Nabenschaltung Vergleich: Rohloff, Shimano und Alternativen

Nabenschaltungen erfreuen sich aufgrund ihrer einfachen Bedienung und Wartungsarmut großer Beliebtheit. Besonders im Alltag spielen Nabenschaltungen ihre Vorteile aus. Im Gegensatz zu Kettenschaltungen kann eine Nabenschaltung im Stehen geschaltet werden. Durch die simple Schaltlogik kann man sich ganz aufs Fahren konzentrieren.

Überblick über Nabenschaltungen

Getriebenaben sind Dauerbrenner unter den Fahrradschaltungen und waren die ersten Schaltungen, die an Fahrrädern eingesetzt wurden. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es sie zunächst als Zweigang- und später als Dreigang-Nabenschaltung. Mit mehr Herstellern am Markt wurden später Versionen mit sieben, acht, neun und elf Gängen entwickelt.

Sieben- und Achtfach-Getriebenaben haben den größten Marktanteil und werden wegen ihrer Wartungsarmut und Zuverlässigkeit vor allem an Fahrrädern für die Stadt, den Alltag und für kurze Touren eingesetzt. Daneben gibt es aber noch andere Formen der Gebtriebenabe.

Rohloff Speedhub 500/14

Die Rohloff Speedhub 500/14 ist eine Sonderstellung unter den Nabenschaltungen. Der Kasseler Hersteller brachte 1999 die Speedhub mit 14 Gängen auf den Markt, die sich als unverwüstlicher Partner für lange und harte Einsätze erwiesen hat. Die Schaltung hat ihren Preis und kostet mehr als so manches Komplettrad.

Die Rohloff Speedhub 14-Gang-Nabe ist ein technischer Meilenstein und trotz relativ hohem Preis aktuell erste Wahl in Sachen Zuverlässigkeit und Funktion auf Fernreisen und unter härtesten Offroad-Bedingungen. Sie bietet top Wirkungsgrade in allen Gängen trotz teilweise recht rauem Laufgefühl, eine absolut kürzeste mögliche Übersetzung am Markt und gleichmäßig kleine Gangabstufungen. Negativ ist der häufige Ölwechsel.

Die Rohloff Speedhub vereint viele Vorteile von Ketten- und Nabenschaltungen und ist dabei noch robust und unempfindlich. Das Flaggschiff der Firma Rohloff ist in vielen verschiedenen Versionen und auch in mehreren Farben verfügbar. Die Technik dieser Nabe ist äußerst präzise und ausgeklügelt, hier finden Sie nahezu zu 100% Einzelteile „Made in Germany“.

Vorteile der Rohloff Speedhub:

  • Nicht klein zu kriegen: Durch die wasser- und vor allem staubdichte Verkapselung ist der Verschleiß minimal, die Wartungsintervalle lang (ca. 5.000 Kilometer).
  • Einfache Schaltlogik: Alle Gänge lassen sich mit einer Hand schalten.
  • Robustheit: Bei nabengerechter Rahmenkonstruktion mit verschiebbaren Ausfallenden kann auf einen Kettenspanner verzichtet werden.
  • Stabilere Hinterräder: Nur ein Ritzel und eine deutlich breitere, verschleißärmere Kette müssen am Hinterrad Platz finden gegenüber bis zu elf grazilen Ritzeln bei der Kettenschaltung.

Shimano Nabenschaltungen

Shimano produziert diverse Nabenschaltungen wie die Nexus und Alfine. Es gibt die Nexus 8 und Nexus 8 Premium. Premium hatte als Erkennungsmerkmal mal einen roten Ring und läuft leichter, da Nadellager statt Gleitlager verwendet werden. Beide Nexus-Naben haben keine Perma-Ölfüllung.

Alfine 8 und Alfine 11 sind oft besser verarbeitet. Die 8er Alfine ist wahrscheinlich nur eine schöner designte Nexus 8 Premium in besserer Fertigungsqualität. Die 11er Alfine kostet gleich 200-300,- EUR mehr, hat drei Gänge mehr nach oben und läuft im Ölbad.

Alle vier Shimano-Naben laufen im 5. Gang (also 1:1 ohne Zahnrädchen übersetzt) sicherlich einen Tick leichter. Das wäre aber gegenüber der 11-Gang-Alfine ein übereiltes Urteil, denn diese läuft zusätzlich in einem permanenten Ölbad statt in zähmen Fett.

Shimano Nexus

Die Shimano Nexus Nabenschaltungen gibt es in verschiedenen Varianten, die sich spürbar voneinander unterscheiden, vor allem in der Qualität für Viel- und Schnellfahrer-Innen. Es gibt die Nexus Standardvariante ohne den ehemals roten Streifen, Alfine 8-Gang, Alfine 11 Gang, Nexus mit Rücktritt oder für Roller- oder V-Brakes und eine diffuse Serienstreuung mit verschiedensten Qualitätsaussagen im Netz.

Die Qualität der Naben hat in den letzten Jahren deutlich abgenommen. Viele ehrliche Radhändler bestätigen, dass die Naben ganz unterschiedlich leicht laufen und bestreiten nicht, dass es bei Shimano zeitweise „Problemnaben“ gab bzw. immer noch gibt.

Shimano Alfine

Die Shimano Alfine-Nabe sieht hochwertiger aus, ist aber gegenüber der Nexus vielleicht nur einfach schwarz lackiert. Hier gibt es keine Premiumversion mehr, dafür aber eine 11-Gang Alfine Nabe, die sehr viel teurer als die 8-Gang Alfine ist. Laut Fachhändler sollen beide Alfine-Versionen besser laufen, als die günstigeren Nexus-Varianten, die Shimano mittlerweile ebenfalls auf Wunsch in Schwarz (-matt) lackiert.

Weitere Nabenschaltungsoptionen

Neben Rohloff und Shimano gibt es auch andere Hersteller von Nabenschaltungen:

  • Enviolo (NuVinci): Eine stufenlose Nabenschaltung, die keine Gangsprünge hat. Sie nutzt Kugeln, die auf schwenkbaren Achsen gelagert sind, um die Übersetzung zu ändern.
  • Pinion: Ein Tretlagergetriebe, das sich seit einigen Jahren etabliert hat.
  • SRAM: Ehemaliger Hersteller von Nabenschaltungen wie der i-Motion 9.
  • 3x3 Nine: Bietet eine ebenso breite oder sogar größere Übersetzungsbandbreite wie herkömmliche Kettenschaltungen.

Nabenschaltung vs. Kettenschaltung

Die Wahl zwischen Nabenschaltung und Kettenschaltung hängt von verschiedenen Faktoren ab:

Vorteile der Nabenschaltung:

  • Wartungsarmut
  • Zuverlässigkeit
  • Simple Schaltlogik
  • Schalten im Stand ist möglich
  • Möglichkeit einer Rücktrittbremse

Nachteile der Nabenschaltung:

  • Etwas schwächerer Wirkungsgrad gegenüber gut gewarteten Kettenschaltungen
  • Höheres Gewicht
  • Reparaturen nur für Fachleute möglich
  • Schalten unter Last bei den meisten Modellen nicht möglich
  • Größere Gangsprünge

Nabenschaltungen im E-Bike

Die Wahl des richtigen Getriebes für ein E-Bike ist eine wichtige Entscheidung, die sowohl den Fahrkomfort als auch die Lebensdauer des Fahrrads beeinflussen kann. Für sportliche Fahrer und längere Touren bietet die Kettenschaltung aufgrund der größeren Gangauswahl und der besseren Anpassungsfähigkeit an verschiedene Geländearten mehr Flexibilität. Für Tourenradler und den urbanen Einsatz ist die Nabenschaltung aufgrund ihrer robusten, wartungsarmen Bauweise und der modernen, breiten Entfaltung eine ideale Wahl.

Schaltungen im E-Bike mit Mittelmotor:

Beim E-Bike mit Mittelmotor wird die Antriebskraft des Motors direkt auf das Hinterrad übertragen. Der große Vorteil dieser Anordnung ist, dass die Motorkraft über das Schaltgetriebe nochmals übersetzt wird, was zu einem sehr hohen Drehmoment am Hinterrad führt. Dieses hohe Drehmoment sorgt für eine hervorragende Bergsteigfähigkeit und einen geringeren Stromverbrauch, insbesondere auf hügeligen Strecken.

Schaltungen im E-Bike mit Hinterradmotor:

Ein Hinterradmotor verhindert in der Regel den Einsatz moderner Nabenschaltungen. Eine Ausnahme stellt eine im Hinterradmotor integrierte 3-Gang-Nabe dar. Diese bietet jedoch mit einer Übersetzungsbreite von nur 167 % eine eher begrenzte Nutzung und ist deshalb vorwiegend für flache Strecken oder Gebirgslagen ohne große Steigungen geeignet.

Schaltungen im E-Bike mit Vorderradmotor:

Der Vorderradmotor bietet den Vorteil, dass er mit allen gängigen Schaltungsvarianten kompatibel ist. Dies umfasst sowohl Kettenschaltungen als auch Nabenschaltungen, die mit einer Rücktrittbremse oder einem Freilaufmechanismus ausgestattet sein können.

Empfehlungen

Die Wahl der richtigen Nabenschaltung hängt stark vom Einsatzzweck und den persönlichen Vorlieben ab. Für Vielfahrer und Reiseradler, die Wert auf Robustheit und Wartungsarmut legen, ist die Rohloff Speedhub eine ausgezeichnete Wahl. Für den Alltagsgebrauch und weniger anspruchsvolle Strecken sind die Shimano Nexus und Alfine Modelle eine gute Alternative. Bei E-Bikes sollte die Wahl der Schaltung auch vom Motortyp abhängig gemacht werden, um die optimale Leistung und Effizienz zu gewährleisten.

Übersetzungsbandbreite

Für das Gros der Tourenradler ist die Übersetzungsbandbreite das Hauptkriterium bei der Wahl ihrer Schalteinheit, also die Differenz der Übersetzung zwischen dem kleinsten und dem größten Gang an. Wer bergauf mit Reisegepäck locker kurbeln, aber bergab noch Druck aufs Pedal bringen will, braucht mindestens 500 Prozent. Dabei zählen ausschließlich die Eigenschaften in der Nabe. Senkt man die erwähnte externe oder Primärübersetzung, wird der kleinste Gang noch kleiner, der größte aber ebenfalls. Dieses Spiel lässt sich technisch nicht unendlich weiter treiben.

Wirkungsgrad

Wirkungsgrad meint den Anteil der Trittkraft, die nach Übertragung (Kette) und Übersetzung (Getriebe) am Hinterrad ankommt. Die Linie der Kette ist stets gerade und erzielt so den optimalen Wirkungsgrad.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0