E-Scooter erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit als eine unterhaltsame Möglichkeit, sich schneller im Straßenverkehr zu bewegen. NIU bietet in der 300er Serie zwei Modelle an: den 300P und den 300X, die sich technisch kaum unterscheiden. Daniel und Ronny haben die NIU KQI 300 Serie ausgiebig getestet und sind bei aktuellen Minusgraden gefahren.
Design und Verarbeitung
Optisch machen beide Scooter einiges her. Besonders der etwas teurere 300X wirkt durch die roten Akzente bei der Verkabelung, den Bremssätteln und anderen Details verspielter und dynamischer. An der Verarbeitung gibt es bei beiden Scootern nichts zu bemängeln. Die Kabel sind sauber verlegt, der Ladestutzen mit einer dicken Gummikappe ist gut am vorderen Trittbrett erreichbar positioniert, und die Schweißnähte sind sauber gezogen. Besonders gut gefällt die 16 cm breite Trittbrettauflage, die auch für größere Füße oder Personen auf längeren Strecken bequem ist.
Die Reifen haben einen Durchmesser von 10,5 Zoll und eine Dicke von 2,5 Zoll, was genau zwischen den üblichen Maßen liegt. Oft werden hier 10 oder 11 Zoll verbaut. Das Fahrgefühl, die Traktion, die Kontrolle und das Lenkverhalten sind sehr gut. Dank der Frontfederung verschmerzen die Scooter auch raue Straßen oder kleine Unebenheiten.
Bremsen und Rekuperation
Die Bremsscheiben an Front und Heck greifen gut und bringen den Scooter nach etwa 2,5 Metern Bremsweg bei voller Geschwindigkeit zum Stehen. Die Stärke der Rekuperation der Bremsen kann per App angepasst werden. Eine merkliche Energierückgewinnung und dadurch eine höhere Reichweite wird man aber auch hier nicht spüren.
Motor und Leistung
Die 500/450 Watt (300x/300p) und eine Spitzenleistung von 1000/900 Watt (300x/300p) katapultieren den Fahrer in wenigen Sekunden auf 20 km/h. Der Unterschied zwischen beiden Scootern ist bezüglich der Beschleunigung nicht wirklich bemerkbar. Das Display zeigt die wichtigsten Dinge wie Akkustand, Bluetooth-Verbindung und die aktuell gefahrene Geschwindigkeit an. Man kann noch das Licht aktivieren oder auf E-Scope umstellen, um nicht ganz so rasant unterwegs zu sein.
App und Funktionen
Die App ist recht umfangreich und bietet Funktionen vom Sperren des Scooters bis hin zur Einstellung der Beschleunigung und der Energierückgewinnung. In der App lässt sich auch die aktuelle gefahrene Strecke mit allen wichtigen Informationen zum Akku, Reststand, gefahrenen Kilometern, Trip und der verbleibenden Reichweite tracken.
Akkukapazität und Reichweite
Die Akkukapazität ist einer der entscheidenden Punkte zwischen beiden Geräten. Mit im Idealfall 60 km beim 300X zu 48 km beim 300p fallen sie spürbar anders aus. Wetter, Untergrund, Temperatur und Wind sind Faktoren, die maßgeblich auf die Reichweite Einfluss haben. In unserem Fall lagen wir mit einem Körpergewicht von 88 kg bei Daniel und rund 97 kg bei Ronny im schwereren Bereich. Zudem hatten wir im Testzeitraum ungünstiges und kaltes Wetter mit Minusgraden, was die Reichweite zusätzlich schmälert. Ziehen wir hier pauschal 12-20 km Reichweite ab, sollte es halbwegs realistisch sein und bei leichteren Personen bzw. besserem Wetter auch spürbar besser/höher mit der Reichweite ausfallen. Quasi war das ein Extrem-Test.
Von unserer Warte aus gibt es einen dicken Daumen nach oben: viel Leistung, straffer Anzug, gute Reichweite, sehr coole Optik und top Verarbeitung und ein sehr angenehmer Fahrkomfort sind hier gegeben. An der hier gegebenen (geringen) Endgeschwindigkeit können wir leider auch nicht drehen. Im Ursprung kann das 300X Modell sogar 38 km/h Spitze und das 300P Modell mit 32km/h über den Asphalt brettern. Der Niu KQi 300X ist ein richtig gut verarbeiteter E-Scooter mit starkem Motor, großem Akku und hellem Blinker.
NIU KQi 300X im Detail
Im Gegensatz zu Vorgängern wie dem Niu Kqi3 Max oder dem Niu Kqi3 Sport spendiert Niu dem KQi 300X einen Blinker, einen größeren Akku, eine verbesserte Federung, einen stärkeren Motor und noch viel mehr. Der KQi 300X kostet direkt bei Niu 750 Euro. Für den Preis erhalten Käufer einen hochwertigen E-Scooter mit vielen Features.
Aufbau, Optik und Verarbeitung
Der Aufbau des Niu KQi 300X ist denkbar einfach. Lediglich der Lenker muss mit vier Schrauben montiert werden. Nach dem Prüfen des Reifendrucks und dem Festziehen der Schrauben steht der ersten Fahrt fast nichts mehr im Wege. Bevor es losgehen kann, will Niu noch, dass der Käufer den E-Scooter mit der Niu-App verbindet. Dazu ist eine Registrierung nötig.
Optisch wirkt der KQi 300X eher unauffällig. Vorherrschende Farben sind Grau und Schwarz. Lediglich einige rote Elemente lockern das ansonsten recht schlichte Design etwas auf. Vorn wirkt der Elektroscooter schmal und filigran, während er nach hinten massiver wird. Am Lenker gibt es viele Kabel, die Niu jedoch geschickt hinter der Frontleuchte versteckt.
Die Verarbeitung des Niu KQi 300X macht einen soliden ersten Eindruck. Das maximale Fahrergewicht beträgt 120 kg, was für die meisten ausreichen sollte. Gegen eindringendes Wasser ist der E-Scooter mit IP55 zertifiziert. Das bedeutet, dass er gegen Staub und Strahlwasser aus beliebigem Winkel geschützt ist. Einzig das hintere Schutzblech wackelt beim Drauftreten etwas. Hier sollte man entsprechend nicht zu viel Gewicht aufbringen. Niu schreibt jedoch, dass sie dieses Problem gegenüber den Vorgängern verbessert haben.
Der KQi 300X ist ein recht großer E-Scooter. Die Länge des Lenkers beträgt 54,4 cm, die Höhe 123 cm. Nach dem Zusammenklappen reduziert sich die Höhe auf 54,2 cm. Das Trittbrett ist mit einer Länge von 55 cm und einer Breite von 17 cm großzügig dimensioniert. Insgesamt kommt der E-Scooter auf eine Länge von 117,4 cm. Der Abstand vom Boden zum Trittbrett beträgt 7,6 cm.
Der Klappmechanismus des Niu KQi 300X funktioniert hervorragend. Der Sicherungshebel ist einfach zu bedienen und rastet zuverlässig ein. Die zusammengelegte Lenkstange wird von einer Öse am hinteren Schutzblech gehalten. Diese Verbindung hält zuverlässig und lässt sich dennoch leicht wieder lösen. So zusammengeklappt lässt sich der E-Scooter gut in der Bahn verstauen, allerdings ist er mit einem Gewicht von 22,1 kg für längere Strecken recht schwer zu tragen.
Lenker und Display
Am breiten Lenker des Niu KQi 300X fällt sofort der Blinker auf. Anders als etwa beim Trittbrett Fritz gibt es die Leuchten nur vorn an den Lenkerenden. Der Blinker ist hell und piept beim Aktivieren, damit man nicht vergisst, ihn nach dem Abbiegen wieder auszuschalten - praktisch. Die zwei Taster zum Bedienen des Blinkers sitzen auf der rechten Seite des Lenkers. Mit ihnen lässt sich auch die Warnblinkanlage aktivieren. Ebenfalls auf der rechten Seite befindet sich der Gasring. Damit verzichtet Niu auf den sonst üblichen Daumengriff. Da der Ring angenehm leichtgängig ist, stellt er eine gute Alternative dar, um bei langen Fahrten Daumenschmerzen entgegenzuwirken. Links am Lenker ist die Klingel angebracht.
Das farbige Display sitzt mittig am Lenker, darunter der Taster zum Ein- und Ausschalten. Bei direkter Sonneneinstrahlung spiegelt das Display zwar, kann aber noch abgelesen werden. Es zeigt die Geschwindigkeit ohne Nachkommastelle sowie die Akkukapazität in Balken an. Mehr Informationen liefert die App. Dort lässt sich etwa der E-Scooter sperren. Das aktiviert die Motorbremse. Bewegt nun jemand den E-Scooter, ertönt ein Alarm und das Blinklicht leuchtet auf. Allerdings können Diebe den KQi 300X dennoch einfach wegtragen. Entsprechend empfehlen wir die Verwendung eines guten Schlosses.
In der App lassen sich außerdem Statistiken einsehen - wenn man vor der Fahrt „Niu Link Ride“ aktiviert. Das funktioniert jedoch nur bei geöffneter App. Praktisch ist hierfür eine Handyhalterung am Lenker. Weiterhin lässt sich in der App unter anderem einstellen, wie stark die Rekuperation ausfallen soll. Wir haben das Feature komplett ausgeschaltet, da das unserer Erfahrung nach das angenehmste Fahrgefühl vermittelt. Im dynamischen Modus lässt Niu den Fahrer in der App eine Maximalgeschwindigkeit von 38 km/h einstellen. Das hat auf die tatsächliche Endgeschwindigkeit jedoch glücklicherweise keine Auswirkungen, da der E-Scooter ansonsten seine Straßenzulassung verlieren würde.
Das Frontlicht des Niu KQi 300X ist hell und lässt sich in der Höhe anpassen. Auch das Rücklicht leuchtet hell genug, um von anderen Verkehrsteilnehmern gesehen zu werden. Beim Bremsen leuchtet es zusätzlich auf.
Fahren
Beim Fahren macht sich das breite und lange Trittbrett positiv bemerkbar. Es ist mit Gummi beschichtet, was für besseren Halt sorgt. Der tiefe Schwerpunkt trägt ebenfalls zum guten Fahrgefühl bei. Die Frontfederung hat einen Hub von 45 Millimeter und ist straff genug eingestellt, um ein Wippen des Lenkers zu verhindern, filtert aber dennoch viele Stöße anständig heraus. Um das Fahrverhalten noch weiter zu verbessern, verwendet Niu 2,5 Zoll breite schlauchlose 10,5-Zoll-Reifen mit einer selbstheilenden Beschichtung. Dank einer klebrigen Flüssigkeit im Inneren sollen so kleinere Beschädigungen automatisch verschlossen werden. Wer regelmäßig auf unbefestigten Wegen unterwegs ist, sollte dennoch lieber einen E-Scooter aus der Bestenliste Top 7: Die besten Offroad-E-Scooter wählen.
Der 500 Watt starke Motor im Hinterrad unterstützt in der Spitze mit 1000 Watt. Das ist enorm viel für einen Elektroscooter mit Straßenzulassung. Im Test haben wir nur selten stärkere Motoren erlebt. Laut Tacho fährt der E-Scooter 22 km/h. Die GPS-App bestätigt uns 21 km/h. Eine recht hohe und dennoch legale Endgeschwindigkeit.
Sehr gut gefallen uns die mechanischen Scheibenbremsen an beiden Rädern. Sie greifen beherzt zu und bringen den E-Scooter auch bei einer Vollbremsung flott zum Stehen. Trotzdem lassen sie sich gut dosieren und reagieren nicht zu bissig.
Akku
Niu stattet den KQi 300X mit einem 608 Wattstunden großen Akku aus. Das ist für diese Preisklasse viel. Der Hersteller gibt eine maximale Reichweite von 60 Kilometern an. Dieser Wert wird aber bestenfalls unter absoluten Idealbedingungen erreicht, also mit einem leichten Fahrer, der gemütlich ohne viel Stop-and-Go bei mildem Wetter auf ebener Strecke unterwegs ist. In unserem Fall sind wir mit einem Fahrergewicht von 85 Kilogramm in vornehmlich hügeligem Terrain und vielen Anfahrten etwa 35 Kilometer weit gekommen. Dabei haben wir stets die maximale Geschwindigkeit genutzt.
Der Ladeanschluss befindet sich im vorderen Teil des Trittbretts. Er ist gut erreichbar und vor eindringendem Wasser geschützt. Mit dem mitgelieferten Netzteil dauert eine komplette Ladung gute sechs Stunden.
Preis
Der KQi 300X kostet direkt bei Niu 750 Euro. Achtung! Es gibt auch Modelle ohne Straßenzulassung, hier sollte man beim Kauf ganz genau hinschauen. Hier im Preisvergleich zeigen wir die beliebtesten E-Scooter von Niu.
Technische Daten im Überblick
| Feature | Wert |
|---|---|
| Motorleistung | 500 Watt (1000 Watt Spitze) |
| Akkukapazität | 608 Wh |
| Maximale Reichweite | 60 km (Herstellerangabe) |
| Reifengröße | 10,5 Zoll |
| Maximale Zuladung | 120 kg |
| Gewicht | 22,1 kg |
| Preis | 750 Euro |
Fazit
Der Niu KQi 300X ist ein richtig guter E-Scooter. So sehen wir den gut erreichbaren und sehr hellen Blinker als echte Bereicherung für die Sicherheit im Straßenverkehr. Einen derart starken Motor haben wir bisher nur selten gesehen. Der große Akku sorgt für ausreichend Reichweite, die Bremsen greifen zuverlässig und die App bietet viele praktische Funktionen. Auch das hohe Gesamtgewicht sowie die selbstheilenden, schlauchlose Reifen wissen zu gefallen. Lediglich das etwas wackelige hintere Schutzblech trübt den ansonsten hervorragenden Gesamteindruck minimal.
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