Die Welt entdecken - und zwar auf zwei Rädern. Für Kinder beginnt dieses Abenteuer mit dem ersten eigenen Fahrrad. Plötzlich sind die Touren mit Mama und Papa nicht mehr auf den Spielplatz oder ein paar Straßen begrenzt. Mit dem Rad verändert sich etwas: Kinder fühlen sich größer, mutiger, unabhängiger. Bevor es losgeht, braucht es allerdings das richtige Bike. Und das will gut gewählt sein. Denn Sicherheit, Handling und Verarbeitung spielen eine große Rolle - vor allem, wenn die kleinen Abenteurer nicht nur langsam durch die Gegend rollen, sondern richtig Gas geben wollen. Rahmen, Bremsen, Tretlager, Reifen: Alles muss sitzen.
Test der Kinderbikes: Worauf es ankommt
Der Test zeigt: Kinder-Bikes haben an Format gewonnen. Grobe Ausreißer haben wir nicht beobachtet. Die Räder sind für die Kinder durchweg gut bedienbar. Die Federelemente funktionieren gut - keine Selbstverständlichkeit bei Fahrergewichten ab rund 30 kg. Nicht nur Nischenanbieter machen einen guten Job, auch große Hersteller wie Canyon und Scott nehmen die kleinen Biker ernst und stellen potente, sogar regelrecht günstig kalkulierte Räder auf die Stollen.
Die sieben Testbikes decken fast das ganze Spektrum dessen ab, was zwischen acht und zwölf Jahren interessant und relevant ist. Damit ließen sich etwa Cross-Country-Rennen fahren, Touren bestreiten und sogar Trails im Park shredden oder Downhill-Rennen meistern. Die Federwege liegen dabei zwischen Null und 160 Millimeter, die Preise zwischen 949 und 2799 Euro.
Meistgelesene Artikel123Foto: Robert KühnenGraduell lässt sich die Schwierigkeit beim Testen erhöhen, wie auf dem Bergkastel-Trail , der auch etwas kniffeligere Stellen bereithält.
Die Gemüter haben sich beruhigt, als uns der Sessellift an der Bergstation der Zirmbahn auf 2.500 Metern ablädt. Die umwerfende Aussicht, die frischen Temperaturen und der spaßige Zirmtrail, der sich in elegant geshapten Kurven vor uns zu Tale wirft, lässt die Frage, wer welches Bike fährt, in den Hintergrund treten. Unsere Testfahrer sind Locals, sie kennen hier schon jeden Stein und freuen sich aufs Biken.
Federwege zwischen Null und 160 Millimeter
Erste Erkenntnis: Auch wenn die Federung reizt und die Fahrt bequemer macht, auf gemäßigten Strecken ist sie nicht zwingend nötig. Selbst das völlig ungefederte Scor 0024 pilotiert Felix sicher zur Mittelstation. Klar, mal eben über einen Felsen abziehen, wie es Paul, der Älteste in der Runde vormacht, gelingt mit dem Canyon-Fully leichter und sicherer. Aber Spaß haben alle in der Gruppe auf diesem gebauten Trail.
Einfach-Getriebe machen es den Kids leicht
Auf dem Weg vom Bergkastel rüber zur Plamort-Hochebene können wir erproben, wie gut die Kinder mit der Schaltung an ihrem Kinder-MTB zurechtkommen, denn es warten auch leichte Anstiege. Da ausschließlich Einfach-Getriebe montiert sind, kommen die Kids gut damit zurecht - gegenüber den früheren Mehrfach-Blättern ein Riesenvorteil! Vereinzelt müssen wir die Griffe etwas justieren, damit die kleinen Finger richtig zupacken können, doch dann klappt es mit dem Schalten. Die Kletter-Performance, so unsere Beobachtung, ist vor allem eine Frage der Motivation, weniger der Schaltung.
Fullys haben durchaus Vorteile
Gestört wird der Fahrfluss vor allem dann, wenn sich die Sattelhöhe nicht werkzeuglos verstellen lässt. Dropper-Posts sind für Kinder (und Begleiter) ein Gewinn. Mindestens aber sollte ein Schnellspanner an der Sattelstütze sitzen. Auf den naturnahen Trails zurück ins Tal, nass und gespickt mit Wurzeln, sind abgesenkte Sättel ein klarer Vorteil. Dass Geschick hier mehr bewirkt als ein dickes Fahrwerk, beweist der Jüngste der Truppe: Florian, nur 1,20 Meter groß und acht Jahre jung, lässt das Nize One 24-Hardtail besonders geschmeidig über Wurzelbretter gleiten. Und mit Fully? Die sind hier kein bisschen schneller unterwegs. Auf dem abschnittsweise etwas raueren Bergkastel-Trail hat die Hinterradfederung jedoch einen Vorteil. Aus Erfahrung wissen wir, dass es im Bikepark mit stärker ausgefahrenen Strecken und großen Sprüngen nochmal ganz anders aussieht. Auf den Bremswellen im Park spielen Fullys ihr Potenzial wirkungsvoller aus als auf natürlichen Trails.
Die richtige Fahrradgröße für Kinder
Die meisten Kinder lernen im Alter von drei bis vier Jahren Fahrradfahren, es gibt aber auch Frühstarter, die schon mit zweieinhalb aufs Fahrrad drängen. Die richtige Fahrradgröße hängt, natürlich, vor allem von der Körpergröße ab. Für Kinder unter drei Jahren oder einer Körpergröße von unter 100 Zentimetern kommen in der Regel Fahrräder mit 12-Zoll- oder 14-Zoll-Reifen infrage. Es ergibt allerdings wenig Sinn, in solche Kinderfahrräder viel Geld zu investieren. Denn erstens ist es meist unklar, ob der Nachwuchs in diesem Alter wirklich schon nachhaltiges Interesse am Fahrradfahren haben wird. 12-Zoll- und 14-Zoll-Fahrräder sind daher eher als Spielzeug für die ersten Fahrversuche interessant - es sei denn, ihr Kind ist eher klein. Für die meisten Kinder sollte das erste »richtige« Fahrrad aber ein 16-Zoll-Fahrrad sein. Denn das können Kinder mindestens zwei, vielleicht sogar drei Jahre lang in etwa bis zur Einschulung nutzen.
Radfahren lernen beginnt lange vor der Anschaffung ersten Kinderfahrrads. Mamas und Papas sollten ihre Kinder möglichst frühzeitig an Mobilität gewöhnen. Laufräder oder Kinderroller sind ideal für einen guten Start. Sind die Kleinen erst richtig fit auf dem Laufrad, ist der Sprung aufs Kinderfahrrad meist schnell geschafft. Viele Kids schaffen es bereits nach wenigen Tagen, selbstständig auf dem Fahrrad zu fahren. Auf Stützräder kann und sollte man da getrost verzichten. Denn Stützräder verhindern eher, das Gleichgewicht zu halten und sorgen vielmehr für eine trügerische Sicherheit. So empfiehlt auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club ADFC: Lieber etwas länger mit den ersten Fahrversuchen auf einem Zweirad warten. Denn eine der größten Herausforderungen beim Fahrradfahren ist für Kinder das Erlernen des Gleichgewichtshaltens. Außerdem sollte der Nachwuchs an einem geeigneten Ort mit ausreichend Sicherheit üben - natürlich unter Aufsicht der Eltern, die ihren Kindern mit Rat und Tat zur Seite stehen sollten, vor allem als Motivator.
Kinder-Mountainbikes im Detail
Cube Stereo 140 HPC Rookie
- Preis: 2399 Euro
- Gewicht: 13,14 kg (BIKE-Messung, ohne Pedale)
- Laufradgröße: 27,5“
- Verfügbare Rahmengrößen: XS / S
- Größenempfehlung: ab 124 cm / ab 130 cm
- Federweg vorne: 150 mm
- Federweg hinten: 140 mm
- Einsatzbereich: All Mountain
Mondraker Trick 26
- Preis: 1399 Euro
- Gewicht: 12,49 kg (BIKE-Messung, ohne Pedale)
- Laufradgröße: 26“
- Verfügbare Rahmengrößen: One Size
- Größenempfehlung: 145 - 165 cm
- Federweg vorne: 120 mm
- Einsatzbereich: Trail- Hardtail
Woom Off Air 4
- Preis: 949 Euro
- Gewicht: 9,5 kg (BIKE-Messung, ohne Pedale)
- Laufradgröße: 20“
- Verfügbare Rahmengrößen: One Size
- Größenempfehlung: 110 - 130 cm
- Federweg vorne: 60 mm
- Einsatzbereich: Hardtail
Worauf Sie beim Kauf eines Kinder-Mountainbikes achten sollten
Eltern, die sich heute mit dem Kauf eines Kinder-Mountainbikes beschäftigen, hatten in ihrer eigenen Kindheit mit großer Wahrscheinlichkeit noch nicht die volle Auswahl an kindgerechten Fahrrädern fürs Gelände. Natürlich weiß man schon lange, dass der Nachwuchs mit geeignetem Material schneller und nachhaltiger eine Begeisterung fürs Biken entwickeln kann. Erst in den letzten paar Jahren kam der Markt für Kinder-MTBs aber so richtig in Schwung. Für die Kids ist das super, denn sie können die Bikes haben, von denen ihre Eltern damals nicht mal träumen konnten. Letztere aber sehen sich mit einem riesigen Angebot konfrontiert, das nicht immer leicht zu durchschauen ist. Schon ab 110 Centimetern Größe müssen Kinder nicht mehr auf Federgabel, 20 Zoll große Breitreifen und Co. verzichten. Wachsen Körper und Fahrtechnik, wird es Zeit für hochfunktionelle Kinderbikes mit 26 oder 27,5 Zoll großen Laufrädern.
Fangen Kinder in frühen Jahren mit dem Biken an, kommt es zu dem Punkt, an dem aus dem Wunsch nach einem coolen Hardtail oder einem großen Fully ein Bedürfnis wird. Mütter und Väter kennen ihre Kinder besser, als jeder andere Mensch. Sie können am besten einschätzen, wann der richtige Zeitpunkt für ein vollausgestattetes Kinder-MTB ist.
Checkliste für den Kauf
- Bauart: Hardtail für Einsteiger, Fully für anspruchsvolles Gelände.
- Größe: Richtige Größe der Räder und des Rahmens beachten.
- Gewicht: Geringes Gewicht ist besonders wichtig.
- Bremsen: Kraftvoll, gut dosierbar und für Kinderhände erreichbar.
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