Victor Koretzky sprintete beim Mountainbike-Testevent auf der Olympia-Strecke von 2024 in Elancourt vor den Toren von Paris über die letzte Welle und verwies Anton Cooper und Nino Schurter auf die Plätze.
Das Testevent in Elancourt
Mathieu van der Poel (Alpecin - Deceuninck) und Tom Pidcock (Ineos Grenadiers) belegten beim Mountainbike-Testevent auf der Olympia-Strecke von 2024 in Elancourt die Plätze 28 bzw. 36. Für van der Poel und Pidcock ging es in Elancourt aber auch gar nicht um das Ergebnis, sondern in erster Linie um die Möglichkeit, den Parcours des am 29. Juli 2024 dort ausgetragenen Olympia-Rennens genau unter die Lupe zu nehmen, um danach besser für die kommende Saison planen zu können.
Van der Poel war in Elancourt aus der letzten Startreihe des 39-köpfigen Fahrerfeldes ins Rennen gegangen und schaffte in der dritten der sechs 4,5 Kilometer langen Runden, vor denen noch eine 2,2 Kilometer lange Startrunde zu fahren war, den Anschluss an eine achtköpfige Verfolgergruppe hinter den vier da schon enteilten Spitzenreitern Koretzky, Cooper, Schurter und Jordan Sarrou (Frankreich).
Anschließend versuchte der Niederländer auch noch die Lücke nach vorn zu schließen, das gelang ihm aber nicht mehr und er fiel schließlich deutlich zurück. Die Schlussrunde absolvierte er mit seinem Alpecin-Deceuninck-Teamkollegen Samuel Gaze, der im August in Glasgow hinter Pidcock und vor Schurter sowie Koretzky Vize-Weltmeister geworden war und im Short Track sogar seinen WM-Titel verteidigen konnte.
Wie van der Poel und Pidcock war auch Gaze in Elancourt offensichtlich eher auf Erkundungstour, als auch Ergebnisjagd. Er kam vier Sekunden vor seinem niederländischen Teamkollegen schließlich als 27. ins Ziel.
"Ich bin froh, dass ich hergekommen bin und den Kurs sehen konnte. Und ich weiß jetzt, dass ich nächstes Jahr definitiv mehr Rennen auf dem Mountainbike fahren muss, um eine bessere Startposition zu bekommen. Ansonsten werde ich hier sicher nicht gewinnen. Ich wollte nach den Frühjahrsklassikern sowieso zwei fahren, aber es wird noch ein paar mehr brauchen.
Ergebnisse des Testrennens
Koretzky verwies den Neuseeländer Anton Cooper (+ 0:01 Minuten) und die Schweizer MTB-Legende Nino Schurter (+ 0:04) auf die Plätze zwei und drei.
Luca Schwarzbauer (+ 1:46) kam als 13. zwei Sekunden vor dem Österreicher Maximilian Foidl ins Ziel. Julian Schelb (+ 2:05) landete als zweiter deutscher Starter auf dem 19.
Die Bedeutung des Rennkurses
Dieses Testevent wird für van der Poel auch für die gesamte Saisonplanung im nächsten Jahr sehr wichtig.
"Erst nach diesem Wochenende werden wir wissen, wie dieser Kurs aussieht und welche Pläne wir machen können", erklärte der niederländische MTB-Nationaltrainer Gerben De Knegt im Gespräch mit wielerflits.nl. "Es gibt in Elancourt einen 250 Meter hohen Hügel, der ihnen viele Möglichkeiten bietet. Es kann sich um einen Kletterkurs mit zwei langen Anstiegen oder auch einen Intervallkurs mit mehreren kurzen Anstiegen handeln", so De Knegt.
"Möglicherweise denkt Mathieu nach Sonntag ganz anders über seine Mountainbike-Ambitionen in Paris. Eigentlich will van der Poel bei den Olympischen Spielen im kommenden Sommer sowohl auf dem Mountainbike als auch im Straßenrennen um Gold fahren - und der Straßenkurs dürfte dem Weltmeister in jedem Fall liegen.
"Eine ideale Vorbereitung wäre für mich ohne die Tour de France, oder wenn er sie nur bis zum ersten Ruhetag fährt", so der Coach. "Denn Moutainbiken erfordert eine spezifische Vorbereitung. Tom Pidcock wird sich ganz auf das Mountainbiken konzentrieren und das ist ein harter Gegner für ihn. Die Tour de France endet im kommenden Jahr nur acht Tage vor dem MTB-Olympiarennen. Die Umstellungszeit wäre, wenn van der Poel die Frankreich-Rundfahrt komplett fährt, sehr knapp.
"Es steht und fällt mit dem, was Mathieu selbst will. Das Olympische Straßenrennen ist für den 3. August geplant und der Parcours dort kommt van der Poel mit einer harten Runde über den Montmartre sehr entgegen. Der niederländische Straßen-Nationaltrainer Kos Moerenhout gab gegenüber wielerflits.nl aber zu bedenken: "Mir wurde von Experten gesagt, dass die Kombination aus Mountainbike und Straße schwieriger sei, als umgekehrt. Eine Rolle könnte bei der Entscheidung auch spielen, wie unberechenbar das Olympische Straßenrennen 2024 werden wird. Erstmals stehen dort nämlich nur 90 Athleten am Start und die Teams bestehen aus maximal vier Fahrern - für die besten Teams der Welt.
Olympia 2024: Die Favoriten
Bei Olympia starten nicht die 36 Besten der Weltrangliste, sondern die Besten eines Landes, die sich in komplizierten Verfahren zwei Jahre lang für ein oder eben zwei Tickets qualifizieren können. Die besten acht Länder erhalten am Ende für Olympia zwei Startplätze und die Länder auf den Plätzen 9 bis 19 dürfen einen Fahrer/in nominieren.
Top-Favoriten der Herren
- Tom Pidcock: Im Gegensatz zu Mathieu van der Poel wird der Brite beim Cross-Country-Rennen in Paris an den Start gehen. Schließlich hat der Olympia-Sieger von Tokio 2021 einen Titel zu verteidigen.
- Nino Schurter: “The GOAT” (Greatest of all times), wie der mittlerweile 38-Jährige im Worldcup-Zirkus genannt wird. Wer Nino kennt, weiß: Der Schweizer trainiert mit Focus. Wenn er Olympia im Visier hat, tritt alles andere in den Hintergrund. Er wird kommenden Montag auf den Punkt genau topfit am Start stehen.
- Mathias Flückiger: Der 35-Jährige wurde vom Dopingverdacht unlängst freigesprochen und will es jetzt noch mal wissen. Kaum ein anderer Fahrer konnte Thomas Pidcock auf den vergangenen Worldcup-Rennen so am Hinterrad kleben wie er.
- Victor Koretzky und Jordan Sarrou: Beiden ist eine Medaille in Paris zuzutrauen. Ähnlich wie Nino Schurter haben sie sich dieses Jahr speziell auf die Olympischen Spiele fokussiert.
- Alan Heatherly: Heiß gehandelt wird auch der Südafrikaner Heatherly, der derzeit die Weltrangliste anführt und zuletzt starke Rennform zeigte.
- Luca Schwarzbauer: Seine Paradedisziplin Short-Track ist leider nicht olympisch. Aber auch bei den Cross-Country-Wettbewerben hat Luca schon ganz vorne mitgemischt.
Deutsche Teilnehmer
- Luca Schwarzbauer (Weltrangliste Nr. 4)
- Julian Schelb
Die Ausrüstung
Auch Bikes ohne elektronische Schaltung können Olympia-Gold holen!
Elektronische Schaltungen und Fahrwerke sind das Maß aller Dinge? Das stimmt im olympischen Kontext nur bedingt: Vier der sechs Medaillenträgerinnen waren auf einer mechanischen Shimano XTR unterwegs. Nur Haley Batten und Victory Koretzky (Specialized Racing) setzten auf eine Sram XX SL Transmission, die elektronisch die Gänge wechselt.
Olympiasieger Thomas Pidcock setzte auf das elektronisch geregelte SR-Suntour-Fahrwerk. Auch die Silbermedaille im Damenrennen ging an ein solches “Wunderfahrwerk”, das Rock Shox Flight Attendant System bzw. Haley Batten. Spannend: Victor Koretzky setzte indes auf einen mechanischen Lockout an seiner Rock-Shox-SID, entschied sich also bewusst gegen das elektronische Flight Attendant seines Sponsors.
Komplett “manuell” waren die zwei Bronzeplatzierten unterwegs: Jenny Risveds und Alan Hatherly aktivierten im großen Rennen in Paris ihre Fox-Dropperpost mit einem Seilzug, ebenso das Fox-Fahrwerk. Ebenso wurde bei beiden mit der Shimano XTR mechanisch geschaltet. Die Radwahl fiel bei Rissveds aufs Ibis Exie, Haterly setzte auf das Cannondale Scalpel.
Innovative Materialien for the win: Der Cross-Country-Sport ist für den Radsport das, was die Formel 1 für den Motorsport ist. So sind die Laufräder des mit zwei Silbermedaillen dekorierten Specialized-Racing-Teams, der Roval Control SL Team, aus Carbon gefertigt. Das Ineos-Grenadiers-Team, welches mit Ferrand-Prévot und Pidcock beide Goldmedaillen absahnte, setzt bei der Speichentechnologie gar auf Berd-Spokes, die aus Textil gefertigt sind. Die Vectran-Speichen werden nur auf Zug belastet und wiegen einen Bruchteil einer normalen Aluminiumspeiche - ergo sind Laufradgewichte um 1000 Gramm möglich.
Die Strecke
Austragungsort der olympischen Cross Country-Rennen wird der 231 Meter hohe Hügel Élancourt nahe der Stadt Saint-Quentin-en-Yvelines, 40 Kilometer südwestlich von Paris, sein. Es ist die höchste Erhebung der Region.
Nino Schurter zeigte sich nach einem ersten Testrennen im vergangenen Herbst wenig begeistert von dem Kurs, der zu 98 Prozent auf bereits vorhandenen Spazierwegen verläuft: “Ich hoffe, dass es kein Gravelkurs bleibt.”
MTBs für Hobby-Athleten, Marathon-Fans und Olympia
Cross-Country-Mountainbikes vereinen Geschwindigkeit, Effizienz und Präzision wie keine zweite MTB-Gattung! Sowohl ambitionierte Hobby-Athleten, Rennfahrer als auch für lactathaltige Hausrunden sind die mittlerweile mit 120-mm-Gabeln ausgestatteten Leichtkraftbikes zu haben.
Modelle für 2024/2025
- KTM Scarp
- Pinarello Dogma XC
- Ghost Lector
- Cannondale Scalpel
- Yeti ASR
- Specialized Epic 8 / Evo
- Liv Pique Advanced
Reifenwahl ist Medaillen-entscheidend
Bei all den Hightech-Parts, die an den Rennmaschinen der Fahrerinnen und Fahrern zum Einsatz kamen, ist es fast schon bizarr, dass ein eher „einfaches“ Bauteil teils über Medaillen-Platzierungen entschied: der Reifen!
Defektstatistik
- Maxxis: Hinterreifen-Defekt bei Puck Pieterse (NED)
- Continental: Vorderrad-Defekt bei Thomas Pidcock (UK)
- Specialized: Haley Batten, vermutlich Hinterreifen-Defekt (USA)
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