Schutzausstattungen wie etwa Knie- und Ellenbogenprotektoren sowie Rückenprotektoren sind stets ein Kompromiss zwischen Schutz und Bewegungsfreiheit. Zu wenig Schutzwirkung bereut man bei einem Crash, zu viel kann unbequem sein und ironischerweise dazu führen, dass man mit größerer Wahrscheinlichkeit stürzt, da man sich weniger bewegen und so langsamer reagieren kann.
Jeder Fahrer muss für sich selbst einschätzen, welches Maß an Schutz er tragen will. Ob man dabei einen Fullface-Helm auf einfachen Trails trägt oder einen Halbschalenhelm im Bikepark - solange man die Vor- und Nachteile für sich persönlich abgewogen hat, gibt es keinen Grund zur Diskussion.
Bluegrass Armour Lite und Armour B&S D3O im Test
Bluegrass hat kürzlich zwei neue Rückenprotektoren veröffentlicht, die ein gewisses Maß an Schutz bei gleichzeitig hoher Bewegungsfreiheit bieten sollen.
Die leichteste Option ist hierbei der 130 € teure Armour Lite (lediglich 410 g in Größe Small). Er besteht aus einer eng anliegenden, offenmaschigen Weste aus Mesh-Gewebe und verfügt über einen integrierten, simplen dreilagigen Level 1-Rückenprotektor aus EVA-Schaum. An der unteren Rückseite befinden sich drei Taschen, die gerade groß genug sind, um darin ein Multitool, einen Schlauch sowie Snacks unterzubringen. Euer Smartphone könnt ihr in der zentralen Tasche verstauen - aber wahrscheinlich würde es dort kaputt gehen, wenn ihr darauf landet. Der Armour Lite besitzt außerdem Platz für eine Trinkblase.
Wenn ihr etwas mehr Schutzwirkung sucht, dann ist für 190 € der Armour B&S D3O eine gute Option (710 g in Größe Small). Er verfügt über das gleiche Design mit der eng anliegenden Weste inklusive Taschen, zusätzlich jedoch über herausnehmbare D3O-Schulterpolster, einen Level 1-D3O-Rückenprotektor und weiche Polster am Brustkorb.
Beide Bluegrass-Protektoren verfügen über Level 1-Protektoren. Level 2-Protektoren bieten noch mehr Aufprallschutz. Alle Rückenprotektoren, die die CE-Zertifizierung erfüllen, werden getestet, indem ein 5 kg schweres Gewicht mit einer Energie von 50 Joule neunmal hintereinander auf die Rückenplatte trifft. Dabei wird die beim Aufprall auf den Körper übertragene Restkraft gemessen.
- Level 1-Protektoren: Die maximal übertragene Kraft muss im Schnitt unter 18 kN betragen und kein einzelner Messwert darf 24 kN überschreiten.
Wir waren ungefähr drei Monate sowohl mit dem Bluegrass Armour Lite- als auch dem Armour B&S D3O-Rückenprotektor unterwegs. Der 130 € teure Armour Lite erwies sich als atmungsaktiv und komfortabel genug selbst für ganztägige Bike-Abenteuer und bietet genug Schutz, um auch einem Abflug über den Lenker den Schrecken zu nehmen. Seine Taschen fallen ziemlich klein aus, sind aber ideal geeignet für einen Trail-Snack. Wir probierten auch das 1,5 l-Trinksystem aus und das Ganze funktionierte ausgezeichnet - die Witze über den Buckel, den man damit bekommt, ignorierend. Allerdings ist das Material ein wenig dehnbar und wenn man sehr aktiv fährt und den Oberkörper hin und her wirft, schaukelt die Trinkblase etwas.
Die Rückenplatte fiel zwar ein Stück zu kurz für unseren Tester und seinen langen Rücken aus, schützt jedoch den wichtigsten mittleren/oberen Bereich des Rückens, der den Aufprall bei einem Crash am stärksten abbekommt. Absolut überzeugt sind wir von der Passform und dem verwendeten Material, das überaus atmungsaktiv und trotzdem stabil genug ist, damit die Rückenplatte bei einem Sturz nicht verrutscht. Der Armour Lite ist eine exzellente Wahl für all jene, die sich erheblich mehr Schutz wünschen, als es ein bloßes Jersey bieten kann, ohne dafür jedoch Bewegungsfreiheit zu opfern.
Auch wenn er noch immer minimalistisch ausfällt, fühlt sich der 190 € teure Armour B&S D3O-Rückenprotektor - verglichen mit dem Armour Lite - weitaus voluminöser an, vor allem bei Verwendung der herausnehmbaren D3O-Schulterpolster. Die Positionierung der Schulterpolster ist absolut gelungen und die Pads schweben geradezu über den Schultern. Dadurch bieten sie vollen Bewegungsspielraum, ohne jedoch bei einem Crash zu verrutschten oder unter den Achselhöhlen zu verschwinden. Die Weste trägt nicht stark auf und man kann sie problemlos unter einem Jersey tragen, ohne dabei wie ein American Football-Spieler auszusehen. Die weichen Polster auf der Brust fühlen sich etwas weniger atmungsaktiv an. Top für alle, die einen Fullface-Helm tragen: Die Oberkante der Rückenplatte ist so positioniert, dass sie dem Helm nicht in die Quere kommt - oftmals ein Problem bei Rückenprotektoren.
Nach einigen längeren Tagen im Armour B&S D3O waren wir beeindruckt davon, wie bequem der Protektor ist und wie stabil er sitzt. Das Fehlen eines Hüftgurts erhöht zudem den Komfort beim Pedalieren, was für schlanke Fahrer gut ist. Alles in allem bietet der Bluegrass Armour B&S D3O eine sehr gute Balance zwischen Komfort und Schutz.
Mit den neuen Armour Lite und Armour B&S D3O-Rückenprotektoren hat Bluegrass auf ein wenig Schutzwirkung verzichtet (erkennbar an der Level 1-Zertifizierung anstelle von Level 2), um im Gegenzug jedoch die Bewegungsfreiheit und den Tragekomfort zu maximieren. Für alle, die sich ihre Abfahrten auf langen Anstiegen verdienen, vermittelt der Armour Lite fast ein Gefühl,als wäre er nicht da - und dennoch dürfte er die Konsequenzen eines Sturz über den Lenker erheblich verringern.
Weitere Protektoren-Westen im Test
Neben den Bluegrass-Modellen wurden auch andere Protektoren-Westen getestet, die zusätzlich zum Rückenschoner auch Brustprotektoren vorweisen:
- Endura MT500 D3O Weste: Hoher Tragekomfort, einfache Handhabung, leicht. Nur Level-1-Zertifikat.
- POC VPD System Torso: Handlich, angenehm zu tragen und mit einem langen Rückenprotektor ausgestattet. Nur Level-1-Zertifikat.
Expertenmeinungen zum Thema Rückenprotektoren
Prof. Dr. Christoph Siepe (Wirbelsäulen-Experte): "Beim Aufprall werden die Muskeln plattgedrückt, die Knochen brechen - da hilft nur Schaum, der den Aufprall effektiv absorbiert."
Christiane Reckter (TÜV Rheinland): "Eine Weste besitzt den Vorteil, dass sie den Protektor optimal an den Rücken fixiert. Sie wird meist unter der Kleidung getragen. Dadurch wird der Protektor beim Aufprall nicht zur Seite geschoben, sondern bleibt dort, wo er sein soll."
Dr. Josef Obrist (Unfallchirurg): "Mit einem Rückenprotektor kann man die Lendenwirbelsäule und untere Brustwirbelsäule schützen. Der Protektor kann den Aufprall dämpfen - davon bin ich überzeugt."
Brustpanzer-MTB Vergleich 2025
Die folgende Tabelle bietet einen Überblick über verschiedene Brustpanzer für Mountainbiker, einschließlich ihrer Eigenschaften und Bewertungen:
| Modell | Hartplastik- oder Schaumprotektoren | Material des Textils | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|---|
| Fox Black Brustpanzer Raceframe Impact | Hartplastik / Schaum | 80 % Baumwolle, 20 % Polyester | Leicht an- und ausziehbar | Nicht zum Snowboarden geeignet |
| Poc PC20396 | Hartplastik | Polyester | Leicht an- und ausziehbar, sehr bequem und atmungsaktiv, geringes Eigengewicht | Kein Schulterschutz |
| Fox Unisex Raptor Vest | Hartplastik | Schaum | Keine Herstellerangabe | Hartschale an Brust und Rücken, leicht an- und ausziehbar, benutzerfreundliche Schnallen | Nicht zum Snowboarden geeignet |
| Fox 24265 | Hartplastik | Schaum | Polyester | Enganliegender Sitz für mehr Bewegungsfreiheit, Hartschale an Brust und Rücken, kann in der Waschmaschine gewaschen werden, leicht an- und ausziehbar | Nicht zum Skifahren geeignet |
| Leatt 3DF AirFit Lite | Schaum | Nylon und Polyamid | Ausgestattet mit weichem 3D-Airfit-Schaum, mehrlagige perforierte Rücken- und Rückenprotektoren, Kompressionsstrumpf mit Reißverschluss, komfortabler und flexibler | Relativ hohes Eigengewicht |
| Scott 2784631001014 | Hartschale | Schaum | Nylon / Elasthan / Polyurethan / Polyester | Größe kann individuell angepasst werden, leicht an- und ausziehbar | Keine CE-Zertifizierung |
| Fox Racing 24017 | Hartplastik | Schaum | Polyester | Enganliegender Sitz für mehr Bewegungsfreiheit, geringes Eigengewicht, hohe Verschleißfestigkeit | - |
| Evoc Protector Jacket Pro | Hartplastik | Schaum | Mesh-Gewebe und Nylon | Enganliegender Sitz für mehr Bewegungsfreiheit, Reißverschluss verläuft asymmetrisch, FIDLOCK-Magnetverschluss, herausnehmbarer Brust- und Rückenschutz, kann in der Waschmaschine gewachsen werden, trocknet schnell | - |
Die Wahl des richtigen Oberkörperprotektors hängt von den individuellen Bedürfnissen und Vorlieben ab. Faktoren wie Schutzlevel, Komfort, Bewegungsfreiheit und Passform sollten bei der Entscheidung berücksichtigt werden.
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