Insolvenzverfahren bei Müsing Bikes: Ein Traditionsunternehmen in Schwierigkeiten

Die Fahrradbranche erlebt schwierige Zeiten, und ein weiteres Unternehmen ist in Schieflage geraten. Die Radsportvertrieb Ditmar Bayer GmbH, Anbieter der Custom-Made-Marke Müsing, hat vor dem Amtsgericht Montabaur einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt.

Der Anfang vom Ende: Insolvenzantrag und erste Maßnahmen

Auslöser für diesen Schritt war ein Umsatzeinbruch seit dem zweiten Quartal 2023. Trotz der finanziellen Schwierigkeiten sollte der Geschäftsbetrieb "vollumfänglich aufrechterhalten" werden.

Zum vorläufigen Sachwalter wurde vom Amtsgericht der Rechtsanwalt Dirk Obermüller von der dhpg Wirtschaftsprüfer Rechtsanwälte Steuerberater GmbH & Co KG bestellt. Das Unternehmen sollte zudem von den auf Restrukturierung und Sanierung spezialisierten Rechtsanwälten Prof. Dr. Peter Neu unterstützt werden.

In einer Pressemitteilung des Unternehmens wurden Prof. Peter Neu und der gerichtlich bestellte Sachwalter Dirk Obermüller zitiert: “Wir sind zuversichtlich und werden den Geschäftsbetrieb weiterhin aufrechterhalten, um unsere Kunden durch unser qualifiziertes Team mit der gewohnten Produktqualität zu bedienen.

Aufhebung der Eigenverwaltung und Regelinsolvenz

Am 20. Februar 2024 wurde die Eigenverwaltung der Radsportvertrieb Ditmar Bayer GmbH vom Amtsgericht Montabaur aufgehoben. Die Aufhebung der Eigenverwaltung wurde auf Antrag des Unternehmens durchgeführt.

Dadurch wurde dem Insolvenzverwalter die Verfügung über das Vermögen des Unternehmens für die Dauer des Insolvenzverfahrens übertragen. Gläubiger wurden aufgefordert, ihre Forderungen beim Insolvenzverwalter anzumelden.

Das Scheitern der Sanierung und die Betriebseinstellung

Die Sanierung des in finanzielle Schieflage geratenen Anbieters der Custom-Made-Marke Müsing ist nicht gelungen. Der Geschäftsbetrieb der Radsportvertrieb Ditmar Bayer GmH ist eingestellt, wie die zuständige Insolvenzverwaltung auf Anfrage von velobiz.de mitteilte.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien in der vergangenen Woche informiert worden. „Dies ist sehr bedauerlich, bestand doch die Hoffnung, dass sich das Geschäft mit Beginn des Frühjahrs erholt. Dies hat sich leider nicht bestätigt.

Auf der Webseite des Unternehmens findet sich eine vom Müsing-Team unterzeichnete Mitteilung, die auf die Betriebseinstellung hinweist. Dort heißt es: „Die letzten Monate, die wir alle gemeinsam als Team weitergekämpft haben, konnte unser Unternehmen und unsere Leidenschaft „Müsing Bikes“ leider nicht mehr retten. Die Umsätze, die wir gebraucht hätten, konnten wir nicht mehr erreichen. Schweren Herzens mussten wir gestern alle unsere Kündigungen und Freistellungen akzeptieren.

Die Reaktion des Müsing-Teams und das Ende einer Ära

In einer emotionalen Meldung auf der Webseite des Unternehmens wandte sich das Müsing-Team an ihre Händler und Geschäftspartner. Mit schwerem Herzen mussten sie akzeptieren, dass ihre Bemühungen, das Unternehmen und ihre Leidenschaft für „Müsing Bikes“ zu retten, nicht ausreichten.

Das Müsing-Team drückte seinen aufrichtigen Dank für die Treue, Partnerschaft und die gemeinsam verbrachte Zeit aus. Dieses tragische Ereignis markiert das Ende einer Ära für Ditmar Bayer GmbH und Müsing Bikes, und die Fahrradbranche verliert einen wichtigen Akteur.

Die Hintergründe der finanziellen Schwierigkeiten

Die am 23. August letzten Jahres vom zuständigen Amtsgericht Montabaur veröffentlichte Insolvenz in Eigenverwaltung des in finanzielle Schieflage geratenen Müsing-Machers Radsportvertrieb Ditmar Bayer GmbH wurde letzten Dienstag (20. Februar) auf Betreiben der Geschäftsführerin Madeleine Brüse aufgehoben.

Heißt, dass Obermüller nun für die Dauer des Insolvenzverfahrens über das Vermögen des Müsing-Machers verfügt (und nicht mehr das Unternehmen selbst). Im August hatte man noch positiv nach vorne geschaut, die »Made in Germany« Custom-Bau-Bikemarke Müsing in Eigenverwaltung aus dem finanziellen Engpass herausführen zu können.

Zusammen mit dem Team der Radsportvertrieb Ditmar Bayer GmbH rund um Geschäftsführerin Madeleine Brüse sollte das auf Restrukturierung und Sanierung spezialisierte Duo Prof. Dr. Ob der Geschäftsbetrieb wie zu Zeiten der Insolvenz in Eigenverwaltung weiterläuft oder schon vorübergehend eingestellt wurde, wollte die Kanzlei des Insolvenzverwalters auf telefonischer RadMarkt-Nachfrage auch nicht beantworten.

Die allgemeine Lage der Fahrradbranche

Im Winter 2024/25 gerät die Bike-Branche immer stärker unter Druck. Erstaunlich, könnte man denken. Schließlich hatten die Corona-Jahre einen regelrechten Bike-Boom ausgelöst.

Die Verkaufszahlen erreichten für 2022 einen Rekord und die Nachfrage blieb zunächst weiter hoch. Allerdings beklagten Hersteller immer wieder Schwierigkeiten mit Lieferengpässen und steigenden Preisen.

Zuletzt überschwemmte zu allem Übel auch noch die verspätete Ware aus Bestellungen von 2022 und 2023 den schon schwächelnden Markt. Die Folge: Bei Händlern und Herstellern sind die Lager voll wie nie, verkauft wird in der Nebensaison und der aktuellen Konsum-Flaute aber kaum noch etwas.

Die Verkäufer überbieten sich mit Rabatten, gleichzeitig müssen immer mehr Bike-Firmen nun Insolvenz beantragen.

Weitere Beispiele für Schwierigkeiten in der Fahrradbranche

  • Accell Group: Optimiert Produktionsstandorte und verlegt Fertigung nach Ungarn.
  • YT Industries und 7Anna: Melden Insolvenz an, betroffen sind Marken wie NS Bikes und Rondo.
  • Pierer Mobility Group: Beschleunigt Ausstieg aus dem Fahrradgeschäft, Lagerbestände von Husqvarna und Gasgas werden abverkauft.
  • Canyon: Verzeichnet Wertverlust von über 40 %.
  • BMC Group: Leitet Stellenabbau und Restrukturierung ein, Fokus auf Rennräder und Gravelbikes.
  • KTM: Kürzungen im Bereich Pierer New Mobility, Produktion von GasGas und Husqvarna pausiert.

Die Situation bei Müsing Bikes ist ein weiteres Beispiel für die Herausforderungen, denen sich die Fahrradbranche derzeit stellen muss. Die Kombination aus sinkenden Umsätzen, Lieferengpässen und einem Überangebot an Waren führt zu erheblichen Schwierigkeiten für viele Unternehmen.

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