Norwid Fahrradbau GmbH: Erfahrungen und Einblicke

Norwid ist eine kleine Manufaktur in Neuendorf bei Elmshorn, die für ihren hochwertigen Fahrradbau bekannt ist. Viele Radfahrer, die ein Fahrrad für lange Touren suchen, entscheiden sich für Norwid.

Seit 30 Jahren baut Norwid in seiner norddeutschen Stahl-Manufaktur anspruchsvolle „Fahrräder für Velosophen“, wie Inhaber Rudolf Pallesen sagt. Der hohe Anspruch und der handwerkliche Aufwand äußern sich im Preisniveau.

Langjährige Erfahrungen mit Norwid Rädern

Ein Radfahrer berichtet von seinen Erfahrungen mit einem Norwid Gotland, das er seit anderthalb Jahren fährt. Knapp 10.000 km hat er damit zurückgelegt, davon ca. 7.000 km auf dem Weg ins Büro und zurück, meist über Wald- und Schotterwege.

Die Entscheidung für das Norwid sei nach wie vor die richtige gewesen. Immer wieder fahre er auch andere Fahrräder, aber wenn er auf sein Norwid steige, dann fühle er sich wie Zuhause. Ob mit oder ohne Gepäck - das Norwid mache einfach Spaß.

Allerdings muss man dabei auf den Luftdruck achten: als ich in Georgien die ersten Kilometer vom Flughafen nach Tiflis gefahren bin, fing bei Geschwindigkeiten höher 30 km/h das Rad an sich aufzuschaukeln. Das Vorderrad flatterte richtig und ich musste abbremsen. Dann habe ich die Taschen neu austariert, aber erst mit dem richtigen Luftdruck auf den Mondials war das Flattern vorbei.

Verschleiß und Reparaturen

Nach den Bremsen und Felgen sind natürlich vor allem die Reifen betroffen: die Mondial Faltreifen sind wirklich sehr belastbar. Kaum Belastungs- oder Alterungsrisse und auch der Abrieb hält sich aus meiner Sicht noch in Grenzen. Scherben, Nägel und scharfe Steine zerschneiden immer wieder den Gummi. Aber nie kritisch. Bislang hatte ich mit den Mondial einen Platten. Eine Scherbe hat sich durch den Reifen gebohrt.

Die Ryde/Rigida Sputnik Felgen sind natürlich ebenfalls vom Verschleiß betroffen. Die Flanken sind schon vom Abrieb gezeichnet, aber noch ist es (aus meiner Sicht) nicht kritisch. Bis Ende des Jahres werde ich sie auf jeden Fall noch fahren und dann von Norwid mal inspizieren lassen. Die Laufräder mit den Sputniks sind aber extrem gut. Ich beanspruche das Material schon sehr und dennoch gibt es keinerlei Schaden an den Rädern.

Obwohl ich sehr oft mein Fahrrad und besonders den Antrieb reinige, habe ich nach 7.500 km eine neue KMC-Kette aufgezogen. Gleichzeitig habe ich das Rohloffritzel gedreht. Dabei meinte der Mechaniker, dass es schon sehr runtergefahren sei und demnächst gewechselt werden sollte. Der Tretkranz hat auch schon deutliche Gebrauchsspuren. Noch sind die Haifischzähne nicht bedenklich, aber auch hier ist der Abrieb schon deutlich. Insgesamt komme ich so vermutlich auf ca. 500 Euro an Austauschkosten, die Ende des Jahres anfallen.

Mit der Rohloff bin ich mehr als zufrieden. Nach wie vor schätze ich sie mehr, als eine Kettenschaltung. Es macht einfach Spaß mit ihr zu fahren. Nach 5.000 km habe ich das Öl gewechselt, was sehr einfach war. Sie schaltet präzise und der Drehgriff ist gut zu bedienen. Ich habe die Bowdenzüge bislang noch nicht nachgestellt.

Probleme mit den Bremsen

Ein Kritikpunkt sind die Magura HS33 R Bremsen. Zuvor hatte der Radfahrer Avid Single Digit 7 an seinem alten Reiserad. Hier waren die Einstellung und das Wechseln der Bremsgummis einfacher sowie die Bremswirkung besser. Die Maguras bremsen weicher und je nach Belag bei Nässe manchmal auch gar nicht richtig.

Aktuell bin ich mit XT-Scheibenbremsen unterwegs und bei Nässe ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht. Wo die Scheiben gut bremsen, rutscht die HS33 mit roten Gummis nur durch und baut nicht wirklich einen Druckpunkt auf.

Am meisten hat mich aber das Quietschen der Bremsen gestört. Das fing bereits mit den ersten Belägen an. Inzwischen habe ich da auch mit Werkstattunterstützung alles versucht, das in den Griff zu bekommen. Die Felgen wurden abgeschliffen, verschiedene Bremsgummis ausprobiert. Aber sobald es etwas feuchter ist, quietscht es. Auf den bislang gefahrenen fast 10.000 km musste ich schon 5x die Beläge wechseln.

Das Norwid Maribo Urban im Test

Das Norwid Maribo Urban ist eins von sieben Gravelbikes für Pendler aus dem aktuellen MYBIKE-Test. Um auch Norwid-Räder unterhalb der Premium-Preisklasse anbieten zu können, entstand die „Lofoten“-Serie in Kooperation mit dem tschechischen Rahmenhersteller Fort. Fort schweißt die Rahmen und Gabeln dieser Serie nach Norwid-Spezifikationen günstiger, als Norwid es selbst könnte.

Das Norwid Maribo aus dieser Linie ist als City-Renner konzipiert und ein schönes Beispiel für das neue Konzept. Rahmen und Gabel sind perfekt verarbeitet. Die traditionalistische Norwid-DNA zeigt sich an schlanken Rohrdurchmessern, waagerechtem Oberrohr, schmaler Bereifung, agiler Lenkung und sportiv-souveränem Fahrverhalten.

Ein wenig Hipness bekommt das Norwid Maribo durch den mattschwarzen Stealth-Look und schicke, hochstabile Alumee-Bleche mit integriertem Gepäckträger. Sein hohes Cockpit sorgt für entspannt sportliches Sitzen, prima Handling und gute Übersicht im Verkehr.

Merkmal Details
Rahmengrößen 51, 54, 57, 60, 63 cm
Gewicht Testrad 12,9 kg
Zulässiges Gesamtgewicht 130 kg
Rahmen 25CroMo4, geschweißt, Schnellspannachsen
Gabel 25CroMo4, Träger-Gewinde
Schaltung Shimano 105 2x11, 50/34, 11-32 Zähne
Bremsen Shimano 105/Ultegra Disc, 160 mm
Reifen Conti Contact Urban 32-622
Lichtanlage Shimano DH-UR700, B&M IQ-XS, Son-Rücklicht
Preis 3.390 Euro

Vor- und Nachteile des Norwid Maribo

  • Plus: Norwid-Qualität zu günstigerem Kurs; schnelles Straßenrad
  • Minus: Keine Ständer-Aufnahme (kann als Extra geordert werden)

Norwid als Maßrahmen-Schmiede

Rudolf Pallesen betreibt eine der wenigen klassischen Maßrahmen-Schmieden in Deutschland und das bis ins kleinste Detail.

Pallesens Geschäft hat drei Standbeine:

  • Bedienung des regionalen Marktes mit klassischer Handelsware.
  • Geschweißte CrMo-Rahmen von Fort in Tschechien für den Preisbereich bis etwa 4000 Euro.
  • Maßrahmenbau, auf den Pallesen den Fokus richtet (Rahmen von rund 1500 bis etwa 3000 Euro, oder Kompletträder die dann schon mal die 7000-Euro-Grenze kratzen).

Warum Stahl?

»Ich mache in Stahl, weil ich dahinter stehe«, erklärt Pallesen gelassen. »Als alle Welt auf Alu umgestiegen ist, haben wir auch kurz damit geliebäugelt«, gibt er zu. »Aber wenn ich für Alu argumentiere, bin ich doch nicht mehr glaubwürdig!«

Mittlerweile entsteht hier ein großer Teil der Räder mit Rohloff und Pinion-Getriebe. »Bei XT-Schaltungsräder könnten wir preislich mit den Großanbietern sowieso nicht mithalten. Bei Rohloff-Rädern liegen wir nur etwa 20 Prozent über dem Schnitt«, erklärt Pallesen.

Der Unterschied zwischen Pinion- und Rohloff-Kunden: »Wer Pinion kauft, will beispielsweise für den alpinen Bereich noch eine etwas kleinere Übersetzung nutzen. Oder er steht auf das Tretlagergetriebe, weil es mehr Gänge hat - einfach wie beim Quartettspielen - mehr ist besser«, Pallesen grinst.

Die Norwid-Welt

Schon mit den Rahmen von der Fort-Stange steigen wir also namenstechnisch sprachlich in die Norwid-Welt ein, dazu gehört unter anderem eine nordische Anmutung. Neben den Lofoten gibt es Skagen, Spitzbergen, Vättern - viele Fahrradmodell-Namen, die nahelegen, dass Nordlicht Pallesen sich gefühlsmäßig eher Richtung Skandinavien denn Österreich orientiert.

So steht der Name Norwid auch für Norden und Wied, also Wald. »Ich bin ein Fischkopp«, sagt er von sich selbst, »und deshalb wollte ich nach meiner Ausbildung wieder hierher zurück.«

Der Weg zu Norwid

Mit 16 Jahren fing der Elmshorner an zu schrauben, baute sich selbst einen Koga Miyata World Traveller auf - und das begeisterte ihn. Schnell war dem Gymnasiasten klar, dass er »etwas mit Fahrrad« machen wollte, doch: »Schrauben war mir zu wenig.« Er wollte kreativer werden und ihn faszinierte der Werkstoff Metall.

Seit 1992, gut 25 Jahre, gibt es jetzt Norwid. Immer hier, nördlich von Hamburg. Die Elbe ist gerade mal 20 Fahrradminuten entfernt. Hier gibt’s nur kleine Sträßchen und Deichwege, fast keinen Autoverkehr.

Individualisierung und Maßanfertigung

Körpermaße wie Größe, Schrittlänge, Gewicht und Proportionen sind eine Sache. Die andere sind Haltung, Fahrgewohnheiten und der Untergrund, auf dem der Kunde unterwegs sein will. Die Erstellung der Maße sind für den Rahmenbauer Routine.

Wenn der Kunde dann schon feste Vorstellungen vom Rad hat - umso besser. Schließlich will auch noch die Basisentscheidung »Laufradgröße« gefällt werden.

Pallesen empfiehlt für seine Naben- und Tretlagerschaltungen Riemenantrieb - und diese Empfehlung wird mittlerweile sehr häufig umgesetzt - vor allem wegen der guten Erfahrungen in Sachen Dauerhaltbarkeit und Wartungsfreiheit.

Antrieb und Schaltungen sind allerdings nur Basics für eine Kaufentscheidung bei Pallesen. Der Kunde bekommt, was er will. »Die größte Herausforderung ist es manchmal aber, dabei zu helfen herauszufinden, was er wirklich will« erklärt er.

Die Rahmenrohre

An der hinteren Werkstattwand findet sich ein Regal, das die Herzen der Stahlfans höherschlagen lässt: Hier liegen alle Rohre, die Pallesen verbaut. Vom relativ einfachen Columbus-Rohr bis hin zu Reynolds 953 ist alles da. Dass Pallesen auch Edelstahl-Rahmen baut, ist fast schon einzigartig in der Stahlrahmen-Szene. Viele schrecken vor der besonders sorgfältigen Behandlung der Rohre zurück - Pallesen lässt sie ihnen angedeihen.

Die Rohre bezieht er unter anderem aus Italien und USA, und natürlich sind Bestellungen für ein einzelnes Fahrrad nicht drin. Rahmenbau verlangt auch einiges an Rechercheleistung. Und Erfahrung ist ohnehin unabkömmlich.

Der Lötvorgang

Grundsätzlich wird der Rahmen gelötet, meist mit Muffen. Das heißt: Kleine Verbindungsstücke zwischen den Rohren, wie man sie vom klassischen Stahlrahmen kennt, bei älteren und auch wieder jüngeren Rahmen gelegentlich mit verzierenden Schnörkeln versehen, sorgen für Stabilität.

Doch Pallesen lötet auch im sogenannten Fillet-Brazed-Verfahren, der Auftragslötung: Hier werden die Rohre direkt miteinander verlötet. Das Verfahren erfordert mehr Sorgfalt, hat aber neben dem eleganten Erscheinungsbild - die Verbindungen werden per Hand aufwendig geglättet, der Rahmen wirkt so wie aus einem Guss - Vorteile durch den optimalen Kraftfluss bei Beanspruchung des Rahmens.

Kundenmeinungen und Kritik

Einige Kunden berichten von ihren Erfahrungen mit Norwid Rahmen und Fahrrädern. Während viele die Qualität und Fahreigenschaften loben, gibt es auch Kritikpunkte:

  • Termintreue: Lieferverzögerungen von mehreren Wochen sind keine Seltenheit.
  • Kommunikation: Mangelnde proaktive Information über Verzögerungen.
  • Details: Probleme mit der Anbringung von Flaschenhaltern und der Kompatibilität von Schutzblechen.
  • Lackierung: Anfälligkeit des Lacks für Beschädigungen.

Ein Kunde schrieb: "Der Rahmen den er geliefert hat ist an sich ist toll. Sauber verarbeitet mit wunderschönen Muffen und exzellenten Fahreigenschaften."

Ein anderer Kunde meinte: "Das habe ich anders erlebt und auch von anderen erzählt bekommen, Pallesen nimmt sich schon Ermessenspielraum, wenn er meint, daß er ihn braucht...Es ist aber tatsächlich anzuraten, wirklich alle (!) Positionen schriftlich vorher zu definieren"

Tipps für Interessenten

  • Persönliches Gespräch: Gehen Sie hin und machen Sie sich ein Bild, ob Sie mit dem Rahmenbauer können.
  • Präzise Fragen: Stellen Sie präzise Fragen und bestehen Sie gegebenenfalls auf Antworten.
  • Entfernung: Bedenken Sie, dass die Entfernung nicht zu groß ist, falls Reklamationen auftreten.
  • Schriftliche Spezifikation: Spezifizieren Sie die technische Ausführung möglichst genau schriftlich.

Weitere Aspekte

Norwid bietet Trekking- und Reiseräder, Mountainbikes und Rennräder an. Sogar Citybikes können auf Maß gefertigt werden. Was Pallesen nicht baut, sind E-Bikes.

Die Büroarbeit hat Pallesens Frau Claudia übernommen. Das Unternehmen beschäftigt fünf Mitarbeiter.

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