Ein Krampf schießt in den gerade noch verlässlich tretenden Oberschenkel. Autsch! Bei einem Muskelkrampf, in der Medizinersprache „Spasmus“ genannt, zieht sich ein Muskel oder ein Teil eines Muskels plötzlich und unter heftigen Schmerzen stark zusammen. Er fühlt sich steinhart an, kontrahiert scheinbar grundlos und ohne, dass sich das willentlich steuern ließe.
Theoretisch kann jeder Skelettmuskel des Körpers verkrampfen. Fast jeder kennt zum Beispiel nächtliche Wadenkrämpfe oder einen Krampf im Fuß beim Schwimmen. 90 Prozent der Erwachsenen hatten schon Muskelkrämpfe. Das Risiko scheint mit dem Alter zu steigen: Etwa jeder Zweite der über 65-Jährigen hat mindestens einmal pro Woche einen Krampf. Zudem scheint es genetisch bedingt zu sein, ob jemand zu Krämpfen neigt oder eher nicht.
Warum entstehen Muskelkrämpfe?
Während man früher davon ausging, dass Magnesiummangel Krämpfe auslöst, ist heute klar, dass Krämpfe vor allem dann entstehen, wenn ein Muskel überfordert ist. Wenn er mehr leisten muss als sonst, wenn die Belastung ungewohnt ist und die Reserven erschöpft sind. Wenn der Muskel bis an sein Limit beansprucht wurde und darüber hinaus.
Dann krampft nach hunderten von Höhenmetern die vordere Oberschenkelmuskulatur. Während einer anspruchsvollen Abfahrt der Trizeps. Oder nach unrhythmischem Auf und Ab streiken winzige Muskeln im Oberkörper, die seit Stunden Haltearbeit leisten müssen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die erforschen, warum Muskelkrämpfe entstehen, sind sich heute einig, dass das Nervensystem eine entscheidende Rolle spielt. Ein Muskel kontrahiert nicht einfach so. Wann immer er sich anspannt oder wieder entspannt, bekommt er den Befehl dazu von Nervenfasern. So ist sichergestellt, dass wir Bewegungen gezielt steuern können und Muskeln nicht unkontrolliert zucken.
Die Steuerzentrale für die Muskulatur ist das zentrale Nervensystem, das aus Gehirn und Rückenmark besteht. Ist ein Muskel ermüdet und wird dennoch weiter zur Arbeit aufgefordert, kann es passieren, dass bei dieser Steuerung etwas schiefläuft. Nervenzellen aktivieren den Muskel dann übermäßig, und der reagiert mit maximaler Kontraktion: einem Krampf.
Dass die Nervenzellen der Auslöser sind, belegen wissenschaftliche Studien mit lokaler Betäubung: Blockierten Forschende bei ihren Probanden die Nervenfasern von der Muskulatur zum Rückenmark, ließen sich in dieser nur noch deutlich schwächere Krämpfe auslösen.
Behandlungsmöglichkeiten eines Muskelkrampfes
Ein Krampf im Training ist in erster Linie unangenehm, aber nicht gefährlich - solange man währenddessen die Kontrolle über das Bike behält. Im Rennen sieht das schon anders aus, schließlich kann ein Krampf auf der Strecke über Sieg und Niederlage entscheiden, Platzierung oder Ausscheiden. Die außer Kontrolle geratene Verspannung schnellstmöglich zu lösen und den betroffenen Muskel zu lockern, ist allein schon wegen der starken Schmerzen angebracht.
Bei einem Wadenkrampf muss man dafür nicht einmal vom Rad steigen. Die Wade zu dehnen, ist während der Fahrt möglich: einfach die Ferse bei unten stehendem Pedal nach unten drücken, bis der Schmerz nachlässt. Eine stärkere Dehnung entsteht, wenn man bei waagerechter Pedalposition - mit dem betroffenen Bein hinten - kurz aus dem Sattel geht und die Wade im Stehen dehnt.
Ein Krampf im vorderen Oberschenkel löst sich, wenn man die Ferse im Stehen Richtung Gesäß nach oben zieht, einer im hinteren Oberschenkel, wenn man bei gestrecktem Bein im Stand den Oberkörper nach vorn beugt. Krämpfe in den Füßen sind auf dem Rad besonders fies - sie verschwinden oft nur, wenn man den Fuß aus dem Radschuh befreit und die Zehen dehnt oder die Fußsohle massiert. Nach einem Krampf tun lockernde Massagen und Wärme gut.
Besser - und weniger schmerzhaft - wäre natürlich, sich mit Dehnübungen am Waldrand gar nicht erst aufhalten zu müssen, sondern krampflos zu radeln und unkontrollierten Muskelkontraktionen vorzubeugen. Es ist schließlich kein Zufall, wenn ein Muskel verkrampft.
Interview mit Prof. Dr. Michael Behringer: “Dehnen hilft!”
Wie sich Krämpfe verhindern lassen, erklärt der Frankfurter Sportmediziner Prof. Dr. Michael Behringer im Interview. So viel sei schon mal verraten: Wenngleich das Nervensystem die Hauptursache für lästige Krämpfe ist, spielen die Flüssigkeitsversorgung und, in Kombination mit Wasser, auch die Salzzufuhr eine wichtige Rolle: Salz bindet Wasser im Körper. Sich auf der Berghütte in den Alpen nach der Ankunft als erstes ein kühles Getränk zu bestellen, ist daher nach einem Krampf mehr als legitim.
BIKE: Prof. Dr. Behringer, in welcher Muskulatur treten beim Radfahren besonders häufig Krämpfe auf?
PROF. DR. MICHAEL BEHRINGER: Im Allgemeinen ist die Wadenmuskulatur die am häufigsten von Krämpfen geplagte Muskelpartie. Beim Radfahren können aber noch andere Muskeln betroffen sein, zum Beispiel die Fußmuskulatur oder die Oberschenkelmuskulatur.
Eine Gelenkposition, in der die Muskulatur verkürzt ist, scheint Krämpfe zu begünstigen. Und wir wissen, dass die Muskelermüdung eine wichtige Rolle spielt. Beinahe paradox, dass sich ein Muskel, der eigentlich müde ist, plötzlich mit aller Kraft zusammenzieht … Das liegt an den Nerven, die ihn kontrahieren lassen.
Das Rückenmark, welches die Muskulatur ansteuert, erhält hemmende und aktivierende Informationen. Normalerweise befinden sich diese im Gleichgewicht, sodass die Muskeln arbeiten können. Im Zuge der muskulären Ermüdung während einer Belastung kommt es aber zu einem Ungleichgewicht zwischen den hemmenden und aktivierenden Informationen - zugunsten der Letzteren. Und das führt zum Krampf.
Was tun, wenn ein Muskel plötzlich krampft? Dehnen ist die beste Sofortmaßnahme. Dadurch bringt man das Ungleichgewicht zwischen den hemmenden und aktivierenden Signalen ans Rückenmark wieder ins Gleichgewicht, hin zu mehr Hemmung, also zur Entspannung des Muskels.
Was können Hobbybiker tun, die keine Lust auf lästige Krämpfe haben? Auch wenn das Nervensystem der Auslöser ist, sollten Krampfgeplagte auf jeden Fall auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Das gilt vor allem bei Hitze. Laut einer internationalen Studie suchen Menschen interessanterweise vor allem in den Sommermonaten im Internet nach Lösungen für ihre Krampfprobleme. Es scheint also einen Zusammenhang zu geben zwischen dem Entstehen von Krämpfen und der Versorgung mit Flüssigkeit beziehungsweise dem Schweißverlust.
Wer genug trinkt, ist also vor Krämpfen sicher? So einfach ist es leider auch nicht. Aber man kann etwas tun. Weil Krämpfe vor allem in ermüdeter Muskulatur entstehen, sind alle Maßnahmen ratsam, die die Ermüdungsresistenz auf dem Rad verbessern.
Welche sind das? Eine ausreichende Versorgung mit Kohlenhydraten vor und während der Belastung und ein vernünftiger Trainingsaufbau. Auch die Sitzposition kann Krämpfe begünstigen. Wenn bei einem Bikefitting die Gelenkwinkel so eingestellt werden, dass die Muskelverkürzung reduziert wird, kann das helfen.
Ursachen für Muskelkrämpfe in Beinen, Füßen und Gesäß
In unseren Beinen, Füßen und auch im Gesäß befinden sich eine Vielzahl von Muskeln, bei denen es zu Muskelkrämpfen kommen kann. Warum es zu Muskelkrämpfen kommt, ist noch nicht genau geklärt. Als mögliche Ursachen kommen in Frage:
- Falsche Körperhaltung
- Überlastung der Muskulatur
- Stress
- Verletzungen
- Vorerkrankungen der Gefäße (Thrombosen der tiefen Beinvenen, chronische Durchblutungsstörungen, Krampfadern)
- Erkrankungen des Bewegungsapparats und des Skeletts
- Bewegungsmangel
- Unausgewogene Ernährung
- Ungleichgewicht der Elektrolyte
- Nebenwirkungen von Medikamenten (Cholesterinsenker, hormonelle Verhütungsmittel, Blutdrucksenker, bronchienerweiternde Arzneimittel, Chemotherapeutika etc.)
- Erkrankungen (Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz, Schilddrüsenunterfunktion [Hypothyreose])
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Alkohol- und Tabakkonsum
Was hilft bei Krämpfen?
Um einen akuten Krampf zu unterbrechen, hilft oft zunächst die Entlastung des betroffenen Fußes oder Beins. Bei einem akuten Krampf, etwa in der Wade oder im Oberschenkel, kann durch Dehnen des betroffenen Muskels oder durch aktives Anspannen des entgegengesetzten Muskels der Krampf unterbrochen werden.
Ursächlich für Krämpfe kann ein Ungleichgewicht des Elektrolythaushalts sein. Besteht beispielsweise aufgrund eines starken Magnesiummangels ein Ungleichgewicht, kann dies zu unangenehmen Krämpfen in den Füßen und Zehen führen.
Überblick: therapeutische Maßnahmen
Nichtmedikamentöse Therapien
- Konservative Therapie (Kombination aus Ausdauersport, Kräftigungsübungen und Dehnübungen)
- Physiotherapie und Massagen
- Lokale Wärme (Wärmflasche, Wärmepflaster, Wannenbäder)
- Ausgewogene Ernährung
- Ausgewogener Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt
Medikamentöse Therapien
(nur nach vorheriger Absprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt)
- Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (Ibuprofen, Diclofenac)
- Opioide (Morphin)
- Muskelrelaxanzien (Methocarbamol, Pridinol)
Vorbeugung von Krämpfen
Folgende Maßnahmen können dabei helfen, Muskelkrämpfen vorzubeugen:
- Regelmäßiges Dehnen der Muskeln - schon einfache Dehnübungen können helfen, Krämpfen vorzubeugen.
- Ausreichende Bewegung. Empfohlen werden 150 Minuten pro Woche moderate/leicht anstrengende körperliche Aktivität oder 75 Minuten intensiveres Training pro Woche.
- Massagen und Entspannungsübungen zur Vorbeugung und Linderung
- Wärme, z. B. in Form von warmen Bädern oder Umschlägen, kann Schmerzen lindern und Wohlbefinden und Stressabbau fördern.
- Ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung:
- Vollkornprodukte (z. B. Haferflocken, Vollkornbrot)
- frisches Obst und Gemüse (z. B. Bananen enthalten viel Kalium und Vitamin C)
- ungesättigte Fettsäuren (z. B. Olivenöl, Fisch, Nüsse)
- Ausgewogenes Elektrolytgleichgewicht (v. a. Magnesium, Kalium und Calcium)
- Genug trinken - mindestens 1,5 Liter Wasser pro Tag; nach Anstrengungen und an warmen Tagen mehr!
- Verzicht auf Alkohol- und Tabakkonsum
Dehnen, Massieren und Wärme
Um einen akuten Krampf zu unterbrechen, hilft zunächst die Entlastung des betroffenen Fußes oder Beins. Bei einem akuten Krampf, etwa in der Wade oder im Oberschenkel, kann durch Dehnen des betroffenen Muskels oder durch aktives Anspannen des entgegengesetzten Muskels der Krampf unterbrochen werden.
Wärme, z. B. eine Wärmflasche oder ein heißes Bad, können die Muskulatur zusätzlich entspannen. Darüber hinaus können Dehnübungen zur Vorbeugung gegen nächtliche Krämpfe helfen.
Das Piriformis-Syndrom
Der in der tiefen Hüftmuskulatur gelegene Musculus Piriformis (lat. für birnenförmiger Muskel) verläuft unterhalb des großen Gesäßmuskels. Von der Innenfläche des Kreuzbeins zieht er zur Spitze des großen Rollhügels am Oberschenkelknochen. Seine Hauptfunktionen sind die Außenrotation der gestreckten Hüfte und die Abspreizung des Oberschenkels sowie das Heben des Oberschenkels nach hinten.
Durch eine Verspannung oder Verhärtung des Piriformis-Muskels verringert sich der Platz im großen Sitzbeinloch und es kommt zur Einengung und Reizung des Ischiasnervs (darum spricht man mitunter auch vom „Engpass-Syndrom“). Der Druck auf den Ischiasnerv (Nervus Ischiadicus) ist dann typischerweise Ursache für Symptome wie Rückenschmerzen oder Schmerzen im Gesäß, die bis in die Beine ausstrahlen können, ähnlich wie bei einem Bandscheibenvorfall.
Das Piriformis-Syndrom kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden:
- Überlastung beim Sport und im Training: Zu häufiges, langes oder hartes Laufen, Rad fahren oder eine andere wiederholte Belastung oder anstrengende Bewegungen mit den Beinen können zu einer Überbeanspruchung des Piriformis-Muskels führen und somit Schmerzen verursachen.
- Traumata: Auch ein Sturz oder eine direkte Verletzung des Gesäßbereichs kann den Muskel schädigen und zu Entzündungen führen.
- Anatomische Anomalien: Bei einigen Menschen verläuft der Ischiasnerv durch den Piriformis-Muskel (Musculus Piriformis) statt darunter, was das Risiko einer Reizung erhöht.
- Langes Sitzen: Lange Perioden des Sitzens, besonders auf harten Oberflächen, können den Muskel verspannen und den Ischiasnerv (Nervus Ischiadicus) komprimieren.
- Portemonnaie: Ein häufiges Problem, das bei Männern zum Piriformis-Syndrom führt, ist das Portemonnaie (kein Witz!). Befindet es sich beim Sitzen in der Gesäßtasche, wird eine Gesäßhälfte komprimiert und mehr belastet als die andere.
Die Behandlung des Piriformis-Syndroms umfasst eine Kombination aus konservativen und in schwereren Fällen invasiven Methoden. „Maßnahmen sind Lockern und Dehnen, wodurch man Asymmetrien und Dysbalancen ausgleichen kann“, sagt Dr. Kim Tofaute.
Konservative Behandlungen
- Physiotherapie: Dehnungsübungen und Kräftigungsübungen zur Entspannung des Piriformis-Muskels und zur Linderung des Nervendrucks.
Erfahrungsberichte
Der Rennfahrer: Maik Fiedler, 39, Team Krampf Zschopau
„Ich saß schon als Kind auf dem Mountainbike. Seit fünf, sechs Jahren fahre ich sehr leistungsorientiert. Seitdem ist es auch mit den Krämpfen schlimmer geworden, mit denen ich früher nie Probleme hatte. Ich fahre 9000 bis 10000 Kilometer im Jahr, gern auch lange Strecken. Meist kommen die Krämpfe in den Oberschenkeln in der Endphase eines Rennens. Zum Beispiel, wenn ich fünf Kilometer vor dem Ziel noch mal alles rausholen will und den letzten Berg im Wiegetritt hochfahre. Habe ich eher wenig gegessen und getrunken, erscheint mir das Krampfrisiko größer. Genauso bei Hitze - ich schwitze viel und habe immer Salzkrusten an der Kleidung. Nach harten Belastungen bekomme ich sogar Krämpfe, wenn ich längst auf dem Sofa entspanne. Dagegen habe ich mir eine Massagepistole gekauft, mit der ich den Muskel dann lockere. Krämpfe auf dem Rad schaffe ich manchmal, im Wiegetritt wegzutreten. Oft hilft es aber gut, wenn ich einfach absteige und hundert Meter gehe. Dehnen, was ja alle raten, ist bei mir kontraproduktiv, der Krampf wird dann eher stärker. Seit ich neben Elektrolyttabletten drei Prisen Salz in meine Trinkflasche fülle, vor allem vor langen Ausfahrten, ist es etwas besser geworden.“
Der Trail-Liebhaber: Michael Zenk, 54, aus Unterammergau im Voralpenland
„Ich fahre keine Rennen, sondern nur zum Spaß. Meine Hausrunde führt auf den Pürschling hier im Ammergebirge, 850 Höhenmeter. Ich mache auch lange Touren und komme pro Jahr auf 50 000 bis 70 000 Tiefenmeter. Ob nächtliche Wadenkrämpfe oder Oberschenkelkrämpfe beim Sport - Probleme mit Krämpfen hatte ich schon immer. Sie ereilen mich immer, wenn die Belastung ein gewisses Maß übersteigt. Das scheint Veranlagung zu sein, meine Mutter hat auch oft Wadenkrämpfe. Beim Sport krampfen vor allem die Innenseiten der Oberschenkel. Dehnen hilft sofort. Vorbeugend habe ich verschiedene Sorten Magnesium ausprobiert, aber ohne Erfolg. Viel besser wurde es, als ich meine Flüssigkeitsversorgung verändert habe. Weil ich Flaschen am Rad nicht mag, hatte ich mein Getränk früher im Rucksack, aus dem ich es umständlich hervorkramen musste. Jetzt nutze ich eine 2,5-Liter-Trinkblase und kann jederzeit trinken. Ich gebe immer einen Teelöffel Salz dazu. Das ist geschmacklich noch okay und scheint zu helfen. Vor zwei Jahren habe ich mir zudem eine tägliche Dehnroutine für Beine und Oberkörper angewöhnt, das hat sich positiv ausgewirkt.“
David Voll, Dipl.-Sportwissenschaftler und BIKE-Autor
„Ich schwitze extrem, mein Trikot ist jedes Mal salzverkrustet. Seit ich mich besser mit Salz und Flüssigkeit versorge, habe ich seltener Krämpfe. Die letzte Transalp bin ich mit 1,5 Litern Salzwasser im Trinkrucksack gefahren. Das schmeckt eklig, weil bestimmt ein Esslöffel Salz drin ist, aber wenn ich alle 15 Minuten einen Schluck trinke, komme ich gut durch. Bei kürzeren Strecken habe ich immer einen Salzstreuer in der Trikottasche. Spüre ich, dass ein Oberschenkel zumacht, streue ich mir Salz auf die Zunge, und nach einer Viertelstunde beruhigt sich der Muskel.”
Magnesium und Gurkenwasser: Was hilft wirklich?
Magnesium gilt seit jeher als Wundermittel gegen Muskelkrämpfe beim Sport. Zu Recht? Nein. Wenngleich die Werbung Nahrungsergänzungsmittel als wirksame Waffe anpreist und Magnesium für die Muskelfunktion wichtig ist: Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass der Mineralstoff Krämpfen vorbeugt. Bei einer ausgewogenen Ernährung ist ein Magnesiummangel äußerst unwahrscheinlich. Wer hochdosiert Magnesium einnimmt, riskiert als Nebenwirkung Durchfall.
Gurkenwasser aus dem Einmachglas soll Krämpfen vorbeugen. Kann das wirklich sein? Wasser, Branntweinessig, Glukose-Fruktose-Sirup, Gewürze, Salz, Zucker, Aroma - all das befindet sich in einem Gurkenglas, wenn man die eingelegten Gurken aufgegessen hat. Studien konnten belegen, dass dieser Essigsud tatsächlich Krämpfen vorbeugt. Wie das funktionieren soll, erklärt der Frankfurter Sportmediziner Prof. Dr. Michael Behringer im Interview.
Checkliste bei Krämpfen
- Flüssigkeitsversorgung sicherstellen: Habe ich genug getrunken, vorher und unterwegs? Gut hydriert starten, damit Muskeln und Nerven reibungslos zusammenarbeiten. Achtung: Alkohol und Kaffee entziehen dem Körper Wasser.
- Training hinterfragen: Habe ich meinen Körper überfordert, als der Krampf kam? Wie kann ich in Zukunft vernünftig trainieren? Je gründlicher man sich auf extreme Belastungen wie eine Alpenüberquerung vorbereitet, desto unwahrscheinlicher ist ein Krampf.
- Sitzposition checken: Sitzen die Cleats an der richtigen Stelle? Passen Schuhe und Rad zu mir? Sind Sattel und Lenker auf mich eingestellt? Eine falsche Haltung kann Krämpfe begünstigen, ggf. hilft ein professionelles Bikefitting.
- Arzt aufsuchen: Gibt es für Krämpfe keine Erklärung, sollten Erkrankungen als Ursache ausgeschlossen werden. In einer Hausarztpraxis oder beim Sportmediziner. Manchmal sind Krämpfe Nebenwirkungen von Medikamenten.
Spezial-Cocktails für die Tour
Vor der Tour
Zutaten: 1-2 große Prisen Salz, Zitronenkonzentrat, 6 EL Minzsirup, Wasser
Zubereitung: Minzsirup in 0,7-Liter-Radflasche geben, mit Salz und einem Schuss Zitrone versetzen, mit Wasser auffüllen.
Während der Tour
Zutaten: 1-2 große Prisen Salz, 3 EL Cranberry-Sirup, Maracuja-Nektar, Wasser
Zubereitung: Cranberry-Sirup mit Salz in 0,7-Liter-Radflasche geben, diese bis zur Hälfte mit Maracuja-Nektar und anschließend mit Wasser auffüllen.
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