Aktuelle Bikes sind nahezu alle für 1 x 12-Schaltungen ausgelegt, aber auch an betagteren Modellen lassen sich die aktuellen Schaltgruppen nachrüsten. So oder so sollten Sie aber ein paar Dinge beachten. Wir zeigen, welche.
Warum denn nur 1 x 12 Gänge?
Weil es aktuell das Nonplusultra ist! Als US-Gigant Sram mit seiner "One-by-Philosophie" und ursprünglich nur 1 x 11 Gängen marktschreierisch das Ende des Umwerfers einläutete, ließ MOUNTAINBIKE keine Gelegenheit aus, die fehlende Gangbandbreite zu monieren. Dem Gros unserer Leser empfahlen wir lieber Shimanos 2 x 11-Gängemenü. Erst mit Einführung von Srams Eagle-Gruppen mit 1 x 12 Gängen wendete sich buchstäblich das Blatt. Deren 10-52-Zähne-Kassetten bieten seitdem genug Bandbreite für jeden Biker: vom Einsteiger bis zum Olympiasieger.
Polarisierten die mächtigen 12-fach-Kassetten zunächst, haben sich die meisten Biker inzwischen an den Anblick gewöhnt. Inzwischen hat Shimano nachgezogen. Die drei Topgruppen SLX, XT und XTR offerieren nun auch 12 Ritzel an der Kassette, und das mit 10-51 Zähnen. Auch die günstigeren Schaltgruppen SLX und Deore sind nun mit 1x12-Technologie zu haben. Um die Tradition zu bewahren, bieten die Japaner zwar auch 2 x 12-Varianten an, die Nachfrage bei den Erstausrüstern, also den Bike-Herstellern, ist jedoch gleich null.
Kein Wunder, seit zwei, drei Jahren werden neue Bikes konsequent auf 1-fach-Kurbeln hin entwickelt. Der Wegfall des Umwerfers erlaubt mehr Spielraum in jeglicher Hinsicht: für eine optimierte Kinematik, für mehr Reifenfreiheit und/oder kürzere Kettenstreben, für eine organischere Optik.
Reicht die Bandbreite an 1x12-Schaltungen?
Ja. Srams Eagle-Gruppen ab GX aufwärts bieten bis zu 520 Prozent Bandbreite, Shimanos 1 x 12-Gruppen 510 Prozent. Das entspricht in etwa einer Shimano-2 x 11-Gruppe mit 36/26er-Kettenblatt und 11-40er-Kassette (503 Prozent) und übertrifft die ersten Sram- 1 x 11-Gruppen um Welten (420 Prozent). Zur Einordnung: Absolut top wäre eine - quasi nie verbaute - 3 x 11-Gruppe mit 661 Prozent. Wie sich diese ominöse Prozentzahl errechnet? Übersetzung des größten Gangs (großes Blatt geteilt durch kleines Ritzel) geteilt durch die Übersetzung des kleinsten Gangs (kleines Blatt geteilt durch großes Ritzel) mal hundert.
Glauben Sie uns: Alles von 500 Prozent Bandbreite ausgehend reicht für nahezu jede erdenkliche Art seriösen Geländeradsports aus! Das heißt, dass der kleinste Gang klein genug für Klettereien ist, der größte dick genug fürs Tempobolzen in der Ebene. Die Feinabstimmung ist bei 1-fach-Antrieben abhängig von der Kettenblattgröße. Zur Veranschaulichung: Mit einem 32er-Blatt vorne und einem 10er-Ritzel hinten lässt es sich mit einem 29"-Bike bergab bei 50 km/h zwar nicht mehr beschleunigen, aber noch halbwegs "mittreten". Mehr braucht kein Mensch.
Es sei denn, er ist Marathonprofi oder fährt Rennrad ... Umgekehrt reicht der kleinste Gang von 32:52 oder 32:51 aus, um auch steile Stiche von über 20 Prozent Steigung knieschonend zu bewältigen. Und wenn nicht? Dann heften Sie eben ein 30er-Blatt an die Kurbel.
Welches Kettenblatt brauche ich?
Das kommt auf die Topografie des "Heimatgeländes" und die eigene Fitness an. Motto: Je steiler die Umgebung und/oder je dünner die Wadeln, desto kleiner das Kettenblatt. Unsere Empfehlung für durchschnittlich trainierte Biker: im Flachland 34er- oder 36er-Blatt, im Mittelgebirge 32er oder 34er, in den Alpen 30er oder 32er. 60 Kilo wiegende "Fitfucker" legen zwei Zähne drauf, gestandene Mannsbilder der 90-Kilo-Klasse ziehen lieber zwei Zähne ab. Auch die Laufradgröße spielt eine Rolle: An einem 26"-Bike kann man locker zwei Zähne mehr auf dem Kettenblatt fahren als an einem 29"-Radl, da pro Kurbelumdrehung weniger Schwungmasse bewegt werden muss.
Sie wohnen an der Nordsee und planen einen Urlaub am Gardasee? Dann legen Sie sich ein zweites Blatt und eine zweite Kette zu und wechseln Sie vor Urlaubsantritt. Die Kosten sind überschaubar, zumal sich der Verschleiß dann aufteilt.
Die wahren Vorteile eines 1x12-Antriebs
Die sind mannigfaltig! Erst mal fallen bei 1 x 12 zwei große Bauteile weg, der Umwerfer und der linke Schalthebel. Dazu der Innen- und Außenzug. Alles, was nicht am Bike ist, das wiegt nix, das kostet nix, das verschleißt nicht, das geht nicht kaputt und das kann nicht falsch bedient werden. Keep it simple! In der Praxis bedeutet das eine deutliche Gewichtsersparnis, aber auch eine simplere, logischere Bedienung. Verschalter, Kettenklemmer und -abwürfe gibt es mit einer gut eingestellten 1 x 12-Schaltung schlicht nicht. Dazu kommt die aufgeräumtere Optik durch den Wegfall des zweiten Schaltzuges. Wer über ein gut geöltes Portmonee verfügt und zu Srams Funkschaltung Eagle AXS greifen kann, eliminiert gar alle Züge am Bike - ein Traum!
Frappierend ist der geringere Verschleiß. Muss man bei 2 x 11 im Mittel nach 1500 km die Kette wechseln, hält eine hochwertige Kette im 1 x 12-Betrieb mindestens doppelt so lange! Kassetten und Kettenblätter fahren wir an unseren 1 x 12-Dauertest-Bikes sogar inzwischen mit fast 10 000 km - früher undenkbar! Das liegt daran, dass die größten Stressoren des Antriebs wegfallen: keine Verschalter, keine (extrem belastenden!) Bewegungen der Kette via Umwerfer, weniger Dreck im System. Dazu ist die Kombi "Groß-groß" mit extremem Schräglauf bei 2 x 11 eine der am meist genutzten Übersetzungen. Und bei 1 x 12 sitzt die Kette - speziell bei Sram - sehr "satt" auf dem Kettenblatt, was Scherbewegungen eliminiert und damit den Verschleiß mindert.
Kann ich auch ein altes (26"-) Bike umrüsten? Wie war das mit dem Freilauf?
Es lässt sich prinzipiell jedes Bike ab Anfang/Mitte der 90er Jahre umrüsten! Voraussetzung ist nur ein BSA-Tretlagergehäuse (Pressfit, BB30 etc. bei neueren Bikes gehen natürlich auch), damit die aktuellen Innenlager passen und im Idealfall ein aktueller Standardfreilauf.
Apropos Freilauf: Auf den Standardfreilauf, der einst für 8-fach entwickelt wurde, passen keine 12-fach-Kassetten mit kleinem 10er-Ritzel. Um diese Kassetten (Shimano SLX, XT, SLX; Sram GX Eagle, X01 Eagle, XX1 Eagle) zu nutzen, müssen Sie das Laufrad auf den "XD-Body" (Sram) oder den "Micro-Spline"-Freilauf (Shimano) umrüsten. Ist dies nicht möglich oder zu teuer, gibt es auch Lösungen, perfekt bei Sram: Die Kassetten der preiswerten NX- und SX-Eagle-Gruppen passen auf den alten Freilauf! Dafür bieten sie als kleinstes Ritzel "nur" ein 11er, und sie sind relativ schwer. Dazu gibt es noch Fremdanbieter wie Sunrace oder Now8, die 12-fach-Kassetten für den Standardfreilauf anbieten. Diese funktionieren mit Shimano wie mit Sram, bieten aber unter Umständen nicht die optimale Schaltqualität und Haltbarkeit.
Shimano Micro Spline: Der noch junge Shimano-Standard ist einzig für die Shimano-12-fach-Kassetten der Güteklassen Deore, SLX, XT und XTR. (Noch) nicht alle Naben-Hersteller bieten Micro Spline an
Sram XD-Body: Den XD-Freilauf brachte Sram zu 1 x 11-Zeiten, um Platz für das 10er-Ritzel zu schaffen. Da Sram den Standard „offen“ ließ, gibt es eine riesige Auswahl. Auch Dritthersteller von Kassetten nutzen XD.
Standardfreilauf: Der auch auf dem Bild in die Jahre gekommene Standardfreilauf (ab 8-fach) nimmt dennoch 12-fach-Kassetten auf. Etwa von Sram (SX/NX) und Drittanbietern. Das kleinste Ritzel ist auf 11 Zähne beschränkt.
Kann ich meine alte Kurbel weiter nutzen?
Wer ein älteres Bike auf 1 x 12 umrüsten will, kann unter Umständen ein paar Euro sparen. Nämlich dann, wenn der Umstieg von einer betagteren Sram-Gruppe auf neue Sram-Eagle-Parts erfolgen soll. So besitzt etwa die 2-fach-Kurbel auf dem Bild (X0 Carbon) denselben Kettenblatt-Montagestandard wie die aktuellen Modelle. In so einem Fall können Sie einfach den alten Spider mit 2-fach-Kettenblatt demontieren und durch ein Eagle-Blatt ersetzen. Netter Nebeneffekt: Die alten Kurbeln sind teils sogar etwas eleganter, schlanker gebaut als neuere Modelle. Achten Sie aber auf den korrekten Versatz des Kettenblattes
Brauche ich Boost?
Die "Popos" der Bikes sind gewachsen. Erst hatten die Hinterbauten bzw. die Achsen 135 mm Einbaubreite, dann 142 mm, jetzt 148 mm. Letzteres ist als "Boost"-Standard bekannt ( "Super Boost" mit 157 mm gibt es auch schon). Da diese zusätzlichen Millimeter der Antriebsseite aufgeschlagen wurden, steht die Kassette und damit die Kettenlinie weiter rechts als früher. Was bedeutet, dass die Kurbel dazu passen muss. Sram und viele Dritthersteller regeln das über den Versatz des Kettenblatts: Das Boost-konforme Blatt hat einen Offset von 3 mm, das Non-BoostBlatt 6 mm. Shimano bietet hingegen diverse Kurbeln an. Die Modelle mit einer "2" als dritter Ziffer (z. B. FC-M6120 bei der neuen Deore) haben eine Kettenlinie von 52 mm und passen laut Shimano für 142-mm- wie für Boost-Hinterbauten. Die Modelle mit einer "0" mit 55-mm-Kettenlinie sind nur für Boost.
Und noch eine letzte Einschränkung: Sowohl Sram-Eagle-Schaltwerke als auch die neuen 12-fach-Modelle von Shimano benötigen zur Befestigung ein normales Schaltauge, Shimanos erst vor wenigen Jahren eingeführter "Direct-Mount"-Standard hat bereits wieder ausgedient.
Darf ich SRAM und Shimano vermischen?
Typische Frage: Darf ich Shimano und Sram mixen? Antwort: jein. Srams Schalthebel steuern das Schaltwerk mit 1:1-Übersetzung des Hebelweges an, bei Shimano gilt 2:1. Hebel und Schaltwerk müssen also zusammenpassen! Auf den Sram-"X-Sync-2"-Blättern findet zudem nur eine Sram-12-fach-Kette ihren Sitz. Umgekehrt würde eine Sram-Kette auf einer Shimano-Kurbel funktionieren, auch die Kassetten wären in der Theorie kompatibel. In der Praxis macht das keinen Sinn: Schaltqualität und die Haltbarkeit leiden unter so einem Mix spürbar
Innerhalb der US- und Japan-12-fach-Welten ist aber alles auf- und abwärtskompatibel. Zwar rät Shimano traditionell dazu, die Komponenten "gruppenrein" ans Bike zu schrauben, da diese aufeinander abgestimmt seien - in der Praxis ist das aber nicht spürbar. Sram hingegen propagiert den Mix ausdrücklich und preist sein "Eagle-Ecosystem" an.
Innerhalb der US- und Japan- 12-fach-Gruppen ist alles auf- und abwärts kompatibel. Zwar rät Shimano traditionell dazu, den Antrieb immer "gruppenrein" ans Bike zu schrauben, da die Komponenten dezidiert aufeinander abgestimmt seien. In der Praxis ist dies aber nicht spür- und messbar. Im Gegenteil, preiswerte Shimano-Gruppen profitieren eigentlich immer von einem partiellen Upgrade, speziell beim Schalthebel.
Sram propagiert den Mix sogar ausdrücklich und preist sein "Eagle-Ecosystem" an. Für unseren Umbau auf den kommenden Seiten hat uns Sram- Mann Max Topp einen auf den ersten Blick ungewöhnlichen Mix aus NX-Eagle-Kassette, GX-Eagle- Schaltwerk und -Kurbel, XO1-Eagle-Schalthebel sowie XX1-Eagle-Kette zusammengestellt. Begründung: "Die NX-Kassette passt auf den älteren Freilauf und ist sehr preisattraktiv, die GX-Kurbel ist robust, aber leicht und nicht zu teuer. Das GX-Schaltwerk eine top Performance für wenig Geld. Die X01-Trigger sind teurer, haben dafür aber ein super knackiges Schaltgefühl und individuell einstellbare Hebel. Auch die XX1-Kette ist nicht billig, sie zahlt sich aber dank Rostfreiheit und verbesserter Haltbarkeit schnell aus", so Topp.
Was kostet SRAM und Shimano?
Gar nicht so viel. Srams Einstiegsgruppe NX Eagle gibt es komplett im Internet schon ab rund 270 Euro. Für die wertigere, leichtere GX-Eagle-Gruppe sind 100 Euro mehr fällig, dazu kommt ggf. der Umbau auf den XD-Freilauf, den die GX-Kassette benötigt. Der für uns von Sram zusammengestellte "Ideal-Mix" für ältere Bikes würde im Onlineshop rund 410 Euro kosten.
Mit der eleganten SLX-1 x 12-Gruppe glückt der Einstieg bei Shimano auch schon ab circa 275 Euro im Internet-Handel. Dazu kommt der benötigte Micro-Spline-Freilaufkörper, der für eine DT-Swiss-Nabe zum Beispiel rund 50 Euro kostet.
Gibt es alternativen zu Shimano und SRAM?
Ja, die gibt es. Zwar hat die Newcomer-Firma Box ihr 12-fach-Projekt eingestellt und bietet stattdessen nun eine 1 x 9-Gruppe mit 455 Prozent Band- breite an, dafür gibt es ein spannendes Upgrade-Kit von E*thirteen. Das kostet online schlanke 250 Euro und wartet mit einer 9-46er-Kassette mit satten 511 Prozent Bandbreite auf. Benötigt wird eine "alte" Sram-1 x 11-Schaltung, die mit Hilfe diverser Schräubchen passend umgebaut wird. Dazu gibt es, wie bereits geschrieben, diverse Anbieter für Ketten und Kassetten, aber auch für Kurbeln und Kettenblätter. Letzteres macht bei Sram keinen Sinn, Shimano-Gruppen lassen sich etwa mit einer leichten Raceface-Kurbel aber durchaus veredeln.
Von E*thirteen kommt dieses preisattraktive Upgrade-Kit auf 1 x 12 Gänge mit 511 Prozent Bandbreite, das aber ein wenig Umbaumühen verlangt.
Können auch Technik- "Laien" 1 x 12- Schaltungen einstellen?
Aber sicher! Klar, die Abstände zwischen den Ritzeln sind klein, entsprechend penibel müssen äußerer und innerer Anschlag sowie die Zugspannung eingestellt werden - mit ein wenig Muße ist dies aber kein Problem. Bei 12-fach-Schaltwerken ist zudem der Ums...
Noch vor etwa zehn Jahren war der Umwerfer an sportlichen Rädern nicht wegzudenken. Gleichzeitig sorgte der vordere Bereich bei Kettenschaltungen immer wieder für Probleme. Besonders in Wettkämpfen zeichnete sich ab, dass dieser beim Versagen der Schaltung oft beteiligt war. Man muss natürlich kein Radprofi sein, um bereits von einer abgesprungenen Kette aufgehalten worden zu sein. Bei älteren Kettenschaltungen mit drei Kettenblättern klapperte die Kette im Gelände nicht nur ständig, sondern sprang oftmals ab oder verklemmte sich zwischen Kurbel und Rahmen.
Im Jahr 2012 schlug SRAM mit der Vorstellung der „SRAM XX1“ ein neues Kapitel auf. Der Hersteller verzichtete bei der neuen 1×11-Mountainbike-Schaltung auf einen Umwerfer und entwickelte ein spezielles Kettenblatt, das die Kette effektiv davon abhält, abzuspringen. Die nötige Bandbreite an Gängen wurde durch eine größere Kassette realisiert. Mit den 1×12 „Eagle“-Schaltgruppen perfektioniert SRAM diesen Ansatz und scheint sich zumindest im MTB-Sektor auf 1-fach-Schaltungen festgelegt zu haben.
Der Marktführer Shimano kam etwas später in die Gänge und stellte seine erste 1-fach-Gruppe im Jahr 2015 vor. Mittlerweile ist der beliebte Hersteller aus Japan aber wieder auf Kurs und bietet 1×12-Schaltgruppen auf Deore-, SLX-, Deore XT- und XTR-Level an. Bei vollgefederten Mountainbikes und E-Mountainbikes mit Mittelmotor führt kaum ein Weg an einer 1-fach-Schaltung vorbei. Besonders bei abfahrtsorientierten Bikes wie Enduro-MTBs überwiegen die Vorteile der 1x-Systeme.
Auch abseits vom Mountainbike gibt es Fälle, in denen eine 1-fach-Schaltung sinnvoll ist. Wer sich mit Cyclocross- oder Gravel-Bikes regelmäßig ins Gelände wagt, wird die geländegängigen 1-fach-Schaltungen von SRAM und Shimano schätzen lernen. Beide Hersteller bieten die Rennrad-Schaltungen aber nach wie vor auch mit Umwerfer (= 2-fach) an. Im Gegensatz zum Mountainbike überwiegen bei Rennrädern die Vorteile von lediglich einem Kettenblatt etwas weniger. Auf längeren Touren oder bei höheren Geschwindigkeiten sind die 2-fach-Antriebe mit ihrer größeren Anzahl an Gängen den 1-fach-Antrieben überlegen.
Ganganzahl und Übersetzungsbandbreite
Hervorzuheben ist dabei der Fakt, dass Ganganzahl nicht mit der Übersetzungsbandbreite gleichzusetzen ist. Letztere bezeichnet die Spanne zwischen dem schwersten und leichtesten Gang, welche bei einem MTB mit 11 Gängen durchaus die gleiche sein kann wie bei einem mit 30 Gängen. Die Ganganzahl ist dagegen einfach die rechnerische Anzahl an verfügbaren Gängen, die sich aus der Multiplikation der Kettenblätter vorne und der Ritzelanzahl hinten ergibt. Die Übersetzungsbandbreite ist logischerweise die wichtigere Größe, weswegen viele Hersteller immer mehr auf weniger Gänge und eine zum Teil noch höhere Übersetzungsbandbreite setzen.
Shimano vs. SRAM - MTB-Schaltungen im Detail
Im MTB-Bereich gibt es bei der Schaltung eigentlich häufig nur die Wahl zwischen Shimano und SRAM. Wir geben euch einen Überblick über die Technologien der beiden Konkurrenten und die Hierarchien der einzelnen MTB-Schaltgruppen.
Shimano Schaltgruppen im Überblick
Shimano ist aktuell der Marktführer in allen Fahrradsegmenten und hat das größte Portfolio an Schaltsystemen für den MTB-Bereich. Die meisten Gruppen wurden so entwickelt, dass sie sich auch kombinieren lassen, solange sie die gleiche Anzahl an Gängen besitzen. Die Schalthebel der japanischen Firma nutzen die Rapid Fire Technologie, welche über Daumen und Zeigefinger gesteuert werden. Die Technologie ermöglicht auch das Schalten mehrerer Gänge mit nur einem Druck. Die aktuellen Top-Gruppen sind die neue XTR M9100 sowie die XTR Di2.
- Tourney: Die billigste Gruppe im Shimano-Sortiment ist keine Mountainbike-spezifische Gruppe und wird sowohl bei Einsteiger-Hardtails als auch bei Freizeit-Rädern, Crossbikes und ATBs eingesetzt. Als Materialien kommen Stahl- und Plastik-Komponenten zum Einsatz. Grip Shift und 3x7 Gänge sind hier oft der Standard.
- Altus: Die Einsteiger-Gruppe von Shimano wird gelegentlich noch bei Budget-Mountainbikes eingesetzt, ist aber eigentlich wie die Tourney nicht wirklich für den Offroad-Einsatz geeignet. Man darf hier allerdings schon mit den Rapid Fire Shiftern und 3x7 bzw. 3x8 Gängen rechnen, die neueste Generation M2000 bietet sogar wie die höherwertigen Gruppen Acera und Alivio 3x9 Gänge, eine 11-36 Kassette und der bessere 40-30-22T Kurbelsatz sowie die Shadow RD-Technologie, die das Schaltwerk tiefer positioniert.
- Acera: Ebenfalls noch eine Einsteiger-Gruppe, aber schon mit 2x9 und 3x9 Gängen und vermehrtem Einsatz von leichten Aluminium.
- Alivio: Die Top-Gruppe in Shimanos Freizeit-Rad-Bereich ist die Alivio, die schon so einige Technologien und Features der speziellen MTB-Gruppen übernimmt. Einsteiger-MTBs und günstig ausgestattete Mountainbikes für Hobbyfahrer nutzen die geländetaugliche Alivio mit 3x9 Gängen. Die Komponenten bestehen aus noch höherwertigen Materialien, auf ein Clutch-System muss man allerdings verzichten.
- Deore: Die Shimano Deore Gruppe ist in dieser Liste die erste wirklich 100%ige MTB-Schaltgruppe und richtet sich an Neulinge genauso wie Fortgeschrittene. Die vielleicht beliebteste Schaltung übernimmt zahlreiche Features sowie das Design der höherklassigen Gruppen SLX und XT und kommt in der aktuellen Generation M6100 standardmäßig mit 12 Ritzeln hinten, wahlweise zwei oder drei Kettenblättern und der gleichen Übersetzungsbandbreite wie seine großen Brüder. Auch die Bremsen wurden in der neuesten Generation überarbeitet und bieten XT-Technoloie zum kleinen Preis. Außerdem mit dabei: Schaltwerk mit Clutch-Technologie. Die Deore in der Shadow-Ausführung hat ein Schaltwerk mit extrem minimierte Profil, was für exzessives Trail-Riding optimiert wurde. Wegen seiner flachen Bauform und der auf Einfach-Vorspannung beruhenden Konstruktion schlägt das Schaltwerk auch unter rauesten Bedingungen nicht an die Kettenstrebe.
- SLX: Die SLX ist das Mountainbike-Äquivalent zur 105 im Rennradbereich: Das Arbeitstier unter den MTB-Gruppen unterscheidet sich in der Ausstattung und den Features nur geringfügig von teureren Gruppen, wiegt dafür aber mehr. Die aktuelle Generation der SLX trägt den Zusatz M7100 und bekam einen neuen 12-fach Antrieb mit einer Bandbreite von 10-45 oder 10-51 Zähnen spendiert. Je nach Wunsch gibt es das RD-M7100-SGS Schaltwerk für 1-fach und RD-M7120-SGS für 2-fach-Schaltungen. Beide verfügen über die Shadow RD+ Technologie. Die SLX hat auch in der aktuellsten Version viele Features der teureren XT übernommen, dazu zählen die Hollowtech II Kurbeln, Dynamic Chain Engagement und die Hyperglide Kette. In Sachen Preis-Leistung definitiv die beste wahl für Mountainbiker mit kleinerem Budget.
- Zee: Die spezielle Downhill- und Freeride-Gruppe kostet ungefähr so viel wie die SLX und ist aktuell als 1x10 Schaltung erhältlich. Im Vergleich zur Einfach-SLX-Schaltung hat die Zee etwas an Beliebtheit verloren, doch die robusten Bremsen stehen aufgrund ihrer enormen Bremskraft immer noch hoch im Kurs.
- Deore XT: Nach der Deore wahrscheinlich die beliebteste MTB-Schaltgruppe. Die XT-Gruppe (häufig auch als Deore XT bezeichnet) liefert die erstklassige Performance im XTR-Format für weniger Geld und etwas mehr Gewicht und ist deshalb aus dem Segment der ambitionierten Mountainbike-Sportler nicht mehr wegzudenken. Die aktuelle Generation XT8100 kommt mit neuem 12-fach Antrieb mit einer Bandbreite von 10-45 oder 10-51 Zähnen, der HOLLOWTECH II Technologie und der sogenannten Dynamic Chain Engagement Technologie, die mit ihren abwechselnd breiteren und schmäleren Zähnen dafür sorgt, dass die Kette noch besser auf dem Kettenblatt gehalten wird.
- XT Di2: Die elektronische Version der XT nutzt elektronisch gesteuerte Servomotoren, um den Schaltvorgang direkt am Schaltwerk einzuleiten. Die Schaltvorgänge sind entsprechend präzise und blitzschnell, allerdings auf Kosten eines höheren Gewichts und natürlich eines höheren Preises. Weiterer Vorteil: Einmal richtig eingestellt, ist keine Nachjustierung mehr erforderlich. Die Ausstattung ist größtenteils die gleiche wie bei der mechanischen XT.
- XTR: Die Meisterklasse von Shimano hört auf den Namen XTR und besteht aus einer Mischung von Carbonteilen, Titan und hochwertigem Aluminium. So wird die perfekte Balance aus Zuverlässigkeit und Leichtigkeit erzeugt. Die XTR RapidFire Plus Schalthebel funktionieren dank innerer Lager noch smoother, Toleranzen sind bis auf ein Minimum heruntergeschraubt um maximale Performance zu gewährleisten. Preislich liegt die XTR deutlich über der XT, auch wenn die Schaltperformance und das Gewicht nur geringfügig besser sind. Die aktuellste Version aus dem Jahr 2018 protzt mit neuen Features: Neben der heiß ersehnten 1x12 XTR bietet die M9100 auch verbesserte Bremsen, neue Schalthebel.
SRAM NX Schaltgruppe
Sram launcht mit der NX eine neue Schaltgruppe. Noch nie soll 1×11-Antrieb so einfach und vor allem so erschwinglich gewesen sein. Im Teaser-Video bekommt ihr bereits einen Eindruck davon vermittelt, was die neue NX-Gruppe kann und für wen sie gemacht wurde. Auf den Start kommt es an. Egal ob du den Berg zum ersten Mal herausforderst oder als begeisterter MTB-Fahrer nach einem sorgenfreien 1x-Antrieb ohne Schnickschnack suchst, SRAM NX ist startklar und für alle Schandtaten bereit. NX bietet eine große Gangauswahl für mehr Einfachheit und Widerstandsfähigkeit, damit du dich auf das Wesentliche konzentrieren kannst: die bevorstehende Fahrt. Die SRAM NX-Kurbel bietet Höchstleistung zum kleinen Preis.
Verwandte Beiträge:
- Geschenkideen für Motorradfahrer: Die besten Präsente
- Wie schnell kann man mit einem Rennrad fahren? Geschwindigkeitsrekorde & Faktoren
- Laufen & Radfahren an einem Tag: Trainingsplan & Tipps
- E-Bike 2. Wahl reduziert: So einfach sparst du jetzt richtig!
- KIDIZ Laufrad Aufbauanleitung: Schritt-für-Schritt Tipps für den perfekten Zusammenbau
Kommentar schreiben