Der Plan: Ein Roadtrip statt Trans-Julische-Alpen-Route
Der Plan war ursprünglich eine Trans-Julische-Alpen-Route von Kranjska Gora nach Triest. Immer entlang der italienisch-slowenischen Grenze, also grob der berühmten, türkisfarbenen Soča Richtung Meer folgen. Doch nachdem wir viele Karten studiert und Guides nach legalen Trails befragt hatten, war klar: Es gibt zwar jede Menge fahrbare Wege an den Ufern des Flusses, aber die meisten führen in Ost-West-Richtung. Von Norden nach Süden lässt sich in diesem Teil der Julischen Alpen jedenfalls kaum eine durchgängige Route zusammenstellen, und im Triglav-Nationalpark ist das Mountainbiken sogar komplett verboten. Also kamen wir schließlich zu der Einsicht: Wir ändern den Plan in einen Roadtrip und tingeln mit dem Auto von einem guten Bikespot zum nächsten.

Start in Kranjska Gora
Unser erster Bike-Tag im Skigebiet von Kranjska Gora startet mit dem wohl langsamsten Skilift der Alpen. Der Sessellift schaukelt die 400 Höhenmeter so langsam hinauf, dass ich sogar kurz einnicke. Es ist der Liftwart, der mich kurz vor dem Ausstieg mit einem freundlich gerufenen „Živijo“ weckt. Deutlich strenger begrüßt uns dagegen die neue Jumpline des Bikeparks: zum Einstieg gleich ein massives Wurzelfeld! Nur gut, dass der Boden so trocken ist. In einer feucht-schmierigen Version würde ich seine Bekanntschaft jetzt ungern machen wollen. „Ach, das macht auch Spaß, wenn es nass ist!“, weiß Paula. Als ehemalige Downhill-Profifahrerin kennt sie diese Schlüsselstelle bereits von einigen Rennen her. Entsprechend gekonnt fliegt sie über die Wurzeln federleicht hinweg und Sara direkt hinterher. Doch dann folgen die noch unbekannten Jumps, und die beiden Mädels nehmen das Tempo etwas zurück. Zumindest auf der ersten Abfahrt. Auf den Folgenden lassen sich Paula und Sara bereits mit Tricks wie T-Bogs und Tabletops raus.
Die Trail-Bauer von Kranjska Gora
Währenddessen treffe ich Jan an der Strecke. Er ist einer der Trail-Bauer, die diese Tableline aufgeschaufelt haben. „Der Bikepark hat seit Kurzem einen neuen, finanzstarken Miteigentümer aus Südtirol. Das eröffnet uns so einiges an Umbaumöglichkeiten …!“ Diese Jumpline sei auch noch nicht ganz fertig, erzählt Jan weiter und schiebt dabei mit seinem Fuß ein paar lockere Lehmbrösel einen Landehügel hinauf, die gleich nach dem Versuch, sie festzutreten, wieder an ihren alten Platz zurückkullern. „Einfach zu trocken gerade“, murmelt er. Sechs Wochen lang habe es kaum geregnet. Da könne man auch als Trail-Bauer nicht viel machen. Deshalb habe die Parkleitung jetzt beschlossen, die Line im kommenden Frühling noch mal komplett neu aufzubauen.
Sella Nevea: Mountainbiken auf den Spuren des Ersten Weltkriegs
Tags darauf laden wir die Bikes mittags in Sella Nevea vom Träger. Die Wolken hängen wie bleierne Säcke am Himmel, aber es regnet nicht. Trotzdem müssen wir uns beeilen, denn in diesem italienischen Ski- und Bike-Gebiet macht die Gondel-Crew um 13 Uhr Mittagspause. Und zwar pünktlich, wie wir um 13:02 Uhr vor den verschlossenen Türen feststellen. Wir müssen etwas Tetris spielen, um uns und unsere Bikes in der Gondel zu verstauen, ehe wir uns ein paar Minuten später in der Kalkwüste des Kanin-Massivs wiederfinden. Schon auf der Mittelstation bläst hier der Wind so frisch, dass Sara in ihrem Rucksack spontan nach ihrer Windjacke wühlt.
Trails mit Geschichte
Wo geht’s rauf? Ah, einfach die steile Skipiste hoch. Eine Herde Steinböcke schaut uns interessiert zu, wie wir die Bikes zum 2100 Meter hohen Pass hinaufwuchten. Als das Plateau oben schon fast greifbar ist, passieren wir die ersten Stellungen und Bunker aus dem Ersten Weltkrieg. Ähnlich heftig wie in den Dolomiten haben sich Österreich-Ungarn und Italien hier oben bekämpft. Auch der Trail, der sich bald stolze 1400 Tiefenmeter vor uns ins Tal hinunterwindet, ist ein Relikt aus diesen finsteren Kriegszeiten. Der Pfad startet ruppig, zieht sich aber gut fahrbar an der Hangkante entlang. Steinstufen überrollen wir, das teils lose Geröll bekommen wir mit dosiertem Bremsen in den Griff. Dass das Gefälle des alten Militär-Trails im moderaten Bereich bleibt, kommt uns durchaus entgegen. Mit recht hohem Tempo rappeln wir bald über Steinbrücken und durch weit angelegte Kurven.
Robidišče Trail Center: Schlammschlacht im Buchenwald
„Fangt bei diesen Bedingungen am besten mit dem einfachsten Trail an!“, rät uns Tomaz, der Betreiber des Trail Center Robidišče. Aber Paula meint, sie sei nun wirklich nicht zum Flowtrail-Fahren hier. Zielsicher wählt sie für uns die schwerste der sechs Lines aus: die Napoleon. 20 Minuten kurbeln wir bergauf, dann stehen wir vor ihrem Einstieg, mitten im noch tropfnassen Laubwald. Sieht gar nicht so wild aus. Doch nach zwei einfachen Kurven bekommen wir zu spüren, was Regen nach sechs Wochen Dürre aus so einem Trail machen kann: eine unberechenbare Schlammrutschbahn. Sobald wir die Bremsen öffnen, trägt es uns aus den Kurven. Anhalten in Steinpassagen? Klappt nur durch Umarmung einer Buche.
Triest: Enduro-Szene am Stadtrand
Camping Triest: Wir schlafen erst mal aus. Deshalb cruisen wir heute mal durch die Stadt. „Sieht ein bisschen aus wie Wien“, merkt Paula an. Tatsächlich zeigt die Stadt durch ihre mehrmals gewechselte Staatszugehörigkeit einen spannenden Mix verschiedener Baustile. Ein wenig Ringstraße, Gründerzeit und darüber weht der morbide Charme einer italienischen Hafenstadt. Nach einem Eis an der Promenade spitzt die Sonne wieder durch die Wolken. Perfekt für unseren letzten Ausflug: Am Stadtrand von Triest soll sich nämlich eine riesige Enduro-Szene tummeln. Wir parken das Auto zwischen den Öltanks der Industriezone und folgen einer Straße in den Wald hinauf, bis die Bäume den Blick auf die Bucht von Muggia freigeben. Dabei passieren wir slowenische Grenzschilder und biegen bald in einen Trail namens Toboga ab. Im flackernden Laubwaldlicht geht’s im Auf und Ab dahin. Kurze Asphaltunterbrechung und rein in den Achterbahnanschluss Pivo, der uns mit Drops und Jumps sanft um die Bäume schleudert. Nach den steinigen Erfahrungen der letzten Tage macht dieses Flow-Erlebnis jetzt sogar Paula Spaß.
MTB-Revier Slowenien: Die wichtigsten Spots im Überblick
Hier eine Übersicht der wichtigsten Mountainbike-Spots in Slowenien:
- Kranjska Gora: Bikepark mit Jumplines und Abfahrtsstrecken, geeignet für verschiedene Fahrstile.
- Kanin-Massiv / Sella Nevea: Hochalpine Trails mit anspruchsvollen Abfahrten, Relikte aus dem Ersten Weltkrieg.
- Robidišče Trail Center: Offizielles Trailcenter mit sechs Abfahrten unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade.
- Triest: Enduro-Szene am Stadtrand mit flowigen Trails.
| Region | Merkmale | Empfehlungen |
|---|---|---|
| Julische Alpen | Spektakuläre Landschaften, anspruchsvolle Strecken | Juliana Bike Route, Soča-Tal |
| Pohorje-Gebirge | Abwechslungsreiche Strecken, Weltcup-Austragungsort | Bikepark Maribor Pohorje |
| Kamnik-Savinja-Alpen | Unberührte Natur, unglaubliche Ausblicke | - |
| Goriška Brda | Weinberge, Olivenhaine, ausgezeichnete Küche | - |
| Koroška | Single Trail Park Jamnica, unterirdischer Radweg | Black Hole Trail, Petzen |
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