Die Beliebtheit des freizeitmäßigen sowie sportlichen Radfahrens nimmt seit Jahren stetig zu und hat in der Corona-Ära einen zusätzlichen Schub erhalten. Doch neben dem Spaß an der Bewegung können auch Beschwerden auftreten, insbesondere Schmerzen beim Wasserlassen.
Ursachen für Schmerzen beim Wasserlassen
Schmerzen beim Wasserlassen können verschiedene Ursachen haben, die von harmlosen Reizungen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen reichen.
Harnwegsinfekte
Ein häufiger Grund für Schmerzen beim Wasserlassen sind Harnwegsinfekte. Eine Blasenentzündung bekommen pro Jahr etwa 8 von 1.000 Männern. Sie treten bei Männern also seltener auf als bei Frauen, gelten aber als kompliziert, weil die Prostata mitbetroffen sein kann.
Typische Symptome einer Blasenentzündung sind Brennen beim Wasserlassen, Schmerzen im Unterbauch sowie ein häufiger und starker Harndrang. Manchmal treten die Schmerzen erst zum Ende des Wasserlassens auf.
Entzündung der Harnröhre (Urethritis)
Bei einer Harnröhrenentzündung treten stechende oder brennende Schmerzen insbesondere zu Beginn beim Wasserlassen auf. Manche Patienten verspüren außerdem Juckreiz und haben Ausfluss aus der Harnröhre. Häufig haben Betroffene auch gar keine Beschwerden.
Die Urethritis kommt am häufigsten bei Männern vor, die jünger als 35 Jahre sind. Die Erreger werden meist durch sexuelle Kontakte übertragen. Zu ihnen zählen Gonokokken, Chlamydien, Mykoplasmen, Ureoplasmen, Trichomonaden oder Adenoviren.
Prostataentzündung (Prostatitis)
Besonders die Prostata kann bei einer Entzündung nicht nur heftige Schmerzen auslösen, sondern auch Probleme beim Entleeren der Harnblase verursachen. Denn ist die Vorsteherdrüse entzündet oder aus anderen Gründen vergrößert, drückt sie schnell auf die Harnwege und kann dadurch unter anderem ein Brennen beim Wasserlassen beim Mann auslösen.
Es gibt verschiedene Formen der Prostatitis:
- Akute bakterielle Prostatitis: Führt zu starken Schmerzen im Dammbereich, häufigem und schmerzhaftem Wasserlassen, erschwertem Wasserlassen und einem starken allgemeinen Krankheitsgefühl mit Fieber.
- Chronische Prostatitis: Die Beschwerden dauern mindestens 3 Monate an und sind nicht so stark wie bei der akuten Prostatitis. Sie kann zu Schmerzen beim Wasserlassen, häufigem und erschwertem Wasserlassen führen. Die Schmerzen treten meist im Dammbereich auf und können in Hoden, Leiste, Rücken oder Bauch ausstrahlen. Auch Schmerzen während oder nach der Ejakulation sind möglich.
Gutartige Prostatavergrößerung (BPH)
Mögliche Symptome der gutartigen Prostatavergrößerung sind ein schwacher Harnstrahl, verstärkter und häufiger Harndrang auch in der Nacht, Wasserlassen in kleinen Mengen und Schmerzen beim Wasserlassen.
Mechanische Reizungen durch Radfahren
Mechanische Reizungen, z. B. durch Reiten oder Fahrradfahren, können ebenfalls zu Schmerzen beim Wasserlassen führen.
Eine Druck- und Scherbelastung des medialen Perineums beim Radfahren sollte unbedingt vermieden werden. Dies ist jedoch mit den meisten erhältlichen und auf den Rädern montierten Satteln nicht möglich, da diese formbedingt - zu schmal und konvex - dem medialen Damm von vorne bis hinten mit mehr oder weniger Druck anliegen.
Wann sollte man ärztliche Hilfe suchen?
Schmerzen beim Wasserlassen können durch verschiedene Erkrankungen hervorgerufen werden und sollten immer ärztlich abgeklärt werden. Besonders wichtig ist der Arztbesuch, wenn folgende weitere Symptome auftreten:
- Flankenschmerzen
- Stark verminderte Harnausscheidung
- Fieber über 38,5 °C
- Blut im Urin
- Prostatabeschwerden
- Nach einem Unfall mit Verletzung im Genital-/Beckenbereich
- Benommenheit, Schwindel, erhöhte Atemfrequenz, sehr schlechtes Allgemeinbefinden
Diagnostik
Um die Ursache für Schmerzen beim Wasserlassen zu finden, wird der Arzt verschiedene Untersuchungen durchführen:
Arztgespräch (Anamnese)
Im Anamnesegespräch können Ihnen z. B. folgende Fragen gestellt werden:
- Wie und wo äußern sich die Schmerzen beim Wasserlassen?
- Tritt das Brennen zu Beginn oder gegen Ende der Blasenentleerung auf?
- Besteht ein vermehrter Harndrang? Wie ist es in der Nacht?
- Gibt es Probleme beim Entleeren der Blase?
- Haben Sie Fieber, leiden Sie unter Übelkeit oder fühlen Sie sich krank?
- Haben Sie Blut im Urin, eine Trübung des Urins oder einen besonderen Geruch bemerkt?
- Gibt es Hautveränderungen im Genitalbereich?
- Haben Sie Ausfluss aus der Harnröhre?
- Hatten Sie in den letzten Wochen Geschlechtsverkehr?
Ärztliche Untersuchung
Bei der körperlichen Untersuchung werden je nach Angaben aus dem Vorgespräch der Bauch, die Leisten, die Hoden und Nebenhoden sowie die Nierengegend abgetastet. Die Harnröhrenöffnung wird auf Ausfluss untersucht. Möglicherweise wird eine Vergrößerung der Prostata durch eine rektale Tastuntersuchung abgeklärt.
Weitere Untersuchungen
Falls es Hinweise auf eine Nierenbeckenentzündung gibt, folgen weitere Untersuchungen: Der Urin wird mittels eines Teststreifens untersucht, und oft wird zusätzlich eine Urinkultur angelegt, um die Erreger zu identifizieren.
Bei wiederholten Harnwegsinfekten oder wenn weitere Untersuchungen notwendig sind werden Sie u. U. an eine urologische Praxis überwiesen. Bei Zeichen einer schweren Infektion, z. B. bei Nierenbeckenentzündung oder Verstopfung von Harnwegen durch einen Nierenstein, erfolgt eine Einweisung in eine urologische Klinikabteilung.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Schmerzen beim Wasserlassen.
Antibiotika
Ein durch Bakterien ausgelöster Harnwegsinfekt wird bei Männern in der Regel mit Antibiotika behandelt.
Weitere Behandlungsmöglichkeiten
Je nach Diagnose können weitere Medikamente oder operative Eingriffe erforderlich sein.
Tipps zur Vorbeugung von Beschwerden beim Radfahren
Zur Vermeidung wesentlicher Beschwerden im Damm durch das sitzende Radfahren ist eine definierte Druckbelastung der Areale um die Sitzbeinhöcker unter weitest gehender Aussparung des medialen Perineums die beste Lösung. Der individuellen Anatomie sollte mit der Messung des Sitzbeinhöckerabstands und einer dazu passenden Sattelbreite Rechnung getragen werden.
Daneben ist es essentiell, dass der Sattel einen Höhenunterschied zwischen hinterer Sitzfläche und Sattelnase aufweist.
Die Wahl des richtigen Sattels
Die optimale Druckverteilung auf die Sitzbeinhöcker kann nur gewährleistet werden, wenn der Sattel a) eine Breite hat, die zum Abstand der Sitzbeinhöcker passt und b) diese beiden Kontaktpunkte ausreichend höher liegen als der Rest des Sattels (Stufe zur Sattelnase) [16]. Die anatomische Varianz des Abstands der Sitzbeinhöcker zueinander liegt einer eigenen Untersuchung zufolge beim Mann zwischen 9 und 16 cm, (n = 275, Median 13,32 cm), bei der Frau zwischen 11 und 17 cm (n = 445, Median 12,05 cm) (Staudte 2017). Ermittelt wird dieser Wert durch einen Abdruck der Sitzbeinhöcker im Sitzen auf einer Wellpappe (Maß = Mitte - Mitte) (Abb. 3). Für die passende Sattelbreite werden je nach Einsatzgebiet (Rennrad vs. Abb. Weiche Sattel erzeugen durch vermehrtes Einsinken der Sitzbeinhöcker eine größere Sitzfläche und sind für kurze Fahrten (< 30 min.) subjektiv am bequemsten.
Bei längeren und sportlichen Fahrten jedoch kommt es durch die eingeschränkte Bewegungsfreiheit der am Schambein und Sitzbein ansetzenden Muskeln häufig zu Beschwerden (Hüftstrecker/Adduktoren). Vorsicht ist bei der Wahl eines harten Sattels angebracht, der mit hohem Druck eine kleine Fläche an den Sitzbeinhöckern belastet. Dies kann zu einem schmerzhaften Überlastungssyndrom führen. Plane Sitzflächen sind günstiger als konvexe, da konvexe Formen mehr Druck auf den medialen Damm ausüben.
Weitere Tipps
- Der Faktor Zeit: Jeder noch so bequeme, aber ungünstig drückende Sattel wird zum Gesundheitsrisiko, wenn er lange und wiederholt gefahren wird. Genauso kann der Sattel mit dem optimalen Druckbild bei ebenfalls langer, einseitiger Belastung Probleme verursachen.
- Zusätzliches Gewicht: Zusätzliches Gewicht (z. B.
Selbsthilfemaßnahmen bei Problemen beim Wasserlassen
Wenn Probleme beim Wasserlassen auftreten, gibt es einige Maßnahmen, die Sie selbst ergreifen können, um die Symptome zu lindern und mögliche Ursachen anzugehen. Es ist jedoch wichtig, dass diese Selbsthilfetipps einen Arztbesuch nicht ersetzen, insbesondere wenn die Beschwerden anhalten oder sich verschlimmern.
- Ausreichend Flüssigkeit trinken: Auch wenn es paradox klingt, kann eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr helfen, die Blase richtig zu spülen und das Risiko für Harnwegsinfektionen zu verringern.
- Blasenentleerung optimieren: Es kann hilfreich sein, sich beim Wasserlassen Zeit zu nehmen, um sicherzustellen, dass die Blase vollständig entleert wird.
- Wärmende Anwendungen: Wärme, zum Beispiel durch ein warmes Sitzbad oder eine Wärmflasche auf dem Unterbauch, kann die Muskeln im Beckenbereich entspannen und das Wasserlassen erleichtern.
- Blasenstärkende Übungen (Beckenbodentraining): Stärkende Übungen für den Beckenboden können die Kontrolle über den Harnfluss verbessern, vor allem bei schwachem Harnstrahl oder Nachtröpfeln.
- Ernährungsanpassungen: Eine ballaststoffreiche Ernährung kann helfen, Verstopfungen vorzubeugen.
- Harnwegsinfektionen vorbeugen: Vor allem Frauen sind anfällig für Blasenentzündungen.
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