Mountainbike zum Citybike umbauen: Eine detaillierte Anleitung

Die Umwandlung eines Mountainbikes in ein Citybike kann eine lohnende Möglichkeit sein, ein vorhandenes Fahrrad an veränderte Bedürfnisse anzupassen. Dieser Artikel bietet eine detaillierte Anleitung, die verschiedene Aspekte dieses Umbaus abdeckt, von der Umrüstung auf moderne Antriebssysteme bis hin zur Anpassung von Vintage-Rennradrahmen für den Gravel-Einsatz.

Umrüstung auf 12-fach-Antriebe

Für Mountainbike-Enthusiasten, die sich von ihrer alten Schaltung trennen möchten, bietet das Jahr 2020 eine günstige Gelegenheit, auf aktuelle 12-fach-Antriebe umzurüsten. Hier erfahren Sie, wie der Umbau auf Sram Eagle und 12-fach-Schaltungen von Shimano gelingt.

Als Sram 2012 mit der XX1 den ersten reinen Einfach-Antrieb präsentierte, musste man sich noch ziemlich einschränken. Die ersten 1x11-Antriebe der US-Amerikaner mit gerade mal 420 Prozent Bandbreite (382 Prozent bei Shimano) boten entweder einen schweren Gang für schnelle Schotterabfahrten, oder einen leichten Klettergang für steile Anstiege. Vor allem Touren-Fahrer blieben deshalb noch lange den bewährten Schaltsystemen mit zwei oder drei Kettenblättern und deutlich größerer Bandbreite treu.

Wer bei der Gangspreizung keine Kompromisse eingehen wollte, kam allerdings auch nie in den Genuss der Vorzüge einer Einfach-Schaltung. Durch das Wegfallen von Umwerfer, der übrigen Kettenblätter und dem linken Schalthebel spart man zirka 300 Gramm Gewicht. Zudem wirkt ein Bike mit Einfach-Antrieb deutlich aufgeräumter. Versehentliches Überkreuzschalten, lästige Kettenklemmer an der Kurbel und häufig abspringende Ketten gehören mit Einfach-Antrieben der Vergangenheit an.

Den richtigen Durchbruch erlebten die puristischen Antriebe aber erst, als Sram mit seiner Eagle-Technologie das zwölfte Ritzel an der Kassette einführte. Seitdem gehen die vielen Vorteile von Einfach-Schaltungen mit einer annehmbaren Bandbreite von 500 Prozent einher. Diesen Sommer hat endlich auch Shimano seinen XT- und SLX-Schaltgruppen ein zwölftes Ritzel spendiert. Mit den preisgünstigeren Gruppen von Sram und Shimano ist der Siegeszug der 1x12-Schaltungen endgültig vollendet.

Wer mit 500 beziehungsweise 510 Prozent Bandbreite noch immer nicht zurechtkommt, hat bei Shimano zudem nach wie vor die Option, eine 2x12-Version zu verbauen. Diese bietet dann eine Bandbreite von 623 Prozent. Noch nie war der Umstieg auf den aktuellen Zwölffach-Standard also attraktiver als jetzt.

Worauf man beim Umrüsten auf 12fach achten muss

Wer sein altes Mountainbike mit einem neuen Zwölffach-Antrieb ausstatten will, sollte vor allem auf folgende Problemzonen achten:

  • Kurbel: Zwölffach-Upgrade-Kits werden meist ohne Kurbel angeboten. Oft kann man seine alte Kurbel mit einem neuen Kettenblatt für die 1x12-Schaltung aufrüsten. Passende Nachrüstkettenblätter für jeden Antrieb gibt es von Sram oder Race Face, Absolute Black und anderen Zubehöranbietern.
  • Freilauf: Bis 2012 gab es ausschließlich Shimanos HG-Freilauf. Jetzt hat der Ur-Standard aber ausgedient. Die unterschiedlichen Zwölffach-Antriebe verlangen meist nach spezifischen Freiläufen. Links der Micro-Spline-Freilauf für die 12fach-Kassetten von Shimano, rechts der XD-Freilauf für 11fach- und 12fach-Kassetten von Sram.

Umbau eines Vintage-Rennradrahmens zum Gravel Bike

Ein weiteres interessantes Projekt ist die Umwandlung eines Vintage-Rennradrahmens in ein Gravel Bike. Dies erfordert einige Anpassungen und Kompromisse, kann aber zu einem einzigartigen und stilvollen Ergebnis führen.

Herausforderungen und Lösungen

Was genau macht ein Gravel Bike aus? Und wo genau müsste man dann ansetzen um daraus ein Gravel Bike zu machen? Gehen wir mal von hinten nach vorne die einzelnen Stellen durch.

  • Laufräder: Die erste denkbare Stelle zum Ansetzen. Die Felgen selbst sind mit 28″ relativ groß. Statt schmalen Reifen hat ein Gravelbike meist dicke Pneus. Doch ein Stahlrenner hat nicht den Platz um diese Breite zu unterstützen. Die Lösung: 650B Laufräder (auch bekannt als 27,5″). Der Felgendurchmesser sinkt auf 584mm statt 622mm. Damit gewinnt man viel Platz um etwas größere Reifen aufzunehmen.
  • Bremsen: Die Seitenzugbremsen müssen weg. In der Regel hat ein Offroad-Bike hydraulische Scheibenbremsen. Ältere Cyclocross-Räder auch Cantilever-Bremsen. Oder auch V-Brakes sind denkbar. Doch für alle drei Punkte muss der Rahmen ausgestattet sein. Für die Scheibenbremsen braucht es die Aufnahmen an Gabel und Rahmen. Bei Cantilever- und V-Brakes muss der Rahmen zwei Stifte an der richtigen Stelle haben um die Bremsen zu montieren. Beides hat ein Stahlrenner nicht. Doch es gibt auch hier Lösungen. Tektro R559 Seitenzugbremsen kommen zur Rettung. Das sind ebenfalls Seitenzugbremsen, die jedoch mit extra langen Bremsschenkeln daher kommen.
  • Schaltung: Prinzipiell könnte man jetzt das Rad weiterhin mit einer 2×8 oder 2×9 aufbauen. Moderne Bikes haben aber alle 1-fach Schaltungen, also nur ein Kettenblatt vorne. Wie wärs, kann man das nicht auf einem klassischen Rad montieren? Denkbar ist hier alles, denn es ist nicht direkt am Rahmen limitiert.
  • Reifen: Reifen und Gesamtumfang spielen die wichtigste Rolle in der Konvertierung des Bikes. Dabei ist der Gesamtumfang aus Felge und Reifen entscheidend. Vergleichen wir 23-622 Rennradreifen (also womit das Rad ursprünglich ausgestattet war) mit beispielsweise 38-584 (die 650B Gravel-Reifen). Die „großen“ hätten einen Gesamtdurchmesser von 668mm (2×23 + 622). Bei den Gravel-Pneus kommt man auf 660mm. Das sind nur 8mm Unterschied! Weniger als man glauben mag. Sollte doch in den Rahmen passen, oder?
  • Tretlager-Untersetzung (Bottom Bracket Drop): Durch den kleiner werdenden Radumfang sinkt aber das Tretlager. Eine zu lange Kurbel (zB 175mm) könnte dann in der Kurve schnell mal Bodenberührung haben. Diese Maße muss man auch im Auge behalten bei so einem gewagten Umbau.
  • Steuereffekte: Durch die veränderte Radgeometrie passt sich der Nachlauf an. Mit einem kleineren gesamt Radumfang wird auch der Nachlauf kürzer. Also lenkt das Rad schneller ein bzw wirkt agiler, um es positiv auszudrücken. Oder eben unruhiger, um es negativ auszudrücken. Jedoch wird der Effekt nicht allzu groß sein.

Reifenfreiheit prüfen

Um zu validieren, ob der Rahmen 650B Reifen verträgt, bietet sich ein praktischer Test an. Man druckt mehrere Kreise als Reifenquerschnitt aus. 33mm, 35mm, 38mm und 40mm. Jetzt braucht man noch eine Schnur mit 584mm Länge. Das wird jetzt keine Wissenschaft, aber haut in etwa gut hin. Die Reifengröße, zB 38mm kommt als Kreisausschnitt auf ein Seil. Von hier misst man dann den Radius der Felge (zB. 292mm für einen 650B Reifen: 584/2). So kann man sehen ob in Theorie ein Reifen in einen Rahmen passt.

Bremsenauswahl und Montage

Wie beschrieben sind die Tektro 559 die Wahl. Viele Optionen wird man nicht haben. Zumindest kenne ich aus dem Kopf keine. Denn diese Konstellation aus Seitenzugbremse und kleinem Laufraddurchmesser ist sehr exotisch. Diese Seitenzugbremsen können an jedem Rahmen montiert werden, der für Seitenzugbremsen ausgelegt ist. Bedeutet: der Rahmen muss an der Brücke eine Aufnahme (Bohrung) für diese haben. Am Hinterrad ist es die Brücke zwischen den Sattelstreben. Am Vorderrad ist es die Gabelbrücke.

Laufräder

650B Laufräder findet man nicht so häufig. Gerade wenn man eine Version haben möchte, die ohne Scheibenbremsen daherkommt. Da diese Laufräder fast immer auf Gravel- oder MTB verbaut werden sind Scheibenbremsen praktisch immer gesetzt. Jedoch findet man auch ein paar Hersteller in der Nische. Welche solche Laufräder für Randonneur-Räder produzieren.

Schaltung

Eine Schaltung hinten und vorne nur ein Kettenblatt? Geht das? Ziel ist es das Rad so mechanisch und einfach wie möglich zu gestalten. Denkbar wäre eine 1-fache Schaltung (also vorne an der Kurbel nur ein Kettenblatt, ganz ohne Umwerfer; hinten ein normales Schaltwerk). Ich habe noch ein Shimano Acera Schaltwerk herumliegen. Das soll dann hinten verbaut werden. Da der Rahmen auf Schalthebel am Unterrohr eingestellt ist möchte ich diese Option nutzen. In Theorie soll das Rad also einen Schalthebel am Unterrohr für das hintere Schaltwerk bekommen. Vorne ist nur ein Kettenblatt, wie bei modernen Gravelbikes üblich.

Sonstige Bedenken und Modifikationen

Zuletzt bleibt noch das Thema der Geometrie und Fahreigenschaften. Durch die Änderung der Reifengröße muss man sich auf ein unruhiges Fahrverhalten einstellen. Zudem habe ich den aggressiven Rennradlenker aus den 90ern am Rad belassen. Dessen Form lässt die Montage der Bremshebel nur sehr tief zu, damit hat man eine stark gestreckte und gebeugte Haltung.

E-Bike Nachrüstsätze

Wer sein Fahrrad mit einem Elektromotor nachrüsten und es in ein E-Bike verwandeln möchte, benötigt einen Motor, einen Akku und ein Display - also einen E-Bike Umbausatz. Außerdem benötigen Sie einen Controller zur Steuerung der Motorleistung und Sensoren zur Erfassung der Tretbewegungen. Diese Komponenten müssen miteinander verkabelt werden, um die Strom- und Datenübertragung sicherzustellen. Der Umbau ist einfacher, als es klingt und kann je nach System und Fahrradtyp in wenigen Stunden erledigt sein.

Welche Fahrräder lassen sich zum E-Bike umrüsten?

Im Grunde lassen sich fast alle Fahrräder mit einem E-Bike Antrieb nachrüsten. Dabei gibt es drei Möglichkeiten:

  • Hinterradmotor: Einfach zu verbauen und gut für die Stabilität des Rahmens. Ideal für Fahrräder mit einer stabilen Hinterradachse. Nachteil: Nicht mit Nabenschaltungen kompatibel.
  • Frontmotor: Sehr einfacher Einbau am Vorderrad, passt zu den meisten Gabeln. Leichtbau-Gabeln können jedoch unter dem zusätzlichen Gewicht leiden, und das Fahrverhalten kann sich verändern.
  • Mittelmotor: Bietet eine optimale Gewichtsverteilung und ist kompatibel mit allen Schaltungs- und Bremssystemen. Vor der Montage sollten Sie prüfen, ob der Rahmen die Belastung aushält.

Für die Akku-Montage gibt es drei gängige Möglichkeiten: An der Sattelstütze, der Trinkflaschenhalterung oder einem speziellen Gepäckträger.

Kosten für den Umbau zum E-Bike

Die Kosten für eine komplette E-Bike Nachrüstung liegen zwischen 1.000 und 1.500 EUR. Der Preis variiert je nach Motorart:

  • Nabenmotor nachrüsten: Einfacher Einbau, meist günstiger.
  • Mittelmotor nachrüsten: Bessere Gewichtsverteilung, etwas teurer.

Wenn Sie den Umbau selbst durchführen möchten, kostet der Nachrüstsatz zwischen 1.000 und 1.500 EUR. Ein professioneller Nachrüstungsservice kostet zusätzlich 250 bis 400 EUR.

Vor- und Nachteile eines E-Bike-Umbaus

Vorteile Nachteile
Kostenersparnis: Der Preis für einen Umbausatz liegt deutlich unter dem eines neuen E-Bikes. Komplexität der Installation: Der Umbau kann je nach technischem Know-how und handwerklichen Fähigkeiten eine Herausforderung darstellen und spezielles Werkzeug erfordern.
Flexibilität: Du kannst dein Fahrrad bei Bedarf wieder in den Originalzustand zurückversetzen. So kannst du zwischen einem normalen Fahrrad und einem E-Bike wechseln. Garantieverlust: Die Garantie des Originalherstellers kann erlöschen, wenn du einen Nachrüstsatz installierst. Dies ist besonders wichtig, wenn dein Fahrrad noch unter Garantie steht.
Individualität: Dein Fahrrad bleibt einzigartig, und du kannst Komponenten nach Belieben austauschen oder upgraden. Du kannst spezifische Teile wie einen stärkeren Motor oder einen größeren Akku wählen. Gewichtsverteilung: Ein unsachgemäß installierter Motor oder Akku kann das Fahrverhalten des Fahrrads negativ beeinflussen und die Handhabung und Stabilität beeinträchtigen.
Nachhaltigkeit: Durch die Nachrüstung eines bestehenden Fahrrads trägst du zur Nachhaltigkeit bei. Du nutzt dein vorhandenes Fahrrad weiter und sparst Ressourcen. Kompatibilitätsprobleme: Exotische Rahmenformen, spezielle Schaltungssysteme oder ungewöhnliche Bremsen können die Installation erschweren und zu Kompatibilitätsproblemen führen.
Wartungsfreundlichkeit: Offene Standards ermöglichen dir, Reparaturen selbst durchzuführen und Ersatzteile von verschiedenen Herstellern zu beziehen. Dies senkt die langfristigen Wartungskosten. Rechtliche Aspekte: In vielen Ländern darf ein E-Bike, dessen Motorunterstützung 25 km/h überschreitet, nicht mehr als Fahrrad gelten und erfordert eine Zulassung sowie eine Versicherung. Es ist wichtig, die gesetzlichen Bestimmungen zu kennen und einzuhalten.

Rechtliche Aspekte

Ja, das Nachrüsten eines Fahrrads zu einem E-Bike ist legal, solange bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Nach dem Umbau muss das Fahrrad weiterhin den gesetzlichen Anforderungen entsprechen, um im Straßenverkehr genutzt werden zu dürfen. Unsere Umbausätze sind so konzipiert, dass dein Fahrrad auch nach der Nachrüstung als Fahrrad gilt und im Straßenverkehr genutzt werden darf.

Geschwindigkeit

Der Motor eines Pedelecs muss sich bei 25 km/h abschalten. Wenn du schneller fahren möchtest, kannst du das durch eigene Muskelkraft erreichen. Es gibt auch Motoren, die erst bei höheren Geschwindigkeiten abschalten, jedoch gilt dein Fahrrad dann rechtlich als Moped und benötigt eine Betriebserlaubnis sowie ein Versicherungskennzeichen.

Singlespeed-Fahrräder

Singlespeed-Fahrräder haben ihren Reiz und auch ihre Vorteile. Besonders alte Fahrräder eignen sich gut für einen günstigen Umbau, den man selber durchführen kann. Man kann natürlich ein neues Rad direkt als Singlespeed-Fahrrad kaufen, aber ich habe bisher immer nur alte Räder entsprechend umgebaut. Bei den meisten Rädern hat es sich um Rennräder mit Stahlrahmen gehandelt, aber es war ebenfalls ein Hollandrad dabei, dass nur dafür da war wenige Kilometer zwischen Bahnhof und Arbeit zurückzulegen.

Singlespeed vs. Fixie

Ein Singlespeed-Bike, oder Eingangrad, hat, wie der Name schon sagt, nur einen einzigen Gang und besitzt damit keine Gangschaltung. Ein Fixie (Fixedgear) ist ein spezielles Singlespeed-Rad. Bei einem Rad mit Freilauf könnt ihr einfach aufhören zu treten und das Hinterrad rotiert ganz normal weiter. Der Freilauf entkoppelt dabei quasi das Laufrad und das hintere Ritzel. Bei einem Fixie ist das nicht der Fall. Solange sich das Rad bewegt, egal ob rück- oder vorwärts, bewegt sich der gesamte Antrieb inkl.

Vorbereitung und Durchführung des Umbaus

  • Sollte die Schaltung noch funktionieren, einfach etwas fahren und dabei verschiedene Gänge (Kombination aus Kettenblatt und Ritzel) testen und sich für einen entscheiden.
  • Schalthebel, Schaltzüge und -hüllen, Schaltwerk sowie Umwerfer können weg.
  • Entfernen Sie die nicht benötigten Kettenblätter.
  • Passen Sie das Ritzelpaket an.
  • Spannen Sie die Kette.

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