MTB-Dämpfer einstellen: Eine umfassende Anleitung

Eine optimal funktionierende Federung ist bei Mountainbikes sowie bei manchen Crossbikes und Trekkingrädern extrem wichtig. Nur wenn die Federgabel ihren Zweck einwandfrei erfüllt, ist gewährleistet, dass die Fahrt über Stock und Stein nicht zum unkalkulierbaren Abenteuer wird.

Grundlagen der Federgabel-Einstellung

Wer an seinem Mountainbike die Federgabel einstellen möchte, braucht neben einer Dämpferpumpe mit Manometer auch einen Gummi-O-Ring (Alternative: Kabelbinder), einen Zollstock bzw. ein Maßband sowie einen sauberen Lappen für die Reinigung verschmutzter Teile.

Vor der Einstellung der Federgabel sollte man das Standrohr und das Tauchrohr der Gabel gründlich reinigen, damit keine Rückstände die Arbeit erschweren. Bei manchen Federgabeln bleibt der Druck über Jahre hinweg konstant. Bei anderen ist eine regelmäßige Anpassung erforderlich, weil die Federgabel nach und nach an Luft verliert.

Werkzeuge und Vorbereitung

  • Dämpferpumpe mit Manometer
  • Gummi-O-Ring oder Kabelbinder
  • Zollstock oder Maßband
  • Sauberer Lappen

Die richtige Ausrüstung

Mit einer „normalen“ Luftpumpe lassen sich Federgabeln nicht präzise aufpumpen. Dämpferpumpen sind mit einem Manometer für eine exakte Kontrolle des Luftdrucks ausgestattet. Auch der Luftablass kann mit einer Dämpferpumpe um ein Vielfaches besser kontrolliert und reguliert werden als mit einer herkömmlichen Fahrradpumpe.

Handelsübliche Dämpferpumpen ermöglichen ein Aufpumpen der Federgabel bis zu einem Druck von 300 PSI (entspricht circa 20 bar). Beim Kauf sollte man auf die Kompatibilität mit dem vorhandenen Gabelsystem bzw. achten.

Zeitaufwand und Genauigkeit

Wenn ein Biker an seinem Fahrrad die Federgabel einstellen will, sollte er sich rund 20 bis 30 Minuten Zeit dafür nehmen. Die Arbeit an sich ist kein Hexenwerk. Selbst durchschnittlich begabte Hobbyschrauber sind mit ein wenig Geduld und dem passenden Werkzeug problemlos in der Lage, die Federung präzise einzustellen.

Bei der Anpassung des Luftdrucks sollte man in jedem Fall auf Genauigkeit achten. Schon 10 PSI (0,7 bar) können einen großen Unterschied machen. Bei zu hohem Druck verschlechtert sich in kritischen Situationen die Traktion des Bikes. Bei zu geringem Druck fühlt sich das Mountainbike schwammig an - die Gabel sinkt zu schnell zu tief ein.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Einstellung der Federgabel

  1. Zugstufe (Rebound) einstellen

    Als Erstes muss die Zugstufe - auch als Rebound bekannt - vollständig zurückgedreht werden. Dies geschieht über einen Drehknopf an der Unterseite der MTB-Gabel. Die Zugstufe definiert die Schnelligkeit des Zurückschnellens der Gabel in die Ausgangsposition.

  2. Druckstufe neutralisieren

    Aus dem gerade genannten Grund muss auch die Druckstufe neutralisiert werden. An der Oberseite der Federgabel befindet sich üblicherweise ein Hebel, der gegen den Uhrzeigersinn gedreht werden muss. Die Druckstufe sollte sich vor der Justierung der Federgabel immer auf der niedrigsten Stufe befinden.

  3. Federweg ermitteln

    Der Federweg oder Maximalhub gibt bei einer MTB-Federgabel an, wie viel Arbeitsweg die Gabel maximal zurücklegen kann. Bevor die Gabel mit dem optimalen Luftdruck aufgepumpt wird, sollte man den Federweg unbedingt kennen.

    Dieser wird ermittelt, indem man zunächst die Luft aus der Gabel komplett ablässt. Danach muss man am Standrohr direkt oberhalb der Dichtungen einen O-Ring anbringen. Anschließend wird die Gabel mit voller Kraft komprimiert und wieder losgelassen.

    Vor dem Loslassen muss die Gabel mit circa 30 - 40 PSI aufgepumpt werden, damit sie sich wieder aus der komprimierten Position herauslösen lässt. Ist die Federgabel wieder vollständig herausgefahren, so kann man anhand der Differenz zwischen dem O-Ring und den Dichtungen den Federweg ablesen.

  4. Luftdruck anpassen

    Als nächster Schritt folgt das Aufpumpen der Federgabel am Fahrrad nach Herstellerangaben. Bei den meisten Gabeln befindet sich ein entsprechender Hinweis direkt auf der Gabel. Als groben Richtwert kann man das eigene Körpergewicht (plus eventuelles Gepäck) 1:1 in PSI übersetzen. Bei den meisten Dämpferpumpen wird der Luftdruck in PSI angegeben. Für die Umrechnung in bar sollte man eine Umrechnungstabelle aus dem Internet heranziehen.

  5. Negativfederweg messen

    Der Negativfederweg ist jener Weg, den die Federgabel am Fahrrad ohne weiteres Zutun allein durch das Gewicht des Fahrers zurücklegt. Man ermittelt ihn, indem man aufs Rad steigt und anschließend die Distanz zwischen O-Ring und Dichtung misst.

  6. Restweg prüfen

    Damit die Gabel nicht durchschlägt, sollte nach dem Fahrrad-Federgabel-Einstellen immer ein Restweg von 1 cm an der voll komprimierten Gabel zwischen Maximalhub und O-Ring übrig sein.

  7. Rebound und Druckstufe feinjustieren

    Zum Schluss stellt man den Rebound und die Druckstufe an der Fahrrad-Federgabel erneut ein. Der Rebound (Zugstufe) kann über ein Drehrad an der Unterseite nach Belieben reguliert werden. Die Druckstufe oder Compression der Fahrrad-Gabel legt fest, wie stark die Gabel bei Belastung wippt bzw. wie schnell sie einfedert.

Zusätzliche Tipps zur Fahrwerkseinstellung

  • Die Luftfederung am Mountainbike arbeitet in Abhängigkeit vom Gewicht der Person, die darauf fährt. Daher am besten das Fahrwerk fahrfertig einstellen, also in kompletter Bike-Montur - Rucksack nicht vergessen!
  • Kleine Änderungen am Luftdruck haben eine große Wirkung.
  • Die Federgabel etwas straffer als den Dämpfer einstellen.
  • Zugstufe einstellen: So schnell wie möglich, so langsam wie nötig.
  • Druckstufe einstellen: Mit offener Druckstufe starten (komplett gegen Uhrzeigersinn gedreht) und diese, wenn nötig, schrittweise erhöhen.
  • Für ein harmonisches Fahrwerk Gabel und Dämpfer im besten Fall immer zusammen einstellen.

SAG-Werte

Je mehr Federweg das Bike hat, mit desto mehr Sag / Negativfederweg sollte man fahren. In ganz seltenen Fällen können es auch einmal mehr als 30 Prozent Sag sein.

Einstellung des Dämpfers

Generell lassen sich Dämpfer auf zwei verschiedene Arten von Federn unterteilen: Dämpfer mit Luftfeder und Dämpfer mit Stahlfeder. Wenn der Dämpfer zu langsam herausfährt, kann das gerade im Gelände von Nachteil sein. Ist der Dämpfer hingegen zu schnell eingestellt, verlässt das Hinterrad den Boden und ist also sehr sprunghaft.

Ermittlung des Negativfederwegs

Der Negativfederweg beschreibt den Federweg, der durch das bloße Körpergewicht verbraucht wird. Setzen Sie sich dafür aufs Bike, genauso, wie sie auch auf der Fahrt sitzen würden - weder zu weit nach vorne noch nach hinten gelehnt - und schieben Sie den O-Ring, der sich auf dem Kolben befindet nach oben bzw. an der Gabel nach unten. Befindet sich dort kein O-Ring, können Sie alternativ auch einen Kabelbinder nutzen. Viele Modelle haben eine Skala, auf der Sie den Negativfederweg einfach ablesen und somit leichter den optimalen Dämpfer einstellen können.

SAG-Werte nach Bike-Typ

Bike-Typ SAG (ungefähr)
Cross Country Marathon Fully ca. 20 %
All Mountain ca. 25 %
Enduro ca. 30 %
Downhill ca. 35 %

Steigen Sie nun vorsichtig vom Rad, ohne, dass der O-Ring vom Kolben fällt und prüfen den Luftdruck. Ist der SAG zu hoch muss Luft hinzugegeben werden.

Einstellung des Einfederungswiderstands (Druckstufe)

Die Druckstufe stellt die Sensibilität des Dämpfers ein und bestimmt daher wie sehr das Heck wippt. Je höher, desto weniger wippt der Hinterbau. Je niedriger, desto mehr wippt der Hinterbau. In der Regel gibt es hier drei Einstellungen: offen, gedämpft und gesperrt. Während sich „gesperrt“ eher auf leichten Strecken eignet, ist im Gelände die Einstellung „offen“ ratsam.

Abschließende Schritte

Sind sämtliche Einstellungen vorgenommen und Sie sind zufrieden mit dem Ergebnis, bringen Sie die Ventilkappe wieder an und genießen Sie Ihre nächste Tour!

Nach dem Federgabel-Einstellen reagiert die Gabel auf dem Trail wie gewünscht - vorausgesetzt, man vernachlässigt die Federgabel-Pflege nicht.

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