Mountainbiken im Herbst: Tipps für sichere und genussvolle Touren

Der Herbst ist eine faszinierende Jahreszeit für Mountainbiker. Die Natur bietet ein spektakuläres Schauspiel mit leuchtenden Farben. Die Temperaturen sind angenehm kühl und die Trails sind oft weniger überlaufen als im Sommer. Allerdings stellen die besonderen Bedingungen auch besondere Herausforderungen an Mensch und Material.

Warum Mountainbiken im Herbst reizvoll ist

Zu keiner anderen Jahreszeit bietet die Natur ein derart spektakuläres Schauspiel bei vergleichbarer Farbenpracht als im Herbst: Die tiefer stehende Sonne wärmt jetzt gerade noch genug, um Biker sanft durch die in allen Farben schimmernden Wälder zu tragen, der Lärm des Alltags lässt sich nie besser verdrängen als bei dem Geräusch von raschelndem Laub, das von Stollenreifen aufgewirbelt wird.

Viele Biker finden den Herbst auch so reizvoll, weil er als Warnschuss gilt. Nach dem Motto: Bald kommt der triste Winter, also noch mal schnell Erlebnistaler sammeln. Die Fitness ist gerade auf dem Höhepunkt, aber der Bike-Urlaub verschoben? Grund genug, den Herbst voll auszunutzen - auch wenn nicht jeder Tag so "goldig" ist.

Das perfekte Herbst-Bike: Was muss es können?

Es stellt sich die Frage, wie genau das perfekte Herbst-Bike aussehen muss, damit Spaß und Sicherheit gleichermaßen berücksichtigt sind. Welche speziellen Reifen garantieren maximalen Grip auf feuchtem Untergrund? Ergeben Schutzbleche wirklich Sinn? Oder: Mit welcher Beleuchtung sind Nachtbiker am sichersten unterwegs?

Reifenwahl für optimalen Grip

Schlamm, Matsch und Laub fordern ein gutes Profil auf für diesen Untergrund geeigneten Reifen. Hier keine Kompromisse eingehen und lieber im Zweifel neue "Schlappen" aufziehen. Wenn die alten noch nicht ganz abgefahren sind, muss man diese ja nicht gleich wegwerfen - für den Sommer oder auf einer asphaltlastigen Tour kann man die ja wieder verwenden.

Für guten Gripp und Traktion Reifen eher an der unteren Grenze befüllen. Zu hart aufgepumpte Reifen rutschen auf tiefgründigem Geläuf viel schneller, der Unterschied ist enorm. Jedoch darauf achten, dass Wurzeln, Stufen oder ähnliches auch nicht bis auf die Felge durchschlagen. Das kann den Schlauch perforieren - die berühmten "Snakebites" entstehen - und zu einer Panne im Gelände führen.

Matschreifen sorgen dafür, dass Ihr Bike auch im Schmodder die Spur hält. Diese Spezialisten bieten überragenden Grip, rollen aber durch ihre großen, Spike-ähnlichen Stollen oft wie der sprichwörtliche "Sack Nüsse". Damit Sie auch im Herbst nicht die Lust an Bike und Vortrieb verlieren, montieren Sie nur am Vorderrad einen speziellen Matschreifen. Dort hält er die Spur in Kurven, auf unter dem Matsch liegenden Wurzeln, und sorgt für Sicherheit. Der hintere Reifen ist weniger sicherheitsrelevant und darf ruhig ein wenig rutschen.

Empfohlene Matschreifen:

  • CONTINENTAL Mud King Protection: Der beliebte Mud King gräbt sich mit sehr schmaler 1,8"-Breite selbst in tiefsten Matsch. Der Nachteil: weniger Komfort.
  • SCHWALBE Dirty Dan: Der Dirty Dan ist ein guter Kompromiss aus extremem Grip und gutem Komfort. Der fette 2,35er ist zu empfehlen - aber auch schwer.
  • SPECIALIZED Hillbilly Grid 2Bliss: Der Hillbilly ist kein spezieller Matschreifen, bietet aber dank des offenen Profils eine gute Selbstreinigung und ist auch auf trockenem Fels gut fahrbar.

Beleuchtung für mehr Sicherheit

Die Tage werden rasant kürzer, schnell hat man sich verschätzt, oder hat eine Panne, wird sonst irgendwie aufgehalten und kommt in die Dämmerung. Gute Beleuchtung vorne und hinten, sowie seitliche Reflektoren an den Laufrädern (MTB-Reifen haben oft keinen Reflexionsstreifen eingearbeitet) sind Pflicht. Vorgeschrieben sind darüberhinaus Reflektoren an den Pedalen, sowie zusätzlich zur aktiven Beleuchtung ein weißer Rückstrahler vorne und ein roter hinten.

Alle aktiven und passiven Beleuchtungskomponenten müssen zugelassen sein, und eine K-Nummer haben. Die Sigma Aura 100 und die Blaze Rückleuchte haben fünf Modi und ausreichend Zunder. Super: Die Akku-Anzeige. Zudem lassen sich Vorder- und Rücklicht koppeln - für eine einfache Handhabung.

Schutz vor Schmutz: Schutzbleche und Mudfender

Auch nach dem Regenschauer bleibt das Hinterrad meist eine wahre Dreckschleuder! Schlammfänger zum Klemmen oder Anstecken schützen Komponenten und Bekleidung vor der zerstörerischen Pampe. Auch die Regenhülle deines Rucksacks sollte nicht nur bei akutem Regen zum Einsatz kommen. Zwar ist der Nässeeinbruch ins Rucksackinnere durch wasserabweisende Materialien meist gering, die Hülle schützt jedoch die empfndlichen Zähne der Reißverschlüsse vor Dreck und Funktionsausfall. Per Handwäsche die Hülle anschließend reinigen.

Mudfender vs. Steckschutzbleche:

Merkmal Mudfender Steckschutzbleche
Gewicht Sehr leicht (45 Gramm) Deutlich schwerer (ca. 300 Gramm)
Schutzwirkung Weniger Schutzfläche Mehr Schutzfläche
Montage Kabelbinder Einstellbar, mit wenigen Handgriffen abnehmbar
Optik Lässig Motocross-Optik (Geschmackssache)
Preis Recht teuer (ab 22 Euro) Ab 30 Euro/Paar

Die richtige Kleidung für Herbsttouren

Mit beispiellosem Aufwand hat MOUNTAINBIKE der Frage nachgespürt, welche Kleidung im Herbst vor Wind und Wetter schützt. Die Antwort: Biker, die sich mit Köpfchen einkleiden, sind perfekt auf jede Wettersituation unterwegs vorbereitet.

Basisschicht: Funktionswäsche

Funktionstextilien aus Merino halten mollig-warm, nehmen bei körperlicher Anstrengung jedoch viel Feuchtigkeit auf und bleiben lange nass. Bei Unterhemd oder Trikot sind Synthetik-Fasern daher nach wie vor erste Wahl,bieten top Feuchtigkeitstransport, hohe Isolation und sind sehr pflegeleicht sowie robust. Bewährt und sinnvoll sind hingegen Socken aus Merinowolle, da diese bestens isolieren und lange Zeit geruchsneutral bleiben.

Handschuhe

Dünne Windstopper-Handschuhe sind ideal für den Herbst. Sie sind weder so zugig-kühl wie normale Handschuhe, aber auch nicht so dick und unbeweglich wie echte Wintervarianten. Dank dünner Membranmaterialien bieten sie ein sensibles Griffgefühl, die Hände werden jedoch vor kaltem Fahrtwind und leichter Nässe geschützt. Die nicht ganz billigen Spezialisten halten bei normalem Einsatz mehrere Jahre.

Verdreckte Handschuhe sind ein Sicherheitsrisiko, denn in brenzligen Situationen, wie einem plötzlichen Schlag, können die Hände vom Lenker abrutschen und einen Sturz verursachen.

Empfohlene Handschuhe:

  • GORE C5 Gore-Tex Infinium Handschuhe: Die dünnen Gore-Fingerlinge bieten hervorragendes Griffgefühl. An den Fingerspitzen fallen sie schmal aus.
  • FOX Defend Glove: Die Oberhand des Defend Glove ist mit schützenden Gummi-Pads versehen.

Helmmütze

Zig Varianten mit Windstopper, Stretch-Material und sogar Primaloft-Fütterung sind erhältlich. Beachten Sie beim Kauf, dass die Mütze ohne Druckstellen unter den Helm passt. Im Testeralltag haben sich einfache WindstopperModelle mit Ohrabdeckung bewährt. Primaloft wird schwitzig, Stretch ist meist zu kühl.

Empfohlene Helmmütze:

  • LÖFFLER Radmütze WS Softshell warm: Die Löffler-Mütze hält rundum winddicht, ohne unangenehm dick aufzutragen.

Brille und Goggle

Im Herbst fahren Sie auf langen Touren mit klaren Scheiben am besten, denn die Dämmerung setzt früher ein. Selten benötigen Sie beim Biken überhaupt eine dunkle Scheibe, denn die Augen sind durch das Visier des Helms geschützt. Brillen mit Wechselscheiben liegt oft eine orange Tönung bei. Diese verstärkt die Detailwahrnehmung bei diffusem Licht. Ähnlich wirken gelbe Scheiben: Sie sind kontrastverstärkend an herbstlich-verregneten Tagen und bei Nebel, verfälschen die Farbwahrnehmung aber stark.

In der Schlammschlacht schützen Goggles besser als Standard-Bike-Brillen, denn sie schließen mit ihrer weichen Schaumstoffauflage rundum perfekt mit dem Gesicht ab, wodurch kein Schmutz ans Auge gelangen kann. Beachten Sie jedoch vor dem Kauf, dass die Scheibe gegen eine ungetönte, klare ausgetauscht werden kann, damit das Tageslicht an trüben Herbsttagen ausreichend ist.

Empfohlene Brillen und Goggles:

  • OAKLEY Sutro Prizm Low Light: Die Scheibentechnologie Prizm Low Light hellt die Sicht bei wenig Tageslicht dezent auf, ohne die Farbwahrnehmung stark zu verändern.
  • JULBO Quickshift: Die Julbo-Goggle besitzt an der Unterkante Lüftungs-Ports (gelb), die auf Wunsch geöffnet oder verschlossen werden können.

Regenjacke und -hose

Moderne Leicht-Regenjacken haben ganzjährig Saison. Modelle wie die Karpos Vetta Evo schützen zuverlässig vor Regen und halten Nässe souverän vom Körper fern. Aufgrund ihrer hoch dampfdurchlässigen Membran sind sie aber auch als Windjacke geeignet, da sie Fahrtwind abhalten, ohne dabei zu schwitzig zu werden. Nachteil der leichten Überzieher ist eine weniger strapazierfähige Membran, die bei schweren Rucksacklasten mit erhöhtem Verschleiß reagiert.

Regen- und Isolationsshorts sind wie gemacht für den Herbst, denn sie werden bei Bedarf schnell angelegt und schützen die empfindliche Sitzzone vor Kälte und Nässe. Viele Regenhosen sind dem Druck und den Reibebewegungen in Kombination mit Schmutzpartikeln im Gesäßbereich aber meist nicht gewachsen. Eher robuste Membranen wie Gore-Tex Pro sind hier erste Wahl.

Empfohlene Regenbekleidung:

  • KARPOS Vetta Evo Jacket: Mit nur 268 Gramm und kleinem Packmaß ist die Karpos der perfekte "Immer-dabeiWetterschutz".
  • GORE C5 Paclite Trail Shorts: Die 122 g (M) leichte Shorts überzeugte bereits im Einzeltest mit hoher Dichtheit und simpler Handhabung.

Fahrtechnik im Herbst: So meistern Sie rutschige Trails

Schlammpfützen, nasse Wurzeln und dichte Laubteppiche sind im Herbst gefährliche Hindernisse. Um hier nicht baden zu gehen, musst du nur einige wenige Tipps beachten:

  1. Trail scannen: Bedeckt Laub den Trail, ist doppelte Vorsicht geboten. Darunter können sich Wurzeln und Steine verbergen, zudem sind diese bei Nässe rutschig. Bei dichter Laubdecke daher Tempo drosseln und wachsam sein.
  2. Bleib locker: Im Matsch ist es besonders wichtig, dass du nicht verkrampfst und weniger Druck auf die Front legst als bei trockenen Bedingungen. So sackt dein Vorderrad nicht im Schlamm ein und rollt leichter über nasse Wurzeln und Steine, die für dich vielleicht unsichtbar unter dem Laub liegen. In Kurven kann das kurveninnere Bein einen Drif leichter abfangen, wenn du Flatpedals fährst.
  3. Dosiert bremsen: Wer hart bremst, schmiert im Matsch erst recht ab. Reduziere dein Tempo an simplen Stellen und lass das Bike über schwierige Passagen und Hindernisse dosiert rollen.
  4. Direkte Linien: Bei nassen Wurzeln oder Steinen immer darauf achten, dass du sie im rechten Winkel anfährst und überfährst, damit das Vorderrad nicht seitlich abrutscht.
  5. Flatpedals: sind bei rutschigen Trails erste Wahl, da ein Sturz blitzschnell abgefangen werden kann. Auch setzen sie sich nicht so stark mit Dreck zu wie Klickpedale.

Pflege und Wartung des Mountainbikes im Herbst

Die Wartung und Pflege eines Mountainbikes ist besonders in feuchten Jahreszeiten wie dem Herbst wichtig. Da Nässe und Schmutz zu starkem Verschleiß und Rost führen können, sollte das Mountainbike vor und nach jeder Tour gewartet und gepflegt werden.

Reinigung nach der Tour

Das Bike am besten direkt nach der Tour reinigen. Dabei nicht mit hohem Druck arbeiten, Hochdruckreiniger sind Gift. Stattdessen lieber einen Wasserschlauch mit Siebeinsatz und sanftem Druck verwenden, mit sauberer weicher Bürste nach arbeiten und nachspülen. Meistens reicht das schon aus - falls wirklich notwendig, nur mit dafür vorgesehenen Radreinigern arbeiten, z.B. Muc-Off Punk Powder.

Nach dem Waschen das Bike trocknen lassen, ggf. mit altem Handtuch etc.

Kettenpflege

Die Kette muss nach dem Reinigen und Trocknen unbedingt entweder mit Kettenöl oder mit Kettenwachs (je nachdem, was vorher verwendet wurde) neu präpariert werden. Dabei speziell dafür vorgesehene Produkte verwenden. Motoröl oder ähnliches hat auf der Fahrradkette nichts verloren, ebenso wie Kettenspray für Motorräder. Öl oder Wachs nach Herstellerangaben auf saubere Kette anwenden.

Lagerpflege

Lager schmieren - soweit diese das bauartbedingt zulassen. Falls die Lenkerlager noch offen laufende Typen sind, macht es unbedingt Sinn, diese vor dem Beginn der nassen Periode zu reinigen und zu fetten. Viel hilft nicht immer viel: Fett nur an Stellen verwenden, an denen sich kein Schmutz ansammelt. Sonst bildet sich eine Schmirgelpaste, die eher schadet als nützt.

Schaltwerke sollten nach dem Reinigen eher einigen Tropfen Öl in den Gelenken gewartet werden. Überschüssiges Öl abwischen.

Fully-Mountainbike: Schwingenlagerungen auf Spielfreiheit und Leichtgängigkeit prüfen.

Bei von außen aufgetragenen Schmiermitteln ("Gabel-Deo", diverse Kriechöle, etc.) bin ich vorsichtig bis skeptisch. Im Zweifel den Empfehlungen des Herstellers der Komponenten folgen.

Das Mountainbike für 24-48h auf den Kopf stellen. Viele Gabeln haben im Casting ein Ölreservoir, das dann die Schwämme, die sich unter der Staubdichtung befinden, wieder neu mit Schmierstoff tränken könnte.

Regelmäßige Inspektion durch den Profi

Speziell bei den Hightech-Fahrwerken an modernen Mountainbike-Boliden sollte man ab und an einfach auch mal den Profi ranlassen und Dämpfer und Gabel warten lassen. Das bewahrt den Fahrspaß und die Sicherheit und verlängert die Lebensdauer erheblich.

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