Motorradfahren und Musik hören in Deutschland: Was ist erlaubt?

Ob auf dem Weg ins Büro oder in der Freizeit: Unterwegs Musik oder Audiobooks zu hören, entspannt und sorgt für gute Laune. Am besten ist der Sound natürlich mit Kopfhörern. Doch was ist, wenn du Kopfhörer unter dem Motorradhelm nutzen möchtest? Was erlaubt ist und was du beachten solltest, erfährst du hier.

Allgemeines zu Kopfhörern im Straßenverkehr

Ganz gleich, ob du mit dem Auto, dem Motorrad oder dem Fahrrad unterwegs bist: Die Benutzung von Kopfhörern ist während der Fahrt nicht grundsätzlich verboten. Zunächst gelten in Deutschland ähnliche Regeln wie für Fahrradfahrer: Das Fahren mit Kopfhörern ist nicht grundsätzlich verboten, allerdings tragen Sie als Fahrer laut § 23 Abs. 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO) die Verantwortung dafür, dass Ihr Gehör nicht zu stark beeinträchtigt ist. Österreich und die Schweiz halten es ähnlich.

Außerdem wird in StVO § 23 Absatz 1a ergänzt, dass ein elektronisches Gerät nicht in die Hand genommen und gehalten werden darf. Sind diese Bedingungen erfüllt, darfst du Kopfhörer prinzipiell verwenden. Das bedeutet etwa, dass die Lautstärke nicht so hoch sein darf, dass sie die Umgebungsgeräusche übertönt. Außerdem muss sich beispielsweise das Smartphone in einer Halterung befinden.

Allerdings ist von Kopfhörern im Straßenverkehr trotzdem abzuraten. Grundsätzlich tabu sind im Straßenverkehr natürlich Kopfhörer mit eingeschalteter Geräuschunterdrückung.

Kopfhörer unter dem Motorradhelm

Auf motorisierten Zweirädern gilt im Prinzip genau das Gleiche wie beim Autofahren. Hierzulande dürfen Sie auf dem Motorrad ein Headset verwenden, sofern es das Gehör nicht so beeinträchtigt, dass Sie andere Kfz und wichtige Signale im Straßenverkehr überhören. Die wichtigsten Regeln: Verwende Kopfhörer, die Außengeräusche wenig abschirmen, und stelle die Lautstärke niedrig ein.

Ein mögliches Bußgeld stellt aber nicht das einzige Risiko dar - und auch nicht das größte: Trägst du Kopfhörer unter dem Motorradhelm, wird es bei einem Unfall problematisch.

Bei Fahrten nach Frankreich und Spanien müssen Sie jedoch auf das Headset verzichten, dort ist Auto-, Fahrrad- und Motorrad-Fahrern das Tragen von Kopfhörern nämlich untersagt. In Portugal dürfen Sie einen Knopf im Ohr tragen - aber eben nur einen und nicht zwei.

Motorrad-Headsets und Kommunikationssysteme

Die Fahrt ist viel zu laut, um sich ohne Headset zu verständigen, doch die normale Kombination aus Kopfhörer und Lautsprecher hat unter dem Helm kaum Platz. Die Lösung lautet entweder Motorrad-Headset oder Intercom. Eine Test-Fahrt kann Ihnen helfen herauszufinden, was Ihnen besser liegt.

Es gibt verschiedene Kommunikationssysteme für Motorradfahrer. Zunächst sollten Sie ein normales Motorrad-Headset einem Test unterziehen. Es lässt sich am Helm befestigen oder ist direkt in diesen integriert. Um sich während der Tour mit anderen Fahrern zu verständigen, nutzen Sie die Motorrad-Gegensprechanlage.

Mit letzterer können Sie während der Tour mit anderen Motorrad-Fahrern kommunizieren und z. B. die Route oder die nächste Pause planen.

Wichtige Kriterien für Motorrad-Headsets:

  • Reichweite: Gute Modelle versprechen eine stabile Verbindung auf bis zu 2.000 Meter Entfernung.
  • Anzahl der vernetzten Personen: Je nach Kommunikationssystem können Sie sich mit vier bis acht Personen vernetzen.

Achtung: Witterungsverhältnisse oder bestimmte Bedingungen in der Umgebung (z. B. Mauern) können die Verbindung beeinträchtigen, selbst wenn das Bluetooth-Headset oder der Helmfunk auf dem Motorrad beim ersten Test noch gut funktioniert hat.

Da es verschiedene Modelle bzw. Kommunikationssysteme gibt, machen Sie am besten selbst den Test. Welches Headset sich zum Motorrad-Fahren eignet, erklären wir im Ratgeber. Eine Übersicht bestimmter Modelle finden Sie hier.

Für die Kommunikation mit anderen Motorrad-Fahrern ist vor allem die Reichweite relevant. Weitere Kriterien erfahren Sie mit einem Klick hier.

Sicherheitsaspekte und rechtliche Folgen

Solltest du einen Unfall verursachen und die Polizei der Meinung sein, dass die Musik über Kopfhörer dich zu sehr abgelenkt hat, bekommst Du eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Trägst du Kopfhörer unter dem Motorradhelm, wird es bei einem Unfall problematisch. Sofern sich aber ein Unfall ereignet, weil Sie aufgrund der lauten Musik z.B. nicht oder nicht rechtzeitig bremsen konnten, kann sich dies auf die Schuldfragen auswirken und u.U. dazu führen, dass Ihnen ggf. eine Teilschuld zugesprochen wird. Falls Sie aufgrund der lauten Musik Signale von Polizei, Feuerwehr oder Rettungswagen nicht hören, so wird ein Bußgeld fällig.

Kopfhörerarten und ihre Eignung

Tipp: Untersuchungen haben gezeigt, dass vor allem Muschelkopfhörer sowie In-Ear-Kopfhörer - diese sind mit einem Polster versehen und werden in die Ohren gesteckt - besonders risikobehaftet sind. Eine schalldurchlässigere Variante, und damit empfehlenswerter für Biker, sind Half-In-Ear-Earphones.

Mit großen Muschelkopfhörern (links) bekommst du Außengeräusche kaum mit. Earbud-Kopfhörer (rechts) werden direkt in den Gehörgang eingeführt und dichten das Ohr komplett ab. Für sogenannte Earbud-Hörer gilt dasselbe. Sie werden direkt in den Gehörgang eingeführt und dichten alles ab“, erklärt Prof. Dr. Günther Rötter. Muschelkopfhörer mit einem schalldurchlässigen Ohrkissen und Half In-ear Earphones, die locker in die Ohrmuschel eingehängt werden, lassen mehr Außengeräusche durch.

Kopfhörer bei anderen Verkehrsteilnehmern

Besonders hoch ist die Gefahr durch zu laute oder abschirmende Kopfhörer, wenn du mit dem Fahrrad unterwegs bist. Wie Motorradfahrer hast du keine Knautschzone. Gleichzeitig bist du langsamer und wirst leichter übersehen. Umso wichtiger ist es, selbst die Umgebung ungestört zu erfassen - und Kopfhörer können dabei hinderlich sein.

Bist du zu Fuß unterwegs, kommt es stark auf die Umgebung an. In einer verkehrsreichen Innenstadt bergen Kopfhörer ein vergleichsweise großes Risiko. Anders sieht es etwa in einem Park aus, in dem weder Autos noch Motorräder fahren. Sei dir allerdings bewusst, dass du zum Beispiel beim Joggen durch die Kopfhörer das Klingeln von Radfahrern schlechter hörst. Die Lautstärke sollte auch hier keinesfalls zu hoch sein. Übrigens: Hier liest du mehr zu Kopfhörern für Sport & Fitness.

Gesetze im Ausland

Das Tragen von Kopfhörern im Urlaub - beispielsweise beim Wandern, Radfahren oder beim Autofahren in fremden Ländern - sollte nur unter Berücksichtigung der örtlichen Gesetze erfolgen. In Österreich und der Schweiz gelten ähnliche Regelungen wie in Deutschland. Das Tragen von Kopfhörern ist grundsätzlich erlaubt, stellt jedoch einen Verstoß gegen geltendes Recht dar, sobald die körperliche und geistige Verfassung des Fahrzeugführers beeinträchtigt wird.

Andere Länder verbieten das Tragen von Kopfhörer im Straßenverkehr gänzlich. So zum Beispiel Frankreich, hier werden bei der Nutzung 135 Euro fällig.

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