die teuren Einfach-Schaltungen ursprünglich nur bei den Hightech-Modellen zu finden waren, setzen sie sich zunehmend in allen Preissegmenten durch.

"Noch vor zwei Jahren wäre es undenkbar gewesen, bei Mountainbikes im unteren und mittleren Preisbereich auf Dreifach-Schaltungen zu verzichten", sagt Frank Greifzu, Produktmanager beim Fahrradhersteller Cube. Heute haben auch bei Cube fast alle Modelle nur noch höchstens zwei Kettenblätter. Ein Mountainbike mit einer Dreifach-Schaltung und womöglich noch den bis vor ein paar Jahren üblichen 26 Zoll kleinen Rädern hat es binnen kürzester Zeit zum Oldtimer geschafft. Dieses Schicksal droht beim Mountainbike auch dem zweiten Kettenblatt, denn große Hersteller wie Shimano oder Sram konzentrieren sich vor allem auf die Einfach-Schaltung.

Ähnlich sieht es bei den derzeit besonders beliebten Gravelbikes aus. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Rennrad und Mountainbike - entsprechend wird auch bei den Schaltungen bunt gemischt. "Die Nachfrage nach Zweifach-Schaltungen überwiegt ganz klar", sagt Greifzu. Aber auch hier gibt es immer mehr Modelle, die mit nur einem Kettenblatt ausgerüstet sind.

Vorteile der Einfach-Schaltung

Weil hinten immer mehr Ritzel verbaut werden können, braucht man vorne weniger Kettenblätter. Für den Nutzer hat das viele Vorteile. Das Schalten ist einfacher, wenn der Umwerfer vorne die Kette nicht mehr zwischen drei, sondern nur noch zwischen zwei Kettenblättern hin- und herhieven muss. Die Kette springt seltener heraus, außerdem lässt sich die Schaltung einfacher einstellen.

Noch viel größer ist der Vorteil, wenn an der Kurbel nur noch ein einziges Kettenblatt seinen Dienst verrichtet. Die Gänge definieren sich bei den Einfach-Schaltungen dann nur noch über die verschieden großen Ritzel am Hinterrad. Es ist also gar kein Umwerfer und natürlich auch kein zweiter Schalthebel mehr nötig. "Die Fahrräder werden so deutlich leichter", sagt Rose-Produktmanager Krienitz. Außerdem ist der Wartungsaufwand geringer, wenn das Fahrrad keinen Umwerfer mehr hat - was nicht dran ist am Rad, kann auch nicht kaputtgehen. "Der größte Vorteil aber ist das intuitive Schalten", betont Krienitz. Statt mit verschiedenen Kombinationen aus Kettenblatt und Ritzel zu hantieren, kann man die Gänge mit einem einzigen Hebel wählen.

  • Geringes Gewicht
  • Einfache Schaltlogik
  • Unempfindlichkeit gegen Erschütterungen

Nachteile der Einfach-Schaltung

Alles besser also? Nicht unbedingt. Der Verzicht auf Kettenblätter hat nämlich auch Nachteile, die je nach Streckenprofil und persönlichen Vorlieben unterschiedlich stark ins Gewicht fallen. So ist bei weniger Kettenblättern die Bandbreite zwischen dem kleinsten und dem größten Gang oft geringer als bei den früher üblichen Dreifach-Schaltungen. In der Praxis heißt das zum Beispiel, dass man am Berg bei steilen Anstiegen mehr Kraft braucht oder bei Abfahrten nicht weiter beschleunigen kann.

Bei den neuesten, allerdings auch recht teuren Systemen gilt das nicht mehr unbedingt: So kann eine moderne Einfach-Schaltung sogar ein größeres Spektrum haben als eine Schaltung mit mehreren Kettenblättern. Das gelingt den Herstellern, indem sie am Hinterrad sowohl sehr kleine als auch sehr große Ritzel mit mehr als 50 Zähnen montieren. Allerdings wiegt dann der zweite Nachteil der Einfach-Schaltung umso schwerer: Die Sprünge zwischen den einzelnen Gängen sind viel größer. Vor allem sportlich ambitionierten Fahrern kann es dann passieren, dass sie keinen passenden Gang finden. Der eine ist zu schwer, der andere zu leicht. Bei Schaltungen mit zwei Kettenblättern und damit mehr Gängen sind die Abstufungen feiner. Sie sind daher bei Rennradfahrern, die sich stark an ihrer optimalen Trittfrequenz orientieren, auch weiterhin Standard. Für Mountainbiker, die im schnell aufsteigenden oder abfallenden Gelände fahren, können die großen Sprünge zwischen den Gängen dagegen sogar praktisch sein.

  • Reduzierte Übersetzungsbandbreite
  • Gröbere Gangabstufung

Die Qual der Wahl: Welches System ist das Richtige?

Wer sich ein neues Rad zulegen will, hat es also nicht leicht. Klar ist: Die Schaltung ist eines der wichtigsten Kriterien beim Fahrradkauf. "Man sollte sich vor allem fragen, für welche Art von Touren man das Fahrrad braucht", sagt Cube-Produktmanager Greifzu. "Das Terrain ist entscheidend." Grob gilt: Wer auf einer Tour bergab bis in höchste Geschwindigkeiten mitstrampeln und gleichzeitig bei steilen Anstiegen möglichst einfach klettern will und noch dazu empfindlich bei der Auswahl seines Wohlfühlgangs ist, wird eher zu einer Zweifach-Schaltung tendieren. Das sei zum Beispiel "der hochsportive Mountainbiker, der im Voralpenland seine Tour flach mit Highspeed auf dem Radweg beginnt und dann über steile Forstwege seine Lieblings-Alm ansteuert", sagt Greifzu. Dieser Nutzertyp sei aber auch: "die absolute Ausnahme".

Ungemütlich kann es aber auch für den normalen Fahrer werden, vor allem bei steilen und längeren Anstiegen. Je kleiner das Kettenblatt vorne und je größer das Ritzel hinten, desto leichter wird es. Vor allem bei manchen Gravelbikes mit Einfachschaltungen ist allerdings der kleinste Gang recht hoch übersetzt - was am Berg schnell anstrengend werden kann. Egal, ob Ein- oder Zweifach-Schaltung: Wer bei steilen Anstiegen nicht fluchen oder in der Ebene hohe Geschwindigkeiten fahren will, sollte beim Kauf vor allem auf die Übersetzungen der größten und kleinsten Gänge achten. Und möchte man genau wissen, wie einfach ein Rad klettert oder wie schnell man es bei normaler Trittfrequenz fahren kann, muss man den Taschenrechner rausholen, einen Ritzelrechner im Internet nutzen - oder am besten ausgiebig Probe fahren.

Es ist also komplizierter geworden an Kurbeln und Hinterrädern. Ganz so einfach war es jedoch auch früher nicht: Bei drei Kettenblättern sind wegen der vielen Kombinationsmöglichkeiten mit den Ritzeln einige Gänge doppelt belegt oder nicht sinnvoll nutzbar, weil die Kette sonst sehr schräg laufen würde. Die ganz große Anzahl von Gängen am Fahrrad war nämlich immer schon eine Illusion.

Vergleich der Schaltsysteme

Lange schien das Motto „viel hilft viel“ die Entwicklung der Antriebssysteme in der Bike Branche zu bestimmen und am Ende des Gangwahnsinns stehen Shimano´s 3x11er Gruppen XT und XTR mit theoretischen 33 Gängen zur Auswahl, doch anders als Shimano setzte der direkte Konkurrent Sram auf eine Vereinfachung und deutliche Reduktion der Gangauswahl und des gesamten Antriebs.

2012 stellt Sram die XX1 11-fach Gruppe vor, die ohne Umwerfer und mit einem einzelnen Kettenblatt an der Kurbel auskommen soll. Sram revolutioniert mit dem neuen Antrieb die Bike Industrie und erlaubt den Rahmenherstellern steifere Tretlagerbereiche und neue Hinterbausysteme zu bauen. Alles dank des gewonnen Raums des fehlenden Umwerfers.

Nach ein paar Verfeinerungen des Systems legt Sram nochmals nach und stellt 2016 die 12-fach Eagle Gruppe vor. Unter dem Motto „Range to Realize“ soll das One-By System jetzt mit einer Übersetzung von 500% für jeden und in jedem Terrain funktionieren und den Umwerfer endgültig in die Geschichte verbannen.

Shimano stellt 2015 die eigenen 11-fach Gruppen vor, die es aber weiterhin auch als Option mit zwei oder drei Kettenblättern vorne geben soll um auch die skeptischen Fahrer glücklich zu machen, die nicht vom One-By System überzeugt sind.

Verallgemeinern lässt sich die Antwort hierzu nicht und so bestimmen Einsatzgebiet, Fitnesslevel und persönliche Vorlieben welcher Antrieb der richtige ist.

Das 2×11 System

Dieses System ist wohl das allround-tauglichste aus den drei behandelten Antrieben. Die große Bandbreite mit feiner Abstufung der Übersetzungen macht das System besonders für Einsteiger oder weniger fitte Fahrer attraktiv, da es leichte Übersetzungen für steile Anstiege bietet, jedoch auch eine enge Staffelung der Gänge hat, so dass es leichtfällt eine angenehme Trittfrequenz zu finden.

Vorteile:

  • Große Bandbreite
  • Feine Gangstufen

Nachteile:

  • Gewicht
  • Keine Narrow-Wide Kettenblätter
  • Zusätzlicher Umwerfer
  • Zusätzliche Kabel und Schalthebel am Lenker

Das 1×11 System

Die leichteste Gruppe im Vergleich und somit beispielsweise für Cross-Country Racer interessant, die dank hohem Fitness-Level für Anstiege nicht zwingend das große Ritzel mit 50 Zähnen der 12-fach Gruppe benötigen. Einer der größten Vorteile der 1-fach Gruppen ist das einzelne, nicht geschaltete Kettenblatt an der Kurbel, welches sich mit einem Narrow-Wide Zahnprofil konstruieren lässt. Ein Narro-Wide Kettenblatt greift mit verschieden breiten Zähnen in die unterschiedlich großen Glieder der Kette ein und sorgt für einen wesentlich festeren Sitz der Kette auf dem Kettenblatt und verhindert das runterfallen der Kette bei Erschütterungen.

Das 1×11 System ist mit der Sram GX 11-fach oder der Shimano SLX 11-fach das günstigste im Vergleich.

Vorteile:

  • Gewicht
  • Preis
  • Narrow-Wide Kettenblatt
  • Nur ein Schalthebel
  • Simpel

Nachteile:

  • Übersetzungsbandbreite
  • Grobe Gangabstufung

Das 1×12 System

Tatsächlich hat Sram es geschafft mit der 12-fach Gruppe eine riesen Bandbreite zu schaffen und beinahe dieselben Endgeschwindigkeiten zu erreichen, wie bei einem 2-fach System mit einer 11-42 Kassette.

Bei gleicher Trittfrequenz (85rpm) und gleichem Radumfang unterscheiden sich die niedrigste und höchste Geschwindigkeit, die mit den beiden Systemen erreichbar ist, nur um 0,2 bzw 0,9 km/h.

Das 12-fach System hat also die gleiche Bandbreite wie das 2×11 System von Shimano und bietet viele Vorteile des 1×11 System, doch ist es leider noch nicht ganz perfekt. Die Gangabstufung ist deutlich gröber als die des Shimano 2×11 Systems und trennt die drei größten Gänge mit 6 bzw. 8 Zähnen(36-42-50) voneinander.

Ein weiteres Manko der Eagle Gruppe sind die teuren Verschleißteile, wenn man auf eine höherwertige Gruppe wie XX1 Eagle oder X01 Eagle geht. Glücklicherweise ist das Sram Eagle System untereinander kompatibel und so kann man hier auf die günstigere GX Eagle Gruppe ausweichen.

Zusammengefasst muss man sagen, dass hier die Nachteile von den Vorteilen deutlich ausgestochen werden und das Sram Eagle 1×12 System in der Praxis ausgezeichnet funktioniert.

Konkurrenz der Systeme

Die damalige Aufregung hat sich mittlerweile gelegt: Einfach-Kettenschaltungen sind als ein weiterer Standard im Mahlstrom der technischen Evolution akzeptiert. Mountainbikes sind heute fast ausschließlich mit 1x12-Schaltungen bestückt. Denn auch Mitbewerber Shimano hat seine Mountain­bike-Gruppen zwischenzeitlich vereinfacht. Doch haben die Japaner den Umwerfer nicht ge-opfert: Sie lassen dem Käufer die Wahl. Die jüngste Version der MTB-XT kann mit einem oder zwei Kettenblättern betrieben werden. Die Ritzelkassetten variieren je nach Zahl der Kettenblätter erheblich. Ganz links eine universelle XT-Kassette mit 11-34 Zähnen für 3x10-­Schaltungen, darunter eine fein gestufte Rennrad-Kassette, 2x10 mit 12-28 Zähnen. Besonders eindrucksvoll ist die 1x12-Kassette von SRAM (10-52 Zähne, rechts). Elf ihrer Ritzel sind aus einem Block gefräst

Auch an Gravelbikes und artverwandten Adventure-, Offroad- oder Pendler-Rädern werden immer öfter Ein- statt Zweifach-Kurbeln gesichtet. Bei Mittelmotor-Pedelecs für Touren und All­tag, erst recht bei E-Mountainbikes, ist die einblättrige Kurbel sowieso zwingend: Nur wenige Motorsysteme lassen Platz für ein zweites Kettenblatt. Sind also Reiseräder und tourentaugliche Allrounder die letzte Bastion des ehrwürdigen Dreifach-Kettenblatts, das einst das völlig neue, revolutionäre Mountainbike überhaupt erst möglich machte?

Stetige Evolution

Zunächst muss man festhalten, dass alle Hersteller alle Kettenschaltungen laufend weiterentwickeln. Stand der Technik bei 3x10-Systemen ist Shimanos XT Trekking. Es folgen, qualitativ nach unten abgestuft, die Gruppen Deore, Alivio, Acera und Altus, von denen die beiden Letzteren auch mit Neun-, Acht- oder Siebenfach-Kassetten einzig passend an ältere Fahrradmodelle montierbar sind. Dreifach-Kettenblätter haben alle. Die Mountainbike-Linie hat Shimano ­getrennt weiterentwickelt: Die Gruppen XT, SLX und Deore tragen Zwölffach-Kassetten und Ein- oder Zweifach-Kurbeln. Konkurrent SRAM dagegen setzt ausschließlich auf Einfach-Schaltungen am Mountainbike mit zwölf Ritzeln hinten. Auch deren Dimen­sionen haben sich gewaltig entwickelt: Das kleinste Ritzel hat zehn, das größte 52 Zähne - auf einer Kassette, wohlgemerkt!

Dafür waren einige technische Kunstgriffe nötig. Denn die Kassette darf mit einem weiteren Ritzel nicht breiter werden, der Platz am Hinterrad und dessen Achsbreite geben das Maß vor. Zudem passen Ritzel mit nur zehn Zähnen aufgrund ihres geringeren Innendurchmessers nicht mehr auf den Freilaufkörper der Hinterradnabe. Shimano und SRAM mussten deshalb für ihre Zehner-Ritzel neue Freiläufe entwickeln. Am Einfach-Kettenblatt sind die Zahnprofile dreidimensional ausgeformt, damit die Kette gleichermaßen leise wie sicher darüberläuft. Die Schaltwerke beider Hersteller arbeiten mit verstärkten Spannmechanismen dagegen, dass die Kette auf holperiger Strecke abspringt. Vergrößerte Leitrollen an den Schaltwerken bändigen die Kettenlänge, ohne dass der Schaltwerkskäfig verlängert werden muss.

Die schmalen Ketten sind mit verstärk­tem Material, speziell geformten ­Laschen und Pins sowie teils vergrößerten Rollendurchmessern und Hightech-Be­­schich­tungen fit gemacht, damit sie trotz starkem Schräglauf reibungsarm und haltbar um Kettenblatt und Ritzel kreisen. Jede Kettenschaltung funktioniert mit einem Einfach-Blatt - es kommt nur darauf an, was man daraus macht! Acht-, ­ Neun- oder Zehnfach-Kassetten sind mit nur einem Kettenblatt unergiebig in hügeligem oder bergigem Gelände. Selbst für Elffach und Zwölffach gilt: Entweder fehlen Klettergänge bergauf oder große Übersetzungen bergab und in der Ebene zum schnellen Fahren.

Gegenüber einer Dreifach-Schaltung spart die Einfache je nach Ausführung wenige Hundert Gramm Gewicht. Der gewichtigere Vorteil ist ihre einfachere Bedienung: Eine Hand triggert an einem Schalthebel alle Gänge nacheinander durch. Doch trotz technischer Weiterentwicklung bleibt das Manko, dass selbst eine High-End-Einfach-Schaltung noch lange nicht an die Übersetzungsbandbreite gut abgestimmter Mehrfach-Schaltungen herankommt. Wo sie das im Vergleich zu manchem Zweifach-System annähernd schafft, fehlen für den universellen Einsatz dennoch entweder große Gänge zum Schnellfahren oder kleinere für die Berge. Zudem sind die Drehzahlsprünge beim Treten von Gang zu Gang bei den kleinsten Gängen größer als bei Mehrblatt-Systemen mit weniger breit abgestuften Kassetten.

Wer braucht was?

Wer vorzugsweise auf Straßen und Wegen unterwegs ist und sportlich nicht das Letzte aus sich herausholen will, kann mit einer Einfach-Schaltung schon zurechtkommen. Man muss halt akzeptieren, dass fehlende Übersetzungen die Performance einschränken. Im Gelände und bei relativ geringen, aber dynamisch wechselnden Geschwindigkeiten und vielen Richtungswechseln kann die Einfache ebenfalls punkten. Hier wirkt sich das intuitive Schalten mit einem Hebel deutlich positiv aus. Auf Strecken in hügeliger oder gar alpiner Landschaft ist der Verzicht auf ein zweites Kettenblatt für ein breit gestuftes Getriebe mit Nachteilen verbunden; für Touren mit Gepäck in bergigem Terrain ist die Dreifach-Kurbel unverzichtbar.

Zweifach-Kurbeln sind traditionell am Rennrad zu Hause. Die beiden Kettenblätter (konservativ 53/39 Zähne, moderner: 50/34 Zähne) erweitern eine in der Regel eng abgestufte Ritzelkassette. So überwindet man effizient auch weite Strecken. Stehen Berge im Weg, greift man zu größeren Ritzeln hinten und kleineren Kettenblättern vorne.

Gerade auf langer Strecke, wenn die Kräfte nachlassen, ist man froh um das kleinste Kettenblatt als „Rettungsring“. Rennradschaltungen wie Shimanos Ultegra, 105 oder SRAMs Force finden an Randonneur-Rädern für sportliches Reisen oder Pendeln ihren Platz. Auch hier ermöglichen zwei Kettenblätter eine Vielfalt und Bandbreite von Übersetzungen, die anspruchsvolle Strecken erst fahrbar machen. Das Gleiche gilt für Shimanos Gravel-­Komponenten der GRX-Gruppe sowie die Zwölffach-Gruppen XT, SLX und Deore fürs Mountainbike. Dass viele Trekkingradler das Potenzial ihrer Dreifach-Schaltung nicht nutzen und die Kette häufig nur auf einem der drei Kettenblätter belassen, soll kein Argument gegen 3x10 sein. Viele E-Bike-Pedaleure haben die üppigen Akkus ihres Bikes auch noch nie leer gefahren - aber es vermittelt einfach ein Gefühl von Sicherheit und Unabhängigkeit, dass man es könnte. Das gilt auch für die Reserven des Dreifach-Kettenblatts!

1-fach-, 2-fach- und 3-fach-Kurbeln: die Vor- und Nachteile

Bis vor einem Jahr galten 1-fach-Kettenblätter noch als Nischenprodukte - etwa für Downhiller oder vereinzelte CC-Racer mit Beinmuskel-Kraft - werken. Mit der XX1 und der neuen, günstigeren X01 macht Sram das „Einfach“-Konzept einer breiteren Masse zugänglich. Die 11-fach-Kassette mit Ritzeln von zehn bis 42 Zähnen könnte neben CC- und Enduro- Racer auch den einen oder anderen kompromissbereiten Tourer zufriedenstellen.

Wichtig: Das Kettenblatt muss zum jeweiligen Einsatzgebiet passen. Einen guten Kompromiss für das Mittelgebirge bietet das 32er-Blatt, für sehr sportliche Fahrer auch das 34er. Wer mit Enduro- Rennen liebäugelt, sollte auch das Kettenblatt mit 36 Zähnen in Erwägung ziehen. Im alpinen Gelände hingegen mit langen steilen Anstiegen dienen 30 Zähne als Kletterhilfe, limitieren aber den Speed in der Ebene. Das bedeutet: Wer sich für 1-fach entscheidet, muss mit dem Kompromiss leben, dass in manchen Situationen ein leichter oder schwerer Gang fehlt.

Obwohl sich die 2 x 10-Übersetzung bereits seit einiger Zeit auf dem Markt behauptet und den Großteil hochwertiger Bikes schmückt, herrscht bei vielen Endkunden immer noch Skepsis. Häufig müssen Händler nachträglich eine 3-fach-Kurbel montieren. Durch die mittlerweile große Auswahl an Übersetzungsstufen gehen aber auch viele Tourenfahrer mit 2-fach-Kurbeln den besten Kompromiss ein. Vorteile gegenüber einer 3 x 10-Übersetzung: weniger Gänge, weniger Denken. Der Fahrer muss sich keine Sorgen über zu schrägen Kettenlauf machen, was vor allem Einsteigern zugutekommt. Zudem spart das 2-fach-Konzept einige Gramm und vereinfacht in der Regel die Justage des Umwerfers. Bei den Kassetten bietet die Übersetzung 11-36 das breiteste Einsatzgebiet. Einsteiger und Tourenfahrer, die auch alpines Gelände nicht scheuen, sollten sie mit der Kettenblatt- Abstufung 38/24 kombinieren. Zu sportlichen Fahrern im Mittelgebirge passt meist die Übersetzung 39/26 sehr gut. Twentyniner sind oft mit einer 38/24-Kurbel bestückt, Sram bietet auch optional noch die Übersetzung 36/22 - der MB-Tipp für kraft - sparendes Hochstrampeln.

Mit einer 3-fach-Kurbel erhalten Sie 30 Gänge - ein enorm breites Übersetzungsspektrum, mehr geht aktuell nicht. Während eine Zweifach-Kurbel in wenigen Situationen noch den einen oder anderen Gang vermissen lässt, decken die vollen 30 Gänge praktisch jeden Einsatz ab. Der Fahrer muss im Voraus nicht überlegen, welche Übersetzung zu seinem Fahrstil und bevorzugten Einsatzgebiet passt.

Wer mit drei Kettenblättern hantiert, muss sich dafür über Kettenschräglauf Gedanken machen. Zudem wiegen 3-fach- Kettenblatt und -Umwerfer bei gleicher Qualität immer mehr als 2-fach-Komponenten, und das große Blatt begrenzt die Bodenfreiheit. Bei den Abstufungen verfolgen die großen Hersteller Shimano und Sram unterschiedliche Strategien. Die Japaner bieten für 26"-Bikes mit ihrer Standard-Übersetzung 44/33/24 eine sehr feine Abstufung zwischen den Gängen, mit der neuen Übersetzung 40/30/22 ein sinnvolles Gangspektrum für Twentyniner . Die Abstufung der Amerikaner (44/32/22) fällt im Vergleich eher breitbandig aus. Das 22er-Blatt bietet in Kombination mit einer 11-36-Kassette einen extrem leichten, das 44er einen sehr harten Gang - für 29" kaum nutzbar.

Fazit:

Schlussendlich bleibt es eine individuelle Entscheidung, welche Vorlieben du hast und was dir wichtig ist. Wenn du mit deinem Gravel-, Cyclocross-, oder Mountainbike häufig anspruchsvolle Trails fährst, bist du wahrscheinlich mit dem geländetauglichen 1-fach-Antrieb gut bedient. Die 2-fach-Systeme lohnen sich hingegen für alle, die den Fokus eher auf Touren legen und sich mehr als 12 Gänge wünschen.

Noch ein kleiner Hinweis zum Schluss: Je besser der Wartungszustand einer Schaltung, desto besser die Funktion.

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