MTB Fahrradhelm Test: Sicherheit, Komfort und die besten Modelle im Vergleich

„Du Papa, warum trägt der Radfahrer vor uns keinen Helm?“ Auf Fragen wie dieser fällt es einem schwer, eine plausible Antwort zu geben. Nach einem Sturz kommt dann oft erst die Erkenntnis. Sätze wie „Hätte ich doch einen Fahrradhelm getragen!“ sind dann überflüssig!

Egal ob man im lokalen Fahrradladen oder auf den Webseiten von Radherstellern und Online-Shops stöbert, die Auswahl von Helmen erschlägt einen nahezu. Für so gut wie jeden Einsatzzweck gibt es heutzutage den passenden Helm, aber auch Allround-Helme sind hoch im Kurs. Hier hilft nur eins: Sich für das Testen Zeit zu nehmen, denn ein Helm muss genauso gut passen wie ein Wanderschuh. Beide trägt man sehr lange auf Tour oder im Alltag und bekannterweise kann das kleinste Scheuern oder Drücken zu einem nervigen Dauerproblem werden. Wobei bei den meisten Helmen die Einsatzzwecke immer mehr verschwimmen und am Ende der aktuelle Trend und Style-Faktor die Stellschraube ist, wann man welchen Helm trägt - nicht selten sieht man Jugendliche mit Fullface-Helmen durch die Stadt rollen.

Worauf es bei MTB-Helmen ankommt

Natürlich ist der Tragekomfort ein wichtiger Aspekt für einen gut sitzenden Helm. Die richtige Passform ist überdies ganz entscheidend für die Sicherheit, wie Lukas Bucht von SQlab betont. Dennoch ist die technische Sicherheit durch Materialien und Ausstattung wesentlich. Eines der bekanntesten am Markt ist das Mips-System, welches auch bei dem Großteil der Helme im Test verbaut ist. Diese Technologie soll zusätzlichen Schutz bei schrägen Aufprallwinkeln bieten. Dazu besteht das System aus einer beweglichen Innenschale im Helm, die unabhängig von der äußeren Schale rotieren kann. Ein weiteres Schutzsystem in unserem Test ist die SLIDTechnologie vom Helmhersteller HJC. Hier wird in das Helmpolster ein spezielles Gel eingearbeitet und soll beim Aufprall die Energie absorbieren.

Um die jeweiligen Eigenschaften und Qualitäten der 18 Testprobanden im Detail herauszuarbeiten, haben wir diese in sechs Punkten miteinander verglichen. Nach der Anprobe wurde der Fahrtest auf Rad- und Feldwegen sowie bei Mountainbike-Modellen auf Trails durchgeführt. Hinzu kommen die Beschleunigungswerte (20 Prozent), welche bei einem Fallturmtest ermittelt wurden. Mit einer Führung ausgestattet, wurden die Helme am Testkopf fixiert. Für ein klares Testergebnis wurden je zwei Helme pro Modell getestet. Je niedriger die beim Aufprall gemessenen Beschleunigungswerte sind, desto geringer ist das Gehirnerschütterungsrisiko bei einem Sturz.

Um die Kräfte auf dem Kopf im Falle eines Sturzes nachzuvollziehen, sei gesagt, dass bei der Formel 1 gerade mal eine Kraft von 5 g in Kurven entsteht. An einem Fallturm mit Schlitten wurde ein Testkopf mit einem Kopfumfang von 57,5 cm befestigt. Für ein gleichmäßiges Testergebnis wurden zwei Helme pro Modell am Testkopf befestigt, um die Beschleunigungswerte (g) zu messen.

Testergebnisse und Empfehlungen

Der Preis-Leistungs-Sieger Cube zeigt, dass auch günstige Helme für gerade mal 60 Euro eine super Passform besitzen und mit sämtlichen Features wie Mips, Mückennetz und abnehmbarem Visor ausgestattet sind. Besonders beim Fallturmtest hat er hervorragende Beschleunigungswerte erzielt. der Mips-Technologie ausgeliefert. Nicht zu toppen ist der urbane Helm von Nutcase. Aus diesem Grund unsere Empfehlung Urban. Ein absolutes Performance-Modell und unsere Empfehlung Road ist der Helm von Ekoi. Mit einem Gewicht von gerade mal 256 Gramm hat er zudem perfekte Lüftungskanäle und passt sich durch kinderleichte Bedienung angenehm an den Kopf an. Auf ganzer Linie hat Uvex überzeugt. Hier zeigt es sich, dass „Made in Germany“ immer noch einen aussagekräftigen Wert hat. Unser Testsieger und zugleich Helmheld Nr.

Eines gleich mal vorweg: Alle 18 Helme in diesem Fahrradhelm-Test sind auf einem guten bis sehr guten Niveau. Am Ende sollte die Qualität, individuelle Vorlieben sowie Passform und Tragekomfort für einen Kauf entscheidend sein. Aus diesem Grund bieten Hersteller unterschiedliche Modelle mit verschiedenen Größen und Helmformen an.

Stylisch, sicher und bequem - moderne Bike-Helme sind längst ein Muss auf den Trails. Doch auch der beste Kopfschutz hat ein Verfallsdatum. Nach fünf bis sieben Jahren oder nach einem Sturz wird ein Austausch fällig. Worauf es bei Helmen wirklich ankommt und welche zehn Modelle in Sachen Komfort, Schutz und Preis-Leistung überzeugen, erfahrt ihr in unserer Top-10-Auswahl!

Die Top-Ten Helme:

  1. Poc Kortal Race Mips
    • Testergebnis: Überragend
    • Preis: 270 Euro
    • Gewicht: 395 g
    • Größen: S/M/L
    • Anpassung: 4/5 ⭐️
    • Belüftung: 5/5 ⭐️
    • Tragekomfort: 5/5 ⭐️
    • Fazit: Sein kantig-technisch anmutendes Design verweist auf seine inneren Werte: Recco-Reflektor, NFC-Chip zur Speicherung medizinischer Daten und eine sehr weit um den Kopf reichende, Aramid-verstärkte Helmschale zeichnen den teuren Poc aus. Von Mips kommt das minimalistische Integra-System zum Einsatz, das in die Polsterung integriert ist. Top belüftete Helmschale, Sitz umfangreich anpassbar. Beim Kauf Kompatibilität mit der Brille checken.
  2. Julbo Forest Evo
    • Testergebnis: Sehr gut
    • Preis: 200 Euro
    • Gewicht: 372 g
    • Größen: S/M/L
    • Anpassung: 4/5 ⭐️
    • Belüftung: 3,5/5 ⭐️
    • Tragekomfort: 4/5 ⭐️
    • Fazit: Dank seiner Polsterung sitzt der in sechs Farbkombis erhältliche Forest Evo sehr bequem. Die Belüftung kommt nur bei langen Uphills im Hochsommer an ihre Grenzen. Sitzt eher hoch auf dem Kopf, vermittelt dank des zupackenden Tragesystems dennoch viel Sicherheit. Ausgestattet mit Mips Evolve Core. Mit vielen Brillenmodellen kompatibel. Die gummierte Brillengarage benötigt etwas Eingewöhnung.
  3. Abus Airbreaker
    • Testergebnis: Sehr gut
    • Preis: 250 Euro
    • Gewicht: 212 g
    • Größen: S/M/L
    • Anpassung: 3/5 ⭐️
    • Belüftung: 4/5 ⭐️
    • Tragekomfort: 4,5/5 ⭐️
    • Fazit: Mit geringstem Gewicht und perfekter Belüftung auch bei hochsommerlichen Temperaturen sprintet der teure Airbreaker auf die vordersten Plätze in der Kategorie Race/CC-Helm. Die Anpassung erfolgt vorwiegend über den in Weite und Höhe verstellbaren Headring. Die Gurtdreiecke des Tragesystems sind dagegen durch Vernähen fixiert. Trägt sich dennoch extrem komfortabel, wenn Helmschale und Kinnriemen zur Kopfform passen
  4. Fox Speedframe Pro
    • Testergebnis: Sehr gut
    • Preis: 180 Euro
    • Gewicht: 344 g
    • Größen: S/M/L
    • Anpassung: 4/5 ⭐️
    • Belüftung: 4/5 ⭐️
    • Tragekomfort: 5/5 ⭐️
    • Fazit: Die rundum, aber vor allem an der Stirn groß gestalteten Belüftungsöffnungen sorgen für starken Durchzug mit Fahrtwind. Fox platziert einen Brillenhalter mit gummierten Halteschlitzen unter dem Visier. Die Brille kann somit „richtig herum“ und, je nach Modell, sogar in der tiefsten Position des dreifach verstellbaren Visiers untergebracht werden, behindert das Sichtfeld nicht. Super bequemes Tragegefühl, für einen AM-Helm sehr leicht.
  5. Sweet Protection Bushwhacker 2Vi Mips
    • Testergebnis: Sehr gut
    • Preis: 249 Euro
    • Gewicht: 430 g
    • Größen: SM/ML/LXL
    • Anpassung: 4/5 ⭐️
    • Belüftung: 3,5/5 ⭐️
    • Tragekomfort: 4,5/5 ⭐️
    • Fazit: Als Schutz vor Rotationskräften bei einem Aufprall kommt am Bushwhacker das leichte Mips Air zum Einsatz, bei dem die beweglichen Schichten in und unter der Polsterung sitzen. Dennoch ist er kein Leichtgewicht. Herausragend dagegen Halt und Komfort: Auch ohne geschlossenen Kinngurt sitzt die Helmschale schon nahezu perfekt und wackelfrei. Die Belüftung kommt an sehr heißen Tagen an ihre Grenzen.
  6. O`Neal Blade Polyacrylite Strike
    • Testergebnis: Sehr gut
    • Preis: 200 Euro
    • Gewicht: 1219 g
    • Größen: XS-XL
    • Anpassung: 3/5 ⭐️
    • Belüftung: 3,5/5 ⭐️
    • Tragekomfort: 5/5 ⭐️
    • Fazit: Schon in der Einsteiger-Preisklasse bieten die Fullface-Helme der Traditionsmarke erstaunlichen Tragekomfort und saubere Fertigung. Der Blade sitzt sehr definiert, aber hochkomfortabel, ist etwas schwer geraten, aber noch recht gut belüftet. Für die Montage eines Quin-Sturzerkennungssensors präpariert und mit dem magnetischen Fidlock-Gurtschloss ausgestattet. Verschieden große Wangenpolster fehlen leider.
  7. Specialized Prevail 3
    • Testergebnis: Sehr gut
    • Preis: 290 Euro
    • Gewicht: 272 g
    • Größen: S/M/L
    • Anpassung: 4/5 ⭐️
    • Belüftung: 5/5 ⭐️
    • Tragekomfort: 4,5/5 ⭐️
    • Fazit: Das geringe Gesamtgewicht des Prevail bei dennoch hoher Sicherheit kommt vor allem durch die Verwendung eines feinen Aramid-Skeletts zur Versteifung der Helmschale und die Mips-Variante Air Node zustande. Komfortseitig muss man keine Abstriche hinnehmen. Das individuell anpassbare Tragesystem sorgt für straffen Sitz, die Belüftung ist top, die Brillengarage ist aber etwas fummelig zu bedienen. Auch der Preis ist recht „sportlich“.
  8. Oakley DRT5 Maven Mips
    • Testergebnis: Sehr gut
    • Preis: 200 Euro
    • Gewicht: 380 g
    • Größen: S/M/L
    • Anpassung: 3,5/5 ⭐️
    • Belüftung: 4/5 ⭐️
    • Tragekomfort: 4,5/5 ⭐️
    • Fazit: Ist er erst einmal angepasst, sitzt der DRT hochkomfortabel. Die korrekte Platzierung der durch Fädeln (siehe S. 75) verschiebbaren Gurtdreiecke ist hier aber eine ziemliche Fummelei. Das griffige Boa-Drehrädchen packt ordentlich zu, ein gummiertes Stirnpolster sorgt für zusätzlichen Halt. Für Brillen befindet sich am Hinterkopf ein Klemmsystem. Leider rieb sich an unserem Testexemplar die mattierte Oberfläche schnell ab.
  9. TLD Flowline SE
    • Testergebnis: Sehr gut
    • Preis: 190 Euro
    • Gewicht: 371 g
    • Größen: XS/S,M/L, XL/XXL
    • Anpassung: 4/5 ⭐️
    • Belüftung: 3,5/5 ⭐️
    • Tragekomfort: 5/5 ⭐️
    • Fazit: Mit seiner großen Helmschale und der weichen Polsterung sitzt er extrem komfortabel und ohne Druckstellen an nahezu allen Köpfen der Redaktion. Das Anpassen der Gurtdreiecke erfordert etwas Mühe, diese sind aber auch in der Höhe verstellbar. Trägt sich minimal schwitziger als andere AM/Enduro-Helme. Durch das relativ kurze Visier fällt der Blendschutz etwas geringer aus. Wuchtige Optik, dennoch kein Schwergewicht.
  10. Bluegrass Rogue Core Mips
    • Testergebnis: Sehr gut
    • Preis: 170 Euro
    • Gewicht: 384 g
    • Größen: S/M/L
    • Anpassung: 4/5 ⭐️
    • Belüftung: 4/5 ⭐️
    • Tragekomfort: 4/5 ⭐️
    • Fazit: Umfangreiche Anpassbarkeit zeichnet den Bluegrass aus: Lageverstellbare Gurtverteiler an den Seiten, griffiges Drehrad am ebenfalls flexibel justierbaren Headring und ein weit hochklappbares Visier sorgen für festen Sitz und sicheres Tragegefühl. Die Brillenhalterung mit durchs Visier gesteckten Bügeln ist weniger gelungen als die Lösungen der Konkurrenz.

Die Bedeutung des MIPS-Systems

Dies ist im Übrigen unser erster Test, in dem kein Hersteller mehr auf ein MIPS-System verzichten will - oder Hersteller, die eigene Rotationssysteme verbauen, nicht am Test teilnehmen wollten. Die Tatsache, dass Drehbewegungen, wie sie bei einem Sturz mit dem Bike auf den Kopf wirken, äußerst schädlich für das menschliche Gehirn sein können, scheint auch in den Köpfen der Hersteller angekommen zu sein. Decathlon setzt auf die Standard-Version des Rotationsschutzes, dessen knallgelber Liner inzwischen wohl jedem Biker ein Begriff sein dürfte. Die Unterschiede der einzelnen Systeme, die teils aufwändig in die Helme integriert sind, erklären wir weiter unten im Text.

Viel spannender aber ist die Frage: Wie schneidet denn nun der Decathlon-Helm in Sachen Sicherheit ab? Hier gibt es gleich zwei Überraschungen: Mit einer Restkraft von 107,9 g liegt der Rockrider ziemlich genau in der Mitte unseres Testfeldes und ganze 142,1 g unterhalb des zulässigen Grenzwerts. Was uns aber noch mehr erstaunt hat, ist, dass Decathlon mit dem Standard-MIPS den besten Wert beim Rotationsschutz erzielt und damit eindrucksvoll belegt: Wer keine großartigen Ansprüche in Sachen Ausstattung erhebt, kann auch mit einem preiswerten Helm wie dem Rockrider EXPL 540 gut geschützt durchs Gelände heizen.

So testet BIKE die MTB-Helme

Sicherheit (50 Prozent) Spezielle Sicherheitstechniken - MIPS & Co. - sollen messbar das Risiko von Kopfverletzungen senken, indem sie beim schrägen Aufprall auftretende Rotationskräfte verringern. Die bestehende Prüfnorm für Helme EN 1078 kann diese Szenarien nicht abbilden. Um die aktuelle Helmgeneration realitätsnah zu prüfen, haben wir in Eigenregie einen Helmprüfstand entwickelt und uns dabei an den in der Wissenschaft und von forschenden Herstellern eingesetzten Methoden orientiert. Für den Test wird der Helm auf einen 4,9 Kilogramm schweren Prüfkopf aus Aluminium angepasst. Helm und Kopf werden beim simulierten Sturz auf einem Schlitten geführt und treffen mit 21 km/h auf eine im Winkel von 45 Grad geneigte Stahlfläche auf. Schleifpapier in 40er-Körnung imitiert die Rauheit des Untergrunds - damit gehen wir analog zu den Prüfeinrichtungen Virginia Tech, Folksam und anderen Forschungseinrichtungen vor. Der Schlitten saust an der Auflagefläche vorbei und gibt den Helm frei, der nach dem Aufprall wegspringt.

Messung mit Sechs-Achsen-Sensor

Ein Sechs-Achsen-Sensor im Prüfkopf zeichnet Beschleunigung und Drehraten um die drei Achsen im Raum beim Aufprall und in der sich anschließenden Flugphase auf. Im ersten Anlauf trifft der Helm frontal auf, im zweiten seitlich. Die Beschleunigung werten wir nach dem größten resultierenden Wert aus - je niedriger desto besser. Angegeben wird der Mittelwert aus vier Messungen. Die Kopfrotation rechnen wir um zum BrIC-Kriterium (Brain Injury Criterion), das aussagt, wie schädlich die Bewegung für das Gehirn ist. Diese Methode ist in der Wissenschaft verbreitet und ermöglicht über den sogenannten AIS-Code Aussagen zur Wahrscheinlichkeit einer Gehirnerschütterung.

  • Gewicht (15 Prozent): Auf zusätzliches Gewicht reagiert der Kopf besonders sensibel. 50 Gramm mehr oder weniger machen hier einen großen Unterschied. Unser Test zeigt: mehr Gewicht bedeutet nicht automatisch besserer Schutz.
  • Anpassung (20 Prozent): Beim Punkt Anpassung bewerten wir die Ausführung und Einstellbarkeit des Kopfrings sowie den Verlauf, Sitz und den Verschluss des Gurtsystems.
  • Kühlung (15 Prozent): Die Belüftung der Helme testen wir mit einem starken Gebläse, das die Strömung auf bis zu 30 km/h beschleunigt. Der erhitzte, behelmte Kopf wird der Strömung ausgesetzt, und wir ermitteln die Kühlleistung.

Die Top 3 Helme aus dem Test

  • Der beste im Labor: Der Bluegrass Rogue Core liefert den besten Kompromiss aus Aufprall- und Rotationsschutz, zudem ist er sehr gut belüftet. Nur der günstige Rockrider mit dem einfachen MIPS-Layer reduziert Rotationskräfte noch besser.
  • Die beste Anpassung: Griffiges Drehrädchen, einfache Höhenanpassung, umlaufendes Kopf-band und einstellbare Y-Gurte - der Scott Tago lässt sich perfekt an den Kopf anpassen. Ein Magnetschloss von Fidlock wäre das Tüpfelchen auf dem i gewesen.
  • Die Überraschung: Mal abgesehen von der schlichten Ausstattung gibt es am Rockrider EXPL 540 wenig auszusetzen: Bester Rotationsschutz, gute Stoß- dämpfung und geringes Gewicht zu einem konkurrenzlos günstigen Preis.

Die Messwerte aus dem Labor im Überblick

Alle Helme im Test erfüllen zwar die Prüfnorm EN 1078, eine um 50 g höhere Aufprallkraft kann jedoch bei einem Sturz einen großen Unterschied machen.

Helm Beschleunigung in g
Bluegrass 79,3
Giro 134

Die Tabelle zeigt die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Biker bei dem von uns simulierten Sturzszenario eine mittlere Gehirnerschütterung erleiden würde. Diese lässt sich aus den gemessenen Drehbewegungen (BrIC, Brain Injury Criterion) errechnen. Der Zusammenhang zwischen BrIC und der Wahrscheinlichkeit einer Gehirnerschütterung (nach AIS-Code) ist nicht linear. Für die Bewertung bietet sich daher eher die Wahrscheinlichkeit an. Das Risiko für eine Gehirnerschütterung liegt zwischen 12 und 31 Prozent und beträgt im Mittel 22 Prozent. Das Risiko, mit einem Helm ohne MIPS eine Gehirnerschütterung zu erleiden, lag in früheren Tests bei durchschnittlich 37 Prozent.

So funktionieren die verschiedenen MIPS-Systeme

Wissenschaftliche Studien belegen, dass das menschliche Gehirn besonders empfindlich auf rotatorische Kräfte reagiert. Um bei einem schrägen Aufprall die Rotationsenergie zu reduzieren, wurde die reibungsarme MIPS-Schale (Multi-directional Impact Protection System) konzipiert. Sie soll ein zum Kopf versetztes Gleiten des Helms ermöglichen. Dadurch wird Rotationsenergie in Translationsenergie umgewandelt. Dieser Mechanismus ähnelt dem Verhalten des Kopfes bei einem Sturz auf Eis, wo sich der Kopf in der ursprünglichen Bewegungsrichtung fortsetzen kann. Aktuell sind verschiedene Varianten des MIPS-Systems verfügbar, die eine relative Rotation zwischen Helm und Kopf im Bereich von 10 bis 15 Millimetern zulassen. In unseren Tests zeigt sich, dass die Wahrscheinlichkeit, mit einem MIPS-ausgestatteten Helm eine Gehirnerschütterung zu erleiden (gemäß AIS-Code), im Durchschnitt bei 22 Prozent lag. Im Vergleich dazu betrug die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit einer Gehirnerschütterung bei Helmen ohne MIPS in einem früheren Test signifikant höhere 37 Prozent.

  • Mips Essential Core: Essential oder das klassische MIPS mit gelber Schale, dem sogenannten LFL (Low Friction Layer), kommt oft bei günstigen Helmen zum Einsatz. Es wird durch Elastomere im Helm gehalten. Im Test haben wir BrIC-Werte (Brain Injury Criterion) von 12 bis 20 Prozent gemessen.
  • Mips Evolve Core: Das System sitzt wie das Essential zwischen Helmschale und Polster. Eine exakter auf den jeweiligen Helm abgestimmte Passform soll die Belüftung verbessern und das Gewicht reduzieren. Es ist inzwischen das am häufigsten verbaute MIPS.
  • Mips Air Node: Hier ist der Rotationsschutz nahezu unsichtbar in die Helmpolsterung integriert. Das spart Gewicht und beeinträchtigt die Belüftung nicht durch eine zusätzliche Schicht. Die Gleitschicht sitzt an der Innenseite der Polster.
  • Mips Integra Split: Fox setzt auf eine besonders aufwändige Konstruktion. Der Helm besteht aus zwei separaten Schalen, die gegeneinander verdrehbar sind. Die Konstruktion ist etwas schwerer und teurer, erzielt im Labor aber nur mäßige Werte.
  • Mips Integra Fuse: Poc und MIPS verspinnen ihre beiden Rotationssysteme zu Integra Fuse. Hier befindet sich in den Polstern eine Art Silikon, das sich in alle Richtungen bewegen kann. Ähnlich wie bei MIPS Air sollen die Vorteile geringes Gewicht und gute Belüftung sein. Der Rotationsschutz jedenfalls ist sehr gut.

MIPS wird nach wie vor kontrovers diskutiert. Die im Test gemessene Spanne ist aber auf jeden Fall erheblich. Für mich scheint die Wirksamkeit plausibel zu sein. - Prof. Dr. med. Stefan Lorenzl, Facharzt für Neurologie

Helme sind beim anspruchsvollen Mountainbike-Fahren Pflicht. Neben dem Schutz, den sie bieten sollten, müssen sie aber auch angenehm zu tragen sein und den Kopf ausreichend belüften. Insgesamt haben wir 22 MTB-Helme für den All-Mountain- und Enduro-Bereich ausgiebig getestet.

Studien haben ermittelt, dass durch das Tragen von Fahrradhelmen zwischen 20 Prozent der Kopfverletzungen bei Leichtverletzten und bis zu über 80 Prozent der Kopfverletzungen bei besonders Schwerverletzten vermieden werden können. Die Zahlen stammen von der HFC Human-Factors-Consult GmbH aus dem Jahr 2017 und wurden im Auftrag der Verkehrsministerien Baden-Württemberg und Thüringen ermittelt.

In den allermeisten Fällen besteht ein Fahrradhelm aus einer harten Kunststoffschale, in welche direkt ein expandierter Polystyrol Schaum (EPS) eingespritzt wird. Dieses Verfahren bezeichnet man als sogenanntes In-Mold-Verfahren. Der EPS absorbiert im Falle eines Sturzes die auftreffende Energie und schützt so den Kopf vor Verletzungen. Der Schaum altert mit der Zeit und wird porös. Schweiß und UV-Strahlung beschleunigen den Prozess, weshalb der Helm gut gepflegt und gelagert werden will.

Vereinzelt setzten Hersteller wie Endura oder Smith auf Koroyd anstelle von EPS als energieabsorbierendes Material. Dieser Verbund aus wabenförmigen Kunststoffröhrchen soll die Energie linearer absorbieren und dadurch die Sicherheit bei gleichzeitig geringerem Gewicht erhöhen.

Eine weitere Technologie, die den Kopf besser schützen soll, ist das Multi-Directional Impact Protection System, oder kurz MIPS. MIPS soll den Kopf bei einem Schrägaufprall durch Ableiten der Energie besser schützen. Dadurch ist eine innere dünne Schale beweglich im Fahrradhelm befestigt, die sich um 10 bis 15 Millimeter in alle Richtungen bewegen lässt.

Die wichtigste Aufgabe eines Helmes ist es, den Biker zu schützen, sollte es zu einem Sturz oder Unfall kommen. Die notwendige Größe des Helmes kann einfach mit einem Maßband ermittelt werden, mit welchem der Kopfumfang oberhalb der Ohren nachgemessen wird. Hier sollte am besten zu zweit gearbeitet werden.

Damit der Helm optimal angepasst werden kann, muss der Head-Ring in Umfang und Höhe verstellbar sein und der Verschlussmechanismus sollte gut, am besten mit einer Hand, bedienbar sein. Auch ist eine gute Belüftung hilfreich, damit der Kopf bei einem anstrengenden Uphill oder in der prallen Sonne nicht so schnell überhitzt. Zusätzlich sei gesagt, dass nicht jeder Helm gleich gut auf jeden Kopf passt. Natürlich ist jeder Kopf verschieden und so lohnt es sich, beim Kauf auch mal andere Helmhersteller auszuprobieren und sich nicht zu sehr auf einen Helm zu versteifen, nur weil die Farbe gut zum Bike oder Trikot passt.

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