Die legendären Rundenrekorde der Nürburgring-Nordschleife

Die Nordschleife des Nürburgrings, im Volksmund auch "Grüne Hölle" genannt, gilt als die gefährlichste und schönste Rennstrecke der Welt. Seit Jahrzehnten fasziniert, lockt und fordert keine Rennstrecke der Welt mehr als das Kurvengeschlängel in der Eifel. Hier werden Geschwindigkeitsrekorde zu einem Tanz auf Messers Schneide, bei dem wenige Zehntelsekunden über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Die Jagd nach neuen Geschwindigkeitsrekorden auf der Nürburgring-Nordschleife hat in den vergangenen Jahren zunehmend die Aufmerksamkeit offizieller Pressemitteilungen von Automobilmarken auf sich gezogen. Rekorde und schnelle Rundenzeiten sind mittlerweile feste Bestandteile bei Präsentationen auf internationalen Automobilmessen geworden.

Die Nordschleife ist mit ihrer einzigartigen Streckenarchitektur, die zahlreiche starke Höhenunterschiede und über 70 schnelle Kurven aufweist, zum ultimativen Testgelände für Hochgeschwindigkeitsfahrzeuge avanciert. Ausgedehnte Testfahrten auf der Rennstrecke mit anspruchsvollen Belastungen ermöglichen es, Schwachstellen an Fahrwerk, Karosserie, Motor und Getriebe aufzudecken.

Der Nürburgring hat sich zu einem Testzentrum und Maßstab entwickelt, vergleichbar mit dem neuen Silicon Valley der Automobilindustrie und dient als Referenz für viele globale Marken. Heute konkurrieren alle Hersteller am Nürburgring um die beste Rundenzeit.

Motorrad-Rundenrekorde

Auf der 20,8 Kilometer langen Nürburgring-Nordschleife hält Helmut Dähne den Rekord für Serien-Motorräder: Am 22. Mai 1993 umrundete der Rennfahrer auf einer Honda RC30 die Nordschleife in 7:49,71 Minuten. Bis auf weiteres dürfte diese Zeit von niemandem zu schlagen sein.

Helmut Dähne, Jahrgang 1944, hält mit einer Honda VFR 750 R RC30 immer noch den Rundenrekord für Serienmotorräder auf der Nürburgring-Nordschleife. Und das schon seit 20 Jahren. Damit ist Dähne unter Nürburgring- und Motorradfreunden bereits zu Lebzeiten eine Legende.

Als sich Helmut Dähne am 22. Mai 1993 in seine rote Lederkombi zwängt, ahnt er noch nicht, dass er gleich eine Rekordzeit fahren wird, die für immer bestehen bleibt. Die Wetterbedingungen in der Eifel sind zwar ausnahmsweise gut, der Asphalt griffig und seine Maschine optimal vorbereitet. Allerdings ist Dähne nicht alleine auf der Strecke. Er steckt mitten in einem Pulk von anderen Maschinen. Doch von Aufregung keine Spur.

Dähne ist ein Ring-Fuchs, kennt die 73 Rechts- und Linkskurven, die Steigungen von bis zu 17 Prozent und das maximal elfprozentige Gefälle wie im Schlaf. Seit 1965 nimmt er den Eifelkurs unter die Räder. Er studiert akribisch die Strecke, sucht die Ideallinie und den griffigsten Asphalt.

"Dabei kam ich mir gar nicht so schnell vor. Ich bin völlig unspektakulär gefahren", sagt er noch heute verwundert. "Doch meist ist es ja so, dass man schnell ist, wenn alles im Fluss ist und es unspektakulär ausschaut", weiß er.

Schon ein Jahr nach seinem Rundenrekord, am 2. Juli 1994, wird die Nordschleife aus Sicherheitsgründen für Motorradrennen gesperrt. Heute geht es entweder über den Grand-Prix-Kurs oder im Publikumsverkehr über den Ring. "Damit bleibe ich wohl der schnellste Serienmotorradfahrer auf dem Ring", sagt der Bayer lächelnd.

Er weiß allerdings, dass bei geöffneter Strecke sein Rekord fallen würde. "Mit einer neueren und stärkeren Maschine würde die Zeit verbessert, da bin ich mir sicher." Aktuell bewegt der 69-Jährige am liebsten sein Rekordmotorrad, obwohl er noch ein paar neuere Maschinen in der Garage stehen hat.

"Die Honda hat ein einmalig ansprechendes Fahrwerk. Dazu kommen noch der Sound und die Charakteristik des 120-PS-V-Motors", schwärmt er.

Doch der Nürburgring ist nicht die einzige Rennstrecke, die Dähne Ruhm und Ehre bringt. Mit einem Sieg bei der 61 Kilometer langen Isle of Man Tourist Trophy (TT) 1976 in der Produktions-Klasse wird er weltweit bekannt. Insgesamt startet er 26-mal bei dem wohl gefährlichsten Motorradrennen und erhält den Namen "Mister TT".

Seine Titel-Liste ist beeindruckend: Zwischen 1965 und 2005 gewinnt er insgesamt 15-mal die Deutsche Meisterschaft im Serienmaschinen-Rennsport, wird 1980 Dritter bei der Endurance Langstreckenweltmeisterschaft und gewinnt bis 2001 18-mal die 1000 Kilometer vom Hockenheimring. Von 369 Rennen fährt er 126-mal als Erster durchs Ziel. Damit zählt er zu den erfolgreichsten deutschen Motorradrennfahrern.

Weitere bemerkenswerte Rundenrekorde

Neben den Motorrad-Rundenrekorden gibt es auf der Nürburgring-Nordschleife noch weitere bemerkenswerte Bestzeiten in verschiedenen Kategorien:

  • Formel 1: Clay Regazzoni hält den Rundenrekord für Formel-1-Fahrzeuge auf der Nürburgring-Nordschleife mit einer Zeit von 7:06,4 Minuten, aufgestellt 1975.
  • Serien-Sportwagen: Tom Coronel fuhr 2008 mit einem Dodge Viper SRT-10 ACR eine Zeit von 7:22,1 Minuten.
  • Gesamtfahrzeug: Stefan Bellof fuhr 1983 mit einem Porsche 956 eine Fabelzeit von 6:25,91 Minuten.
  • Saugmotor: Christian "Toto" Wolff setzte 2015 mit einem Land-Porsche RSR eine Zeit von 7:03 Minuten.
  • Hybridfahrzeug: Heinz-Harald Frentzen absolvierte 2008 mit einem Gumpert Apollo eine Runde in 9:24,88 Minuten.
  • Dieselfahrzeug: Reinhard Schall fuhr 2007 mit einem BMW 335d GTR eine Bestzeit von 7:48 Minuten.
  • Elektrofahrzeug: Rimac Nevera LE Time Attack legte die Nürburgring-Nordschleifen-Distanz von 20,832 km in beeindruckenden 7:05,29 Minuten zurück (und 7 Minuten und 0,92 Sekunden für die 20,6 km-Distanz).

Übersicht der Rundenrekorde

Fahrzeugtyp Fahrer Fahrzeug Zeit Jahr
Serienmotorrad Helmut Dähne Honda RC30 7:49,71 Minuten 1993
Formel 1 Clay Regazzoni Ferrari 7:06,4 Minuten 1975
Serien-Sportwagen Tom Coronel Dodge Viper SRT-10 ACR 7:22,1 Minuten 2008
Gesamtfahrzeug Stefan Bellof Porsche 956 6:25,91 Minuten 1983
Elektrofahrzeug Martin Codric Rimac Nevera LE Time Attack 7:05,29 Minuten 2023

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