Mountainbike-Unfallstatistik: Eine Analyse der Risiken und Schutzmaßnahmen

Dem hohen Verletzungsrisiko ihres Sports sind sich die meisten Mountainbiker wohl bewusst - traditionell gehört das (Ab-)Fahren auf schmalen, steinigen Trails zu den crashanfälligsten Sportarten. Aber mittlerweile gibt es gute Protektoren für Kopf, Torso, Ellenbogen und Knie. Aber wie gut schützt welches Equipment wirklich?

Dieser Frage hat sich eine neue Studie der Klinik Diakonissen Schladming in Kooperation mit der FH Oberösterreich, Bikepark-Betreibern und der lokalen Bergrettung angenommen. Im Rahmen der Saison 2023 wurden die Ausrüstung und Verletzungsmuster von Mountainbikern untersucht. Insgesamt flossen 364 Datensätze in die Studie ein.

Ergebnisse der Studie

Festgestellt wurde zunächst, dass das Geschlecht bei der Unfallhäufigkeit keine wesentliche Rolle spielt, und dass die meisten Biker, die nach einem Sturz ins Krankenhaus mussten, zwischen 20 und 30 Jahren alt waren. Bei der Wirkung der Schutzausrüstung schließlich fällt auf, dass Biker, die bestimmte Protektoren trugen häufiger im Krankenhaus landeten - nämlich Knieschützer und Rückenprotektoren.

Dies erscheint zunächst kontraintuitiv, bestätigen die Autoren der Studie. Sie vermuten eine erhöhte Risikobereitschaft aufgrund des Tragens von entsprechender Schutzausrüstung. Diese Vermutung wird dadurch gestützt, dass Bikerinnen und Biker mit Rückenprotektor zwar weniger Verletzungen im geschützten Bereich des Oberkörpers (inkl. Wirbelsäule) aufweisen, dafür aber deutlich mehr Verletzungen im Bereich der oberen und unteren Extremitäten sowie im Kopfbereich. Es zeigt sich aber auch, dass ein Rückenprotektor in der Lage ist, vor Frakturen im Bereich des Oberkörpers zu schützen. Ein ähnliches Bild ergibt sich für Protektorenjacken.

Interessant erscheint außerdem, dass Knieprotektoren keine relevante Schutzfunktion attestiert werden kann. Im Gegensatz dazu schützen Schienbeinschützer erwartungsgemäß vor allem die Schienbeine vor Verletzungen. Daraus kann möglicherweise geschlossen werden, dass im Downhillbereich Knieverletzungen etwas weniger wahrscheinlich sind als Schienbeinverletzungen.

Aber auch das Fahrrad selbst spielt eine Rolle. So ist erkennbar, dass Bikerinnen und Biker, die mit einem Downhill-Bike unterwegs sind, dem höchsten Unfallrisiko ausgesetzt sind. Das geringste Risiko haben nach den vorliegenden Daten Fahrerinnen und Fahrer, die mit einem Freeride-Bike fahren.

Auch die Ausdauer spielt beim Unfallgeschehen eine beträchtliche Rolle. So zeigt sich, dass bei einer Fahrzeit zwischen zwei und vier Stunden die meisten Unfälle passieren. Dabei sind wiederum Personen ab dem dreißigsten Lebensjahr am häufigsten betroffen.

Vergleich der getragenen Ausrüstung

Hier ist eine Übersicht über die getragene Ausrüstung zwischen verunfallten und nicht verunfallten Mountainbikern:

Ausrüstung Verunfallte Mountainbiker (%) Nicht verunfallte Mountainbiker (%)
Fullface-Helm 20 10
Knieprotektoren 30 15
Rückenprotektoren 25 12
Schienbeinschützer 15 8

Sicherheitstipps für Mountainbiker

Grundsätzlich gilt aber natürlich: Schutzausrüstung beim Mountainbiken ist extrem wichtig, um schwere Verletzungen zu vermeiden. Wer nach dieser Lektüre nun paranoid vor möglichen Verletzungen ist, für den haben die Autoren der Studie sechs Sicherheitstipps formuliert.

  1. Pedalwahl: Klickpedale im Downhill-Bereich vermeiden und Flatpedale bevorzugen.
  2. Schutzausrüstung: Trage stets eine vollständige Schutzausrüstung, einschließlich Fullface-Helm, Handschuhe und geeignete Protektoren für Rücken und Schienbeine.
  3. Trailauswahl: Passe deine Fahrweise und Ausrüstung dem Schwierigkeitsgrad des Trails an. Besonders rote Trails weisen eine höhere Unfallrate auf. Eine gute Vorbereitung kann Unfälle verhindern. Und es muss nicht immer die steilste Strecke sein mit den höchsten und weitesten Sprüngen.
  4. Ermüdung: Achte auf deine Kondition und Konzentration. Mache Pausen, um Ermüdung zu vermeiden.
  5. Training: Eine gute Fahrtechnik kann nicht nur die eigene Performance verbessern, sondern auch Verletzungen vorbeugen. Regelmäßiges Technik-Training hilft, sicherer zu fahren.
  6. Kein Alkohol: Biken und Alkohol passt nicht zusammen! Fahren unter Alkoholeinfluss erhöht das Unfallrisiko erheblich. Verzichte auf Alkohol, wenn du auf den Trails unterwegs bist.

Professor Harry Kindermann, ebenfalls Mit-Autor der Studie und selbst aktiver Marathon-Fahrer, überraschten beim Blick auf die Zahlen zwei Aspekte besonders: "Zum einen, dass es bei der relativen Verletzungshäufigkeit keine relevanten Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt, und zum anderen, dass die Schuld an den Unfällen im Großen und Ganzen nicht anderen Ursachen zugeschrieben wird, sondern bei sich selbst gesucht wird. Dies zeugt von einem doch recht realistischen Selbstbild - was für die Community spricht!"

Weitere Erkenntnisse des Deutschen Alpenvereins (DAV)

Der Deutsche Alpenverein dokumentiert jedes Jahr in seiner Bergunfallstatistik, wie sich die Unfälle und Notlagen beim Bergsport unter seinen Mitgliedern entwickeln. Lukas Fritz von der DAV-Sicherheitsforschung interpretiert diese Entwicklungen so: "Die Regeln und Appelle im Zusammenhang mit der Pandemie haben das Verhalten der Bergsportszene beeinflusst. Es ist wahrscheinlich, dass viele Menschen die Appelle der Alpenvereine zur Zurückhaltung ernst genommen haben."

Die wichtigsten Aussagen kompakt:

  • Die Zahl der Unfälle und Notfälle lag auf Vorjahresniveau.
  • Der langfristige Trend zu geringeren Unfallquoten setzt sich fort.
  • Die Unfallquoten bei Bergwandern, Alpinklettern, Sportklettern, Skitourengehen, Pisten- und Variantenskifahren sowie Hochtourengehen sind rückläufig.
  • Beim Klettersteiggehen und Mountainbiken steigt die Zahl der Notlagen - entgegen dem allgemeinen Trend.
  • Die häufigste Unfallursache beim Mountainbiken: Stürze ohne Fremdeinflüsse. Dabei sind die E-Bikes mit 12 Prozent unterrepräsentiert.
  • Außerdem bemerkenswert: Seit Erhebungsbeginn sind keine Kollisionsunfälle zwischen Wander*innen und Mountainbiker*innen gemeldet worden.

E-Mountainbikes und Unfallrisiko

Noch nie war das Wachstum bei E-Bikes so stark wie im vergangenen Jahr. Der größten Beliebtheit erfreuen sich hier die E-Mountainbikes. Mit den besonderen Herausforderungen des E-Mountainbikes können aber längst nicht alle umgehen. Neben der höheren Geschwindigkeit, die je nach Typ erreicht werden kann, stellt vor allem das deutlich höhere Gewicht ein Risiko dar. Hinzu kommt, dass E-Bike-Fahrer in der Regel älter sind als Radfahrer ohne elektrische Unterstützung. Ungeübte Biker sind in Bezug auf Reaktion, Geschick und Gebrechlichkeit anfälliger für Verletzungen. Die Folgen sind erheblich: E-Bike-Fahrer sind häufiger mehrfach-verletzt und die Schwere der Verletzung und Mortalität (unfallbedingter Tod) sind deutlich höher.

Häufige Verletzungen und Schutzmaßnahmen

Fast drei Viertel aller Verletzungen von Mountainbike-Fahrern passieren durch einen Sturz nach vorne. So passieren 84% der Knochenbrüche und 90,9% der Gehirnerschütterungen beim Sturz nach vorne. Zu schwerwiegenden Hirnverletzungen kommt es allerdings selten, da inzwischen die meisten der Mountainbike-Fahrer einen Helm tragen und so Hirnverletzungen um 90% reduziert werden können. Hauptsächlich sind die Extremitäten der Biker betroffen. Drei Viertel aller Verletzungen sind Schürfwunden, Platzwunden und Prellungen der unteren Extremität.

Wer mit seinem Mountainbike und insbesondere mit einer E-Bike-Variante unterwegs ist, sollte unbedingt auf die richtige Schutzkleidung achten: Helm, eventuell mit Vollvisier für Downhill-Biken. Aber auch Handschuhe, Mountainbike-Schuhe und bruchsichere Brillen sollten zur Ausstattung dazu gehören. Jeder Fahrer sollte sich vorab Gedanken zu seinen technischen und körperlichen Fähigkeiten machen und seine Touren danach ausrichten. Vielerorts werden Fahrtechniktrainings für Mountainbiker angeboten. Besondere Witterungen, die für rutschigen Untergrund sorgen, sollten gemieden werden und die körperliche Fitness, sowie technische Sicherheit des Bikes sollten ebenfalls überprüft werden.

Unfallchirurg Katzensteiner glaubt, "dass das bessere Material dazu führt, dass man mehr Risiko gehen kann, schneller fahren kann". Problematisch sei aber, dass manche Menschen "mit dem Mountainbike einen Berg hinauffahren, sich dann umdrehen und beim Runterfahren merken, dass es viel zu steil ist", sagt Bergmann. Wer so ein Gefährt nicht gewohnt ist, tritt vielleicht im falschen Moment in die Pedale, bekommt die Unterstützung vom Motor und schießt über den Weg hinaus, sagt der Arzt. Und wenn ein älterer Mensch stürzt, sind auch Brüche häufiger. Bergmann empfiehlt daher immer Schutzkleidung: Helm, Handschuhe und Protektoren.

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