MTB Brille Test Vergleich: Der ultimative Guide für klaren Durchblick im Gelände

Eine Sonnenbrille gehört für die meisten Biker so selbstverständlich zur Ausrüstung wie Fahrradpumpe und Ersatzschlauch. Dabei ist sie für viele mehr als nur reiner Schutz vor Sonne, Fahrtwind oder Flugobjekten. Gerade die aktuell so angesagten Shield-Modelle mit besonders großen Scheiben punkten mit einer zusätzlichen Portion Style. Eine gut mit dem Gesicht abschließende Brille gehört daher auf jede Biker*innen-Nase! Und es tut sich einiges im Angebot der fahrradspezifischen Augenschützer.

Warum eine spezielle MTB-Brille?

Woran erkennt man echte Bike-Rookies? Sie reiben sich auf dem Trail die Augen. Nicht vor Rührung über die Schönheit des Mountainbike-Sports, sondern weil ihnen Schmutzpartikel, Insekten und Fahrtwind tränende Augen bescheren. Und im besten Fall nur das. Hochgeschleuderte Steinchen, Schlamm und in den Trail ragende Äste können ernsthafte Augenverletzungen hervorrufen.

Die Gefahren ohne Brille

Jedes noch so kleine Sandkorn schadet dem Auge und diese kleinen Beschädigungen sind irreparabel. Im Alter bekommt man die Quittung, wenn die vielen kleinen Verletzungen die Sicht unwiderruflich eingeschränkt haben. Noch viel schlimmer: Schon ein kleiner, unglücklich platzierter Ast auf Augenhöhe kann einen das Augenlicht kosten. Wir schützen unseren Körper ganz selbstverständlich mit Helm und Schonern, das Gleiche sollte auch für die Augen Pflicht sein.

Selbsttönende Brillen: Der ideale Kompromiss?

Das Argument, Bike-Brillen seien entweder im Wald zu dunkel oder auf dem freien Berg zu hell, ist damit entkräftet. Vorausgesetzt, man hat das nötige Kleingeld übrig. Jüngste, bahnbrechende Innovation: selbsttönende Brillen, deren Abdunkelung und Aufhellung per Solarzelle und revolutionär schnell funktioniert. In Sekundenbruchteilen dunkeln diese Scheiben stufenlos durch zwei Schutzlevel ab und hellen sich ebenso flott wieder auf.

Funktionsweise und Vorteile

Die Konstruktion ist genial: Leicht erhöht zwischen den Augen befindet sich ein Solarzellenmodul, das eine elektronisch geregelte Abdunkelung und Aufhellung der Scheibentönung speist. So dunkelt die Scheibe nur ab, wenn auch Sonnenlicht im Bereich der Augen auf die Brille fällt, und keine zusätzliche Stromversorgung - etwa per Batterie - ist notwendig. Die Reaktionszeiten sind extrem gering.

Worauf man bei selbsttönenden Brillen achten sollte

Um einen möglichst breiten Einsatzbereich abzudecken, sollte die Anfangstönung der Brille möglichst klar sein. Nur dann sind die Gläser im Übergang zwischen Tag und Nacht ausreichend hell und bieten auch bei Nachtfahrten mit Licht ausreichend Sicht. Die meisten Modelle im Test wechseln ihre Tönung zwischen den Filterklassen zwei und drei. Wirklich nachttaugliche Kandidaten beginnen dabei bei einer kaum wahrnehmbaren Abdunklung von 20 bis 25 Prozent.

Für Fahrten im Auto sind selbsttönende Brillen in der Regel nicht geeignet. Weil moderne Autoscheiben einen Großteil der UV-Strahlung filtern, ist die Reaktion der photoaktiven Moleküle im Brillenglas stark eingeschränkt. Der UV-Schutz hingegen bleibt auch bei nicht getönter Scheibe in vollem Umfang erhalten.

Filterklassen von Sonnenbrillen in der Übersicht

Von völlig klar bis ziemlich dunkel - diese Filterkategorien gibt es bei Sonnenbrillen:

  • Filterkategorie 0
    • Geeignet für bewölkte Tage und Dämmerung
    • Blendschutz: Bis 20 % des Lichts werden absorbiert
  • Filterkategorie 1
    • Geeignet für bedeckte Tage
    • Blendschutz: Bis 57 % des Lichts werden absorbiert
  • Filterkategorie 2
    • Geeignet für Sommertage in unseren Breiten (Mitteleuropa)
    • Blendschutz: Bis 82 % des Lichts werden absorbiert
  • Filterkategorie 3
    • Geeignet für Aufenthalte im Schnee, in den Bergen und am Meer in Südeuropa
    • Blendschutz: Bis 92 % des Lichts werden absorbiert
  • Filterkategorie 4
    • Geeignet für Aufenthalte im Hochgebirge oder auf Gletschern - zum Autofahren ungeeignet!
    • Blendschutz: Bis 97 % des Lichts werden absorbiert

Die besten Bike-Brillen im Test 2025

Hier eine Übersicht der getesteten Brillen, zusammengefasst mit den wichtigsten Eigenschaften:

Brille Preis Gewicht Testergebnis Besondere Merkmale
Evil Eye E-sense Next 679 Euro 37 g Sehr Gut Sehr angenehme Reaktionsgeschwindigkeit der Photochromie, Einstellbarkeit der Winkel von Bügel und Nasenstegen
Out Of Bot2+ 379 Euro 34 g Gut Flexibel anpassbare Bügelenden, breiter gummierter Nasensteg
React Optray Ruby 289 Euro 36 g Gut Schnelle, elektronisch gesteuerte Selbsttönung
100% S3 159 Euro 34 g Sehr Gut Große Scheibe, inklusive einer klaren Wechselscheibe
Alpina Sonic HR V 130 Euro 31 g Gut Photochrome Scheiben
Bliz P001 109 Euro 30 g Sehr Gut Verformbare Bügelenden und Nasenauflage
Julbo Intensity 215 Euro 19 g Sehr Gut Superleicht, störungsfreies Sichtfeld
Oakley Velo Kato 304 Euro 41 g Sehr Gut Exzellenter Tragekomfort
Pit Viper The Midnight Try-Hard 130 Euro 40 g Sehr Gut Perfekter Schutz, Wechselscheibe
Poc Elicit Toric 270 Euro 24 g Sehr Gut Sehr leicht, hoher Tragekomfort
Rudy Project Astral Sphere 200 Euro 26 g Sehr Gut Störungsfreies Sichtfeld, photochromatische Scheibe
Scott Stride 120 Euro 28 g Gut Angenehm getönte Scheibe
Smith Defy 175 Euro 28 g Gut Chromapop-Scheiben, Wechselscheibe
Swisseye Racer 194 Euro 32 g Sehr Gut Verformbare Bügelenden, anpassbare Nasenauflage

Details & Bewertung: Ergebnisse der 14 Brillen im Test

Im Folgenden werden die einzelnen Brillen detaillierter beschrieben und bewertet:

100% S2

Die stylische S2 sitzt sicher und angenehm gummiert auf mittelbreiten Gesichtern. Wegen der fehlenden Verstellung muss sie aber gut passen. Etwas zugig von unten. Anfangs sehr hell und gut für trübe Tage geeignet, reagiert sie schnell auf Lichtwechsel. Guter Kratzschutz, super Sichtfeld, leichter Beschlag auf der Scheibe löst sich schnell wieder auf.

BIKE-Urteil: sehr gut - 51 Punkte

Alpina S-Way QVM+

Die kurzen, kantigen Bügel und der raue Nasensteg tragen sich trotz umfangreicher Verstellbarkeit wenig komfortabel. Die S-Way liegt sehr nahe am Gesicht, schützt gut vor Zug, schränkt aber das Sichtfeld etwas ein. Sehr dunkle und etwas unpassend blaue Starttönung. Gute Tönungsgeschwindigkeit, leicht verkratzende Gläser.

BIKE-Urteil: gut - 44 Punkte

BBB Fullview PH

Die BBB schlägt sich insgesamt gut, doch dafür muss sie passen. Unbedingt anprobieren. Die Bügel liegen gut an, packen aber nur bei breiten Gesichtern ausreichend zu. Der Nasensteg ist bequem und breit verstellbar, das Sichtfeld ist top. An der Stirn kann die Fullview anstoßen, die Gläser verkratzen relativ schnell. Großer Tönungsbereich.

BIKE-Urteil: sehr gut - 49 Punkte

Bollé Lightshifter

Die Lightshifter gefällt mit festem, angenehmem Sitz, Bügel und Nasensteg liegen flächig auf. Die Glasform schützt gut vor Zugluft und beschlägt kaum. Ihr breiter Rahmen baut etwas hoch, ihre Gläser verkratzen etwas schnell. Für den Geländeeinsatz dunkelt die Bollé sehr stark ab und braucht extrem lange zum Aufhellen.

BIKE-Urteil: gut - 45 Punkte

Evil Eye Vizor Pro

Die Vizor Pro besitzt eine hochwertige, schnell und stark reagierende Scheibe. Zu Beginn ist sie absolut klar. Winkelverstellbare Bügel und Nasen-Pads machen sie für viele passend, ihr abnehmbarer Schweißschutz hält Fahrtwind an der Stirn ab, unten kann es aber ziehen. Kritikpunkt: Die rutschigen Bügel lösen sich leicht von selbst.

BIKE-Urteil: sehr gut - 49 Punkte

Julbo Rush

Die solide und hochwertige Konstruktion, Sitz und Windschutz der Julbo überzeugen. Eine der wenigen Brillen mit kontraststeigernden Gläsern im Test, wird auch im Wald nicht zu dunkel, reagiert aber sehr zögerlich auf Lichtwechsel. Die schwere Rush sitzt bequem, hält aber hauptsächlich über die Bügel.

BIKE-Urteil: sehr gut - 47 Punkte

Oakley Flight Jacket

Der untere Rahmen sieht speziell aus und stört die sonst sehr gute Sicht. Trotz fehlender Anpassung sitzt die Oakley fest und komfortabel. Das Glas hat die beste Reaktionszeit im Test, beschlägt und verkratzt aber auch leicht. Für bessere Belüftung lässt sich der Nasensteg abklappen. Insgesamt nicht ganz auf dem Niveau anderer Oakley-Modelle.

BIKE-Urteil: sehr gut - 48 Punkte

Rockrider XC Race

Die Brille von Decathlon macht einen guten ersten Eindruck. Das Glas ist kratzfest und reagiert passabel auf Lichtwechsel, beschlägt aber schnell. Nasensteg und Bügel sind etwas kantig und drücken bei längerem Tragen. Die Brille knarzt, beim Verdrehen löst sich das Glas aus der Fassung. Leider bietet die Rockrider keinerlei Verstelloption.

BIKE-Urteil: gut - 41 Punkte

Rose PS 07 Photocromic

Klassisch geschnittene Radbrille mit schmalem Glas und toller Passform. Beim Glas hat der Zulieferer vieles richtig gemacht. Ausgangshelligkeit und Reaktionstempo sind sehr gut. Im Wald bleibt die PS 07 angenehm hell. An den Wangen wird es etwas zugig. Unauffällig funktionale Brille zum unschlagbaren Preis.

BIKE-Urteil: sehr gut - 50 Punkte

Rudy Project Cutline

Abgesehen von der mäßigen Reaktionszeit, bietet die Cutline das perfekte Glas für wechselnde Lichtverhältnisse: kontrastreiche Tönung und nicht zu dunkel. Anpassbarkeit und Komfort sind top, jedoch nur auf breiten Köpfen. Die Lüftungsschlitze funktionieren sehr gut, der Beschlagschutz ist dennoch mäßig. Gute Option für schmalere Gesichter: die Rudy Project Defender.

BIKE-Urteil: sehr gut - 48 Punkte

Scott Shield LS

Trotz riesiger Scheibe hat man den geteilten Rahmen im Blick. Die Shield steht weit vom Gesicht ab und schützt nur mäßig vor Fahrtwind. Die laschen Bügel halten nur auf breiten Gesichtern gut, schmale Nasen liegen auf dem Rahmen auf. Die Tönungsgeschwindigkeit ist mäßig, die Scheibe verkratzt leicht. Mehr Styler als funktionale Sportbrille.

BIKE-Urteil: gut - 42 Punkte

Smith Attack MAG MTB

Die stark gekrümmte Scheibe der Smith bietet perfekte Sicht, top Schutz und lässt sich per Clip-System wechseln. Kratz- und Beschlagschutz sind sehr gut, die Reaktionsgeschwindigkeit noch in Ordnung. Die schmalen Bügelenden können auf Dauer etwas drücken. Anfangs sehr hell, dunkelt die Attack über einen weiten Bereich ab.

BIKE-Urteil: sehr gut - 53 Punkte

Sweet Protection Ronin

Die Sweet Protection Ronin bietet eine hervorragende Sicht und Schutz. Sie ist gut geeignet für mittelbreite, runde Gesichter und mittlere bis breite Nasen.

Weitere Aspekte beim Brillenkauf

Helmkompatibilität

Der Trend der letzten Jahre, immer mehr Brillen mit exorbitant großen Monoscheiben anzubieten, hat zwar großen Style auf die Trails gebracht, aber zu spürbaren Inkompatibilitäten mit vielen Helmmodellen geführt, was sich auch in unserem ausgiebigen Praxistest wieder gezeigt hat. Denn die modernen Scheiben bauen sehr hoch über der Nase und stoßen daher oft an den Helm. Daher haben wir den Abstand vom oberen Brillenrand zum - bei allen Brillen vorhandenen - einzigen Referenzpunkt an der Oberkante der Öffnung für die Nase gemessen.

Ergebnis: Brillen mit einer Bauhöhe über 30 Millimetern stoßen bei sieben willkürlich gewählten Helmen häufig an deren Unterkante. Wer diese Brillen für einen Kauf favorisiert, sollte checken, ob sie mit dem Helm kompatibel sind. Spannend: Selbst Brille und Helm vom gleichen Hersteller können miteinander kollidieren.

Wechselscheiben

Da es zu vielen Brillen diverse Scheibenoptionen gibt, haben wir Brillen mit Wechselscheiben, photochromatischen und nicht wechselbaren Scheiben in unserem Test bunt gemischt. Brillen mit photochromatischen Scheiben erhielten dafür einen Zusatzpunkt bei der Ausstattung, wurden also wie eine Brille mit zwei Scheiben gewertet.

Beschlagschutz

Beschlagene Gläser dürfen also nicht mehr als Ausrede herhalten, keine Brille zu tragen. Es geht um zu viel. Hersteller werben gerne mit (teuren) Gläser, die nicht beschlagen. Ist klare Sicht also nur eine Frage des Geldes? Der Optiker nimmt uns die Illusion: ein solches Wunderglas ist vor allem Marketing, die Vernebelungsanfälligkeit von Brillen kein objektives Kriterium. Spezielle Beschichtungen können zwar dem Beschlagen entgegenwirken. Viel entscheidender ist aber, dass die Brille ihrem Träger passt. Die warme Luft zwischen Augen und Gläsern muss entweichen können, damit sie sich nicht als Wasserdampf auf der Innenseite festsetzt. Gleichzeitig darf aber auch nicht zu viel kalter Fahrtwind an die Augen dringen.

Passform

Wer eine Brille sucht, sollte deswegen verschiedene Modelle anprobieren und nach optimalem Sitz auswählen. Eine Mountainbike-Brille sollte mit der Stirnlinie abschließen, der Blick durch das obere Drittel der Gläser gehen. Zwischen Stirn und Wangen sollte ein ca. 4mm großer Abstand bleiben, damit die Luft zirkulieren kann. Unser Tipp: Setzt verschiedene Brillen im Freundeskreis auf oder geht direkt zu einem Optiker (idealerweise ein Sport-Optiker), um zu schauen, welches Modell am besten zu eurer Gesichtsform passt.

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