Motorroller erfreuen sich großer Beliebtheit, besonders in Innenstädten, wo immer mehr Menschen jeden Alters diese praktische motorisierte Alternative auf zwei Rädern für sich entdecken. Doch ist alles erlaubt, was im Alltag geduldet wird? Eine häufig gestellte Frage ist, ob das Musikhören auf dem Roller erlaubt ist.
Allgemein gilt: Die Aufmerksamkeit, in diesem Fall das Gehör, darf während der Fahrt nicht beeinträchtigt werden. Die Sicherheit der eigenen Person sowie der anderen Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer steht stets an erster Stelle. Warnsignale und Verkehrsgeräusche müssen für den Rollerfahrer immer zu hören sein.
Gesetzliche Grundlagen und Empfehlungen
In § 23 Abs. 1 StVO steht: Dein Gehör darf im Straßenverkehr nicht durch technische Geräte beeinflusst werden. Kopfhörer sind aber grundsätzlich nicht verboten. Es kommt immer auf die Lautstärke und die mögliche Ablenkung an.
Die Straßenverkehrsordnung (StVO) schreibt vor, dass weder Sicht noch Gehör beim Führen eines Fahrzeugs eingeschränkt sein darf. Das gilt sowohl für Rad- als auch für Autofahrer. Bei Kopfhörern kommt es also darauf an, wie laut die Musik aufgedreht ist. Und ob Sie Ihr Gehör auch bei leiserer Musik beeinträchtigen. Auch die Ablenkung spielt eine Rolle.
„Generell sollte man im Straßenverkehr auf Kopfhörer verzichten“, rät Prof. Dr. Günther Rötter. Er lehrt Musikwissenschaft an der Technischen Universität Dortmund und setzt sich unter anderem mit der Anatomie (dem Aufbau und der Funktion) des Ohres auseinander. Außerdem gilt Prof. Rötter als Experte für Musikhören und Verkehrssicherheit.
Risiken und Gefahren
Musik deckt viele verschiedene Frequenzen ab. Der Maskierungseffekt entsteht praktisch über den gesamten Hörbereich“, sagt der Wissenschaftler. Das heißt, Musik überlagert fast alle Außengeräusche. Dabei kommt es aber natürlich auf die Lautstärke an.
Das bedeutet: Erkennt das Ohr zwei ähnliche Töne, wird der eine Ton vom anderen übertönt. Leisere Geräusche werden nicht mehr wahrgenommen. Nutzt du also Kopfhörer im Straßenverkehr, übertönt die Musik den Verkehrslärm. Überhörst du so den Bus oder die Straßenbahn, kann das schlimme Folgen haben.
Der sogenannte Auditory Bubble Effect von Michael Bull stellt eine Art Blase dar, in die sich Menschen beim Musikhören zurückziehen. Sie bekommen von den Außengeräuschen immer weniger mit und sind quasi in ihrer eigenen Welt. Das bedeutet, beim Musikhören wird nicht mehr auf die Umgebung geachtet und die Gedanken schweifen ab.
Mit Kopfhörern im Straßenverkehr kannst du aber nicht nur wichtige Signale überhören, du reagierst auch langsamer. Das bedeutet, du kannst einem Hindernis vielleicht nicht mehr rechtzeitig ausweichen.
Konsequenzen bei Verstößen und Unfällen
Hörst du wegen lauter Musik das Hupen anderer Verkehrsteilnehmer oder die Sirenen von Polizei und Feuerwehr nicht mehr, gefährdest du die Verkehrssicherheit. Das ist eine Ordnungswidrigkeit und du musst 10 Euro Strafe zahlen. Das Verwarnungsgeld von 10 € ist bei einem Verstoß recht milde.
Bist du mit dem Auto in einen Unfall verwickelt und hast Kopfhörer getragen, bekommst du normalerweise eine Mitschuld. Deine Kfz-Haftpflichtversicherung kann nur einen Teil des Schadens, der Dritten entstanden ist, bezahlen. Den Rest musst du in dem Fall selbst übernehmen.
Verursachst du beim Autofahren mit Kopfhörern einen Unfall, bekommst du eine Mitschuld. In dem Fall übernimmt deine Kfz-Versicherung möglicherweise nur einen Teil der Reparaturkosten. Außerdem kann es passieren, dass Ihre Kfz-Haftpflichtversicherung einen Teil des Schadensersatzes für den Unfallgegner von Ihnen zurückfordert.
Deine Teilkasko- oder Vollkaskoversicherung zahlt bei einem Unfall die Reparaturkosten für dein Fahrzeug möglicherweise nicht. Denn viele Versicherungen stufen das Fahren mit Kopfhörern im Straßenverkehr als grob fahrlässig ein und übernehmen gar keine Kosten oder nur einen Teil der Summe. Und möglicherweise bleiben Sie auf Ihren Reparaturkosten sitzen. Denn die Kaskoversicherung kann Ihr Verhalten als grob fahrlässig bewerten.
Nutzt du Kopfhörer auf dem Fahrrad, bekommst du normalerweise eine Teilschuld. Bei schweren Unfällen kann dir sogar die volle Schuld zugesprochen werden. Du verlierst so deinen Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz.
Empfehlungen für Rollerfahrer
In moderater Lautstärke sind Hör- und Sprechvorrichtungen, zum Beispiel im Helm, zwar erlaubt. Sollte es jedoch zu einem Unfall kommen, ist es allerdings meist schwierig nachzuweisen, dass die Musik den Fahrer oder die Fahrerin nicht abgelenkt hat.“ Bei Lautsprechern ist zusätzlich zu beachten, dass sich keine weitere Person durch die Lautstärke der Musik belästigt fühlen darf.
Tipp: Untersuchungen haben gezeigt, dass vor allem Muschelkopfhörer sowie In-Ear-Kopfhörer - diese sind mit einem Polster versehen und werden in die Ohren gesteckt - besonders risikobehaftet sind. Eine schalldurchlässigere Variante, und damit empfehlenswerter für Biker, sind Half-In-Ear-Earphones.
Alternativen und rechtliche Grauzonen
Es ist auch erlaubt, beim Autofahren über eine Freisprecheinrichtung oder mit Kopfhörern zu telefonieren. Dabei gelten dieselben Regeln wie beim Musikhören. Du darfst dich durch das Gespräch nicht ablenken lassen und so Signale im Straßenverkehr überhören.
Auch wenn Roller durch ihre Wendigkeit und Flexibilität praktisch sind, müssen Fahrerinnen und Fahrer vor allem im Stadtverkehr aufpassen und einige Regeln beachten. So ist oft im Stau oder an einer roten Ampel die Versuchung groß, sich durch die Reihe der wartenden Fahrzeuge zu schlängeln, um die Fahrt schneller fortzusetzen. Aber Achtung - das ist verboten. Auch wenn der wendige Roller durch die Lücken zu passen scheint, kann das gedrängte Überholen schnell zu einer unübersichtlichen und gefährlichen Verkehrssituation führen.
Beim Parken gilt: geduldet ist nicht gleich erlaubt. In vielen Fällen wird zwar ein Auge zugedrückt, aber grundsätzlich ist das Abstellen des Rollers auf dem Bürgersteig nicht gestattet. Selbst beim Parken auf breiten Gehsteigen müssen Rollerfahrerinnen und -fahrer mit einem Bußgeld rechnen.
Verwandte Beiträge:
- Moped fahren und Musik hören: Diese Regeln musst du unbedingt kennen!
- Musik beim Motorradfahren: Die besten Gadgets & Tipps
- Motorrad fahren & Musik hören: Ist das erlaubt?
- Bosch Performance Line SX im Test: Warum dieser E-Bike-Motor alle Grenzen sprengt!
- Motocross Helm Testsieger: Die besten Modelle im Vergleich – Beratung & Top-Preise entdecken!
Kommentar schreiben