Motorrad-Headsets im Test: Entertainment und Kommunikation auf zwei Rädern

Motorrad-Headsets sind längst mehr als nur Kommunikationsmittel. Sie dienen als Radio, Navigationssystem, Musik-Player und sogar als Schnittstelle für Actioncams. In diesem Artikel finden Sie eine Übersicht der besten Motorrad-Headsets, basierend auf Käuferbewertungen, Tests und Preis-Leistungs-Tipps aus Fachmagazinen.

Wer zu zweit mit dem Motorrad unterwegs ist, muss sich ab und an zwangsweise absprechen - und sei es nur, um den weiteren Routenverlauf zu klären. Doch Zeichensprache ist in dieser Hinsicht nicht immer eindeutig und für komplexere Erklärungen nun wahrlich ungeeignet, von der Ablenkungsgefahr einmal ganz abgesehen. Eine Gegensprechanlage kann hier wertvolle Dienste leisten. Deren Verkabelung kann aber auch ganz schön lästig sein, weshalb Bluetooth-Systeme auf dem Vormarsch sind.

Wichtige Aspekte bei der Auswahl eines Motorrad-Headsets

Beim Kauf eines Bluetooth-Motorrad-Headsets sollten Sie auf folgende Aspekte achten:

  • Klangqualität und Geräuschunterdrückung: Für klare Kommunikation bei hohen Geschwindigkeiten ist eine effektive Geräuschunterdrückung unerlässlich.
  • Akkulaufzeit: Achten Sie auf eine lange Akkulaufzeit, die für Ihre geplanten Fahrten ausreicht. Gute Systeme schaffen derzeit neun bis zwölf Stunden Nutzungszeit.
  • Kompatibilität: Stellen Sie sicher, dass das Headset mit Ihrem Helm und anderen Geräten (Smartphone, GPS) kompatibel ist.
  • Bedienbarkeit: Eine einfache Bedienung, idealerweise auch mit Handschuhen, ist wichtig.
  • Nutzungskomfort: Die Headsets sollten möglichst flach gebaut sein und teils sogar in Helme integriert werden, was ein Abreißen des Headsets beim Abnehmen des Helms verhindert.

Dabei sollte allerdings nicht allzu mit dem Geld geknausert werden, denn gerade Bluetooth-Gegensprechanlagen unterscheiden sich gravierend hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit und ihrem Bedienkomfort. Zwar gibt es bereits Modelle für Preise um 30 Euro herum, doch die ermöglichen selten mehr als eine schlichte Sprachverbindung von ausgesprochen fragwürdiger Qualität. Wer bei Produkten jenseits von 100 Euro sucht, dürfte dagegen eine fast perfekte Sprachqualität erwarten, denn in diesem Preissegment sind Rausch- und Störgeräuschefilter mittlerweile Standard.

Dynamische Filteranpassung

Dabei passen sich die Filter teils sogar dynamisch dem Fahrtwind an. Das hat zum Vorteil, dass die Sprache ebenfalls weniger stark unter dem Filter leidet und damit klarer und emotionaler klingt. So können bei langsamer Fahrt selbst Stimmungsnuancen verstanden werden, wohingegen bei schneller Fahrt der Filter aggressiver agiert und damit die Sprachverständlichkeit aufrecht erhält - aber eben auf Kosten von übertragenen Emotionen.

Reichweite

Bei der Reichweite können aktuell rund 250 bis 300 Meter erwartet werden, die von Herstellern oft beworbenen 500 Meter sind dagegen reine Illusion, selbst bei Topmodellen.

Luxusmerkmale

Wer sich bei Modellen in der Region jenseits von 200 Euro umsieht, wird zudem mit Luxusmerkmalen wie beispielsweise einer Sprachsteuerung belohnt.

Testergebnisse im Überblick (2024)

AUTO BILD hat fünf aktuelle Modelle aus verschiedenen Preisklassen getestet. Alle Geräte lassen sich problemlos mit dem Smartphone koppeln - auch für Technik-Laien kein Problem. Im Alltagstest funktionierten alle Modelle zuverlässig, Navigation, Musik und Anrufe liefen reibungslos.

Die vom Hersteller angegebenen Distanzen von 1,2 bis 2 Kilometern für Intercom-Verbindungen erwiesen sich als überambitioniert. In der Praxis lag die stabile Reichweite meist nur bei 200 bis 600 Metern - abhängig vom Gelände, Helmtyp und anderen Störfaktoren. Besonders bei Carbonhelmen sinkt die Reichweite.

Je nach Modell halten die Headsets zwischen 10 und 20 Stunden durch - genug für einen ausgedehnten Tag auf zwei Rädern.

Testsieger: Sena 50R

Das 50R zählt zu den Topmodellen und überzeugt durch einfache Handhabung über drei große, leicht zu ertastende Schalter. Ein Knopfdruck auf den mittleren Taster "Hey Sena" - und schon ist das Gerät per Sprachsteuerung bedienbar. Die Harmann-Kardon-Lautsprecher begeistern auch bei hoher Lautstärke mit einem ausgewogenen Verhältnis von Höhen und Tiefen. Die Advanced Noise Control reduziert sämtliche Hintergrundgeräusche während der Intercom-Kommunikation. Ein Benutzerhandbuch muss aus dem Netz heruntergeladen werden. Unterm Strich ist das Sena 50R ein tolles Gerät mit einem stattlichen Anschaffungspreis - unser Testsieger.

Preis-Leistungs-Sieger: Albrecht BPA 600

Das BPA 600 des deutschen Herstellers Albrecht sieht schick aus, bietet alle wesentlichen Funktionen - und es ist günstig. Das Gerät verfügt über ein integriertes, zentral zu steuerndes FM-Radio, es unterstützt Smartphones mit Sprachsteuerung (Siri/Ok Google) und baut bis zu zwei parallele Verbindungen gleichzeitig auf, etwa Navi und Telefon. Grundsätzlich kann das Albrecht-Headset seinen günstigen Preis nicht verbergen. Die vier kleinen Taster lassen sich erst nach einiger Gewöhnung zuverlässig bedienen und wirken wackelig, die Lautsprecher sind scharfkantig, die Kabel dünner als bei den Konkurrenten. Zudem erfolgt die Lautstärkeregelung in zu großen Schritten. Auch ist das von ausgeprägten Höhen dominierte Klangerlebnis eingeschränkt. Dagegen ist die Geräuschunterdrückung am Mikrofon sehr effizient, und bei Ausführung und Umfang der Bedienungsanleitung kann das Albrecht punkten. Unterm Strich kann das Gerät alles, was man von ihm erwartet und wird zu Recht Preis-Leistungs-Sieger des Tests.

Testverfahren

Begonnen haben wir mit dem Einbau der jeweiligen Geräte in unseren Testhelm. Eklatante Unterschiede der einzelnen Modelle ließen sich hierbei nicht feststellen. In den meisten Fällen kann das Bedienteil mit zwei unterschiedlichen Befestigungsmöglichkeiten am Helm fixiert werden, entweder per Klett- oder Magnethalter oder per Steck- bzw. Schiebesockel. Innerhalb von maximal 30 Minuten waren die Headsets jeweils startklar, weitere fünf Minuten später konfiguriert und mit unserem Smartphone verbunden.

Dabei bewerteten wir Bedienbarkeit mit (Leder-)Handschuhen, Bedienkomfort allgemein (z. B. den Sprachassistenten), Klangempfinden bei wechselnden Geschwindigkeiten bis hin zu Autobahntempo 130 km/h, Stabilität der Bluetooth-Verbindung sowie Reichweite und vieles mehr.

Helmgebundene Systeme

Parallel zu den fünf universell verwendbaren Headsets haben wir zwei helmgebundene Systeme außerhalb der Wertung mitgetestet. Wir wollten wissen, welchen Unterschied es macht, wenn ein für ein bestimmtes Helmmodell passendes System statt eines Allround-Sets verwendet wird. Sowohl das System Schuberth SC2 für die Schuberth-Helme C5, E2 und S3 als auch das Nolan N-Com B902L R Series für Nolan N-Com-Helme funktionieren ähnlich wie die hochwertigen Modelle von Sena oder Cardo - was nicht weiter verwundert, werden doch sowohl das Nolan-System als auch das Schuberth SC2 bei Sena gefertigt. Lautsprecher und Mikrofon etwa sind beim Schuberth S3 bereits eingebaut und bedürfen keiner Installation.

Der wohl augenscheinlichste Unterschied liegt in der kompakteren Unterbringung der Bedieneinheit links am Helm. So steht etwa das konventionelle Cardo Packtalk Edge 28 Millimeter und das FOD Sports FX8 Pro satte 32 mm vom Helm ab, während das helmgebundene Schuberth SC2 C5 den passenden Schuberth-Helm nur um elf mm überragt. Das Nolan-System liegt ebenfalls homogen am Nolan N-Com-Helm an und kommt zusätzlich mit einem integrierten Sicherheitsfeature, einem zweiten Zusatz-Bremslicht. Die Leuchte zeigt Not- und Gefahrenbremsen, Standlicht und Warnblinkanlage an, hat aber keinerlei Einfluss auf das tadellos funktionierende Headset.

Weitere Testergebnisse

  • Cardo Packtalk Edge: Einfache Montage mittels Magnetverbindung, intuitive Bedienung und gute Geräuschunterdrückung, jedoch höhenlastiger Klang und unzureichende Bedienungsanleitung.
  • Cardo Freecom 4x: Einfache Bedienbarkeit auch mit Handschuhen und zuverlässige Sprachsteuerung, jedoch Klang besonders im Bassbereich etwas unter den Erwartungen und unzureichende Bedienungsanleitung.
  • Fodsports FX8 Pro: Guter Klang und nützliche Extras wie ein integriertes FM-Radio, jedoch erschwerte Bedienung durch unklar gestaltete Taster und kaum hilfreiche Bedienungsanleitung.

Wichtiger Hinweis zur Zulassung

Bitte beachten Sie, dass Motorradhelme nur dann rechtssicher mit einem Kommunikationssystem nachgerüstet werden dürfen, wenn sie gemäß ECE-R 22.06 dafür zugelassen sind. Erkennbar ist dies an der „UA“-Kennzeichnung (Universal Accessories) auf dem Helm. Wird ein Intercom-System - etwa per Klebe- oder Klemmbefestigung - an einem nicht freigegebenen Helm montiert, kann dies als bauliche Veränderung gewertet werden und die Zulassung des Helms erlöschen lassen.

Motorrad-Headsets im Vergleich

Hier ist ein vergleichender Überblick über einige der genannten Motorrad-Headsets, basierend auf den bereitgestellten Informationen:

Modell Reichweite (ca.) Akkulaufzeit (ca.) Besondere Merkmale
Sena 50R 200-600 Meter (real) 10-20 Stunden Harmann-Kardon-Lautsprecher, Sprachsteuerung, Advanced Noise Control
Albrecht BPA 600 200-600 Meter (real) 10-20 Stunden FM-Radio, Sprachsteuerung (Siri/Ok Google), günstiger Preis
Cardo Packtalk Edge 200-600 Meter (real) 10-20 Stunden Magnetische Montage, intuitive Bedienung
Cardo Freecom 4x 200-600 Meter (real) 10-20 Stunden Einfache Bedienbarkeit, zuverlässige Sprachsteuerung
Fodsports FX8 Pro 200-600 Meter (real) 10-20 Stunden FM-Radio, guter Klang

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