Olympische Spiele: Regeln und Disziplinen im Bahnradsport

In den vergangenen Monaten war der Bahnradsport in Deutschland verhältnismäßig häufig ein Thema in der Öffentlichkeit. Mit Kristina Vogel war eine der weltweit erfolgreichsten Bahnradsportlerinnen am 26. Juni 2018 so schwer gestürzt, dass sie seitdem querschnittsgelähmt im Rollstuhl sitzt. Ihr beeindruckender Umgang damit und ihr Kampf darum, trotzdem ein normales und selbstbestimmtes Leben zu führen, berühren seitdem viele Menschen auch abseits des Bahnradsports.

Doch welche Sportart ist das überhaupt, die Kristina Vogel jahrelang so erfolgreich ausgeübt hat und in der Deutschland traditionell eine der erfolgreichsten Nationen überhaupt ist? Kurz zusammengefasst, ist Bahnradsport ein Radrennsport für Männer und Frauen, der auf einer speziellen Bahn, bestehend aus unterschiedlichen Materialien wie zum Beispiel Zement oder Holz und mit überhöhten Kurven ausgetragen wird. Die Längen der Bahnen variieren heute zwischen 200 und 500 Metern.

Bahnradsport ist eine Sportart mit einer langen Geschichte. Bereits am 31. Mai 1868 wurde im Park von Saint-Cloud in Paris das erste Bahnrennen in Form einer Art Flieger- oder Sprinterrennen über eine Distanz von 1.200 Metern auf einer Erdbahn mit leicht erhöhten Kurven ausgetragen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden in den USA und Europa immer mehr Radrennbahnen gebaut. In Deutschland errichtete der „Münchner Velociped-Club“ die erste Bahn mit einer Länge von insgesamt 333 Metern. Das erste Rennen dort fand am 26. Juni 1880 statt.

Etwas mehr als ein Jahr später, am 31. Juli 1881, veranstaltete dieser Münchner Club das erste Bahnrennen in Deutschland, bei dem auch ausländische Fahrer an den Start gingen. Zu dieser Zeit bildeten sich überall in Europa nationale Verbände. In Deutschland kam es 1884 zur Gründung des „Deutschen Radfahrer Bundes“, der sich 1919 in den heutigen „Bund Deutscher Radfahrer“ umbenannte.

Im Jahr 1893 fand die erste Weltmeisterschaft der Amateur-Steher und -Sprinter in Chicago statt. Auf einer neuen Asphaltbahn in Köln wurden 1895 die ersten Weltmeisterschaften der Profis ausgetragen. 1896 stand der Bahnradsport auf dem Programm der I. Olympischen Spiele in Athen. Die Bahnlängen lagen damals in der Regel zwischen 250 und 666 2/3 Metern auf Sommerbahnen und 115 bis 200 Metern auf Winterbahnen.

Der Belag der Sommerbahnen bestand zunächst aus Makadam, später dann aus Asphalt. Die Winterbahnen wurden relativ schnell aus Holz gebaut. Deutschland entwickelte sich in jener Zeit zur führenden Nation, was den Bau von Radrennbahnen betraf. Vor allem das Münsteraner Architektenbüro Schürmann spezialisierte sich auf die Konstruktion von Holzbahnen.

Clemens Schürmann war in den 1920er Jahren selbst ein erfolgreicher Bahnradsportler und galt nach dem Ende seiner Karriere bald als Experte für den Bau moderner Radrennbahnen. Er war es auch, der die hohe Kurvenlage zum Standard machte, obwohl dies anfangs noch Kritik bei vielen Experten hervorrief. Auch heute noch zählt das Architektenbüro Schürmann im Bahnradsport zu den führenden der Welt.

Bereits bei den ersten modernen Olympischen Spielen 1896 in Athen gehörten Disziplinen des Bahnradsports zum olympischen Programm, womit der Bahnradsport eine der wenigen Sportarten ist, die von Anfang an bis heute zu den Olympischen Spielen gehört. Allerdings war der olympische Bahnradsport zunächst ausschließlich den Männern vorbehalten. Erst bei den Olympischen Spielen in Seoul 1988 durften mit dem Bahn-Sprint erstmals auch Frauen eine Disziplin des Bahnradsports bestreiten. 1992 folgte in Barcelona die Bahn-Verfolgung.

Bei den Olympischen Spielen in Atlanta 1996 kamen weitere Disziplinen dazu und bei den Frauen fanden erstmals Wettkämpfe im Punktefahren statt. Bei den Olympischen Spielen in Sydney im Jahr 2000 wurde erstmals das 500 Meter-Zeitfahren der Frauen ausgetragen und bei den Männern kamen die moderneren Disziplinen Keirin, Madison sowie Olympischer Sprint dazu.

Olympische Disziplinen im Detail

Mit Ausnahme der olympischen Spiele 1912 war bislang der Bahnradsport bei jeder Olympia-Austragung dabei. Gewandelt haben sich dabei regelmäßig die Disziplinen. Während 1896 sogar ein 12-Stunden-Rennen auf der Bahn abgehandelt wurde, gibt es mittlerweile sechs deutlich kürzere Bahnrad-Disziplinen für Frauen und Männer.

Die olympischen Disziplinen sind Sprintrennen, Verfolgungsrennen, Punktefahren, Zeitfahren, Keirin, Olympischer Sprint und Madison. Auf den zuvor absolvierten Bahnen werden Positionskämpfe ausgetragen.

Sprint

Der Sprint ist die älteste Disziplin im Bahnradsport. Die gesamte Strecke eines Sprintrennens beträgt in der Regel lediglich zwischen 750 und 1.000 Metern. Besonders beliebt sind die Sprintrennen vor allem aufgrund des gegenseitigen Belauerns der Fahrer. Teilweise stehen die Fahrer dabei beinahe mitten auf der Bahn, dürfen den Fuß aber nicht aufsetzen. Erlaubt sind maximal 30 Sekunden, in denen so verharrt werden darf. Derjenige, der zuerst den Sprint eröffnet, befindet sich tendenziell im Nachteil, da sich so der Gegner zunächst in den Windschatten setzen und später aus diesem heraus kontern kann. Der richtigen Taktik kommt daher im Sprint die womöglich größte Bedeutung zu.

Sprintrennen werden in Turnierform ausgetragen. Die Läufe der ersten Runden werden über eine vorgeschaltete Zeitqualifikation zusammengestellt. Der schnellste Fahrer der Qualifikation fährt gegen den langsamsten, der zweitschnellste Fahrer gegen den zweitlangsamste usw. In den ersten Runden haben unterlegene Fahrer zudem noch eine weitere Chance im sogenannten Hoffnungslauf.

Ab dem Viertelfinale werden die Sieger dann in jeweils zwei Läufen ermittelt. Der siegreiche Fahrer kommt eine Runde weiter, der unterlegene scheidet aus. Beim Sprint treten drei bzw. im Finale zwei einzelne Fahrer gegeneinander an. Gefahren werden dabei wie im Teamsprint drei Runden. Die drei bzw. zwei Fahrer starten von der gleichen Startlinie, sodass am Ende der Fahrer gewinnt, der vor seiner Konkurrenz im Ziel ist. Ausgetragen werden dabei maximal drei Rennen, der endgültige Sieger muss also im Finale zwei Sprints für sich entscheiden.

Olympischer Sprint (Teamsprint)

Der Olympische Sprint, auch Teamsprint genannt, ist ein Verfolgungsrennen, bei dem zwei Teams aus jeweils drei Fahrern auf den gegenüberliegenden Seiten starten. Jedes dieser Fahrer führt sein Team über eine Runde an, danach schert er nach rechts aus, verlässt die Bahn und der Fahrer hinter ihm übernimmt die Führung. Am Ende ist pro Team nur noch ein Fahrer auf der Strecke. Gelingt es einem Team, das andere einzuholen, hat es gewonnen. Gelingt dies keinem der beiden Teams, hat das gewonnen, das die drei Runden am schnellsten zurückgelegt hat.

Der Olympische Sprint ist noch eine relativ junge Disziplin des Bahnradsports. Offizielle Titel in dieser Kurzzeit-Mannschaftssportart wurden erst 1995 bei den Weltmeisterschaften erstmals vergeben. Der Olympische Sprint wird immer in Turnierform ausgetragen. In den Ausscheidungsläufen qualifizieren sich die acht besten Mannschaften für die zweite Runde, in der das schnellste Team gegen das achtschnellste, das zweitschnellste gegen das siebtschnellste usw. antritt. Die vier Siegermannschaften bestreiten schließlich das Finale. Hier kämpfen die beiden besten Teams aus der zweiten Runde um Platz eins und zwei und die beiden nächstplatzierten Teams um die Plätze drei und vier.

Beim Teamsprint treten zwei Nationen gegeneinander an, die auf der jeweils gegenüberliegenden Geraden starten. Jedes Team besteht aus drei Fahrern bei den Männern, bei den Frauen aus zwei Fahrerinnen, insgesamt werden drei bzw. zwei Runden à 250 Meter absolviert. Nach jeder Runde scheidet jeweils der vorderste Fahrer aus, sodass am Ende nur ein Fahrer über die Ziellinie kommt. Wer dabei die schnellste Zeit hat, gewinnt das Rennen.

Zeitfahren

Beim Zeitfahren ist es das Ziel, eine festgesetzte Strecke in möglichst kurzer Zeit zu bewältigen. Gefahren wird ausschließlich gegen die Uhr und nicht gegen einen direkten Konkurrenten. Gestartet wird in Abständen von einer Minute. Bei den Männern beträgt die Strecke eines Zeitfahrens insgesamt 1.000 Meter, bei den Frauen 500 m.

Das Zeitfahren stellt die einzige Bahnradsport-Disziplin ohne Qualifikation sowie Vor- und Zwischenläufe dar. Taktik oder Krafteinteilung spielen nahezu keine Rolle. Es geht nur darum, nach dem stehenden Start so schnell wie möglich die Maximalgeschwindigkeit zu erreichen und diese dann bis zum Ende durchzuhalten.

Keirin

Beim Keirin fahren auf einer Strecke von etwa 2.000 Metern immer maximal neun Fahrer während der ersten drei bis vier Runden hinter einem sogenannten Schrittmacher her und tragen dabei Positionskämpfe aus. Etwa 600 Meter vor dem Ziel fährt der Schrittmacher von der Bahn und der Finalkampf beginnt. Am Ende erfolgt der Endspurt. Anders als beim Sprint ist beim Keirin sogar Körpereinsatz erlaubt, solange die Hände am Lenker bleiben.

Keirin ist im Vergleich zu den anderen Disziplinen noch relativ neu. Entstanden ist die Disziplin nach dem 2. Weltkrieg in Japan. Je nachdem, wie hoch die Anzahl der Teilnehmer ist, werden zunächst Vorrunden bis zu einem Halbfinale gefahren, aus denen sich eine vorher festgelegte Anzahl an Fahrern für die nächste Runde qualifiziert. Nach den Vorläufen gibt es für die Unterlegenen eine weitere Chance in Hoffnungsläufen.

Der “Kampfsprint” aus Japan besteht aus acht Runden im Velodrome à 250 Meter, die von sechs Fahrern bewältigt werden müssen. Dabei fährt ein Schrittmacher vornweg, das so genannte “Derny”, das nicht überholt werden darf. Dieses ist motorisiert angetrieben und beschleunigt das Rennen von circa 30 auf 50 km/h. 2,5 Runden vor Schluss verlässt das Derny die Bahn und der Sprint ist eröffnet. Immer wieder kommt es beim Keirin zu Körperkontakt und Stürzen, weshalb es den Beinamen “Kampfsprint” trägt.

Verfolgungsrennen

Verfolgungsrennen starten immer an den gegenüberliegenden Geraden der Bahn. Das Ziel ist es, den gegnerischen Fahrer irgendwann einzuholen. Wenn dies - wie in den meisten Fällen - keinem der beiden Fahrer gelingt, gewinnt derjenige mit der schnellsten Zeit. Die Distanz der Verfolgungsrennen bei den Männern beträgt insgesamt 4.000 Meter und bei den Frauen 3.000 Meter.

Mannschaftsverfolgung

Die Mannschaftsverfolgung funktioniert nach denselben Regeln wie die Einzel-Verfolgungsrennen. Eine Mannschaft besteht aus insgesamt vier Fahrern, allerdings werden nur die besten drei gewertet. Die Mannschaftsverfolgung ist eine Disziplin, die bereits 1908 zum ersten Mal zum Programm der Olympischen Spiele gehörte, allerdings lange Zeit den Männern vorbehalten war.

Die Mannschaftsverfolgung gilt als Königsdisziplin im Bahnradsport. Entscheidend für den Erfolg ist, dass alle vier Fahrer hervorragend miteinander harmonieren. Die Fahrer eines Bahnvierers müssen nicht nur individuell sehr stark sein, sondern auch dazu in der Lage sein, extrem nah am Hinterrad des Vordermanns fahren zu können, um dessen Windschatten optimal nutzen zu können. Aber auch die Ablösungen jeweils in den Kurven nach einer halben oder ganzen Runde setzen ein hohes Maß an technischem Können voraus.

Gefahren wird die Mannschaftsverfolgung wie die Einer-Verfolgung in Turnierform. Wie beim Teamsprint treten bei der Mannschaftsverfolgung immer zwei Teams gegeneinander an, die an den gegenüberliegenden Geraden starten. Eine Mannschaft besteht dabei aus vier Fahrern. Ziel ist es, die Distanz von 4000 Metern in einer möglichst kurzen Zeit zu absolvieren, wobei die Zeit des dritten Fahrers einer Mannschaft im Ziel gemessen wird. Ein Fahrer darf also während des Rennens ausscheiden. Die Mannschaftsverfolgung ist im Vergleich zu den vorausgegangenen Disziplinen mehr auf Ausdauer ausgelegt.

Punktefahren

Das Ziel beim Punktefahren ist es, möglichst viele Punkte einzufahren, die für eine oder mehrere Runden vergeben werden. Der Fahrer mit den meisten Punkten ist am Ende der Sieger. Bei den Männern beträgt die Distanz beim Punktefahren insgesamt 40 Kilometer, bei den Frauen 25 Kilometer. Gestartet wird beim Punktefahren immer mit einem fliegenden Massenstart. Der Sieger der Punktewertung erhält fünf Punkte, der Zweitplatzierte drei, der Drittplatzierte zwei und der Viertplatzierte einen Punkt. Zur Halbzeit- und Schluss-Wertung wird die doppelte Punktzahl vergeben. Gelingen einem oder mehreren Fahrern Überrundungen, gibt es insgesamt 20 Punkte, außerdem zählen Rundengewinne vor Punktgewinne. Sind zwei oder mehr Fahrer am Schluss runden- und punktgleich, zählt die Anzahl der gewonnenen Wertungen. Sind diese ebenfalls gleich, entscheidet die bessere Platzierung in der Schlusswertung.

Madison

Madison hat seine Ursprünge bei den Sechstagerennen, die 1899 zum ersten Mal in New York im „Madison Square Garden“ ausgerichtet wurden. Die Strecke beim Madison beträgt immer 50 Kilometer. Beim Madison findet ein Rennen zwischen mehreren Mannschaften statt, die aus zwei Fahrern pro Team bestehen. Es befindet sich allerdings immer nur jeweils ein Fahrer des Teams auf der Bahn. Wann und wie oft gewechselt wird, können die Teams selbst entscheiden, in der Regel wird allerdings nach eineinhalb Runden gewechselt. Die Wertung orientiert sich an der beim Punktefahren. Gewonnen hat demnach das Team, das am Ende auf den einzelnen Runden die meisten Punkte gesammelt hat. Der Fahrer, der sich ablösen lässt, zieht seinen Teamkollegen zunächst kurz mit und stößt bzw. Madison ist eine noch recht junge Disziplin des Bahnradsports. Erst im Jahr 1995 nahm die UCI Madison ins Programm der Weltmeisterschaften auf der Bahn mit auf.

Beim Madison müssen Zweierteams bei den Männern eine Distanz von 50 Kilometern - also 200 Runden -, bei den Frauen 30 Kilometer - 120 Runden - zurückgelegt werden. Die volle Distanz müssen beide Fahrer nicht bewältigen, sie wechseln sich ab und dürfen sich über den so genannten “Schleudergriff” ablösen. Alle 10 Runden gibt es dabei Zwischensprints, bei denen je nach Positionierung unterschiedlich viele Punkte vergeben werden. Auf der letzten Runde kann sogar die doppelte Punktzahl eingesammelt werden. Am Ende gewinnt das Team, das unterwegs die meisten Punkte insgesamt gesammelt hat.

Omnium

Das Omnium ist vermutlich die komplexeste Disziplin des Bahnradsports. Wer hier erfolgreich sein will, muss ein sehr kompletter Fahrer sein. Das Omnium umfasst mit dem Sprintrennen über 250 Meter mit fliegendem Start, dem Punktefahren, dem Ausscheidungsfahren, der Einer-Verfolgung, dem Scratchrennen und dem Zeitfahren insgesamt sechs Disziplinen. Bei den einzelnen Rennen werden die jeweiligen Platzierungen gezählt und am Ende zusammen addiert.

Das Omnium wird an einem Tag abgehalten und hat das Ziel, so viele Punkte wie möglich zu sammeln. Eine Nation darf einen Fahrer stellen, der folgende vier Disziplinen absolvieren muss:

  • Scratch:Männer legen beim Scratch 15 Kilometer, Frauen 10 Kilometer zurück. Gestartet wird in einem Massenstart. Sieger ist, wer als Erster die Ziellinie überquert. Wer vom Hauptfeld überrundet wird, muss das Rennen verlassen.
  • Temporennen:Beim Temporennen legen die Männer 10 Kilometer, die Frauen 7,5 Kilometer zurück. Nach einem Massenstart bekommt der Führende nach jeder zehnten Runde einen Punkt. 20 Punkte gibt es zudem für den Fahrer, der den Rest des Feldes überrundet. Sieger ist am Ende, wer die meisten Punkte gesammelt hat.
  • Ausscheidungsfahren:Das Ausscheidungsfahren beginnt mit einem Massenstart, ehe alle zwei Runden ein Sprintwertung folgt, bei der der jeweils letzte Fahrer ausscheidet. Maßgeblich für das Ausscheiden ist das Hinterrad. Sind nur noch zwei Fahrer übrig, entscheidet im direkten Duell das Vorderrad.
  • Punktefahren:Das Punktefahren ist für Männer 25, für Frauen 20 Kilometer lang. Nach jeder zehnten Runde werden hier für die ersten vier Fahrer 5, 3, 2 und 1 Punkt erhalten.

Weitere Bahnradsportdisziplinen

Bei Scratch-Rennen starten alle Fahrer gleichzeitig. Bei Ausscheidungsfahren scheidet in vorher festgelegten Abständen jeweils der letzte Fahrer nach dem Überfahren der Ziellinie aus und wird aus dem Rennen genommen.

Steherrennen

Steherennen galten früher bei vielen Zuschauern als attraktivste Disziplin des Bahnradsports. Inzwischen gibt es allerdings kaum noch Steherrennen und ihre Zahl nimmt immer weiter ab. Bei Steherrennen fahren insgesamt acht Fahrer, die „Steher“, insgesamt 50 Kilometer oder 100 Kilometer hinter jeweils einem speziellen Motorrad, dem sogenannten Schrittmacher (Derny), im Windschatten her. Der Fahrer des Schrittmachers sitzt nicht, sondern steht auf Fußrasten, um so dem Fahrer hinter ihm einen größeren Windschatten zu geben. Das Motorrad, das er fährt, besitzt keine Kette, sondern wird von einer Kardanwelle angetrieben. Der Lenker ist zudem so weit nach hinten gezogen, dass seine Griffe erst seitlich der Oberschenkel des Schrittmachers enden. Der Fahrer im Windschatten wird mit einer Abstandsrolle auf Distanz gehalten, die verhindert, dass der Fahrer dem Schrittmacher auffährt. Fährt der Steher gegen die Rolle, dreht sich diese einfach. Grundsätzlich versucht der Fahrer immer, so nah wie möglich hinter der Abstandsrolle zu fahren, um so möglichst viel Windschatten zu bekommen. Ist der Schrittmacher zu schnell, sodass der Raum zwischen Abstandsrolle und Steher zu groß wird, ist er „von der Rolle“. Schrittmacher und Steher müssen daher sehr gut aufeinander abgestimmt sein. Gewonnen hat schließlich der Steher, der die zuvor festgelegte Strecke am schnellsten zurückgelegt hat.

Veranstaltungsort der Bahnradsportwettkämpfe bei den Olympischen Spielen

Die Wettkämpfe finden im Vélodrome Saint-Quentin-en-Yvelines statt. Die Halle kann auch für andere Sportarten genutzt werden. Schon 2014 wurde das Stadion für die Olympischen Spiele gebaut. Seitdem nutzen es verschiedene französische Teams.

Zeitplan der Bahnradsportwettkämpfe

Die Wettkämpfe starten am 5. August um 17 Uhr mit dem Damenteamsprint. In dieser Disziplin finden auch am selben Tag bereits die ersten Kämpfe um Medaillen statt um 19:46 Uhr. Am ersten Tag finden fünf Wettkämpfe statt. Am 6. August starten die Wettkämpfe um 17:30 Uhr mit der Damen Teamverfolgung. Am 7. August finden zwölf Wettkämpfe ab 12:45 Uhr (Herren Sprint) statt. Die ersten Medaillen gibt es an diesem Tag für die Teamverfolgung der Herren (Start: 18:04 Uhr). Für die Teamverfolgung der Damen gibt es an dem Tag ebenfalls Medaillen (Start: 18:57 Uhr). Am 8. August starten die Wettkämpfe um 17 Uhr mit dem Herren Omnium. Neun Wettkämpfe starten an diesem Tag. Die Medaillen-Wettkämpfe an diesem Tag starten um 19:01 Uhr im Damen Keirin und um 19:27 Uhr im Herren Omnium. Acht Wettkämpfe finden am 9. August statt. Start ist um 14 Uhr mit dem Damensprint. Um 18 Uhr starten an diesem Tag die ersten Medaillen-Wettkämpfe im Herrensprint. Um 18:09 Uhr folgt das Finale im Damen Madison. Um 17 Uhr starten die Wettkämpfe im Damensprint am 10. August. Am 11. August ist der letzte Wettkampftag der Bahnradwettkämpfe. Um 11 Uhr starten diese mit dem Damen Omnium. Um 12:45 Uhr beginnt dann der erste Medaillen-Wettkampf des Tages mit dem Finale des Damensprints. Um 13:23 Uhr folgt das Finale im Herren Keirin. Zuletzt wird das Finale im Damen Omnium um 13:56 Uhr ausgetragen.

Deutsche Athleten im Bahnradsport bei den Olympischen Spielen

Stefan Bötticher war bereits bei den Olympischen Spielen in Tokyo dabei. Bei den Weltmeisterschaften 2021 holte er den dritten Platz im Mannschaftssprint. Franziska Brauße konnte bei den Europameisterschaften 2023 auf Platz eins bei der Einzelverfolgung fahren. Auch in Tokio startete sie bereits bei Olympia. Tobias Buck-Gramcko holte einen dritten Platz bei den Europameisterschaften 2023 in der Disziplin Einzelverfolgung. Maximilian Dörnbach startet in Paris im Teamsprint. Er holte bei den Weltmeisterschaften 2023 zwei fünfte Plätze. Lea Sophie Friedrich war bereits in Tokio und holte dort den zweiten Platz im Mannschaftssprint. In Paris fährt sie beim Sprint mit. Pauline Grabosch holte sich den ersten Platz im Mannschaftssprint bei den Weltmeisterschaften 2023. Emma Hinze war in Tokio dabei und holte neben einem vierten (Sprint) und einem siebten (Keirin) Platz auch den zweiten Platz im Mannschaftssprint. 2023 holte sie den ersten Platz bei den Weltmeisterschaften im 500-Meter-Zeitfahren. Lisa Klein startet in Paris bei der Teamverfolgung. Roger Kluge nominierte sich seit den Olympischen Spielen 2008 in Beijing auch für alle folgenden Spiele. In Beijing holte er den zweiten Platz beim Punktefahren. In London 2012 fuhr er auf Platz vier im Omnium in Rio de Janeiro 2016 in der gleichen Disziplin auf Platz sechs. In Tokio holte er zwei Mal den neunten Platz (Omnium und Zweier-Mannschaft) und einen sechsten Platz (Mannschaftsverfolgung). Den ersten Platz in Zweier-Mannschaft-Wettkampf bei den Europameisterschaften 2023 holte er ebenfalls. Mieke Kröger holte in Rio de Janeiro 2016 den neunten Platz bei der Mannschaftsverfolgung und in Tokio 2021 schon den ersten Platz in dieser Disziplin. Bei den Europameisterschaften holte sie mehrere dritte Plätze. Theo Reinhardt startet in Paris bei der Teamverfolgung. Bei den Olympischen Spielen 2016 kam er beim Mannschaftsfahren auf den fünften Platz. In Tokio waren ein sechter (Mannschaftsverfolgung) und ein neunter (Zweier-Mannschaft) Platz drin. Lena Charlotte Reißner bei den Europameisterschaften (Madison Zweier-Mannschaft) und den Weltmeisterschaften (Mannschaftsverfolgung) 2023 holte sie jeweils den siebten Platz. Luca Spiegel bei den Olympischen Spielen in Paris startet er im Teamsprint. Laura Süßemilch konnte sich auch schon für Tokio qualifizieren. Bei den Weltmeisterschaften 2021 holte sie Platz eins bei der Mannschaftsverfolgung. Tim Torn Teutenberg konnte bei den Europameisterschaften in Grenchen und Anadia den ersten Platz im Ausscheidungsrennen holen. In Anadia kam zusätzlich ein erster Platz im Omnium hinzu.

Übertragung der Wettkämpfe

Im Free-TV und kostenlosen Livestream des öffentlich-rechtlichen Fernsehens sind die Olympischen Spiele zu sehen. ARD und ZDF haben Sublizenzen von dem Rechteinhaber Discovery erworben. Eurosport und Discovery+ übertragen die Wettkämpfe um Gold, Silber und Bronze live im Free-TV und im Livestream.

Tickets für die Bahnradsportwettkämpfe

Aktuell gibt es für die Bahnradsport-Wettkämpfe auf der offiziellen Seite der Olympischen Spiele keine Tickets zu kaufen. Für andere Sportarten sind noch Karten erhältlich. Preise von über 100 Euro und mehr sind allerdings keine Seltenheit. Doch jeden Donnerstag um zehn Uhr kommen neue Tickets in den Verkauf und bieten erneut die Möglichkeit, einen Platz zu ergattern.

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