Die Laufräder sind das zentrale Element, wenn es um die Fahrqualität geht.
Testmethoden
Um der Qualität eines Laufrades auf den Grund zu gehen, setzt BIKE auf umfangreiche Labortests. Ob das Zusammenspiel der gewonnenen Daten passt und damit das Fahrgefühl, zeigt unser Popometer im Praxistest.
Ohne die Laborwerte (Steifigkeit, Gewicht, Trägheit) zu kennen, fuhren drei erfahrene Tester alle Laufräder mit Einheitsreifen und identischen Luftdrücken auf einem selektiven Rundkurs. Die gewonnenen Fahreindrücke zum Fahrkomfort, zur Präzision und zum allgemeinen Handling flossen zu 20 Prozent in die Endnote ein.
Bei dem von BIKE im Newmen-Testlabor durchgeführten Schlagtest trifft ein 7,5 Kilo schwerer, runder Kunststoffzylinder einseitig im 20-Grad-Winkel auf ein Felgenhorn. Es wird jeweils das hintere Laufrad getestet, das an der Nabe fixiert wird. Jeder neue Schlag trifft auf eine intakte Stelle auf der Felge. Die Schlagenergie/-höhe wird ausgehend von 3,09 Joule bis zum Defekt gesteigert.
Aluminium vs. Carbon
Aluminium
Aluminium, ist das beliebteste Felgenmaterial für Mountainbike-Laufräder der Einstiegs- und Mittelklasse. Das liegt vor allem daran, dass es viel billiger in der Herstellung ist. Obwohl es die günstigere Alternative ist, gibt es immer noch eine Reihe von Vorteilen, die mit der Verwendung dieses Materials einhergehen, vor allem die Nachgiebigkeit oder der Komfort, den Leichtmetallfelgen auf dem Trail bieten.
Carbon
Auf der anderen Seite erfreuen sich Laufradsätze aus Carbon in allen Mountainbike-Disziplinen immer größerer Beliebtheit. Das liegt vor allem an den sinkenden Preisen und dem besseren Verhältnis zwischen Steifigkeit und Gewicht sowie der höheren Festigkeit, die sie bieten. Das bedeutet, dass ein Laufrad supersteif und gleichzeitig leicht sein kann, was besonders hilfreich ist, wenn man bedenkt, dass beim Mountainbiken die Komponenten stark beansprucht werden. Der Nachteil dieser erhöhten Steifigkeit ist, dass sie in der Regel auf Kosten des Komforts geht und die Fahrer gezwungen sind, die Einstellungen von Reifen und Federung entsprechend zu ändern.
Fahreindruck
Die Notizen unserer drei Testfahrer sprechen zumindest beim Fahrgefühl bergab eine eindeutige Sprache zugunsten des wesentlich günstigeren, aber auch deutlich schwereren Referenz-Laufradsatzes mit Alu-Felgen. Gutmütig, fehlerverzeihend und gedämpft lauten die Attribute, die das schwerere Alu-Laufrad im Vergleich zur Carbon-Konkurrenz einheimste. Tatsache allerdings ist, dass die Rennen im Cross-Country nun mal bergauf gewonnen werden.
Um uns nicht nur auf die umfangreichen Labordaten zu verlassen, sondern auch Fahreindrücke im Gelände zu sammeln, ging es mit sechs Laufradsätzen und drei Testfahrern auf eine aussagekräftige Testrunde.
Ohne die Labordaten in Bezug auf Steifigkeit und Trägheit zu kennen, musste jeder Fahrer seine persönlichen Fahreindrücke notieren und eine Reihenfolge von weich über komfortabel bis steif erstellen. Die Überraschung: Die gewonnenen Praxiseindrücke decken sich nicht zu 100 Prozent mit den ermittelten Seitensteifigkeitswerten.
So sind die als sehr gutmütig empfundenen Alu-Räder tatsächlich sehr seitensteif und die im Labor als weich gemessenen Newmen-Laufräder mit Carbon-Speichen wurden auf dem Trail von keinem Fahrer als schwammig oder unpräzise empfunden. Die gemessene Seitensteifigkeit spiegelt also nur einen Teil des Fahrgefühls wider.
Gewicht und Trägheit
Für einen explosiven Antritt und effizientes Klettern ist nicht nur ein geringes Gewicht, sondern auch die Verteilung der Masse von entscheidender Bedeutung. Je weiter das Gewicht von der Nabe entfernt ist, desto größer ist der Einfluss auf das Beschleunigungsverhalten.
Die beiden leichtesten Laufradsätze von Newmen und Pi Rope bleiben unter 1200 Gramm und kommen mühelos in Schwung. Die Bike Ahead-Laufräder mit breiter Felge lassen sich rund 20 Prozent schlechter beschleunigen. Beim Alu-Referenzsatz sind es 35 Prozent Differenz.
In Kombination mit einem aufgezogenen Reifen relativiert sich der Unterschied zwischen den Laufradsätzen wieder. Durch die weit außen liegende Masse des Reifens (z. B. 715 Gramm XC-Reifen) schmilzt der Abstand zwischen Pi Rope und Bike Ahead auf sieben Prozent.
Die besonders leichten Laufräder besitzen auch niedrigste Trägheit. Die zum Vergleich gemessene Alu-Laufräder haben im Vergleich zu Carbon das Nachsehen.
Komponenten eines Laufrads
Ein Fahrradlaufrad besteht aus vier Hauptkomponenten, die alle einen Einfluss auf das Gewicht, die Leistung und die Haltbarkeit haben. Eine Verbesserung (oder Verschlechterung) dieser Komponenten kann sich auf die Fahrqualität, deine Kraftanstrengung (Geschwindigkeit), die Bremsleistung und sogar darauf auswirken, wie gut dein Fahrrad auf das Gelände reagiert.
- Felge: Die Felge befindet sich an der Außenseite des Laufrads und hat bei den meisten Mountainbike-Laufrädern die Aufgabe, den Reifen zu halten.
- Nabe: Die Nabe befindet sich in der Mitte des Rades und bildet die Drehachse.
- Speichen: Das Material, das Nabe und Felge miteinander verbindet.
- Nippel: Die Speichen werden mit einer speziellen Mutter, dem Nippel, am Laufrad befestigt.
Reifentypen
Es lohnt sich, die zwei verschiedenen Reifentypen zu kennen, die auf ein Rad passen. Sie benötigen eine bestimmte Felge. Mountainbike-Reifen sind entweder Drahtreifen oder Tubeless-Reifen und auf dem Laufrad ist angegeben, mit welchem Reifen es kompatibel ist.
- Drahtreifen: Sie sind häufig bei Fahrrädern der Einstiegsklasse zu finden.
- Tubeless: Wie der Name schon sagt, benötigen schlauchlose Reifen keinen Schlauch, sondern verlassen sich auf enge Toleranzen und Luftdruck, um eine luftdichte Abdichtung zu schaffen.
Radabmessungen
Es gibt drei Hauptgrößen von Mountainbike-Laufrädern, die an den meisten neuen Mountainbikes zu finden sind, und darüber hinaus noch weitere Optionen für spezielle Fahrräder. Die Laufräder werden durch Nummern bezeichnet, die ihre Größe angeben.
- 26-Zoll-Laufräder: waren die ursprüngliche Laufradgröße für Mountainbikes und werden auch heute noch häufig verwendet, da sie wendig und leicht sind.
- 27,5-Zoll-Laufräder: die auch als 650B-Laufräder bezeichnet werden, haben in den letzten Jahren die 26-Zoll-Laufräder im Wesentlichen als Norm abgelöst und bieten etwas bessere Überrollfähigkeiten, Traktion und Luftvolumen als 26-Zoll-Laufräder.
- 29-Zoll-Laufräder: auch "29er" genannt, bieten dank ihrer größeren Größe und ihres größeren Luftvolumens mehr Traktion, ein besseres Überrollverhalten bei technischen Hindernissen und ein ruhigeres Fahrgefühl.
Der Trend geht zu breiteren Felgen, was den Komfort durch ein größeres Luftvolumen im Reifen erhöht. Dies geht einher mit der Umstellung auf größere Reifen, die das Überrollverhalten, die Traktion und die Kontrolle verbessern sollen, da sie mit einem niedrigeren Druck gefahren werden können.
Tune Blackburner 23 Laufräder
Tune liefert mit dem neuen Cross-Country-Laufradsatz den optimalen Kompromiss aus Gewicht und Stabilität. Optisch elegant verbinden 32 Edelstahlspeichen die Kingkong- bzw. Kong-Nabe mit der 29-Zoll- Carbonfelge und tragen so satte 115 Kilogramm Systemgewicht. Unser Testergebnis zeigt: Das Rezept geht auf. Der Blackburner 23 ist steif und erreicht gute Beschleunigungswerte, wie die verschiedenen Prüfstandtests ergeben.
Systemlaufräder
Kompletträder nahezu aller Leistungsklassen und Fahrradtypen werden in der Regel von Haus aus mit Systemlaufrädern ausgestattet. Diese sind jedoch aber auch bei Laufradherstellern ab rund 200 EUR separat erhältlich. Systemlaufräder sind in ihren Komponenten (Felgen, Naben, Speichen) bestens aufeinander abgestimmt und daher sehr stabil.
Klassisch gespeichte Laufräder
Klassisch gespeichte Laufräder wiederum gelten als unschlagbar in puncto Haltbarkeit und Stabilität. Sie werden nach Maßgabe des Fahrergewichts sowie des Einsatzzwecks von einem Fachmann zusammengebaut, wobei auch Einfluss genommen werden kann auf die verwendeten Materialien. Klassisch gespeichte Laufräder besitzen meistens 32 oder 36 Speichen, weswegen sie für schwere Fahrer eine gute Alternative zu einem Systemlaufrad darstellen.
DT Swiss FR 1500 Classic
DT Swiss präsentiert mit dem FR 1500 Classic einen Systemlaufradsatz für den harten Enduro- und Downhill-Einsatz. Er basiert auf der kürzlich vorgestellten FR 541 Alu-Felge und den bewährten 240er-Naben und wird in allen gängigen Laufradgrößen und Nabenbreiten verfügbar sein.
Die Verwendung von zwei Buchstaben lässt dabei auf einen High End Alu-Laufradsatz zurückführen. Die 4-stellige Zahl 1500 wiederum steht für einen Systemlaufradsatz mit der Kombination der hochwertigen 240er-Nabe und das „Classic“ am Ende deutet auf die Verwendung von J-Bend Speichen hin.
Alle Systemlaufräder von DT Swiss werden von Hand gespeicht und zentriert und der Laufradsatz bringt in Kombination mit einem SRAM XD-Freilaufkörper ein Gewicht von 1.879 Gramm auf die Waage. Ausgeliefert wird er bereits mit einem montierten Felgenband und zugehörigen Tubeless-Ventilen.
Am Vorder- und Hinterrad kommt eine unterschiedliche Speichenanzahl zum Einsatz, am Vorderrad 28 und am Hinterrad 32 Speichen. Das soll laut DT eine optimale Steifigkeit ermöglichen, die nicht nur die Speichenspannung, sondern durch die Anzahl und Art der Speichen definiert wird.
Die verwendete FR 541-Felge hat eine Innenweite von 30 mm und basiert auf den bekannten EX-Felgen. Durch das zusätzliche Material soll auf der einen Seite die Dellen-Anfälligkeit verringert werden, auf der anderen Seite aber auch die Kontaktfläche zum Reifen erhöht werden. Als Konsequenz sollen laut DT ca. 17 % weniger Platten gefahren werden, da durch die größere Auflagefläche das Risiko auf Pinch-Flats verringert wird.
Testergebnisse: Alu- und Carbonlaufräder ab 600 Euro
Im Folgenden werden die Testergebnisse von 13 Laufradsätzen (8 mit Alu-Felge ab 430 Euro, 5 mit Carbon-Felge ab 1199 Euro) vorgestellt:
Alu-Laufräder
- Testsieger: Veltec ETR Extradrei
- Kauftipp: Race Face Aeffect R
Carbon-Laufräder
- Testsieger: Acros Enduro-Carbon-LSR 29"
- Kauftipp: Newmen Advanced SL A.30
Detaillierte Ergebnisse
Die folgende Tabelle zeigt eine detaillierte Übersicht der getesteten Laufräder:
| Laufrad | Preis pro Paar | Gewicht (v/h) | Material Felge/Speiche | Maulweite (v/h) | Max. Systemgewicht | Testfazit | Testurteil |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Crankbrothers Synthesis Enduro Alloy | 600 Euro | 913.5 g / 111 g | Alu/Stahl | 31/29 mm | keine Angabe | Die Crank-Räder gehören zu den seiten- und torsionssteifsten im Test. | Gut |
| DT Swiss XM 1700 Spline | 719 Euro | 897 g/993 g | Alu/Stahl | 30/30 mm | 120 kg | Die beliebten Mittelklasse-Laufräder der Schweizer sind - für Alu-Felgen - leicht und prima zu beschleunigen. | Sehr gut |
| Veltec ETR Extradrei | 549 Euro | 827,5 g/964,5 g | Alu/Stahl | 30/30 mm | keine Angabe | Veltecs Satz ist perfekt aufgebaut und zeigt das geringste Gesamtgewicht im Alu-Testfeld. Auch der Wert bei der Trägheitsmessung ist im Vergleich Spitze. | Sehr gut (MOUNTAINBIKE-Testsieger) |
| Acros Enduro-Carbon-LRS 29" | 1199 Euro | 731 g/819 g | Carbon/Stahl | 29/29 mm | keine Beschränkung | Acros liefert mit dem Enduro-Laufradsatz ein mit 1550 g superleichtes und klasse aufgebautes Paar Carbon-Rundlinge. | Überragend (MOUNTAINBIKE-Testsieger) |
Weitere Laufradsätze 29 Zoll MTB im Vergleich
Hier eine kurze Übersicht von weiteren Laufradsätzen 29 Zoll MTB, die im Vergleich betrachtet wurden:
- Shkj MTB Laufräder: Mit Schnellspannern, für Scheibenbremsen, robustes Material.
- Pmp Nitro Carbon Race Set: Aus Carbon, besonders leicht, mit Flachspeichen, für Tubeless-Reifen geeignet.
- Hjrd Mountainbike-Laufradsatz 29: Für Scheibenbremsen, mit Schnellspannern, mit Felgenbändern.
- Lsrryd MTB Radsatz: Für Scheibenbremsen geeignet, Ersatzspeichen im Lieferumfang enthalten, mit Felgenbändern.
- Nbtrxwafr MTB-Laufradsatz: Mit Schnellspannern, für Scheibenbremsen, in weiteren Farben erhältlich.
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