Der Steuersatz, auch Lenkkopflager genannt, ist die Verbindung aus Lagerschalen, Konussen und Kugellagern, die die Lenkbewegung der Gabel ermöglicht. Bei Fahrrädern werden meist schräglaufende Kugellager verwendet, die vorgespannt werden müssen. In der Handhabung mit den Lagern gibt es einige Feinheiten zu beachten, die bei falscher Herangehensweise immer wieder für Spiel oder hohen Verschleiß des Steuersatzes sorgen können.
Demontage des Steuersatzes
Um an die Steuersatzlager heranzukommen, musst du die Gabel deines Bikes ausbauen. Nachdem du das Vorderrad demontiert hast, solltest du entweder eine Möglichkeit finden, deine Gabel und den Lenker abzulegen, ohne die Bremsleitung oder Schaltzüge unter Zug zu setzen, oder die Vorderradbremse ebenfalls demontieren. Löse anschließend die Klemmschrauben deines Vorbaus und drehe die Schraube der Topcap komplett heraus. Nun kannst du die Gabel nach unten aus dem Steuerrohr ziehen.
Um an den Steuersatz heranzukommen, muss auch der Lenker gelöst werden.
Reinigung des Steuersatzes
Haben der Steuersatz und vor allem die Lager darin einige Matsch- oder Staubausfahrten erlebt, so sammelt sich gerne Schmutz an und kann zu nervigen Knarzgeräuschen führen. Die ganzen Einzelteile auseinanderzunehmen und gut zu reinigen und neu zu fetten, lässt den Steuersatz wieder geschmeidig drehen und verhindert Geräuschbildung. In seltenen Fällen sind die Steuersatzlager mit den Lagerschalen verpresst und können zum Reinigen und Fetten nicht herausgenommen werden.
Für das Reinigen der Einzelteile sind keine speziellen Reinigungsmittel notwendig. Ein paar Fetzen eines Baumwolllappens genügen, um Kugellager und Lagerschalen von festgesetztem Schmutz zu befreien. Falls sich doch hartnäckige Korrosionsrückstände festgesetzt haben, können diese vorsichtig mit feinem Schleifpapier entfernt werden. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, so wenig Material wie möglich von den Lagerschalen abzuschleifen.
Schmieren des Steuersatzes
Damit rau laufende Kugellager wieder gängig werden, müssen die Laufflächen und Kugeln im Inneren der Lager gereinigt und geschmiert werden. Am besten entfernst du die Dichtungen der Kugellager mit einem sehr kleinen und spitzen Schraubenzieher oder der Spitze eines Cutter-Messers. Bei starker Verschmutzung kann man das Lager mit Reinigern wie WD-40 oder Karamba ausspülen.
Nachdem alles gereinigt ist, werden die Lager mit neuem Fett gefüllt und auch die Lagersitze mit einem dünnen Fettfilm geschmiert. Als Lagerfett empfehlen wir ein sehr zähes und möglichst wasserabweisendes Fett wie beispielsweise das Dura Ace Spezialfett von Shimano.
Einstellen des Steuersatzes
Das Einstellen eines Steuersatzes ist eine Sache von Feingefühl. An Fahrradsteuersätzen werden zwar meist Schrägkugellager verwendet, die etwas mehr Seitenkraft vertragen als herkömmliche Kugellager, aber trotzdem ist ein zu hohes Drehmoment der Vorspannschraube ein Killer für jeden Steuersatz.
Den Steuersatz richtig vorspannen
Um den Steuersatz richtig vorspannen zu können, müssen die Schrauben des Vorbaus gelockert sein. Die richtige Vorspannung ist dann erreicht, wenn sich der Steuersatz leichtgängig drehen lässt, jedoch kein Spiel im Lager zu spüren ist. Um das zu prüfen, ziehe die Vorderradbremse an, lege einen Finger auf den Spalt zwischen Topcap und Rahmen und schiebe dein Bike ein wenig vor und zurück. Spürst du Bewegung zwischen der Topcap und dem Rahmen, ist der Steuersatz zu wenig vorgespannt oder die Lager sind verschlissen. Mit einem lockeren Steuersatz klappert das Bike vor allem auf ruppigen Trails oder beim Anbremsen unangenehm. Das Lagerspiel lässt sich ohne Spezialwerkzeug und in weniger als fünf Minuten beheben.
Egal, wie akkurat ein Steuersatz montiert wird oder wie hochwertig er ist: Von Zeit zu Zeit lockert er sich. Je mehr und je heftiger ein Mountainbike bergab bewegt wird, desto kürzer sind die Service-Intervalle. Regelmäßige Checks sind wichtig, denn, wenn die Federgabel beim Anbremsen zu schlagen beginnt oder Klappergeräusche aus der Nähe des Steuerrohrs kommen, ist es manchmal schon zu spät.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Nachstellen des Steuersatzes
- Ob der Steuersatz locker ist, kann man überprüfen, indem man die Vorderradbremse mit der linken Hand zieht und das Bike bei gezogener Bremse im Stand leicht vor- und zurückbewegt. Während das Bike auf der Stelle vor- und zurückwippt, überprüft man mit der rechten Hand,ob der Steuersatz Spiel hat. Das Spiel kann am oberen oder unteren Lager auftreten.
- Wenn klar ist, dass der Steuersatz Spiel hat, folgt der nächste Arbeitsschritt: Die Schrauben, mit denen der Vorbau am Gabelschaft geklemmt wird, so weit lockern, dass sich der Vorbau samt Lenker leicht auf dem Gabelschaft drehen lässt. Oft reicht dazu eine Umdrehung pro Schraube.
- Das Lagerspiel wird mit der Schraube in der Mitte der Steuersatzkappe eingestellt. Je weiter man die Schraube nach rechts eindreht, desto geringer wird das Lagerspiel. Beim Einstellen gefühlvoll vorgehen - die Schraube dient nur der Justage! Eine Viertelumdrehung reicht oft aus, um das Spiel zu beheben. Sobald der Steuersatz kein Spiel mehr hat, die Schraube nicht weiter anziehen.
- Bevor der Vorbau endgültig festgezogen wird, kurz das Vorderrad anheben und überprüfen, ob der Steuersatz noch frei läuft. Läuft der Steuersatz rau, hat man die Schraube zu fest gedreht, oder die Lager sind verschlissen. Läuft der Steuersatz frei, den Vorbau mittig ausrichten und wieder festschrauben.
Arten von Steuersätzen
Die beiden Kugellager sitzen am oberen und unteren Ende des Steuerrohres. Für die Einstellung des Lagerspiels sowie die Anbindung zwischen Gabelschaft und Vorbau gibt es dabei im Wesentlichen zwei verschiedene konstruktive Konzepte:
- Gewinde-Steuersatz (Vorbau mit Klemmkeil steckt im Gabelschaft, der Gabelschaft trägt ein Außengewinde für obere Lagerschale und Kontermutter)
- Ahead-Steuersatz (Einschlagkralle mit Gewinde steckt im Gabelschaft, Spanndeckel mit Spannschraube zur Einstellung des Lagerspiels, Vorbau-Klemmung auf dem Gabelschaft per Inbus-Schrauben)
Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile: Der Gewinde-Steuersatz lässt eine nahezu unbegrenzte Anpassung der Lenkerhöhe über den Vorbau zu, aber es existieren verschiedene Gabelschaft- Durchmesser und Gewinde-Dimensionen. Außerdem benötigt man zwei große, schwere Gabelschlüssel mit Schlüsselweite 32 oder 36 mm.
Der Ahead-Steuersatz ist leichter einzustellen und erfordert kein besonderes Werkzeug, sondern lediglich einen Standard-Inbusschlüssel. Dafür lässt sich der Lenker in der Höhe über den Vorbau nur in sehr geringem Maße verstellen. Benötigt man dennoch mehr Höhe, hilft ein Vorbau-Adapter.
Demontage, Wartung und Montage beim Gewinde-Steuersatz
- Vorderrad und vorderes Schutzblech demontieren (das erleichtert die folgenden Handgriffe)
- Vorbau-Spannschraube lösen per Inbusschlüssel (nur wenige Gewindegänge)
- Klemmkeil im Gabelschaft lösen durch einen kräftigen Schlag mit dem Gummihammer auf die Spannschraube
- Vorbau samt Lenker aus Gabelrohr/Steuerrohr herausziehen und seitlich hängen lassen (die Bowdenzüge für Schaltung und Bremsen bleiben montiert, aber Kabel von Beleuchtung oder Tacho müssen unter Umständen gelöst werden vor dem Herausziehen)
- Mit den passenden Gabelschlüsseln (32 oder 36 mm) Kontermutter auf dem Steuerrohr am Rahmen gegen die darunter liegende Lagerschale lösen und abnehmen
- Zwischenscheibe entnehmen
- Fahrrad jetzt am besten flach hinlegen und unter dem Steuerrohr ein großes Tuch ausbreiten, um die Lagerkugeln aufzufangen, falls diese nicht in einem Kugelkäfig gehalten sein sollten
- Obere Lagerschale abschrauben (per Gabelschlüssel und per Hand). Dabei darauf achten, dass keine Lagerkugeln verloren gehen.
- Kugeln bzw. Kugelkäfig entnehmen
- Gabel aus dem Steuerrohr des Fahrradrahmens herausziehen. Auch hierbei wieder aufpassen, dass keine losen Kugeln verloren gehen.
- Kugeln bzw. Kugelkäfig aus dem unteren Steuerlager entnehmen
- Lagerkugeln, Konen und Lagerschalen reinigen und nach Beschädigungen auf der Kugellauffläche suchen
Sind Kerben in den Laufflächen zu erkennen, ist möglicherweise ein Austausch erforderlich. Dazu siehe weiter unten. Sind die Kugeln beschädigt, müssen sie ausgetauscht werden. Sind keine Beschädigungen erkennbar, fettest du Kugeln und Lagerschalen und montierst alles wieder in korrekter Reihenfolge. Dabei schraubst du obere Lagerschale und Kontermutter lediglich handfest.
Als Lagerfett für den Steuersatz empfehlen wir ein hochwertiges, lithiumverseiftes Wälzlagerfett. Achte aber darauf, dass das Gewinde am Gabelschaft nicht mit Wälzlagerfett benetzt ist, sonst werden sich obere Lagerschale und Kontermutter immer wieder von selbst lösen.
Zum Abschluss wird das Lagerspiel im Steuersatz korrekt eingestellt. Dafür muss allerdings der Vorbau samt Lenker wieder montiert, ausgerichtet und festgezogen sein.
Einstellung Gewinde-Steuersatz
- Drehe die obere Lagerschale leicht fest, ziehe mit den beiden Gabelschlüsseln die Kontermutter gegen die obere Lagerschale fest an und teste dann das Lagerspiel:
- Stelle das Vorderrad quer, halte die Vorderradbremse gezogen. Wippe das Fahrrad nun vor und zurück und erfühle dabei mit der Hand am unteren Steuerlager, ob Lagerspiel zwischen unterer Lagerschale und Steuerrohr existiert.
- Hebe das Rad vorne an, sodass das Vorderrad keinen Kontakt mehr zum Boden hat. Schwenke nun den Lenker langsam nach links und rechts. Die Drehungen müssen ohne Widerstand oder Bremseffekte vonstattengehen. (Berücksichtige hierbei, dass die Bowdenzüge unter Umständen als Widerstand wirken und die freie Drehung behindern können)
Perfekt eingestellt ist der Steuersatz, wenn:
- Kein Lagerspiel erfühlbar ist
- Die Drehbewegungen des Lenkers nicht abgebremst werden.
Ist der Steuersatz zu fest oder zu lose eingestellt, musst du die Kontermutter wieder lösen, an der oberen Lagerschale in entsprechender Richtung nachstellen und die Kontermutter dann wieder gegen die obere Lagerschale festziehen. Die Verbindung zwischen Vorbau und Gabelschaft musst du dafür nicht mehr lösen. Diese Verbindung hat nichts mit dem Steuersatz zu tun.
Erfahrungsgemäß benötigt es nur wenige Wiederholungen dieser Prozedur, bis der Steuersatz perfekt eingestellt ist.
Demontage, Wartung und Montage beim Ahead-Steuersatz
- Löse per Inbusschlüssel die Vorbau-Klemmung
- Löse per Inbusschlüssel die Spannschraube im Spanndeckel und drehe sie heraus
- Entnehme Vorbau samt Lenker sowie alle Spacer und achte auf die Ablage in richtiger Reihenfolge, damit du am Ende bei der Montage wieder fehlerfrei zusammenbaust.
Der weitere Ablauf bei Demontage, Reinigung, Prüfung auf Schäden und Montage der Einzelteile ist im Prinzip identisch mit dem oben beschriebenen Ablauf beim Gewinde-Steuersatz.
Für die Einstellung des Lagerspiels sollte der Vorbau samt Lenker wieder vormontiert und die Spannschraube samt Spanndeckel aufgeschraubt sein.
Einstellung Ahead-Steuersatz
Ziehe zuerst die Spannschraube mit Gefühl an und ziehe erst danach die Vorbau-Klemmung fest. Verfahre nun mit der Prüfung des Lagerspiels wie oben beschrieben (beim Gewinde-Steuersatz, Schritte 1 und 2). Hat der Steuersatz zu viel oder zu wenig Spiel, löse zuerst die Vorbau-Klemmung und korrigiere dann über die Spannschraube das Lagerspiel in die erforderliche Richtung. Schraube die Vorbau-Klemmung danach wieder fest und wiederhole die Prüf-Prozedur (Schritte 1 und 2). Auch beim Ahead-Steuersatz tastest du dich also in der Regel über mehrere Korrekturschleifen an die perfekte Lagereinstellung heran.
Tipps für die regelmäßige Inspektion
Weil der Austausch beschädigter Konen und Lagerschalen beim Steuersatz relativ aufwändig ist und teures Spezialwerkzeug erfordert (siehe weiter unten), ist es ratsam, die Einstellung des Lagerspiels von Zeit zu Zeit zu kontrollieren. Das ist schnell erledigt (Schritte 1 und 2, siehe oben) und erspart dir den vorzeitigen Ausfall.
Wenn dein Fahrrad häufig dem Regen ausgesetzt wird, lohnt sich auch ab und zu eine vollständige Wartung am Steuersatz: zerlegen, reinigen, fetten, montieren.
Umgang mit den aufgepressten Konen bzw. Lagerschalen
Die Presspassung der auf- bzw. eingepressten Lagerschalen garantiert im Betrieb eine sichere Verbindung und eine sauber fluchtende Positionierung, erfordert aber bei Montage und Demontage spezielles Werkzeug, um ein Verkanten zu verhindern. Im Rahmen der oben beschriebenen Wartung am Steuersatz ist die Demontage dieser aufgepressten Bauteile nicht erforderlich. Doch bei Schäden an den Lagerschalen kann ein Austausch dieser Bauteile notwendig werden.
Umbau von Gewinde-Steuersatz auf Ahead-Steuersatz
Wer an einem älteren Fahrrad vom historischen Gewinde-Steuersatz auf das neuere Ahead-System umrüsten will (aus welchen Gründen auch immer), hat folgende Möglichkeiten:
- Entweder du benötigst eine neue Gabel mit längerem Gabelschaft, denn die Höhe des Lenkers wird beim Ahead schließlich über die Spacer und den längeren Gabelschaft erreicht und nicht über den mehr oder weniger langen Schaft am Vorbau.
- Alternativ kannst du aber auch einen Ahead-Adapter nutzen. Er besitzt die Innenklemmung per Klemmkeil (wie der Vorbau für Gewinde-Steuersätze) und nimmt am oberen Ende den Ahead-Vorbau auf.
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