MTB Laufrad neu einspeichen – Eine detaillierte Anleitung

Unter allen Schrauberarbeiten, die man an einem Mountainbike erledigen kann, gibt es eine Königsdisziplin: Laufräder selbst einspeichen. Laufräder sind extrem komplex. Zum Glück müssen Sie, um sie zu zentrieren, allerdings nicht wissen, wie man ein ganzes Laufrad baut!

Grundlagen des Einspeichens

Jede Speiche agiert als Bindeglied zwischen Felge und Nabe. Optimalerweise ist die Spannung bei allen Speichen auf der Antriebs- oder der Bremsseite des Laufrads einheitlich hoch. Je höher die Spannung einer Speiche, desto mehr zieht diese Speiche die Felge in ihre Richtung. Je niedriger die Speichenspannung, desto mehr kann die Felge in die gegenüberliegende Seite gezogen werden. Erhöht oder verringert man die Speichenspannung, lässt sich ein Schlag im Laufrad also beheben.

Allerdings sind der Physik irgendwann Grenzen gesetzt. Extrem verbogene Felgen lassen sich selbst von Profis nicht mehr gerade ausrichten. Wenn durch ständiges Zentrieren die Speichenspannung in einem Laufrad zu unhomogen wird, können die Speichen im schlimmsten Fall auf der nächsten Tour reißen.

Werkzeuge für das Einspeichen

Um Speichennippel drehen zu können, braucht es einen speziellen Nippelspanner. Für herkömmliche Laufräder passt in 90 Prozent der Fälle ein Schlüssel mit 3,2 Millimetern Maulweite. Shimano- oder Mavic-Laufräder benötigen häufig spezifische Nippelspanner. Für Laufräder mit innen liegenden Speichennippeln brauchen Sie wiederum spezielle Steckschlüssel. Bei Messerspeichen braucht man ein entsprechendes Werkzeug, um die Speiche gegenzuhalten.

Zentrierständer gibt es ab 40 Euro. Allerdings sind günstige Modelle meist etwas wackelig. Modelle ab etwa 100 Euro bieten dagegen häufig schon Werkstattqualität. Sie sind robust und eignen sich dank vieler Verstellmöglichkeiten für alle Laufradvarianten. Echte Profigeräte mit Messuhren kosten deutlich mehr und sind für den Heimwerkerbedarf übertrieben.

Wer gar keinen Zentrierständer hat, kann sich mit einem Kabelbinder behelfen. Den Kabelbinder einfach an den Sitzstreben oder der Federgabel befestigen und das abstehende Ende so abzwicken, dass es gerade nicht an der Felge ansteht. Wenn man das Laufrad dann dreht, lässt sich der Rundlauf überprüfen. Diese Methode hilft im Notfall, ist günstig und schnell zu machen, aber nicht besonders exakt.

Wichtige Tipps zum Zentrieren

  • Generell gilt: Um die Felge wieder mittig zu zentrieren, erhöht man die Speichenspannung.
  • Oft reicht eine viertel Umdrehung, um die Felge zu zentrieren! Gehen Sie immer schrittweise vor.
  • Reicht es nicht, nur die Spannung der entsprechenden Speichen zu erhöhen, muss zusätzlich die Spannung der gegenüberliegenden Speichen (auf der Seite des Felgenschlags) verringert werden.
  • Als Faustregel gilt: Seitenschläge, die bis zu einen Zentimeter von der Mitte abweichen, lassen sich zentrieren. Alles was darüber hinausgeht, wird schwierig.
  • Neben einem Seitenschlag können Laufräder auch einen Höhenschlag haben. Das Zentrieren des Höhenschlags ist kompliziert und verlangt nach Erfahrung. Anfänger sollten deshalb besser eine Werkstatt aufsuchen.

Wie ermittle ich den Seitenschlag?

Dazu die Messfühler im Zentrierständer so einstellen, dass sie an einzelnen Stellen die Felgenflanken berühren. Das Laufrad im Zentrierständer drehen. An den Stellen, an denen die Felge anschlägt, müssen Sie zentrieren. Welche Speichen man in welche Richtung drehen muss, erfahren Sie im Video.

Anleitung zum Einspeichen

Fahrradfahrer mit guten Fingerfertigkeiten können aus einer Nabe, einer Felge und Speichen selbst ein Laufrad montieren. Mit Geduld und handwerklichem Geschick ist das kein Problem. Ob du ein Vorder- oder Hinterrad einspeichen möchtest, ist bei der Verwendung von Material und Werkzeug erst einmal völlig egal. Um ein Laufrad einzuspeichen, benötigst du eine Felge mit 36 Löchern, eine dazu passende Nabe und 36 neue Speichen. Diese Variante ist die häufigste.

Eine wichtige Kenngröße beim Laufradbau ist die korrekte Länge der Speichen. Die Länge hängt meist von der Bauart der Nabe und der Felge ab. Außerdem treten oft Unterschiede zwischen einem Vorderrad und einem Hinterrad auf. Ein Rad einzuspeichen, ist im Grunde sehr leicht. Du benötigst lediglich einen Schraubenzieher und einen Nippelspanner (Nippeldreher). Damit das Zentrieren des Laufrades einfacher von der Hand geht, ist ein Zentrierständer sehr praktisch.

Generell ist es so, dass die Speichen zwischen Nabe und Felge niemals gerade eingesetzt werden. Die als Verbindung liegenden Speichen zwischen Felge und Nabe verlaufen tangential. Diese Schräglage verbessert den sogenannten Anlenkwinkel am belasteten Nabenflansch. Ein Rad lässt sich auf verschiedene Arten einspeichen. Die unterschiedlichen Varianten ergeben sich einmal durch die Anzahl der Kreuzungen von zwei benachbarten Speichen. Außerdem ist relevant, mit welchen Speichen sich die Verbindungen kreuzen. Sie werden immer abwechselnd von links nach rechts gestellt. Bei der Dreifachkreuzung wird die neue Fahrradspeiche mit drei benachbarten Speichen auf der gleichen Seite der Nabe gekreuzt. Die Varianten haben jedoch alle ihre Vor- und Nachteile.

Eine pauschale Aussage, welche Speichenkreuzung ein gutes Laufrad ausmachen, ist nicht möglich. Bei einem Tangentialwinkel der Speichen von 90 Grad erfolgt eine optimale Kraftübertragung zwischen Nabe und Felge. Die Vierfachkreuzung erreicht mit 95 Grad bei 32 Speichen und 85 Grad bei 36 Speichen das Optimum von 90 Grad am besten. Bei der Dreifachkreuzung liegen 32 Speichen nur mit einen Tangentialwinkel von 75 Grad und bei 36 Speichen sogar nur mit 65 Grad an. In der Praxis ist diese Aufbau aber folgenlos und die Nachteile sind zu vernachlässigen. Stattdessen punkten die Dreifachkreuzungen mit ihrer Seitensteifigkeit, die bei einer Vierfachkreuzung deutlich schlechter ausfällt. Bei den drei genannten Varianten werden die Speichen übrigens immer ähnlich stark belastet.

Die folgende Anleitung zum Einspeichen gilt für ein Laufrad mit 36 Speichen und einer Dreifachkreuzung. Stecke die erste Speiche durch ein Loch in der Felge. Nimm eine noch nicht verschraubte Speiche und führe sie in entgegengesetzter Richtung an zwei verschraubten Speichen vorbei, so dass eine Kreuzung entsteht.

Zentrieren nach dem Einspeichen

Nach dem Einspeichen wird die Felge in den meisten Fällen noch nicht ganz rund laufen. Du ermittelst den Zustand, indem du das Rad anschiebst und anhand der Umdrehung den Lauf kontrollierst. Fehler lassen sich durch Zentrieren leicht ausmerzen. Bei einem Seitenschlag ziehst du die Speichen, die auf der gegenüber liegenden Seite sitzen, etwas fester. Beim Spannen und Festziehen empfehlen wir, immer sehr langsam und vorsichtig vorzugehen. Schon die kleinste Umdrehung kann sich auf den Lauf der Felge auswirken. Lass das Rad deshalb immer wieder drehen, bevor du die Speichennippel fester schraubst. Manchmal reicht bereits eine halbe Umdrehung, um eine perfekte Spannung der Felge zu erreichen oder sie zu überspannen.

Die genannten Hinweise gelten allgemein sowohl für das Vorderrad und das Hinterrad sowie für die allermeisten Felgengrößen. Einziges Kriterium, das du berücksichtigen musst, ist die bereits erwähnte Speichenlänge. Ein Hinterrad verfügt normalerweise über kürzere Speichen. Mit unserer Schritt für Schritt-Anleitung hast du eine gute Orientierung, um dein Laufrad einspeichen zu können. Das Einspeichen ist ein Arbeitsschritt von mehreren, wenn du dir ein individuelles Laufrad selbst bauen willst.

Den Seitenschlag lokalisieren

Früher oder später ist er da: Der Seitenschlag in der Felge. Wie Du Dein Laufrad wieder zurück in die Spur bekommst, erfährst Du hier. Die "Acht" in der Felge - wer kennt sie nicht? Wenn der Schlag nicht zu extrem ist, bekommst Du ihn meistens wieder herauszentriert. Aber wie geht das? Beim Zentrieren veränderst Du die Spannung der Speichen. Durch diese Speichenspannung wird die Felge gleichzeitig von beiden Seiten nach außen und Richtung Nabe gezogen, wodurch das Laufrad eine enorme Steifigkeit erlangt. Ähnlich wie beim Tauziehen, wenn beide Parteien gleich stark sind, stabilisiert sich das System. Im Idealfall ziehen alle Speichen gleichmäßig, dann läuft die Felge gerade.

Um das Laufrad zu zentrieren, musst Du natürlich zuerst einmal wissen, wo an der Felge der Seitenschlag sitzt und zu welcher Seite er ausschlägt. Dazu hängst Du Dein Laufrad in den Zentrierständer. Stelle die Schenkel der sogenannten Justierzange so nahe an die Felgenflanke, dass sich das Laufrad gerade noch frei drehen kann. Der Abstand zwischen der Justierzange und der Flanke sollte also möglichst klein sein.

Wenn Du nun das Laufrad im Zentrierständer drehst und währenddessen die Justierzange noch näher an die Felge heranfahren lässt, wirst Du sehen, wie die Felge seitlich taumelt. Die Felgenflanke wird bald die Justierzange touchieren, aber nur an einem Teil der Felge. Dies macht sich durch ein kurzes, schabendes Geräusch bemerkbar. Genau dort sitzt Dein Seitenschlag! Schau Dir genau an, wo der Schlag beginnt und wo er wieder aufhört. Mit zwei Aufkleber-Schnipseln kannst Du Anfang und Ende des Schlags markieren.

Wenn Du keinen Zentrierständer zu Hause hast, kannst Du Dir aber auch mit einem kleinen Trick behelfen. Lass das betroffene Laufrad im Bike und spanne einfach einen Kabelbinder in Höhe der Felgenflanke um Deine Gabel oder Sitzstrebe, je nachdem ob Du das Vorder- oder Hinterrad zentrieren willst. Schneide ihn soweit ab, dass er so gerade kurz vor der Felgenflanke steht. Du kommst mit dieser Methode nicht auf die Präzision eines Zentrierständers - für den Notfall reicht es aber so. Wenn Du öfters ran musst, ist solch ein Ständer aber ganz klar zu empfehlen.

Vorsicht bei Messerspeichen

Wenn Du Messerspeichen (also abgeflachte Speichen) hast, musst Du sie mit einem Speichenhalter festhalten. Sonst kann es sein, dass sie sich verdrehen. Das hat zwei Folgen: Die Speiche hat dann kaum noch Steifigkeit in die Belastungsrichtung und kann schnell brechen. Außerdem "schneidet" die auf Aerodynamik optimierte Speiche nun nicht mehr durch die Luft, sondern wirkt wie ein Segel. Der Vorteil der Messerspeiche ist damit dahin und kehrt sich gar zum Nachteil um. Platziere den Speichenhalter beim Anziehen der Speichen so nah wie möglich am Speichennippel, um so wenig Torsion (Verdrehung) wie möglich zu erreichen.

Der Zentriervorgang

Schau, dass Du einen passenden Nippelspanner (auch: Speichenschlüssel) zur Hand hast, der exakt auf die Breite des Nippels passt. Hier gibt es kleine Unterschiede. Am Besten nimmst Du Dir einen Messschieber zur Hand und misst die Nippel aus. Viele Nippelspanner haben mehrere Größen integriert, damit Du immer den passenden Spanner hast.

Nun geht´s los. Drehe das Laufrad im Zentrierständer oder am Bike an. Schau genau hin, ob die Felge nach links oder rechts auslenkt. Zieht sie nach rechts, müssen die Speichen gespannt werden, die vom Felgenring aus zur Gegenseite hin zeigen, also zum linken Nabenflansch (Nicht-Antriebsseite). Zieht sie nach links, müssen die Speichen gespannt werden, die vom Felgenring aus zur Gegenseite hin zeigen, also zum rechten Nabenflansch (Antriebsseite). Die Speichenspannung wird in Schritten von einer viertel Umdrehung des Speichennippels erhöht. Achtung: Dafür muss der Speichenschlüssel, wie abgebildet, von oben betrachtet gegen den Uhrzeigersinn gedreht werden.

Ziehe alle Speichen der entsprechenden Seite an, die sich auf dem Kreisbogen befinden. Gehe dabei kleinschrittig vor, am Besten in viertel Umdrehungen. Kontrolliere den Schlag direkt nach dem ersten Durchgang. Er wird nun dezenter als zuvor ausfallen, sowohl in der Auslenkung als auch in der Länge des Kreisbogens. Taste dich nun weiter vor, bis der Schlag gänzlich oder fast ganz verschwunden ist. Wenn Du dich dem Optimalzustand annäherst, in dem die Felge schnurgerade ist, musst Du beim Anziehen noch kleinschrittiger werden.

Lässt sich eine Speiche nur extrem schwer drehen, da sie schon stark gespannt ist, müssen zuerst die benachbarten Speichen der Gegenseite links und rechts davon etwas gelöst werden (Nippelspanner im Uhrzeigersinn drehen). Beim Anziehen einer Speiche hörst Du hier und da sicher mal ein Knarren oder Knarzen. Das ist nicht schlimm und kommt durch die Reibung zwischen Nippelkopf und Felgenbett unter Druck.

Als Faustregel für eine vernünftig Zentrierung gilt: Ein Laufrad für Felgenbremsen sollte nahezu perfekt gerade sein, da sich beim Bremsen sonst ein störendes Pulsieren bemerkbar machen kann. Ein Scheibenbrems-Laufrad ist da unkritischer: Da ist 1mm Seitenschlag gar nicht schlimm und kann ohne weiteres toleriert werden, solange die Speichenspannung stimmt.

Bitte bei der ersten Fahrt nach dem Zentrieren nicht erschrecken: Die Speichen haben nun mehr Spannung als vorher und können sich daher noch an den Speichenkreuzungen „setzen“. Dies macht sich durch ein deutlich hörbares Knarzen bemerkbar. Dieser Effekt ist ganz normal, sollte aber schon nach kurzer Fahrt aufhören. Alles wieder im Lot? Dann kanns ja wieder losgehen!

Spezielle Laufräder: Rohloff Speedhub 500/14

Laufräder mit der Rohloff Speedhub 500/14 sind stabiler als Hinterräder mit Kettenschaltung und 36 Speichen. Die Speichen sind symmetrisch angeordnet. Jede steht unter der gleichen Spannung. Die Anzahl der Kreuzungen variiert abhängig von der Felgengröße.

Bei allen Felgen 26” und größer (28"/29") müssen die Speichen 2-fach gekreuzt werden. Bei allen 24” sowie kleineren Felgen (20") müssen die Speichen immer 1-fach gekreuzt eingelegt werden. Felgen werden in verschiedenen Speichenlochmustern gefertigt. Zwei Lochmuster müssen für unterschiedliche Vorgehensweise beim Einspeichen unterschieden werden.

Die Zugspeichen mit Speichenkopf innen einlegen. Bei den Kreuzspeichen muss sich der Speichenkopf außen befinden.

Laufradbau: Systemlaufradsatz oder selbst bauen?

Du stehst vor der Frage: System-Laufradsatz oder Laufrad selber bauen? Wir erklären Dir die Grundlagen für die Auswahl von Felgen, Speichen und Naben. Ein Laufrad besteht von innen nach außen aus einer Nabe, einer Anzahl Speichen mit Speichennippeln und einer Felge. Alles Weitere, der Freilauf etwa, Kassette, Achse, Bremsscheiben oder Reifen, wird in anderen Beiträgen behandelt. Wie sorgfältig diese Bauteile ausgesucht und miteinander kombiniert werden, entscheidet über die Lebensdauer des Rads.

Heute gibt es eine Menge guter fertiger Laufräder oder Systemlaufräder zu kaufen, weshalb nicht mehr jeder Laden automatisch selbst welche baut. Systemlaufräder gibt es in leicht, steif, robust oder preiswert. Sie zeichnet allerdings oft die Verwendung herstellergebundener Bauteile aus. Man ist dann bei einem Defekt auf das konkrete Bauteil angewiesen. Hier muss ein Laufrad für viele Menschen gut passen. Wenn Du Dein individuelles Laufrad baust, kannst Du es ganz auf Deine Bedürfnisse abstimmen. Der Aufwand ist allerdings größer.

Materialien im Laufradbau

Bei Naben und Speichen ist sich die Fahrradindustrie nahezu einig: Nabenkörper werden aus Aluminium und Speichen aus Stahl hergestellt. Es gibt vereinzelt auch Speichen aus Aluminium, Titan, Carbon oder Textilfasern, oder Naben mit Carbonteilen; aber am großen Markt spielen sie kaum ein Rolle. Felgen hingegen waren früher oft aus Stahl, werden mittlerweile meist aus Aluminium und immer öfter aus Carbon hergestellt. Alu-Felgen sind dabei günstiger und Carbonfelgen präzise nach der gewünschten Steifigkeit oder Flexibilität konstruierbar. Aluminium lässt sich zudem farbig eloxieren und macht so individuellen Gestaltungsspielraum bei Laufrädern möglich.

Speichen und ihre Bauweisen

Die Speiche ist ein Draht aus Stahl; ihre Anzahl und Vorspannung ergeben die Stabilität des Laufrads. Herkömmliche Speichen sind J-förmig, haben also ein gebogenes Ende mit flachem Speichenkopf, das durch ein Loch im Flansch der Nabe gefädelt wird. Das andere Ende der Speiche ist mit einem Gewinde versehen, auf das der Nippel aufgeschraubt wird. Die Speiche ist quasi eine Schraube und der Nippel eine Mutter. Naben ohne klassischen Flansch benötigen sogenannte Straightpull-Speichen, die einer Schraube noch ähnlicher sind, weil sie keinen Bogen aufweisen und gerade in den Speichensitz der Nabe eingefädelt werden. Das Zentrieren von Straightpull-Speichen ist schwieriger, da man sie vor dem Mitdrehen schützen muss.

Speichentypen

  • Glattspeichen: Durchgängig von derselben Stärke (z. B. DT Swiss Champion oder Sapim Leader)
  • Eindickendspeichen: Der Speichenbogen wird verstärkt (z. B. DT Swiss Alpine III)
  • Doppeldickendspeichen: Im langen, graden Teil schlanker (z. B. DT Swiss Competition und Sapim Race)
  • Messerspeichen: Ovaler Querschnitt für bessere Aerodynamik (z. B. Sapim CX-Ray)

Speichennippel

Der Nippel hat innen ein Gewinde und wird auf die Speiche geschraubt. Dafür wird er von außen durch die Felge auf die Speiche gesteckt und mit dem Kopf gegen den Felgenboden verschraubt. Zur leichteren Montage haben die meisten Nippel einen Schlitz im Kopf, manche Nippelköpfe sind auch mit einem Sechskant versehen oder haben die Form eines Innensechsrund-Schlüssels, auch Torx genannt. Der Vierkant, an dem man den Speichenschlüssel ansetzt, hat standardmäßig das Maß 3,23 Millimeter - alte Laufräder können andere Maße aufweisen. Ein passender Nippelspanner, auch Speichenschlüssel genannt, verhindert unnötigen Verschleiß am Nippel.

Nippelmaterialien

  • Messingnippel: Korrosionsresistenter, empfohlen für Ganzjahres-Stadträder oder Wintertrainingsmaschinen
  • Aluminiumnippel: Leichter, aber weniger korrosionsbeständig

Naben: Mittig und doch meist asymmetrisch

Die Nabe sitzt im Zentrum des Rads, nimmt die Speichenköpfe auf und leistet die eigentliche Dreharbeit. Bei herkömmlichen Naben sitzen die Speichen in den Flanschen der Nabe, das sind die beiden tellerförmigen höchsten Stellen. Bei Straightpull-Systemen bildet der Flansch keinen Teller und hat einen deutlich kleineren Durchmesser. Die beiden Flansche einer Nabe können den gleichen oder unterschiedliche Durchmesser haben. Der Abstand der Flansche zueinander bestimmt (neben dem Felgendurchmesser ERD, siehe unten) den Speichenwinkel. Je flacher der Speichenwinkel, desto stabiler wird das Laufrad, weshalb Naben in den letzten Jahren breiter wurden.

Nabenarten

  • Vorderradnaben für Felgenbremsen: Symmetrisch
  • Scheibenbremsnaben: Linker Flansch eingerückt
  • Hinterradnaben: Viel öfter asymmetrisch, da sie antriebsseitig der Kassette Platz machen müssen
  • Symmetrische Hinterradnaben: An Singlespeed- oder Bahnrädern

Felgen und ihre Bauformen

Die Felge nimmt innen die Speichennippel und außen den Reifen auf. Felgen für Felgenbremsen weisen eine Bremsflanke auf und verschleißen mit der Zeit, Felgen für Scheibenbremsen können ohne diese Funktion konstruiert werden, sind daher leichter und leben theoretisch länger. Keinesfalls darfst Du Scheibenbremsfelgen mit Felgenbremsen kombinieren!

Felgenkonstruktionen

  • Kastenfelge: U-förmig, nur eine Wand
  • Hohlkammerfelgen: Zwei Felgenböden für mehr Stabilität
  • Asymmetrische Felgen: Gleichen die Asymmetrie von Naben aus

ERD - Effektiver Felgendurchmesser

Der ERD (effective rim diameter) gibt den effektiven Felgendurchmesser auf den Millimeter genau an. Das ist wichtig, wenn man die passenden Speichenlängen für ein Rad ermitteln möchte. Genau genommen ist der ERD der maximale Abstand des Felgenbodens, also der beiden Punkte, wo zwei genau gegenüber sitzende Speichen mit den Nippeln auf der Felge aufliegen. Um den ERD einer Felge selbst zu messen, nutzt Du am besten zwei alte Speichen mit aufgedrehten Nippeln, abgeknipsten Köpfen und Markierungen, die Dir die Messung erleichtern. Miss immer mehrere Stellen, um Ungleichheiten auszumitteln!

Kalkulatoren - der Weg zur richtigen Speichenlänge

Um die richtige Speichenlänge herauszufinden, nutzt Du am besten einen der vielen Speichenrechner (spoke calculators) im Netz. Der Vorteil der Rechner großer Hersteller ist, dass ihnen recht zuverlässige Datenbanken zugrunde liegen, in denen häufig genutzte Felgen und Naben schon hinterlegt sind. Es schadet jedoch nicht, wenn Du Deine Bauteile selbst nachmisst und die Angaben in der Datenbank prüfst. Du brauchst den ERD der Felge, die Maße der Nabe und die Anzahl der Speichenkreuzungen.

Werkzeuge für den Laufradbau

  • Zentrierständer
  • Zentrierlehre
  • Nippelspanner
  • Speichenhalter (für Messerspeichen)
  • Speichentensiometer (wichtig für Carbonfelgen)

Felge auswechseln

Eine gerissene Felge am Rad ist kein Spaß und muss sofort ersetzt werden. Dazu muss man nicht gleich das Laufrad komplett tauschen. Die Felge kann einzeln ersetzt werden. Der Einbau ist aber etwas aufwändiger.

Gehen wir einmal davon aus, dass ihr weder das System noch die grundsätzlichen Abmessungen eurer Felge verändern wollt. Als erstes fangen wir mal mit der Laufradgröße an, also 28, 27,5, 26 oder 29 Zoll usw.Das Material von Felgen ist in der Regel Aluminium, Carbon oder Stahl.Die neue Felge muss zu eurem Bremssystem (Disc oder Felgenbremse) passen.Die Maulweite wäre bei Schlauchreifen nicht relevant. Anders bspw. bei Drahtreifen. Sie ist der Abstand zwischen den sogenannten Felgenhörnern. Das ist quasi der Bereich, in dem der Mantel sitzt.

Parameter für die Felgenauswahl

  • Laufradgröße
  • Material
  • Kompatibilität mit dem Bremssystem
  • Maulweite
  • Felgenbreite
  • Felgenhöhe
  • Lochzahl für die Speichen
  • Farbe

Um die Speichen zu spannen benötigt ihr dieses kleine Werkzeug. Grundsätzlich wäre ein Austausch der Felge auch eine gute Gelegenheit, um Speichen und Nippel zu ersetzen.

Demontage und Montage der Felge

  1. Laufrad zerlegen: Mantel, Schlauch und Felgenband entfernen.
  2. Speichennippel ausschrauben: Vom Inneren der Felge mit einem Schlitzschraubendreher.
  3. Speichen in der Nabe hängen lassen.
  4. Speichengewinde und -löcher in der Felge schmieren.
  5. Felge auf den Schoß legen und Speichen einsetzen.
  6. Auf das Speichenmuster achten: Löcher, die nach links zeigen, müssen zum linken Nabenflansch gehen und umgekehrt.
  7. Speichen in die Felge einsetzen und Nippel leicht anziehen.
  8. Speichen soweit festschrauben, dass das Speichengewinde gerade nicht mehr zu sehen ist.
  9. Speichen gleichmäßig mit einer Umdrehung anziehen.
  10. Laufrad in den Rahmen einbauen und zentrieren.

Die Speichenspannung

Beim Einspeichen kommt es vor, dass sich Speichen quasi ineinander verhaken und in den Berührungspunkten Spannungen aufbauen. Die kann man auflösen, in dem man zum Beispiel mit einem großen Schraubenschlüssel die Speichen voneinander kurz löst. Nach den ersten Fahrten solltet ihr die Zentrierung des Laufrads immer mal wieder prüfen. Als Hobbyschrauber ohne Profiwerkzeug ist gerade eine korrekte Speichenspannung und eine verdrehungsfreie Einspeichung gar nicht so einfach herzustellen. Das macht sich dann schnell bemerkbar und euer Laufrad läuft nicht rund. Dann heißt es nachzentrieren.

Ganz grundsätzlich ist das erneute Einspeichen eines Laufrades kein Hexenwerk, denn man hat ja quasi eine Mustervorlage. Ein perfekt zentriertes Laufrad erfordert aber schon einige Erfahrung.

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