NOX EPIUM Enduro 7.1 Pro Test: Ein E-MTB mit europäischem Herz

Das NOX EPIUM Enduro ist das neue Prestigeprojekt bei NOX und soll demonstrieren, dass sich sportlich, modern, traditionsbewusst und lokal nicht gegenseitig ausschließen müssen. Das von uns getestete NOX EPIUM Enduro 7.1 Pro geht für 9.299 Euro über die Ladentheke und bringt 20,78 kg auf die Waage. Mit üppigen 180 mm Federweg, Mullet-Laufradmix und FAZUA Ride 60-Motor tritt es mit breiter Brust an.

Europäische Produktion im Fokus

Die Produktionsschritte sowie die Teileliste des NOX EPIUM 7.1 Pro lesen sich wie ein Europa-Roadtrip. Angefangen bei der Rahmen-Produktion in Portugal und die Herstellung der CNC- und Schmiedeteile in Bayern geht es kurz über den Brennerpass nach Südtirol für die Eloxierung bis zur finalen Rahmenstation in Tirol, wo die Rahmen von Hand lackiert werden. Zusammengebaut werden die Europa-Reisenden dann noch im heimischen idyllischen Zillertal, von wo aus sie sich auf weitere Reisen in die Welt begeben. Dafür werden nicht nur die Carbonrahmen in Portugal produziert, sondern auch die Alu-Hardware kommt aus Deutschland, genauso wie die ganze Entwicklungsarbeit in Europa stattfindet.

Dass NOX Wert auf ein langes Leben seiner Rahmen und Bikes legt, zeigt sich daran, dass alle Aluteile und Inserts im Rahmen gesteckt und damit auch austauschbar sind. Das heißt, dass im Fall von kaputten Gewinden in der Rahmenhardware nicht der ganze Rahmen getauscht, sondern nur neue Hardware verbaut werden muss.

Design und Motorintegration

Was den Look des Rahmens angeht, hat sich NOX nichts gravierend Neues ausgedacht. Bereits von Weitem sieht man dank der geraden Linienführung und dem parallel zum Oberrohr laufenden Dämpfer, dass man es mit einem NOX zu tun hat. Das 60 Nm starke FAZUA Ride 60-Antriebssystem integriert NOX gewohnt schlank in den Rahmen und der 430 Wh große Akku findet im geraden Unterrohr ausreichend Platz. Möchte man den Akku entnehmen, muss das mit FIDLOCK-Verschluss werkzeuglos gesicherte Akkucover gelöst und dann der Akku am Haltegriff entnommen werden. Ohne Werkzeug und großes Gefummel geht hier alles einfach und schnell von der Hand.

Etwas schade ist, dass NOX den Ladeport weit unten am Unterrohr platziert, denn dadurch wandern die Anschraubpunkte für den Flaschenhalter weiter nach oben. Das sorgt dafür, dass sich die Trinkflasche mit dem Piggyback des Dämpfers in die Quere kommt. Gesteuert wird das Motorsystem über die klassische FAZUA Kombi aus minimalistischer Ring Remote und dem im Oberrohr integrierten LED-Display. Überzeugt die Remote noch durch ihr unauffälliges Erscheinungsbild und die intuitive Bedienung, sammelt sie mit ihrem billigen Feeling eher Minuspunkte. Das LED-Display im Oberrohr liefert mit der Akkuanzeige in 20-%-Schritten und der Unterstützungsstufe nur einen sehr geringen Informationsgehalt, hat dafür noch einen USB-C-Ladeport an der Unterseite versteckt. NOX verlegt die Züge über Kabelports im Steuerrohrbereich durch den Rahmen.

Am Hinterbau wird die Kettenstrebe mit einem umfangreichen Schutz aus weichem Gummi geschützt. Der verhindert nicht nur Lackschäden an der Kettenstrebe, sondern sorgt auch in puncto Kettenschlag verlässlich für Ruhe.

Ausstattung des NOX EPIUM Enduro 7.1 Pro

Die fetten 180 mm Federweg des NOX EPIUM Enduro 7.1 Pro kommen nicht von ungefähr. An der Front sorgt die massive FOX 38 Performance-Gabel für Kontrolle und Dämpfung, lässt sich aber dank der einfacheren GRIP-Kartusche nicht so fein einstellen. Am Heck gibt es den passenden FOX DHX-Stahlfederdämpfer, der zusätzlich zur brachialen Optik beiträgt. Eine FOX Transfer-Sattelstütze komplettiert das FOX-Trio im Aufbau des NOX EPIUM Enduro 7.1.

Bremsen und Schaltwerk stammen beide aus der SLX-Reihe des japanischen Komponenten-Riesen Shimano. Die Vierkolbenbremsen verzögern mit gewohnt bissigen Druckpunkt zuverlässig. Am Heck allerdings nur dann, wenn man nicht zu schwer ist oder die Abfahrten sich nicht zu lang hinziehen. Denn hier verbaut NOX nur eine 180er-Scheibe, was für ein Bike dieser Federwegsklasse mit Abfahrtsfokus definitiv zu wenig ist und schnell zu Überhitzen und nachlassender Bremspower führt. Zuverlässig wie eh und je verrichtet das SLX-Schaltwerk seinen Dienst, ganz so, wie man es von ihm kennt.

Die Laufräder in Mullet-Konfiguration mit 29”-Vorderrad und 27,5”-Hinterrad kommen von DT Swiss. Die HX 1700-Alu-Laufräder sind robust, hochwertig und immer eine gute Wahl. Vorne wie hinten kommt hier ein Continental Argotal-Reifen zum Einsatz. Allerdings ist der Continental-Allrounder für lose und nasse Böden in der dünnen Trail-Karkasse und der harten Soft-Gummimischung verbaut. Das kostet nicht nur Grip, sondern resultiert auf groben Trails auch schneller in platten Reifen. Hier sollte man am besten direkt beim Kauf auf robustere Pneus upgraden.

Ausstattungsvarianten

Neben dem von uns getesteten NOX EPIUM Enduro 7.1 Pro gibt es noch die beiden Ausstattungsvarianten Core und Ultra. Das Pro-Modell stellt mit 9.299 Euro in Sachen Preis die mittlere Ausstattungsvariante dar.

  • Core: Bei der Core-Ausstattung für 8.699 Euro kommt statt des FOX DHX-Dämpfers ein Stahlfederdämpfer von Marzocchi zum Einsatz. Antrieb und Schaltung kommen ebenfalls von Shimano, allerdings aus der günstigeren DEORE-Gruppe, bei der man unter anderem auf eine Griffweitenverstellung an den Bremsen verzichten muss.
  • Ultra: In der Ultra-Ausstattung für 10.999 Euro kommt das Highend-Fahrwerk von FOX zum Einsatz, bestehend aus 38 Factory-Gabel und DHX2-Stahlfederdämpfer - beides inklusive der edlen goldenen Kashima-Beschichtung. Schaltung und Bremsen stammen beide aus der XT-Baureihe.

Alle drei Ausstattungsvarianten teilen sich dieselbe schwache Reifenwahl.

Geometrie: Altmodisch oder zukunftsweisend?

Besonders große Fahrer schauen komplett in die Röhre, weil in Rahmengröße L bei knappen 457 mm Reach bereits Feierabend ist. Größe XL gibt es nicht. Was beim Reach an Länge eingespart wurde, haben die Entwickler dafür aufs Sattelrohr draufgepackt, das mit 460 mm länger als der Reach in Größe L ist. Ein Gruß aus der Gegenwart ist dagegen der mit 63,6° recht flache Lenkwinkel.

Die Kettenstreben liegen mit 453 mm auf der längeren Seite und wachsen nicht mit. Ebenfalls altmodisch wirkt die Tretlagerabsenkung von nur 4 mm, die aber laut NOX dank der langen Kettenstreben im SAG deutlich größer ausfallen soll. Die Tretlagerabsenkung und der Lenkwinkel lassen sich auch durch einen Flip-Chip an der Dämpferaufnahme anpassen. Dazu gibt es noch einen Flip-Chip in den Ausfallenden. Der dient zwar hauptsächlich dazu, zwischen dem 27,5”-Hinterrad im EPIUM Enduro und dem 29”-Hinterrad im EPIUM ALL-MTN zu variieren, allerdings könnte man damit aber auch die Kettenstreben am EPIUM Enduro verlängern.

Fahreindruck: Bergauf und Bergab

Geht es in Richtung Trails, nimmt man auf dem NOX EPIUM Enduro 7.1 Pro eine entspannte und aufrechte Sitzposition ein. Dabei fühlt man sich allerdings etwas oben auf und nicht so richtig ins Bike integriert. Der FAZUA Ride 60-Antrieb schiebt für einen Light-Motor mit nur 60 Nm Drehmoment auch in Steilstücken kraftvoll an. Hier machen sich die langen Kettenstreben positiv bemerkbar, die selbst auf richtig steilen Rampen verhindern, dass man nach hinten kippt.

Wechselt man die Bergseite und startet in die Abfahrt, macht sich zuerst der massige Federweg bemerkbar. Über grobes Geläuf panzert das NOX EPIUM Enduro 7.1 Pro einfach drüber und Wurzelteppiche und Steinfelder verschwinden im Federweg. Die langen Kettenstreben und der flache Lenkwinkel tragen hier ihren Teil zur Laufruhe bei. Dafür bietet es leider wenig Gegenhalt und rauscht zügig durch den Federweg.

Möchte man das Bike in Kurven zirkeln, zeigt es sich von seiner stelzigen Seite. Man steht hoch auf dem Bike und hat nicht das Gefühl, eine Einheit mit dem Bike zu bilden. Die langen Kettenstreben in Verbindung mit dem kurzen Reach ziehen den Schwerpunkt auf dem Bike weit nach vorne. Was eigentlich den Grip in Kurven durch Druck auf der Front begünstigen sollte, zahlt sich mit den verbauten Reifen leider nicht aus. Lässt sich die Front noch zügig ums Eck bringen, sorgt vor allem das lange Heck für eine verzögerte Reaktion. Dadurch büßt es trotz des kleinen Hinterrads an Wendigkeit ein.

Für wen ist das NOX EPIUM Enduro 7.1 Pro geeignet?

Das NOX EPIUM Enduro 7.1 Pro ist ein Bike für Liebhaber. Einerseits für Liebhaber der Marke NOX, bei der massig Tradition, Spirit und Besinnung auf die Wurzeln bei gleichzeitiger Innovationskraft vorhanden ist. Und andererseits für Liebhaber des Gedankens Made in Europe, die Wert auf ein nachhaltiges, langlebiges und lokales Produkt legen.

Technische Daten: NOX EPIUM Enduro 7.1 Pro

Merkmal Daten
Motor Fazua Ride 60 (max. 60 Nm)
Akku Fazua Energy 432 (430 Wh)
Federweg 180 mm (vorne) / 170 mm (hinten)
Laufradgröße 29" / 27,5" (Mullet)
Gewicht 20,95 kg (Größe L)
Schaltung Shimano SLX (12fach)
Bremsen Shimano SLX (203 mm Scheiben vorne/hinten)
Reifen Continental Argotal Trail Endurance (29 / 27,5 x 2,4'')
Preis 9.299 Euro

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