Newmen Streem Laufräder im Test: Revolutionäre Carbon-Speichen für Top-Performance

Klassisch eingespeichte Laufräder mit Carbonspeichen rücken immer mehr in den Fokus: Sie sind nicht mehr so teuer, dabei leicht und verwindungssteif. Das technische Optimum markieren aber weiterhin die teureren, verklebten Modelle wie Lightweight.

Als die Konstrukteure Rudolf Dierl und Heinz Obermayer vor 30 Jahren ein Speichenrad aus Carbon für Rennräder entwickelten, war das eine Sensation. Felge, Nabe und Speichen der Lightweight-Laufräder, wie sie später genannt wurden, waren fest zusammenlaminiert und klassischen Konstruktionen haushoch überlegen: Geringes Gewicht und höchste Steifigkeit verbanden sie auf eine Art, wie sie mit den damals üblichen Alu-Felgen und Stahlspeichen nicht ansatzweise zu erreichen war.

Spätestens mit den ersten prominenten sportlichen Erfolgen - 1996 wurde Johan Museeuw mit den neuartigen Laufrädern Straßenweltmeister und Bjarne Riis gewann damit die Tour de France - wurden sie bei Profis wie Hobbyfahrern so begehrt, dass die Nachfrage über Jahre hinweg nicht gesättigt werden konnte. Nur der exorbitant hohe Preis und die eingeschränkten Reparaturmöglichkeiten verhinderten eine massenhafte Verbreitung des Konstruktionsprinzips. Drei Jahrzehnte später werden die Lightweight-Laufräder noch immer nach ähnlichem Prinzip hauptsächlich in Handarbeit gebaut, unter professioneller Ägide bei der Carbovation Group in Friedrichshafen.

Doch mehrere Hersteller rütteln am Thron des Leichtbau-Pioniers und wollen das leichtfüßige Fahrgefühl eines Carbonspeichen-Laufrades zu günstigeren Preisen einem breiteren Publikum zugänglich machen.

Newmen Streem VONOA: Frischer Wind im Laufrad-Portfolio

Mit den neuen Streem VONOA Carbon-Laufrädern bringt der deutsche Komponentenhersteller Newmen frischen Wind ins eigene Portfolio. Wir hatten die Climb-Variante in der Ausführung mit VONOA Carbon-Speichen im Test, die mit gerade einmal 1.095 g auf die Waage bringen - das leichteste Laufrad-Set des Herstellers.

Mit 35 Millimetern Felgentiefe vorne und 38 Millimetern hinten liegt der Fokus ganz klar auf Kletter-Performance, einem schnellen Ansprechverhalten und maximalem Leichtbau. Die leicht versetzten Felgenhöhen sind dabei kein Zufall, sondern ein gezielt gewählter Sweet Spot, resultierend aus erhöhter Seitenwindstabilität, optimierten Gewicht und verbesserter Aerodynamik.

Für alle, die es auf der Geraden richtig krachen lassen wollen, hält NEWMEN Varianten mit tieferen Felgen bereit. Mit der 49/54 mm tiefen und 1.305 g leichten Allround-Version bzw. der 60/66 mm tiefen Sprint-Variante ist für jedes Bike das richtige Rad im Produktportfolio. Felge, Nabe und Speichen stammen dabei allesamt von NEWMEN. Die VONOA-Laufradvarianten kommen mit flachen Carbon-Speichen, die - anders als herkömmliche Stahlspeichen - eine deutlich höhere Zugfestigkeit bieten.

So erreicht NEWMEN eine Reduktion der Speichenanzahl auf lediglich 15 Speichen vorne und 18 am Hinterrad. Laut Hersteller spart das bis zu 40 Prozent Gewicht, ohne Abstriche bei der Steifigkeit in Kauf nehmen zu müssen.

Technische Details und Besonderheiten

Eines der auffälligsten Merkmale der Laufräder ist ihr Preis. Dieser liegt deutlich unter dem, was man in dieser Gewichtsklasse erwarten würde.

Zusätzlich spendiert NEWMEN den Felgen ein Aero-Feature. Das Streem Aero Valve lässt das Ventil in der Felge versenken und verschwindet so komplett - sauber abgedeckt durch eine kleine Kappe. Die Luft gelangt über eine Ventilverlängerung, das sogenannte Valve Tool, das auf das integrierte Schrader Ventil gesetzt wird, in den Reifen.

Laut NEWMEN soll das nicht nur optisch ansprechender aussehen, sondern durch geringere Luftverwirbelungen am Ventil sogar bis zu 1,5 Watt bei 45 km/h sparen. Passend dazu liegen ultraleichte Tubolito-Schläuche mit Schrader-Ventilen bei.

Doch neben der Aerodynamik beeinflusst vor allem das Gewicht die Performance. Warum Carbon-Laufräder deshalb zu den beliebtesten Performance-Upgrades am Rennrad zählen, ist leicht erklärt: Als rotierende Masse beeinflussen sie das Fahrverhalten entscheidend. Weniger Gewicht bedeutet weniger Trägheit - und damit schnelleres Ansprechverhalten. Beim Beschleunigen muss nicht nur die Masse nach vorne, sondern auch in Rotation gebracht werden.

Fahreindruck und Performance

Schon beim ersten Antritt wird klar: Diese Laufräder sind nicht auf Komfort-, sondern auf Performance getrimmt. Direkt und kompromisslos sorgen die Laufräder dank der hohen Steifigkeit der Carbon-Speichen für ein präzises Feedback sowohl beim Beschleunigen als auch in Kurven und im Wiegetritt. Gleichzeitig bieten sie optisch ein schönes Bild. Im Flachen profitieren die Streem Climbing VONOA trotz ihrer geringen Felgentiefe von ihrem geringen Gewicht. Sie halten das Tempo locker, auch wenn sie gefühlt in Sachen Aero-Effizienz nicht mit tieferen Felgen mithalten können.

Aber auch bergab zeigt sich die Leichtbau-DNA der Streem Climbing VONOA-Modelle. Wer denkt, dass leichte Laufräder nur beim Bergauffahren glänzen, liegt falsch. Dank der geringen rotierenden Masse reagieren die Räder in engen Kurven extrem agil und kontrolliert auf schnelle Richtungswechsel.

Und dann ist da noch der Moment, in dem man aufhört zu treten und auf das vertraute Surren des Freilaufs wartet. Doch: Stille. NEWMEN hat sich bewusst für einen extra leisen Freilaufkörper entschieden.

Fazit

Laufräder bleiben das Nummer-1-Upgrade fürs Rennrad. Wer regelmäßig bergauf attackiert, sein Setup gerne aufs Wesentliche reduziert und maximale Performance bei minimalem Gewicht sucht, findet in den NEWMEN Streem Climbing VONOA einen sehr gelungenen Laufradsatz.

Die flachen Carbon-Speichen und das aufgeräumte Design wirken auch an modernen Aero-Bikes noch stimmig und sorgen dank cleverem Aero-Valve für eine aerodynamische Integration. Das geringe Gewicht, die moderne Innenmaulweite und ein Preis deutlich unter 2.000 Euro machen die Streem Climbing VONOA zu einem echten Preis-Leistungs-Killer.

NEWMEN liefert ein rundum stimmiges Gesamtpaket, das weit mehr ist als nur ein Leichtbau-Gimmick, und im Praxiseinsatz besonders durch den direkten Antritt und das agile Handling überzeugen kann. Der nahezu lautlose Freilauf und das integrierte Ventilsystem sind dagegen Geschmackssache, doch unterm Strich gilt: In dieser Gewichtsklasse und Preiskategorie dürften vergleichbare Performance-Upgrades rar sein.

Preisattraktive Carbonlaufräder von Newmen

Unter 1500 Gramm, unter 900 Euro: Newmens neue Carbonlaufräder klingen sexy. Wir haben das Straßenmodell bereits in Labor und Praxis getestet.

Newmen Components bringt neue Carbonlaufradsätze für Road und Gravel auf den Markt, die den Highend-Modellen der Marke in nichts nachstehen sollen, aber nur einen Bruchteil davon kosten. Der Preis unter 900 Euro ist sehr attraktiv, die Leistung stimmt ebenfalls, wovon sich ROADBIKE exklusiv überzeugen konnte: In einem Vergleichstest von zehn Carbonlaufradsätzen unter 1200 Euro sammelten die Newmen Advanced A.50 88 Punkte - und sicherten sich damit einen Preis-Leistungstipp.

Technische Details der Newmen Advanced A.50

  • Felge: Breite Felge (innen 23 Millimeter, außen 32,5 Millimeter und 50 Millimeter hoch)
  • Gewicht: 1455 Gramm pro Set
  • Nabe: Hybridnabe Newmen Fade R SJ mit Straight-Pull- und J-Bend-Speichen
  • Ventil: Streem Aero Valve Ventil (integriertes Tubeless-Ventilsystem)

Hybridnabe und Streem Aero Valve

Die Hybridnabe Newmen Fade R SJ mit 21 Loch ist insofern technisch eigenständig, als dass sie auf der einen Seite auf Straight-Pull- und auf der anderen auf J-Bend-Speichen setzt. Laut Newmen reduziert diese Kombination nicht nur die Speichenanzahl und verbessert die Aerodynamik, sondern bietet auch genügend Seitensteifigkeit für präzises Handling und gute Kraftübertragung.

Ebenfalls technisch eigenständig ist das bereits von anderen Newmen-Laufrädern bekannte Streem Aero Valve Ventil. Dabei handelt es sich um ein System, bei dem die Tubelessventile komplett in den Felgen integriert sind. Die Felge wird dann von außen mit einem kleinen Stopfen verschlossen. Das sieht zum einen sehr aufgeräumt aus, zum anderen verspricht Newmen einen aerodynamischen Vorteil von 1,5 Watt bei 45 km/h gegenüber traditionell außen liegenden Tubelessventilen. Wer lieber klassisch mit Schläuchen fährt: Auch das ist technisch kein Problem (dann aber mit außenliegendem Ventil).

Fahreindruck und Handling der Advanced A.50

Auch in der Praxis wussten die Advanced A.50 zu überzeugen: Die Lager laufen auffällig leicht, die Laufräder beschleunigen für ihre Höhe ausgesprochen agil, halten hohes Tempo sehr gut, lenken präzise und bieten sehr viel Komfort. Das liegt natürlich auch an den Reifen, die angesichts der großen Maulweite sehr breit bauen und entsprechend mit etwas geringerem Luftdruck gefahren werden können. Als optimales Gesamtpaket empfiehlt Newmen übrigens 25 bis 32 Millimeter-Reifen, die beste Aerodynamik sollen 28- oder 30-Millimeter-Pneus bieten.

Newmen Advanced G.34: Das Gravel-Modell

Ebenfalls neu im Hause Newmen sind die Advanced G.34-Gravellaufräder, die wir allerdings noch nicht getestet haben. Die G.34 kommen laut Newmen mit aerodynamisch optimierter, robuste Carbonfelge mit matter Oberfläche, die - anders als das Straßenmodell Advanced A.50 - auf ein angewinkeltes Hookless-Felgendesign. Sprich: Die montierten Reifen müssen Tubeless-ready sein. Newmen empfiehlt Reifenbreiten von 35 bis 50 Millimeter.

Advanced A.50 mit klassischen Stahlspeichen

Der Advanced A.50, der mit knapp 900 Euro den Einstieg ins Portfolio bildet, kommt mit klassischen Stahlspeichen, dafür aber mit manch anderer technischer Finesse.

So sind die Laufräder mit einer Kombination aus gekröpften und geraden Speichen aufgebaut, was die Haltbarkeit verbessern soll. Die nur 21 Speichen pro Laufrad wirken sparsam, die Konkurrenz verbaut durchweg 24. Die Steifigkeit der Laufräder ist dennoch solide. Den Profi-Produkten entlehnt ist außerdem das Streem Aero-Ventil, das den Laufrädern beiliegt. Es verschwindet, aerodynamisch günstig, komplett in der Felge unter einer Abdeckung, aufgepumpt wird mittels Adapter.

Laufräder mit Carbonfelgen im Dauertest

Leichte Carbon-Laufräder machen schnelle Rennräder noch schneller. Sie kosten aber auch eine Menge Geld. Lohnt sich die Investition? Wir haben sechs Modelle mit teils deutlich unter 1500 Gramm Set-Gewicht getestet - im Labor und auf der Straße.

Michi Grätz, Newmen Components im Interview über Carbon Speichen

Derzeit kommen immer mehr Laufradsätze mit Carbon-Speichen auf den Markt. Ein neuer Trend?

Als Trend würde ich das nicht bezeichnen. Es ist der nächste konsequente, aber bereits etablierte Schritt in Richtung Leichtbau.

Was sind die Vorteile, was mögliche Nachteile von Carbon-Speichen?

Die Vorteile überwiegen deutlich. Sie sind leichter, stabiler und steifer. Steifer heißt, sie dehnen sich weniger als Stahlspeichen. Dadurch kann man Laufräder mit weniger Speichen bauen, was wiederum einen positiven Effekt auf die Aerodynamik und das Gewicht hat. Ich persönlich finde auch, dass Laufräder mit Carbon-Speichen einfach besser aussehen. Einziger Nachteil: Sie sind teurer als Stahlspeichen.

Michi Grätz: Carbon-Speichen sind unempfindlicher, als man denkt.

Im Falle eines Falles: Kann man Carbon-Speichen tauschen? Oder ist das Laufrad bei einem Speichenbruch hinüber?

Das kommt auf die Bauart des Carbon-Laufrads an. Bei unseren Vonoa-Modellen muss keine neue Nabe und keine neue Felge gekauft werden, einzelne Carbon-Speichen lassen sich wie normale Stahlspeichen ersetzen. Bei Laufrädern, bei denen die Carbon-Speichen an Nabe und/oder Felge einlaminiert sind, klappt das allerdings nicht. Diese Laufräder sind bei einem Speichenbruch hinüber.

Viele Laufräder mit Carbon-Speichen sind sehr teuer, eure Vonoa-Modelle hingegen vergleichsweise günstig. Wie bekommt ihr das hin?

Wir sind aufgrund unserer inzwischen relativ großen Stückzahlen gut aufgestellt, was die Herstellungskosten betrifft. Außerdem nehmen wir Abstand davon, Mondpreise im Aftermarkt anzusetzen, um Kompletträder, welche mit unseren Vonoa-Laufrädern ausgestattet sind, als besonders attraktives Angebot aussehen zu lassen.

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