Ölwechsel beim Motorrad: Eine detaillierte Anleitung

Das Motoröl Deines Motorrades muss regelmäßig getauscht werden. Soweit nichts neues. Der Ölwechsel beim Motorrad ist wichtig, wird bei jedem Bike irgendwann notwendig und an und für sich recht simpel. Es gibt dennoch einige Dinge zu beachten.

Warum ist ein regelmäßiger Ölwechsel wichtig?

Ein Motor braucht regelmäßig neues Motoröl. Der Grund dafür ist schnell erklärt: Im Öl sammeln sich Rückstände der Verbrennung, kleine Partikel und geringe Mengen Wasser. Vor allem kleine Festkörper zerstören fragile Bauteile wie Lagerschalen sehr schnell und führen zum Motorschaden. Am besten läuft der Motor aber mit frischem, reinem Öl ohne störende Sedimente.

Das Motoröl spielt eine entscheidende Rolle, um den Motor vor Verschleiß zu schützen und seine reibungslose Funktion zu gewährleisten. Durch die Nutzung des Motorrads sammeln sich Schmutzpartikel und Ablagerungen im Öl, die seine Wirksamkeit im Laufe der Zeit beeinträchtigen können.

Das Öl soll denn Motor schmieren und kühlen. Es nimmt auch Rückstände der Verbrennung auf. Mit der Zeit wird es dadurch dickflüssiger. Wenn das Öl dann nicht gewechselt wird, beginnt es zu klumpen. Es droht ein Verstopfen des Ölfilters.

Mit unseren 1000PS Schraubertipps bringen wir dir in einer Serie aus Berichten und Videos einfache Arbeiten an deinem Motorrad näher und weisen auf Gefahren und Tücken hin. Alle weiteren Schrauber-Themen findest du unterhalb verlinkt, heute geht es um den Wechsel des Motoröls.

Vorbereitung für den Ölwechsel

Egal welches Modell von Motorrad wir fahren, früher oder später steht jeder vor den gleichen Problemen: Das Öl gehört gewechselt, die Bremsbeläge kontrolliert, die Kette nachgespannt, oder die Batterie geladen und Sicherungen überprüft. Wer die Werkstatt nicht auf Kurzwahl haben möchte, der wird sich irgendwann mit der Technik seiner Maschine auseinandersetzen müssen und dann vielleicht auch die einfachen Service- und Wartungsarbeiten selbst durchführen. Vor dem Ölwechsel sollten alle nötigen Utensilien bereitliegen.

Für die 1000PS Schraubertipps ist Louis unser Material-Partner. Damit du nichts vergisst, haben wir hier alle benötigten Materialien, Werkzeug und Equipment aufgezählt:

  • Frisches Motoröl: Mit dem richtigen Code bzw. den richtigen Eckdaten für dein Motorrad.
  • Ölauffangbehälter: Um keine Sauerei zu veranstalten und das Öl später ordnungsgemäß bei einer Sammelstelle abzugeben.
  • Einweghandschuhe: Das alte Öl enthält jede Menge Partikel und Stoffe, die nicht unbedingt gut für die Haut sind. Einweghandschuhe schützen hier.
  • Einen Ratschenkasten
  • Einen Ölfilterschlüssel
  • Eine neue Ölabschlasschraube mit neuem Dichtring
  • Eine großflächige Unterlage
  • Dünne Gummihandschuhe
  • Einen passenden Trichter
  • Eine Spritze mit Schlauch zum Absaugen
  • Passendes Werkzeug zum Lösen der Ölablassschraube

Wir empfehlen außerdem dünne Gummihandschuhe.

Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Ölwechsel

Schritt 1: Motor warmfahren

Der erste Schritt beim Ölwechsel ist das Warmfahren des Motorrads. Öl verändert wie jede Flüssigkeit seine Viskosität, also die Dicke der Flüssigkeit, abhängig von der Temperatur. Bei Kälte wird es dicker, bei Hitze dünnflüssiger. Um das Auslaufen aus dem Motorrad zu erleichtern, sollte das Öl auf Temperatur sein.

Im Motor schwirren auch viele Schmutzpartikel, wie z.B. kleine Eisenspäne, durch die Gegend, die sich bei stehendem Motor auf allen Flächen absetzen. Im laufenden Motor zischt das heiße Öl durch alle Zwischenräume, Löcher und Spalten des Motors und sammelt dort die Schmutzpartikel auf. Lässt man nach dem Heißlaufen das Öl ab, wird mehr Dreck mit entfernt.

Manche heizen der Maschine so richtig ein und treiben den Motor mit viel Drehzahl an bis der Lüfter anspringt, weil sie meinen, dass so auch der letzte Rest an Schmutz im Öl landet. Andere, wie unser Arlo, wollen das Risiko von Brandblasen an den Fingern aber minimieren und geben sich auch mit einem erwärmten Motor nach ein paar Minuten Standgas mit gelegentlichen Gasstößen zufrieden.

Schritt 2: Vorbereitung des Ablassens

Bevor auch nur ein Tropfen Öl fließt, sollte der Ölauffangbehälter richtig positioniert sein. Je nachdem, ob die Ölablassschraube nach unten oder seitwärts zeigt, ist der Auffangbehälter zentral oder seitlich unter dem Motorrad. Das Öl steht unter einem gewissen Druck, weshalb es auch als Strahl aus dem Motorrad schießen kann. Gerade bei seitlichen Ablassschrauben also besonders auf die richtige Positionierung der Auffangwanne achten.

Prinzipiell eignet sich jedes Dichte Gefäß zum Öl auffangen, aber dafür gedachte Auffangbehälter machen einem den ganzen Prozesse durch die große, abfallende Auffangzone und die Entlüftungsschraube einfacher. Letztere auch unbedingt vor dem Ablassen aufschrauben, denn was in den Behälter an Öl hineinfließt muss auch an Luft entweichen.

Liegt der Auffangbehälter, und vielleicht auch ein paar Tücher für alle Fälle, parat, dann kenn man auch schon die Ablassschraube aufdrehen. Vorsicht auf die Finger sollte das Öl heiß sein. Zeit nehmen ist die Devise beim Ölwechsel.

Auf der Ablassschraube sollte ein Dichtring aus Kupfer- oder Aluminium sein, der in der Regel auch getauscht gehört, da er sich beim Festziehen der Schraube plattdrückt und anpasst. Des Weiteren haben viele Ablassschrauben einen kleinen Magneten am inneren Ende, wo sich Stahlsplitter und metallene Schmutzpartikel sammeln. Diese am besten mit einem Tuch und eventuell Druckluft entfernen.

Damit möglichst viel Öl aus dem Motorrad läuft, am besten auch noch die Öl-Einfüllschraube aufdrehen, damit Luft das ausfließende Öl im Motor ersetzen kann und kein Unterdruck entsteht. Ist das Motorrad aufgebockt, dann kann auch das Absenken den Hecks noch einmal versteckte Ölmengen hervorbringen. Das Öl tropft irgendwann nur mehr leicht dahin, trotzdem kann es sich hier noch lohnen sich eine halbe Stunde mehr Zeit zu nehmen und das Öl langsam ausrinnen zu lassen.

Schritt 3: Ölfilter wechseln

Je nach Bauart des Ölfilters unterscheidet sich dieser Schritt ein wenig. Bei innenliegenden Ölfiltern müssen zuerst ein paar Schrauben vom Ölfilterdeckel gelöst, der Deckel abgenommen und der Filter schließlich entnommen werden. Wenn man es zum erst Mal macht, dann lohnt es sich, hier genau aufzupassen, in welche Richtung der Ölfilter zeigen muss. Im Inneren befindet sich nämlich eine metallene Hülse, die wiederverwendet wird und nach dem Überstülpen des neuen Ölfilters auch in korrekter Richtung eingesetzt werden muss.

Nach dem Entfernen des Ölfilters rinnt noch mehr Öl aus. Versiegt das Rinnsal, kommt der neue Ölfilter wieder auf die Hülse und dann zurück ins Motorrad. Noch ein extra Schritt muss bei diesen Ölfiltern angewendet werden: Im Deckel der Ölfilterkammer befindet sich ein O-Ring, der idealerweise auch getauscht werden sollte.

Viele moderne Motorräder nutzen aber außenliegende Ölfilter, die per Gewinde angeschraubt sind. Hier muss man sich nicht mit O-Ringen und Hülsen beschäftigen und hat es leichter.

Ist der Ölfilter besser von der Seite erreichbar, dann nutzt man den Ölfilterschlüssel, umfasst damit den Ölfilter, zieht fest und schraubt den Ölfilter gegen den Uhrzeigersinn ab. Manchmal erreicht man den Ölfilter besser von vorne, wo sich der Ölfilter-Aufsatz für eine Ratsche, auf Deutsch "Knarre", am besten eignet. Abschrauben, ausrinnen lassen, wieder anschrauben.

Wir tauschen beim Ölwechsel gleich den Filter aus. Viele Motorräder nutzen einen aufgeschraubten Ölfilter. Am einfachsten lässt er sich lösen, wenn er mit einer passenden Ölfilternuss gelöst wird. Alternativ gibt es unterschiedliche Ölfilterschlüssel mit Teilweise sind diese universell einsetzbar, teilweise für nur eine Größe vorgesehen. Auch im Filter verbergen sich noch Ölreste. Da der Filter waagerecht herausgedreht wird, sind ein paar Tropfen beim Herausdrehen leider unumgänglich. Umso wichtiger ist es, das Behältnis für das Altöl geschickt zu platzieren.

Nachdem wir die Abdeckung mit drei Schrauben gelöst haben, lässt sich der Ölfilter einfach herausnehmen. Jetzt beschmieren wir die Dichtfläche des Dichtrings mit etwas Altöl, um die Fläche nicht zu beschädigen.

Jetzt kann bereits der neue Ölfilter montiert werden. Bei aktuellen Bikes ist am Ölfilter bereits ein neuer Dichtring angebracht. Bei einigen älteren Modellen muss dieser vorher aufgesetzt werden. Häufig wird dazu geraten, den Filter vorher mit Öl zu füllen.

Ein neuer geschraubter Filter sollte nur gut handfest gezogen werden. Vermutlich ist beim Lösen des alten Filters bereits aufgefallen, dass er enorm fest saß. Zuliebe des feinen Gewindes also bitte die Handkraft etwas zügeln.

Schritt 4: Ablassschraube festziehen

Warum ist das Festziehen einer Schraube ein eigener Punkt? Weil hier die kostspieligsten und heikelsten Fehler passieren können. Sie wird in die Ölwanne, einen Teil des Motorgehäuses geschraubt, welche oft aus weichen Materialien gefertigt sind. Die Schraube wiederum ist aus Stahl und kann schon mit relativ wenig Kraft das Gewinde beschädigen. Deswegen geben die Hersteller genaue Drehmomente für diese Schrauben an.

Zuerst gilt es die Ablassschraube mit einem neuen Kupfer- oder Aluring per Hand wieder hineinzuschrauben. Geht sie etwas streng, kann man sich mit einer normalen Ratsche helfen, aber sobald die Schraube am Motorgehäuse ansteht, ist Schluss. Dann muss man das korrekte Drehmoment im Betriebshandbuch nachgelesen und die Ablassschraube der Drehmomentschlüssel angezogen werden.

Schritt 5: Öl einfüllen

Der Motor ist wieder dicht, der Ölfilter eingesetzt. Jetzt fehlt nur noch das Öl. Wie viel Öl man braucht, verrät wieder das Betriebshandbuch. Zusätzlich gibt auch das Ölschauglas, falls vorhanden, einen Einblick in den Füllstand des Motorrads. Zu wenig Öl ist logischerweise nicht gut, aber auch zu viel sollte man nicht einfüllen, da sich sonst übermäßiger Druck aufbauen und zu Beschädigungen führen könnte.

Wichtig ist hier, dass das Motorrad bei der Kontrolle des Ölstands mit beiden Rädern auf einer ebenen Fläche steht. Über den Öleinfüllstutzen wird das Öl eingefüllt. Soll es schneller rinnen, kann man die Ölflasche auch in der Sonne oder auf einem Heizkörper etwas erwärmen. Selbst wenn man die im Betriebshandbuch angegebene Menge oder etwas weniger einfüllt, kann der Ölstand laut Schauglas über dem Maximum liegen. Das liegt daran, dass das Öl ohne laufenden Motor nicht in alle Bereich gelangt.

Öleinlassstutzen zuschrauben, einmal kurz anstarten und für ca. 30 Sekunden mit Standgas laufen lassen und schon ist der Ölstand akkurater. Nach dem Abstellen des Motors braucht das Öl aber auch wieder, um hinunterzurinnen und sich wieder in der Ölwanne zu sammeln. Mehrmaliges Nachfüllen ist bei diesem Schritt keine Seltenheit. Je nachdem, ob der Motor noch nicht oder gerade erst gelaufen ist, kann der Ölstand im Schauglas stark variieren.

Am besten 30 Sekunden mit Standgas laufen lassen, dann eine bis zwei Minuten warten und kontrollieren. Nach den ersten gefahrenen Kilometern sollte man noch einmal den Motor, die Ablassschraube, Öleinfüllstutzen und Ölfilter auf ihre Dichtigkeit kontrollieren, ebenso wie den Ölstand. Womöglich nicht korrekt angezogene Schrauben sind durch das austretende Öl in der Regel leicht erkennbar. Hält alles dicht, hat man erfolgreich einen Ölwechsel am Motorrad durchgeführt.

Zusammenfassung der Schritte:

  1. Fahre Dein Bike warm.
  2. Entferne die Bodenplatte bzw.
  3. Tipp: Ziehe die Schraube schnell vom Motor weg.
  4. Nutze unbedingt das Handbuch, um die richtige Ölfüllmenge für Dein Bike herauszufinden.
  5. Starte den Motor.
  6. Stelle Öl austritt.

Nun darf das neue Öl eingefüllt werden. Wir haben uns für das Touring Hightech 10W-30 Mineralöl von Liqui Moly entschieden. Die richtige Ölmenge kann bei den meisten Motorrädern am Motordeckel abgelesen werden. Nach dem Einfüllen prüfen wir den Ölstand mit dem Ölmessstab, dann darf das Bike zum ersten Mal angelassen werden.

Während der Motor läuft, verteilt sich das Schmiermittel im Motor, dementsprechend sinkt der Füllstand - Bei laufendem Motor geben wir langsam Öl dazu, bis der richtige Füllstand erreicht wird. Wichtig: Das Motorrad mit geradestehen. Wenn es auf einem Ständer abgestellt wird, kann der Ölstand nicht korrekt abgelesen werden.

Nach der ersten Fahrt empfehlen wir eine letzte Kontrolle des Ölstandes. Ein prüfender Blick auf die Ablassschraube und den Ölfilter schadet auch nicht.

Das richtige Öl

Hier gab es schon große Konflikte, denn Motoröl ist nicht gleich Motoröl. Beispielsweise unterscheiden sich verschiedene Schmiermittel in Ihrer Viskosität, ihrem bevorzugten Temperaturfenster und der Herstellungsmethode. Sicherlich habt ihr bereits Begriffe wie Mineralöl, teilsynthetisch oder vollsynthetisch gehört - doch was steckt dahinter?

Grundsätzlich empfehlen wir, stets auf die Vorgaben des Motorradherstellers zu achten. Für jedes einzelne Motorrad werden bestimmte Öle mit gutem Grund ausgesucht und freigegeben.

Kurz gesagt, gibt die Viskosität an, wie zähflüssig eine Flüssigkeit oder ein Gas ist. In der Regel werden Öle mit Bezeichnungen wie „10W-40“, „5W30“ oder „10W-60“ betitelt. Die erste Zahl vor dem W (steht für „Winter“) sagt aus wie viskos das Öl bei -17,8° Celsius (0° Fahrenheit) ist. Die zweite Kennzahl sagt aus, wie Zählflüssig das Öl bei 100°C ist. Grundsätzlich gilt: Je höher eine der beiden Zahlen ist, desto dickflüssiger ist das Öl.

Damit der Motor im Winter wegen zu zähmen Öl nicht zu stark verschleißt, wird eher ein 0W- oder 5W- verwendet als ein 15W- oder 20W-Öl. Im Sommer oder bei Motorrädern, die lange stark belastet werden (z.B. im Motorsport), ist vor allem die Höhe des zweiten Werts ausschlaggebend, da der Motor heißer läuft.

Motorenöle sind eine Veredelung von Rohölen, die aus der Erde gewonnen werden. Ein Mineralöl ist chemisch gesehen deutlich näher an seinem Quellöl als ein modernes Synthetiköl. Bei Synthetikölen wird zwar immer noch ein Rohöl als Basis verwendet. Im Herstellungsprozess wird dieses aber auf molekularer Ebene zerteilt und so wieder zusammengefügt, dass es die gewünschten Eigenschaften bestmöglich zu erfüllen.

Doch nicht jeder Motor verträgt ein modernes vollsynthetisches Öl. Den bei solchen Ölen werden vom Hersteller oft Additive zugefügt, die Rückstände lösen. Bei älteren Motoren setzen sich Sedimente oft aber genau dort ab, wo ein wenig Material z.B. in einer Lagerschale abgetragen worden ist. Mit den festen Ablagerungen passt die Toleranz zwischen Pleuel und Pleuellager noch. Wenn die Ablagerungen aber gelöst werden, ist das Spiel etwas größer und führt zum stärkeren Verschleiß.

Wie oft sollte man das Öl wechseln?

Da Öl altert, muss es regelmäßig gewechselt werden. Entweder nach einer bestimmten Laufleistung oder bei Gelegenheitsfahrern nach einer bestimmten Zeit. Viele ältere Motorräder haben noch die 6.000-km-Intervalle, neuere Typen 10.000 km oder 12.000 km bzw. verlangen alle zwei Jahre nach einem Wechsel. Dabei sollte auch der Ölfilter getauscht werden.

Wie oft solltest Du Deinen Ölwechsel durchführen? Lieber zu oft als zu selten.

Falls das Wechselintervall für das Motoröl ohnehin fast erreicht ist, ist ein Ölwechsel vor der Winterpause durchaus sinnvoll. ­Älteres Öl verfügt nur noch über einen Teil des Korrosionsschutzes, den frisches Öl besitzt, das außerdem auch noch keine durch die Verbrennung entstandenen ­aggressiven Bestandteile enthält.

Ölstandskontrolle

Ebenso wichtig wie der Wechsel ist bereits die Ölstandskontrolle, denn nur ein korrekter Ölstand schützt vor Schäden. Schließlich ist der Ölverbrauch auch ein wichtiger Indikator für den Verschleißzustand des Motors.

Läuft der Motor mit zu wenig Öl, führt das zu erhöhtem Verschleiß in Er­mangelung ausreichender Schmierung bis hin zum Motorschaden. Im umgekehrten Fall, wenn zu viel Öl eingefüllt wurde, verliert der Motor Leistung, denn in diesem Fall bremst das Öl die bewegten Teile. Es kann dadurch schaumig werden und seine Schmierfähigkeit verlieren. Außerdem ­erhöht sich der Öldruck im Inneren des ­Motors und führt zu defekten Dichtungen oder gelangt über die Kurbelgehäuseentlüftung in den Luftfilter.

Der Ölstand ver­ändert sich, weil ein gewisser Ölverbrauch normal ist, er sollte aber nicht über 0,4 l bei wassergekühlten und 0,7 l auf 1000 km bei luftgekühlten Motorrädern liegen. In besonderen Fällen (z. B. durch Benzinver­dünnung) kann sich der Ölstand auch er­höhen. Regelmäßige Kontrolle ist deshalb unverzichtbar.

Gemessen wird der korrekte Ölstand bei warmem Motor (ca. 80 Grad), der fünf bis zehn Minuten stand, damit das Öl zurücklaufen konnte. Bei einem Motor mit drei Liter Ölinhalt kann der Unterschied zwischen kaltem und warmem Motor mehr als 100 cm³ betragen!

Die Ölstandskontrolle erfolgt mit einem Ölpeilstab oder am Ölschauglas.

Anleitung zur Prüfung des Ölstands:

  1. Motorrad auf eine waagerechte Fläche stellen.
  2. Motor warm laufen lassen. Das Öl verteilt sich dadurch und wird wärmer und flüssiger.
  3. Motor 10 bis 20 Minuten abkühlen lassen, damit das Öl zurück in den Ölsumpf fließt.
  4. Motorrad aufrichten oder auf den Hauptständer stellen.
  5. Ölstand nach Betriebsanleitung ablesen. z.B. darauf achten, ob der Peilstab eingesteckt oder eingedreht werden muss.

Die meisten Motorräder haben eine Nasssumpfschmierung, d. h. der Ölvorrat ist in der Ölwanne. Bei der Messung per Peilstab muss man wissen, ob der Peilstab nur aufgesetzt wird oder komplett eingedreht werden muss (Fahrerhandbuch beachten). Beim Ölschauglas hat man dieses Problem nicht. Bei beiden Arten muss die Maschine aber gerade stehen - nicht ganz einfach bei Motorrädern ohne Hauptständer.

Beim Peilstab kann man sich auf die Maschine setzen, beim Schauglas braucht man Yoga-Erfahrung oder eine zweite Person. Idealerweise sollte der Ölstand auf der halben bis drei viertel Strecke zwischen "min" und "max" liegen.

Aber Achtung: Je nach Modell/Bauart gibt es abweichende Vorgehensweisen bei der Kon­trolle (z. B. Prüfung auf dem Seitenständer etc.). Einige wenige Motorräder (z. B. BMW F 650) haben eine Trockensumpfschmierung. Das Öl befindet sich hier in einem separaten Tank, an dem sich dann auch meist der Peilstab befindet. Unbedingt die entsprechende Anleitung beachten!

Der Ölwechsel beim Motorrad ist wichtig und mit ein bisschen Vorbereitung gut selbst durchzuführen. Viel Spaß dabei!

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