Muskelkater nach Radfahren: Ursachen und Behandlung

Jeder kennt ihn - diesen schmerzhaften Muskelkater. Er tritt auf, wenn wir unseren Körper ungewohnten Belastungen ausgesetzt haben. Allerdings tritt er bei den meisten tatsächlich in Verbindung mit sportlicher Belastung oder körperlicher Arbeit in Erscheinung.

Unsere Muskulatur und Muskelkater

Für die nötige Stabilität in Rumpf und Gliedmaßen sorgt unser Knochenbau. Aber damit wir uns willkürlich bewegen können, sind an diesen Knochen Muskeln angebunden (über Sehnen), in ihrer Funktion vergleichbar mit kontrahierbaren Seilzügen. Durch Nervenreize werden diese Muskeln angesteuert, sie ziehen sich dann zusammen oder entspannen sich. Und am Ende bewegen wir uns dadurch. Im Hinblick auf Muskelkater betrachten wir im Folgenden aber vorrangig die willkürlich steuerbaren Muskeln.

Der Stoffwechsel in unserer Muskulatur

Belasten wir bestimmte Muskeln langfristig stärker und intensiver, reagiert der Muskel-Stoffwechsel mit Muskelwachstum. Die betreffenden Muskeln werden dann kräftiger und voluminöser, um zukünftig besser vorbereitet zu sein auf die anstehenden Belastungen.

Wie entsteht Muskelkater?

Setzen wir unsere Muskeln aber einer ungewohnten Belastung oder Überlastung aus, kommt es im Muskel-Gewebe zu kleinen Rissen. Diese Risse entzünden sich und im Verlauf der Heilung (in den folgenden 12 - 24 Stunden) werden die daraus resultierenden Entzündungsstoffe aus den betroffenen Muskeln ausgespült. Kommen diese Stoffe dann mit Nervenzellen (außerhalb des Muskels) in Berührung, entsteht ein Schmerzreiz: der Muskelkater. Besonders anfällig hierfür sind die Muskeln, wenn sie unter Anspannung eine Dehnung erfahren, wie z. B. beim Bergab laufen oder beim Abbremsen (Squash, Tennis, Badminton, usw.). Der volkstümliche Begriff „Muskelkater“ leitet sich übrigens ab vom Begriff „Katarrh“ (Entzündung). Die Bezeichnung „Muskelschmerzen“ wäre eigentlich treffender.

Ist Muskelkater gut oder schlecht?

Muskelkater ist nicht schädlich, weil die betroffenen Muskeln mithilfe unseres Immunsystems wieder von alleine regenerieren. Doch förderlich für Gesundheit und Fitness ist er auch nicht. Denn dieser Muskelschmerz deutet lediglich an, dass eine Überlastung stattgefunden hat. Es ist also nicht erstrebenswert, so stark und intensiv zu trainieren, dass ein Muskelkater provoziert wird. Zudem belastet die Auseinandersetzung mit dem gefühlten Schmerz ja auch für mehrere Tage unser Wohlbefinden.

Abgrenzung zu Muskelzerrung und Muskelfaserriss

Neben diesem „harmlosen“ Muskelkater können unsere Muskeln aber auch ernsthafte Verletzungen erfahren, nämlich Muskelzerrungen oder Muskelfaserrisse. Beim Muskelkater empfinden wir erst viele Stunden nach der muskulären Belastung einen Schmerz (siehe oben). Tritt jedoch schon während der Belastung ein Schmerz auf, handelt es sich wahrscheinlich um eine Muskelzerrung oder sogar um einen Muskelfaserriss. Solange solche Ereignisse von der verletzten Person bewusst wahrgenommen werden, fällt die Unterscheidung zwischen Zerrung und Muskelkater auch nicht allzu schwer. Schwieriger wird die Abgrenzung zum Muskelkater jedoch, wenn der Schmerz gering ausfällt und keinem Stress-Ereignis direkt zugeordnet werden kann.

Eine exakte Diagnose ist hier aber sehr wichtig, weil Muskelkater und Muskelzerrung unterschiedliche Behandlung und unterschiedliche Heilungszeiträume in Anspruch nehmen.

Eindeutige Hinweise auf eine Muskelzerrung: Der Muskel schmerzt bei Anspannung, aber dieser Schmerz nimmt bei Dehnung des Muskels eher ab. Die Muskelzerrung kann je nach Stärke auch Verhärtung, Verkrampfung, Einblutung und einen sichtbaren Bluterguss beinhalten. Bei heftigeren Schmerzen empfiehlt sich auf jeden Fall die Konsultation eines Arztes (Sportmediziner, Orthopäde), um abklären zu lassen, ob es sich da nicht schon um einen Muskelfaserriss handelt.

Der Heilungsprozess

Ein Muskelkater hält über mehrere Tage an, die vollständige Heilung der betroffenen Muskeln kann bis zu 10 Tagen dauern. Doch um eine Muskelzerrung auszukurieren, bedarf es einiger Wochen (3 - 6). Die Behandlung: Muskel ruhigstellen, Gliedmaßen hochlegen, um einen Blutstau zu vermeiden, betroffenen Bereich kühlen, und Druckverband, ggf. unter ärztlicher Kontrolle.

Muskelkater nach dem Radfahren

Weil der Bewegungsablauf unserer Gliedmaßen beim Radfahren relativ kontrolliert und gleichmäßig erfolgt, tritt Muskelkater hier eher selten auf. Und wenn doch, dann sind in der Regel schlechter Trainingszustand, Überlastung oder unzureichendes Aufwärmen die Ursachen.

Sind allerdings nicht (nur) die Beinmuskeln, sondern beispielsweise auch Rücken-, Schulter-, Arm- oder Fuß-Muskulatur vom Schmerz betroffen, dann werden Diagnose und Ursachensuche etwas komplexer. Denn neben echtem Muskelkater wird auch so manche muskuläre Verspannung fälschlicherweise als Muskelkater verstanden und strahlt dabei auch noch in andere Körperteile aus.

Muskelkater beim Radfahren vermeiden

Sind die Ursachen für deine Muskelschmerzen nach dem Radfahren also nicht sofort offensichtlich, lohnt eine systematische Auseinandersetzung mit Fahrrad, Fahrstil, Belastungsprofil und deiner gesamten physischen Verfassung. So können beispielsweise Schwergängigkeit an deinem Fahrrad, zu hohes Gewicht bei den Anbauteilen, fehlende Aerodynamik, Verspannungen durch Fehlhaltung, ein ineffizientes Pedalieren, Schlafmangel, falsche Ernährung oder Vorerkrankungen Muskelschmerzen begünstigen oder hervorrufen.

Scanne alles auf mögliche Fehlhaltungen oder Überlastungen und suche nach gezielten Verbesserungen und Erleichterungen.

Das Piriformis-Syndrom

Eine spezielle Ursache für Rückenschmerzen beim Radfahren ist das Piriformis-Syndrom. Dabei reizt der Piriformis-Muskel im Gesäßbereich den Ischiasnerv, was zu Schmerzen führt, die bis ins Bein ausstrahlen können.

Der in der tiefen Hüftmuskulatur gelegene Musculus Piriformis (lat. für birnenförmiger Muskel) verläuft unterhalb des großen Gesäßmuskels. Sein Ansatzpunkt ist das Kreuzbein. Von der Innenfläche des Kreuzbeins zieht er zur Spitze des großen Rollhügels am Oberschenkelknochen.

Seine Hauptfunktionen sind die Außenrotation der gestreckten Hüfte und die Abspreizung des Oberschenkels sowie das Heben des Oberschenkels nach hinten. Durch eine Verspannung oder Verhärtung des Piriformis-Muskels verringert sich der Platz im großen Sitzbeinloch und es kommt zur Einengung und Reizung des Ischiasnervs (darum spricht man mitunter auch vom „Engpass-Syndrom“).

Der Druck auf den Ischiasnerv (Nervus Ischiadicus) ist dann typischerweise Ursache für Symptome wie Rückenschmerzen oder Schmerzen im Gesäß, die bis in die Beine ausstrahlen können, ähnlich wie bei einem Bandscheibenvorfall.

Ursachen des Piriformis-Syndroms:

  • Überlastung beim Sport und im Training: Zu häufiges, langes oder hartes Laufen, Rad fahren oder eine andere wiederholte Belastung oder anstrengende Bewegungen mit den Beinen können zu einer Überbeanspruchung des Piriformis-Muskels führen und somit Schmerzen verursachen.
  • Traumata: Auch ein Sturz oder eine direkte Verletzung des Gesäßbereichs kann den Muskel schädigen und zu Entzündungen führen.
  • Anatomische Anomalien: Bei einigen Menschen verläuft der Ischiasnerv durch den Piriformis-Muskel (Musculus Piriformis) statt darunter, was das Risiko einer Reizung erhöht.
  • Langes Sitzen: Lange Perioden des Sitzens, besonders auf harten Oberflächen, können den Muskel verspannen und den Ischiasnerv (Nervus Ischiadicus) komprimieren.
  • Portemonnaie: Befindet es sich beim Sitzen in der Gesäßtasche, wird eine Gesäßhälfte komprimiert und mehr belastet als die andere. Es kommt durch diese Kompression zur Minderdurchblutung der Gesäßregion und des Gluteus Maximus (großer Gesäßmuskel).

Symptome des Piriformis-Syndroms:

  • Schmerzen im Gesäß: Die Schmerzen treten - natürlich - auf der Seite / Körperhälfte auf, auf der der Ischiasnerv negativ manipuliert wird. Der Schmerz kann nicht nur an einer Stelle auftreten, er kann vielmehr bis zum Oberschenkel und ins weitere Bein ausstrahlen.
  • Taubheitsgefühle und Kribbeln: Auch diese Symptome treten auf der geschädigten Seite auf.

Behandlung des Piriformis-Syndroms:

Die Behandlung des Piriformis-Syndroms umfasst eine Kombination aus konservativen und in schwereren Fällen invasiven Methoden. Konservative Behandlungen sind:

  • Physiotherapie: Dehnungsübungen und Kräftigungsübungen zur Entspannung des Piriformis-Muskels und zur Linderung des Nervendrucks.
  • Schlafposition wechseln: Wenn du am Piriformis-Syndrom leidest, solltest du öfter die Schlafposition wechseln, um Verspannungen zu vermeiden und die Durchblutung der Muskulatur in allen Bereichen anzuregen. Du kannst sowohl auf dem Rücken als auch auf der Seite schlafen. Allerdings solltest du bei starken Beschwerden in Seitenlage mit der schmerzenden Seite / Körperhälfte nach oben schlafen, was die Schmerzen lindern kann. Ein Kissen zwischen den Beinen sorgt darüber hinaus für Linderung der Beschwerden. Die Hüft- und Schulterregion sollte in die Matratze einsinken.

Vorbeugung gegen Muskelkater

Geht es allgemein um die Vermeidung von Muskelkater, dann helfen die folgenden Tipps:

  • Bereite deine Muskulatur langsam, aber kontinuierlich auf höhere Belastungen vor. Vermeide größere Pausen und einen zu starken, plötzlichen Belastungsanstieg. Beim Sport empfiehlt es sich, dafür mindestens zweimal in der Woche zu trainieren.
  • Und mache dir bewusst, dass unterschiedliche Sportarten auch unterschiedliche Muskelgruppen in Anspruch nehmen können. Ein gut trainierter Jogger kann also nach einer ungewohnt langen Fahrradtour einen heftigen Muskelkater in einem Muskel spüren, den er beim Joggen gar nicht beansprucht.
  • Ob das Aufwärmen der Muskulatur vor der Belastung vor einem Muskelkater schützt, ist umstritten. Es reduziert aber auf alle Fälle die Gefahr von Muskelfaserrissen.
  • Magnesium senkt die Krampfneigung der Muskeln und beugt Verspannungen vor. Damit eignet es sich auch zur Vorbeugung gegen Muskelkater.

Gezielte Übungen zur Vorbeugung des Piriformis-Syndroms:

Vorbeugen ist besser als heilen! Darum sollten Personen, die gefährdet sind (wie zum Beispiel Büroarbeiter, die für Stunden, Tage und Wochen am Schreibtisch sitzen), Probleme mit dem Piriformis-Syndrom zu bekommen alle Möglichkeiten nutzen, es gar nicht erst zu Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen kommen zu lassen.

Der Piriformis-Muskel ist ein Gesäßmuskel, der die gestreckte Hüfte nach außen dreht und stabilisiert. Bei Hüftbeugung verändert er seine Funktion und spreizt das Bein nach außen ab. Gezielte Übungen helfen, den verspannten Muskel zu dehnen und zu kräftigen, damit er belastbarer wird, ohne die unter ihm verlaufenden Nerven zu irritieren.

Nimm dir ganz bewusst Zeit für die Dehnübungen und Übungen zur Kräftigung. Du solltest etwa zwei- bis dreimal pro Woche trainieren, um Effekte zu erzielen.

  1. Dehnen des Piriformis-Muskels:
    • Ausgangsstellung: Leg dich auf den Rücken und beuge das zu dehnende Bein in Hüft- und Kniegelenk. Deine Hand umfasst das Knie seitlich.
    • Durchführung: Zieh das in Beugung befindliche Knie Richtung diagonaler Schulter, bis du die Dehnung seitlich in der Gesäßmuskulatur spürst.
    • Halte die Dehnung etwa 15 bis 30 Sekunden.
  2. Dehnen der Gesäßmuskulatur:
    • Ausgangsstellung: Rückenlage, die Beine gebeugt. Kreuze nun die rechte Ferse über das linke Knie. Beide Hände umfassen den linken Oberschenkel.
    • Durchführung: Ziehe den linken Oberschenkel leicht Richtung Brustkorb, bis im rechten Oberschenkel/Gesäß ein Dehnungsgefühl spürbar ist. Anschließend wechselst du die Seite.
    • Halte die Dehnung etwa 15 bis 30 Sekunden.
  3. Mobilisation und Kräftigung der Außenrotatoren:
    • Ausgangsstellung: Leg dich auf die Seite. Die Hüft- und Kniegelenke sind leicht gebeugt. Deine Beine liegen parallel übereinander.
    • Durchführung: Drehe das oben liegende Knie Richtung Decke. Die Füße halten dabei Kontakt. Das Becken bleibt stabil.
    • Halte die Dehnung etwa 15 bis 30 Sekunden.
  4. Mobilisation der Außenrotatoren mit Theraband:
    • Ausgangsstellung: Liege auf dem Bauch. Die Oberschenkel sind parallel. Wickel das Theraband um den Unterschenkel und befestige es an einem festen Gegenstand seitlich des Übungsbeines.
    • Durchführung: Das angewinkelte Bein zieht aktiv gegen den Widerstand des Therabandes nach innen. Der Oberschenkel hält den Kontakt zum Boden.
    • Wiederhole die Bewegung 15-mal und wechsle dann das Bein. Dies entspricht einem Satz.
  5. Kräftigung der Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur:
    • Ausgangsstellung: Stehe vor einem Stuhl. Die Knie berühren die Sitzfläche.
    • Durchführung: Setz dich mit dem Gesäß nach hinten unten ab. Der Rücken bleibt gerade, die Knie halten den Kontakt zum Stuhl.
    • Wiederhole die Bewegung 15-mal und wechsle dann das Bein. Dies entspricht einem Satz.

Was lindert den Muskelkater

Ein Muskelkater erfordert nicht zwingend eine Behandlung. Es gibt aber einige bewährte Hausmittel, die den Heilungsprozess beschleunigen und das Wohlbefinden steigern:

  • Sanfte Massage, Ausstreichen der Muskeln, Wechselbäder und Behandlung mit Wärme (Sauna, heiße Bäder, Fango) fördern die Durchblutung. Dadurch werden die Muskeln stärker mit Mineralstoffen versorgt. Und das beschleunigt die Heilung.
  • Leichte Bewegung unterstützt die Heilung ebenfalls, starke Belastung oder auch absolute Ruhigstellung sind dagegen kontraproduktiv.

Von Schmerz- und / oder Entzündungs-hemmender Arznei (ausgenommen Naturprodukte) raten wir dagegen ab (es sei denn, dein Arzt hat es dir empfohlen, aus welchen Gründen auch immer). Unser Körper kommt ganz gut ohne diese Chemie mit der Regeneration der Muskeln klar. Zudem ist der wahrnehmbare Schmerz beim Muskelkater ja auch eine sinnvolle Warnung. Er schützt uns indirekt vor weiteren Belastungen und Verletzungen, wenn wir ihn denn ernst nehmen und uns schonen, bis der Schmerz abgeklungen ist.

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